Die große Greina-Runde

Sehr beliebte Wanderrunde am Alpenhauptkamm, teilweise Werkstraßen bzw. Fahrwege. Wegen der Länge der Tour ist eine ordentliche Kondition wichtig; für den Abstieg evtl. Teleskopstöcke. (Autor: Eugen E. Hüsler)
25 km
1150 m
7.00 h
Die große Runde startet in Ghirone, führt zunächst durch den Weiler Cozzera (1303 m) und dahinter leicht steigend im Wald zur Luzzone-Werkstraße. Deren weit ausholende Kehren lassen sich abkürzen (z.T. sehr steil); ein kurzer Tunnel leitet schließlich auf die Krone der konkav gebogenen Staumauer (1592 m; 1 Std.) Jenseits geht's gleich wieder in den Berg; das rund 500 Meter lange Loch ist freundlicherweise beleuchtet. Weiter zunächst auf der Sandstraße, dann auf einem Fußweg um das obere Ende des Lago di Luzzone herum und etwas ausgesetzt durch die beklemmend enge Garzora-Schlucht. Dahinter über den Bach und an den licht bewaldeten steilen Hängen bergan. Von einer grasigen Kuppe (1911 m) über steilen Felsen bietet sich ein hübscher Rückblick auf den ins Grün gebetteten Stausee (Rastplatz).
Gleich danach quert der Weg erneut ein Rinnsal, ehe er in ein paar Schleifen zur Capanna Motterascio (2172 m; 3 Std.) hinaufklettert.
Der Weiterweg in die Greina führt – zunächst noch ansteigend – über die ausgedehnte, teilweise sumpfige Alpe di Motterascio. Am Crap la Crusch (Kreuzstein, 2259 m) öffnet sich vor dem Wanderer die weite, nördlich vom Piz Vial (3168 m) überragte Greina-Hochfläche. Über die steinigen Almwiesen geht es kurz abwärts zum Rein da Sumvitg, dessen Quellbäche sich teilweise tief in den gerölligen Untergrund gegraben haben, dann links in sanftem Anstieg zum Passo della Greina (Pass Crap, 2357 m; 4:45 Std.) inmitten einer archaisch-wilden Szenerie. Hier bietet sich ein packender Blick auf die Ostabstürze der Cima di Camadra (3172 m) und des Piz Medel (3211 m).
Der Abstieg führt zunächst über Geröll (bis in den Sommer auch Schnee) in dem west-ost gerichteten Hochtal zum Rifugio Scaletta (2205 m), das wie ein Adlerhorst auf einer felsigen Kuppe über der Val Camadra thront. Leute mit robusten Kniegelenken können von der Hütte über den extrem steilen, felsdurchsetzten Hang direkt in den Plan Geirett absteigen; bequemer ist allerdings der Pfad, der vor der Hütte rechts abzweigt und in einem Bogen über das »Treppchen« (Scaletta, 2148 m) in den Geröllboden hinabzieht. Hier stößt man auf das Talsträßchen, das durch die malerische Val Camadra hinabläuft nach Daigra (1408 m) und Ghirone (7 Std.). Ihre weiten Schleifen lassen sich teilweise abkürzen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour25 km
Höhenunterschied1150 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGhirone in der Val Camadra; Parkplatz (1285 m) an der Brücke über den Brenno.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterAuf dieser großen Runde fühlt sich der Wanderer fast wie ein »Pendler zwischen den Welten«, so unterschiedlich sind die Eindrücke am Weg. Da ist einmal der Luzzone-Stausee mit seiner 208 Meter hohen Betonmauer, Energiespeicher und Symbol für den Naturverbrauch unserer Luxusgesellschaft; jenseits der Kantonsgrenze stößt man dann auf die archaisch-einsame Landschaft der Greina, umrahmt von einem Kranz hoher Gipfel. Wenn es nach den Plänen der Kraftwerksbauer gegangen wäre, läge das Hochtal mit seinen Felsbuckeln und Geröllflanken, den mäandernden Bächen längst unter Wasser. Doch für einmal obsiegte der Schutzgedanke über das Kommerzdenken; die Greina wurde gerettet, die Wasser fließen weiter (und in Zürich sind die Lichter trotzdem nicht ausgegangen). Bewahren oder erschließen, schützen oder nützen? Diese Fragen sind für (zu) viele Täler und Berge der Alpen beantwortet; umso wichtiger scheint es, die immer seltener werdenden Oasen zu retten. Im Fall der Greina ist es gelungen, wie vor hundert Jahren liegt die lang gestreckte Mulde unter dem Piz Terri (3149 m), es weidet das Jungvieh, und gelegentlich ertönt der Warnpfiff eines Murmeltiers. Hier scheint die Bergwelt noch heil zu sein.
Beste Jahreszeit
KartentippLandeskarte der Schweiz 1:50 000, Blätter 256T »Disentis« und 266T »Valle Leventina« mit Wanderwegeaufdruck.
MarkierungenWeiß-rot-weiß, gelbe Wegzeiger.
VerkehrsanbindungIn die Val Camadra führt von Olivone eine gut ausgebaute Straße, 8 km via Campo (1216 m) bis Ghirone. Postbus von Olivone nach Campo.
GastronomieRistorante bei der Luzzone-Staumauer.
Tipps
Von der Mauerkrone des Luzzone-Stausees aus ist die hohe Felsgestalt des Piz Terri (3149 m) nicht zu übersehen. Mit einem Fernglas kann man sogar den Verlauf des Anstiegsweges verfolgen: von der Capanna Motterascio (2172 m) über einen grünen Rücken in die Val di Güida, in ihrem Schluss an einem Steilhang mühsam zum Ansatzpunkt des Westgrats und über ihn (Kamin, Geröll, leichte Felsen) zum Gipfel; 3:30 Std. von der Hütte, weiß-blau-weiß markiert. Nur für erfahrene Bergsteiger; der gesamte Grat sollte schneefrei sein (sonst mit Steigeisen). Abstieg auf dem gleichen Weg.
Unterkunft
Capanna Scaletta (2205 m), Anfang Juni bis Mitte Oktober; Tel. 091/872 26 28
Tourismusbüro
Blenio Turismo, CH-6718 Olivone; Tel. 091/8 72 14 87, info@blenioturismo.ch, www.blenioturismo.ch.

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