An der Würm nach Starnberg

»Mangrovensumpf« im Mühltal.
Zwischen Gauting und Leutstetten sind die Wege breit und komfortabel, während die Würm hier ihren Wildflusscharakter zeigt. Der Abschnitt durch das Naturschutzgebiet zum Starnberger See erfolgt auf einem Pfad (nach Regen aufgeweicht). (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
Von Gauting an die Würm.
Den ersten Kontakt mit der Würm haben wir in Gauting, nachdem wir vom Bahnhof die Bahnhofstraße über den Hauptplatz hinabgewandert sind und den Fluss auf der Brücke überqueren. Anschließend geht es rechts in die Leutstettener Straße und am Sportplatz vorbei zurück zum Fluss, der in Höhe der Reismühle eine Schleife zieht und vorübergehend im grünen Dickicht abtaucht.
Unser Weg strebt in den Wald und bleibt bis zum Reiterhof geteert. Dann verengt sich das Mühltal und windet sich in einer weiten S-Kurve um den Schlossberg herum bis zum Forsthaus Mühltal. In diesem Bereich führt der Weg direkt am Würmufer entlang; der Fluss sprudelt knapp unter dem Geäst der Bäume munter vor sich hin. Dazwischen finden sich Sand- und Kiesbänke, die zumindest zu einem Fußbad einladen.
Stimmungsvolles Würmtal.
Bei Sonnenschein nimmt der Wanderer im Wechselspiel von Licht und Schatten fantastische Stimmungen auf. Allein die Flussalgen schimmern in den intensivsten Grün- und Gelbtönen. Die Bäume im Flussbett schlagen allseits hohe Wurzeln, um vor etwaigem Hochwasser gewappnet zu sein. Nach starkem Regen schwappt das Wasser über die Ufer und verwandelt das Flussbett in eine mangrovensumpfähnliche Landschaft. Ob mit oder ohne Hochwasser – in den wilden Flussauen der Würm fühlt man sich von der Natur gefangen, obgleich die Straße gar nicht weit vom gegenüberliegenden Ufer entfernt entlangführt.
Diese Straße erreichen wir am Forsthaus Mühltal, das auf eine bewegte Geschichte zurückblickt: 1894 ließ König Ludwig III. aus der ehemaligen Karlsburg eine Unterkunft für seine königlichen Jäger und Förster errichten. Um alte Traditionen am Leben zu erhalten, trifft man sich sonntags im urigen Kellergewölbe zum deftigen Ritterbrunch. Schön ist auch der kleine Biergarten, doch hört man hier leider die nahe Straße.
Von Leutstetten nach Starnberg.
Ohne Verkehrsrauschen sitzt man im allseits bekannten Biergarten Leutstetten ein Stück weiter südlich. Wir folgen dem Rad- und Wanderweg Richtung Starnberg und biegen dann – nach ein paar Metern Rückweg auf der Hauptstraße – rechts in den Ort ab. Nach Passieren des Biergartens halten wir uns ostwärts und biegen rechts in die Wangener Straße. Wir folgen den neuen Radwegweisern in Richtung Kempfenhausen und stoßen rasch auf die Villa Rustica. Hierbei handelt es sich um einen römischen Gutshof, der inmitten des Naturschutzgebietes freigelegt wurde und durch Glasscheiben begutachtet werden kann. Die Ruine erinnert an die römische Herrschaft im Alpenvorland, die in das 15. Jahrhundert vor Christi zurückreicht. Ausgegrabene Tierknochen belegen, dass seinerzeit Ackerbau und Viehzucht betrieben wurden. Der Blick auf den Starnberger See, der einst bis in das Moos hineinreichte, bleibt einem heute allerdings verwehrt. Doch nicht nur die römische Kultur am Wegesrand überrascht, sondern auch der mustergültig angelegte Radparcours. Wo sich bis Sommer 2003 verstreute Wanderer auf schilfumsäumten Pfaden noch feuchte Füße holten, pedalen heute auch einzelne Biker über feinen Kies und großzügige Steganlagen bis Heimatshausen durch das schöne Moos.
Nach Durchschreiten des Wald- und Schilfgürtels stoßen wir im Starnberger Ortsteil Heimatshausen auf den Birkenweg und die Heimatshausener Straße. Auf Letzterer unterqueren wir die Autobahn und wandern geradeaus auf der Hauptstraße nach Süden, bis auf Höhe des Brückenwirts rechts die Seestraße abzweigt. Diese führt geradewegs zur Würm, die nahe dem Starnberger Seeufer auf einer Hochbrücke überquert wird. Träge fließt der Fluss von dannen, als ob er sein Wasser vor der munteren Spülung im Mühltal schonen müsste.
Zum Abschluss eine Dampferfahrt.
Wir passieren den Starnberger Wasserpark und gelangen über die Strandbadstraße, den Nepomukweg und die Strandpromenade zwischen See und Gleisen direkt zum Starnberger Bahnhof. An der Seepromenade ist auch die Flotte der Starnberger Seenschifffahrt zu Hause. Die Königin unter den Dampfern ist die dreistöckige »Seeshaupt«, die in gut 3 Stunden Fahrzeit den gesamten 57 Quadratmeter großen See durchkreuzt und die Stationen Berg, Leoni, Possenhofen, Tutzing, Ammerland, Bernried, Ambach und Seeshaupt anläuft. An Bord sorgt eine Rutsche für Vergnügen bei den Kids. Auch die »Bayern« kreuzt den gesamten See, während die »Berg« für die einstündige Nordrunde vorgesehen ist. Für den müden Wanderer ist ein Dampferausflug unter Umständen ein passender Tagesausklang. Wer die Nachmittagsverbindung (14.30 Uhr ab Starnberg, im Hochsommer auch 16.30 Uhr) verpasst, kann noch an einer Sonderfahrt am Abend teilnehmen – zur Auswahl stehen Tanz- und Mondscheinfahrten. Näheres über Fahrplan und Tarife ist dem Internet unter www.bayerische-seenschifffahrt.de zu entnehmen. Rückfahrt: Vom Starnberger Bahnhof verkehren alle 20 Min. S-Bahnen nach Gauting.

Dauer: 3 Std.
Bahnhof Gauting – Reiterhof 45 Min., Leutstetten 1 Std., Percha 2 Std., Starnberg 30 Min. ;
Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktS-Bahnhof Gauting
EndpunktBahnhof Starnberg
TourencharakterAuch wenn die Würm mangels Desinfektionsanlage am Starnberger Klärwerk offiziell nicht als Badefluss taugt (in den späten 1960er-Jahren war das allerdings kein Hindernis) – der malerischen Flusslandschaft im Mühltal tut dies keinen Abbruch. Während die Würm zwischen Gauting und Leutstetten als reißender Wildfluss in Erscheinung tritt, mutiert sie weiter südlich im Schilf- und Sumpfgebiet zum träge vor sich hin fließenden Gewässer.
Hinweise
Mit Kinderwagen bis Leutstetten möglich
KartentippKompass-Wanderkarte Nr. 180: Starnberger-/ Ammersee, 1:50 000
MarkierungenZwischen Gauting und Leutstetten Radwanderweg Starnberg, ab Leutstetten grüne Wandermarkierungen
VerkehrsanbindungMit der S 6 von München (alle 20 Min.) oder mit dem Auto von München über Neuried oder Planegg.
GastronomieForsthaus Mühltal, Mühltalstr. 124, Leutstetten, Tel.: 08151/360 90, täglich geöffnet; Schlossgaststätte Leutstetten mit Biergarten, Altostr. 11, Tel.: 08151/81 56, täglich geöffnet; Cafés an der Starnberger Seepromenade
Tipps
Ein Bad im Starnberger See. Mit Erreichen des nördlichen Starnberger Seeufers liegen schöne Bademöglichkeiten direkt am Weg: Im Erholungsgebiet Kempfenhausen bieten weitläufige Bade- und Spielwiesen sowie flaches Seewasser ideale Voraussetzungen für Familien mit Kindern. An Kiosken können Imbisse und Erfrischendes gekauft werden, was auch die erschöpften Beachvolleyballer zu schätzen wissen. Noch komfortabler ist es im Strandbad, das von 8–20 Uhr geöffnet hat, sofern es nicht regnet (Eintritt Erwachsene 3,- Euro, Kinder 2,- Euro). Liegewiese, ein Holzsteg und ein großer »Seestern« im Wasser bieten hier ausreichend Platz zum Spielen. Im Hallenbad ist die große Wasserrutsche die Attraktion für die Kinder.
Tourismusbüro
Tourismusverband Starnberger Fünf-SeenLand, Wittelsbacher Str. 2 c, 82319 Starnberg, Tel.: 08151/9 06 00, Fax: 08151/90 60 90, E-Mail: tourist-info@starnberger-fuenf-seen-land.de, Internet: www.starnberger-fuenf-seen-land.de

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Wolfgang Taschner, Michael Reimer

Wanderungen am Wasser

Wandern am Wasser: 20 Touren an Bächen, Flüssen und Seen für die ganze Familie rund um München, mit vielen Tipps für Highlights am Wegesrand.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema