Der Stockalperweg über den Simplon, 2006 m

Von Brig nach Simplon-Dorf und Gondo (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
32 km
1570 m
10.00 h
Der Simplonpass ist einer der geschichtsträchtigsten Alpenpässe. Er verbindet über die Landesgrenze die Talorte Brig (Schweiz) mit Domodossola (Italien). Als Kernstück der kürzesten Verbindung zwischen Mailand und Paris ist seine wechselvolle Geschichte maßgeblich durch den Transitverkehr und die internationale Politik bereits zur Zeit der Römer geprägt worden. Internationale Geltung als Fernstraße erlangte der Simplon erstmals im späten 12. Jahrhundert, jedoch zerfiel der Durchgang im 16. ?Jahrhundert. Junge Unternehmer reorganisierten im 17. Jahrhundert mit straffer Führung den Handel über den Simplon: zunächst Michael Mageran aus Leuk und ab 1630 Kaspar Jodok von Stockalper aus Brig.Der mittelalterliche Weg wurde ausgebaut und mit einer Anzahl monumentaler Gebäude gesichert: Stockalperpalast in Brig, Hospiz am Simplonpass (die erste urkundliche Erwähnung eines Hospiz auf dem Pass stammt von 1235) und Stockalperturm in Gondo.
Die Eröffnung des Eisenbahntunnels im Jahre 1906 unterbrach den Passverkehr vorübergehend, doch mit dem Ausbau der über den Simplon führenden wintersicheren Nationalstraße hat er in unserem Automobilzeitalter wieder beachtlich an Bedeutung gewonnen. Nehmen Sie sich die Zeit zu einer Fahrt über den Simplonpass, um die Landschaft zu erleben, Bauten zu betrachten und die mit dem Pass verbundene Geschichte gedanklich an sich vorüberziehen zu lassen. Die stärksten Eindrücke allerdings vermittelt eine Wanderung auf der alten Passroute. Die durch eine vielfältige Landschaft führende Wanderung trägt heute den Namen Stockalperweg und beeindruckt durch ihre kühne Anlage sowie den Reichtum an originaler Bausubstanz.
Der Wegverlauf.
Aufstieg zum Simplonpass.
Wir starten in Brig beim Stockalperpalast, gehen auf dem alten Simplonweg an der Hauptfront der Anlage vorbei, weiter entlang der alten Simplonstraße bergwärts, dann 200 Meter auf der Riedbachstraße und biegen später in den sogenannten Römerweg ab. Vom Dorfplatz in Brei auf einem Sträßchen in südlicher Richtung, bald nach links abzweigen und steiler zum Riederwald hoch. In etwa 1080 Metern Höhe trifft die Route wieder auf den alten Saumweg, der die Steilwand vor Chalchofe über den bereits von Stockalper aus dem Fels herausgeschlagenen Steig quert. Diese exponierte Traverse war seit dem Bau der Napoleonstraße außer Gebrauch und durch Erosion unterbrochen – 1992 Wiederherstellung in alter Linienführung.
Wir folgen der Route bergwärts, queren den Ganterbach, biegen auf der neuen Forststraße in das Tafernatal ein und durchwandern es bis zur Taferna (P. 1597). Hier erreicht man erneut die alte, ebenfalls 1992 instand gesetzte Wegführung (die vier Brücken wurden am alten Standort rekonstruiert). Oberhalb der Taferna wird der steile Talabschluss in vielen Windungen über die Reste des alten Saumpfades überwunden und schließlich der Simplonpass erreicht (2006 m). Jetzt gibt es drei Möglichkeiten: per Bus zurück nach Brig, sich auf dem Simplon eine Unterkunft für die Nacht suchen oder, wenn es noch nicht zu spät ist, weiter nach Simplon-Dorf absteigen.
Abstieg nach Simplon-Dorf.
Hinter der Passhöhe liegt der Saumweg unter der Straße. Wir wandern auf dem vor wenigen Jahren neu erstellten Weg westlich der Straße zum Stockalperweg hin. Auf dem alten Pfad (teils felsig, teils gepflastert) durch die glaziale Rundhöckerlandschaft zum Alpstafel Niwe hinab. Der Verlauf zum Alten Spittel ist nun gut übersehbar. In kurzem Abstieg zum Weiler Nideralp und beim Engpass von Engiloch auf die Simplonstraße. Bis zum Weiler Maschihuis verläuft der Stockalperweg dann etwas unterhalb der Nationalstraße (N9) durch Weiden und Wiesen. Dabei entdecken wir vereinzelte Hohlwegformen des einstigen Saumpfades, wieder freigelegte Pflasterungen sowie Reste alter Wegbegrenzungsmauern. Auch diese Passagen sind 1992 instandgesetzt worden.
Hinter Maschihuis geht es auf der für die Napoleonstraße erbauten Steinbogenbrücke über den Chrummbach. Parallel zur N9 erreichen wir Egga und queren den Weiler auf der alten Dorfgasse. Kurz darauf verlassen wir die Straße bei Eintritt in den Wald und benutzen den guten Weg zur Häusergruppe Sengg. Weiter auf dem Saumweg über den Dorfstutz nach Simplon-Dorf (1470 m), einem Bergdorf mit italienischem Einschlag in südländischem Baustil. Die Häuser sind zumeist aus massivem Lärchenholz gebaut und von dicken Mauern umgeben – auf den Dächern liegen aufeinandergeschichtete Granitplatten. Der gepflasterte Dorfplatz mit stattlichem Tränkebrunnen, umgeben von prächtigen Häusern, der alten Pfarrkirche, dem ehemaligen Gasthaus Weißes Kreuz und der nach Süden hinabführenden einstigen Saumgasse bilden zusammen ein typisch mittelalterliches Dorfzentrum. Hier bleiben wir für die Nacht und können anderntags mit dem Postbus ins Rhonetal zurückkehren.
Weiterer Abstieg nach Gondo.
Wer auch die 3. Etappe kennenlernen möchte, geht am folgenden Morgen vom Dorfplatz durchs Stutzji, diesen malerischen, gepflasterten Gassenzug mit südländischem Gepräge, zum südlichen Dorfausgang. Auf der Nationalstraße talauswärts zum Wanderweg – zwischendurch Flursträßchen –, später auf schmalem Hangweg, der gegen Gabi hinabführt. Bei Gstei nach Queren der N9 zum Auenwald der Laggina abwärts, 200 Meter weiter über die Brücke Gsteihüs, wo der strenge Aufstieg zum Feerberg beginnt. Der Wegverlauf bis zur Passhöhe von Furggu entspricht der historischen Route des alten Saumweges.
Für den Abstieg ins Zwischbergental zum Weiler Bord entweder die Trasse des Saumpfades über Chatzhalte steil abwärts oder die Route über Maria Brun wählen. Im unteren Zwischbergental sind Spuren der einstigen Goldminenzeit zu sehen. Vor Gondo ist der alte Saumpfad noch erhalten und führt nach einem letzten steilen, treppenartigen Gefälle hinab in das an der Grenze nach Italien liegende Bergdorf Gondo (4½ Std.). Hier können Sie nächtigen und am nächsten Tag mit dem Bus nach Brig zurückkehren. Der 14. Oktober 2000 war ein »schwarzer Sonntag« für Gondo: nach heftigen Regenfällen hat ein Erdrutsch die Hälfte des Dorfes zerstört und 13 Menschen in den Tod gerissen. Dabei nahm auch der historische Stockalperturm (1670-1685 erbaut) erheblichen Schaden. Das Dorf musste sofort evakuiert werden. Der größte Teil der Bevölkerung sprach sich jedoch schon bald für den Wiederaufbau des Dorfes und die Rückkehr in die Heimat aus. Der zu bewältigende Aufwand war groß - die Arbeiten dauerten sechs Jahre. Dem bewundernswerten Überlebenswillen der Bewohner von Gondo sowie der Unterstützung von vielen Seiten ist es zu verdanken, dass dieses außergewöhnliche Walliser Dorf nach der tragischen Unwetterkatastrophe wie »Phönix aus der Asche« wieder erstanden ist. Unter anderem wurde der Stockalperturm aufwendig saniert. Er bietet heute recht eigenwillige Übernachtungsmöglichkeiten. Tel. 027/979?25?50; Internet: www.stockalperturm.ch
Von Gabi durch die Gondoschlucht nach Gondo.
Diese (nicht durch das Zwischbergental führende) Alternative ist besonders attraktiv und beliebt. Es ist der technisch aufwendigste und kostspieligste Teil der Sanierung des Stockalperweges, musste er doch in der steinschlaggefährdeten Schlucht mit metallenen Passerellen (Fußgängerbrücken) und Steigen zum Teil völlig neu angelegt werden (Kosten etwa ½ Mio. Franken!). Hinter Gabi biegt der Weg links nach der Brücke Richtung Gondoschlucht ab. Über einen flach angelegten Weg geht es durch steiniges und waldiges Gebiet zur »Alten Kaserne« (mit geschichtsträchtiger Fotoausstellung). Nun beginnt die Durchquerung der faszinierenden Gondoschlucht mit zauberhaften Geländeabschnitten, imposanten (mit Geländern versehenen) Metallbrücken und bequem begehbarem, beleuchteten Langstollen. Dann führen abwechslungsreiche, romantische Wegabschnitte hin zum Grenzdorf Gondo-Zwischbergen (Weglänge 5,7 km, Höhendifferenz 374 m, Gehzeit 2¼ Std.).
Weiterer Tourenvorschlag.
• Rundweg Simplon Bergalpe.
Als wertvolle Ergänzung zum Stockalperweg im Sommer 2007 eröffnet, verläuft die markierte Route auf ehemaligen, teils sehr alten Wegstücken und verbindet eine Reihe von Alpsiedlungen miteinander. Dabei durchquert der Weg die typische Passlandschaft der Simplon Bergalpe mit Rundhöckerhügeln, kleinen Sümpfen, Hochmooren, Alpweiden und ummauerten Privatgütern (Weglänge 6 km, Höhendifferenz 345 m, Gehzeit 2¼ Std.)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour32 km
Höhenunterschied1570 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
StartortBrig (681 m) im Rhonetal; Start beim Stockalperpalast.
AusgangspunktBrig (681 m) im Rhonetal; Start beim Stockalperpalast.
EndpunktSimplon-Dorf
Tourencharakter1- bis 2-tägige Bergwanderung (bis Gondo 2 bis 3 Tage) mit unterschiedlicher Geländebeschaffenheit. Nach Instandsetzung und Rekonstruktion des alten Saumpfades (teils alte Pflasterung) am 25.9.1993 eröffnete historische Weganlage (Brig – Gondo ca. 30 km).
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1:50 000 Blatt 274 T (Visp; mit eingezeichneten Routen).
Verkehrsanbindungvon Norden über Frutigen (Kandertal) nach Raron (Rhonetal) durch den Lötschberg-Basistunnel, weiter nach Brig. Brig ist Station der Brig-Lötschberg-Simplon-Bahn (= BLS-Bahn). Auto: von Bern über Kandersteg und durch den Lötschbergtunnel (Autoverladung) ins Rhonetal und nach Brig; oder über den Grimsel- bzw. den Furkapass und durch das Goms. Rückkehr: von Gondo, Simplon-Dorf oder vom Simplonpass mit dem Postbus zum Ausgangspunkt zurück.
Gastronomiezwei Hotels auf dem Simplonpass; Simplon-Hospiz (südl. kurz unterhalb der Passhöhe), ein von katholischen Mönchen geführtes religiöses Haus und Stätte innerer Einkehr (möglichst Voranmeldung); drei Hotels in Simplon-Dorf; Jugendherberge, 2 Hotels und Stockalperturm (nicht ganz billig) in Gondo.
Unterkunft
zwei Hotels auf dem Simplonpass; Simplon-Hospiz (südl. kurz unterhalb der Passhöhe), ein von katholischen Mönchen geführtes religiöses Haus und Stätte innerer Einkehr (möglichst Voranmeldung); drei Hotels in Simplon-Dorf; Jugendherberge, 2 Hotels und Stockalperturm (nicht ganz billig) in Gondo.

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