Der Stockalperweg über den Simplon, 2006 m

1- bis 2-tägige Bergwanderung (bis Gondo 2 bis 3 Tage) mit unterschiedlicher Geländebeschaffenheit. Nach Instandsetzung und Rekonstruktion des alten Saumpfades (teils alte Pflasterung) am 25.9.1993 eröffnete historische Weganlage (Brig – Gondo ca. 35 km). (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
36 km
1570 m
8.00 h
Aufstieg zum Simplonpass -  Wir starten in Brig beim Stockalperpalast, gehen auf dem alten Simplonweg an der Hauptfront der Anlage vorbei, weiter entlang der alten Simplonstraße bergwärts, dann 200 Meter auf der Riedbachstraße und biegen später in den so-genannten Römerweg ab. Vom Dorfplatz in Brei auf einem Sträßchen in südlicher Richtung, bald nach links abzweigen und steiler zum Riederwald hoch. In etwa 1080 Metern Höhe trifft die Route wieder auf den alten Saumweg, der die Steilwand vor Chalchofe über den bereits von Stockalper aus dem Fels herausgeschlagenen Steig quert. Diese exponierte Traverse war seit dem Bau der Napoleon-straße außer Gebrauch und durch Erosion unterbrochen – 1992 Wiederherstellung in alter Linienführung. Wir folgen der Route bergwärts, queren den Ganterbach, biegen auf der neuen Forststraße in das Tafernatal ein und durchwandern es bis zur Taferna (P. 1597). Hier erreicht man erneut die alte, ebenfalls 1992 instandgesetzte Wegführung (die vier Brücken wurden am alten Standort rekonstruiert). Oberhalb der Taferna wird der steile Talabschluss in vielen Windungen über die Reste des alten Saumpfades überwunden und schließlich der Simplonpass erreicht (2006 m). Jetzt gibt es drei Möglichkeiten: per Bus zurück nach Brig, sich auf dem Simplon eine Unterkunft für die Nacht suchen oder, wenn es noch nicht zu spät ist, weiter nach Sim-plon Dorf absteigen. Abstieg nach Simplon Dorf: Hinter der Passhöhe liegt der Saumweg unter der Straße. Wir wandern auf dem vor wenigen Jahren neu erstellten Weg west-lich der Straße zum Stockalperweg hin. Auf dem alten Pfad (teils felsig, teils gepflastert) durch die glaziale Rundhöckerlandschaft zum Alpstafel Niwe hinab. Der Verlauf zum Alten Spittel ist nun gut übersehbar. In kurzem Abstieg zum Weiler Nideralp und beim Engpass von Engiloch auf die Simplonstraße. Bis zum Weiler Maschihüs verläuft der Stockalperweg dann etwas unterhalb der Nationalstraße (N9) durch Weiden und Wiesen. Dabei entdecken wir vereinzelte Hohlwegformen des einstigen Saumpfades, wieder freigelegte Pflasterungen sowie Reste alter Wegbegrenzungsmauern. Auch diese Passagen sind 1992 instandgesetzt worden. Hinter Maschihüs geht es auf der für die Napoleonstraße erbauten Steinbogenbrücke über den Chrummbach. Parallel zur N9 erreichen wir Egga und queren den Weiler auf der alten Dorfgasse. Kurz darauf verlassen wir die Straße bei Eintritt in den Wald und benutzen den guten Weg zur Häusergruppe Sengg. Weiter auf dem Saumweg über den Dorfstutz nach Simplon Dorf (1470 m), einem Bergdorf mit italie-nischem Einschlag in südländischem Baustil. Die Häuser sind zumeist aus massivem Lärchenholz gebaut und von dicken Mauern umgeben – auf den Dächern liegen aufeinandergeschichtete Granitplatten. Die eigenwilligen Schornsteine ziehen uns ganz besonders in ihren Bann. Der gepflasterte Dorfplatz mit stattlichem Tränkebrunnen, umgeben von prächtigen Häusern, der alten Pfarrkirche, dem ehemaligen Gast-haus Weißes Kreuz und der nach Süden hinabführenden einstigen Saumgasse bilden zusammen ein typisch mittelalterliches Dorfzentrum. Hier bleiben wir für die Nacht und werden anderntags mit dem Postbus ins Rhonetal zurückkehren. Weiterer Abstieg nach Gondo: Wer auch die 3. Etappe kennenlernen möchte, geht am folgenden Morgen vom Dorfplatz durchs Stutzji, diesen malerischen, gepflasterten Gassenzug mit südländischem Ge-präge, zum südlichen Dorfausgang. Auf der Nationalstraße talaus-wärts zum Wanderweg – zwischendurch Flursträßchen –, später auf schmalem Hangweg, der gegen Gabi hinabführt. Bei Gstei nach Queren der N9 zum Auenwald der Laggina abwärts, 200 Meter weiter über die Brücke Gsteihüs, wo der strenge Aufstieg zum Feerberg be-ginnt. Der Wegverlauf bis zur Passhöhe von Furggu entspricht der his-torischen Route des alten Saumweges. Für den Abstieg nach Bord bestehen zwei Möglichkeiten: a) entweder auf der Trasse des Saumpfades über Chatzhalte steil ins Tal hinunter – b) oder (für an Sakralbauten Interessierte) die Route über Maira Brunn wählen. Beide Wege vereinen sich wieder bei Bord. Im Steilhang zwischen Stalden und Gondo schließlich blieb der einstige Saumweg erhalten: 100 Meter nach Eintritt in den Wald zweigt er rechts ab und leitet treppenartig in steilem Gefälle an den Ruinen des ehemaligen Goldbergwerks und Bildstöcken vorbei nach Gondo, dem letzten Schweizer Dorf (unmittelbar an der Grenze nach Italien). Wie ein Felsennest liegt es malerisch unter den Wänden der Talenge. Den hohen viereckigen Turm ließ die Handelsfamilie Stockalper um 1660 zum Schutze der Reisenden erbauen. In Gondo können Sie nächtigen und am nächsten Tag per Bus nach Brig zurückfahren. Rückfahrt: von Gondo, Simplon Dorf oder vom Simplonpass mit dem Postbus zum Ausgangspunkt zurück. Tour-Ausgangsort gut erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Höhenweg Wanderung

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour36 km
Höhenunterschied1570 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBrig (681 m) im Rhonetal; Start beim Stockalperpalast.
TourencharakterEinst lenkten Pilger, Kaufleute, Kreuzfahrer, Söldner und Hirten ihre Schritte auf zum Teil gefährlichen, unsicheren Wegen und Stegen über die historisch bedeutsamen Pässe des Wallis. Denken wir an Monte Moro, Grossen St.-Bernhard, Nufenen, Grimsel und Simplon, um nur die wichtigsten zu nennen. Sie boten zu ihrer Zeit die beste Ver-bindung zwischen Nord und Süd. Heute werden diese Pässe von Reisenden in schnellen Wagen auf nunmehr komfortabler Route genutzt – oder von Wanderern. Der Simplonpass ist einer der geschichtsträchtigsten Alpenpässe. Er verbindet über die Landesgrenze die Talorte Brig (Schweiz) mit Domodossola (Italien). Als Kernstück der kürzesten Verbindung zwischen Mailand und Paris ist seine wechselvolle Geschichte maß-geblich durch den Transitverkehr und die internationale Politik bereits zur Zeit der Römer geprägt worden. Internationale Geltung als Fern-straße erlangte der Simplon erstmals im späten 12. Jahrhundert. Der Bischof von Sitten als oberster Landesherr sicherte und organisierte den Transitverkehr durch Verträge. Gegen seinen Willen entstanden schon damals selbstständige lokale Säumergenossenschaften. Innen-politische Probleme im Wallis waren die Ursache für den Zerfall des Durchgangsverkehrs im 16. Jahrhundert. Junge Unternehmer re-organisierten jedoch bereits im 17. Jahrhundert mit straffer Führung den Handel über den Simplon - zunächst Michael Mageran aus Leuk und ab 1630 Kaspar Jodok Stockalper aus Brig. Der mittelalterliche Weg wurde ausgebaut und mit einer Anzahl monumentaler Gebäude gesichert: Stockalperpalast in Brig, Hospiz am Simplonpass (die erste urkundliche Erwähnung eines Hospiz auf dem Pass stammt von 1235) und Stockalperturm in Gondo. Der erfolg-reiche Handelsherr Stockalper, auch »le roi du Simplon« genannt, ver-half dem Pass zu neuer Blüte, die jedoch nach seinem Abtritt von der politischen Bühne rasch wieder zu Ende ging. In den Jahren 1800 bis 1805 veranlasste Napoleon aus militärischen Überlegungen über den Simplon den Bau der ersten modernen Fahrstraße in den Hochalpen. Auf der Nordseite entstand eine völlig neue Linienführung mit einer Schlaufe ins Gantertal und entlang dem Hang über Schallbett, statt der alten, direkten Route durch die Tafernaschlucht. Die wilde Gondo-schlucht auf der Südseite wurde mit einigen Kunstbauten (Brücken und Tunnels) bezwungen. Verständlich, dass im Post-kutschenzeitalter von dieser technischen Meisterleis-tung eine große touristische Anziehungskraft ausging, so dass die Simplonstraße in vielen Reiseberichten erwähnt wurde. Die Eröffnung des Eisenbahntunnels im Jahre 1906 unterbrach den Passverkehr vorübergehend, doch mit dem Ausbau der über den Simplon führenden wintersicheren Nationalstraße hat er in unserem Automobil-zeitalter wieder beachtlich an Bedeutung gewonnen. Nehmen Sie sich die Zeit zu einer Fahrt über den Simplonpass, um die Landschaft zu erleben, Bauten zu betrachten und die mit dem Pass verbundene Geschichte gedanklich an sich vorüberziehen zu lassen. Die stärksten Eindrücke allerdings vermittelt eine Wanderung auf der alten Passroute. Die durch eine vielfältige Landschaft führende Route trägt heute den Namen Stockalperweg und beeindruckt durch seine kühne Anlage sowie den Reichtum an originaler Bausubstanz. Dauer: gesamt 8 Std. (bis Gondo 6 Std. mehr); Brig – Schallberg 2 Std.; Schallberg – Taferna 13/4 Std.; Taferna – Simplonpass 11/2 Std.; Simplonpass – Simplon Dorf 23/4 Std. Höhenunterschied: ? 1570 m (bis Gondo 650 m mehr), ? 700 m (bis Gondo 1250 m mehr); Brig – Schallberg ? 640 m; Schallberg – Taferna ? 470m und ? 130m; Taferna – Simplonpass ? 460 m; Simplonpass – Simplon Dorf ? 570 m.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1 - 50000 Blatt 274 T (Visp; mit eingezeichneten Routen).
VerkehrsanbindungÖV - Brig ist Station der Brig-Lötschberg-Simplon-Bahn (= BLS-Bahn). Auto: von Bern über Kandersteg und durch den Lötschbergtunnel (Autoverladung) ins Rhonetal und nach Brig; oder über den Grimsel- bzw. den Furkapass und durch das Goms.
Gastronomiezwei Hotels auf dem Simplonpass; Simplon-Hospiz (südl. kurz unterhalb der Passhöhe), ein von katholischen Mönchen geführtes religiöses Haus und Stätte innerer Einkehr (möglichst Voranmeldung); drei Hotels in Simplon-Dorf; Hotel und Jugendherberge in Gondo.
Höchster Punkt
Simplon, 2006 m
Unterkunft
zwei Hotels auf dem Simplonpass; Simplon-Hospiz (südl. kurz unterhalb der Passhöhe), ein von katholischen Mönchen geführtes religiöses Haus und Stätte innerer Einkehr (möglichst Voranmeldung); drei Hotels in Simplon-Dorf; Hotel und Jugendherberge in Gondo.
Tourismusbüro
Brig, siehe Tour 32; Simplon-Dorf (1470 m). Stiftung Simplon (Ecomuseum & Passwege) in der Gemeindekanzlei. Verkehrsbüro Simplon-Süd: CH-3907 Simplon-Dorf, Tel. 027/9791701, Internet: www.simplon.ch.

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Caroline Fink, Rose Marie und Gerhard Bleyer

Höhenwege im Wallis

Die 40 prächtigsten Panoramawanderungen, Hüttenwege sowie leichte 4000er im Schweizer Kanton Wallis.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema