Der Sirwoltesee

Ausgeprägt alpine Wanderung auf teilweise rauen Wegen. Der versteckte Karwinkel des Sirwoltesees ist ein echtes Juwel; faszinierend die Bergkulisse der Simplonregion. Trittsicherheit und Ausdauer sind unerlässlich. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Vor der Neuvermessung der Schweiz im Jahr 1902 (»Repère Pierre du Niton «) und dem klimabedingten Abschmelzen seiner Schneekuppe galt für das Fletschhorn sogar die Höhenkote 4001 Meter. Das brachte die Saastaler auf die recht eigenwillige Idee, dem Berg seine »verlorene« Höhe wiederzugeben, ihn einfach um die fehlenden Meter aufzustocken. Schließlich siegte aber die Vernunft, das Fletschhorn behielt Höhe und Gestalt – und die Walliser leben recht gut mit einem Viertausender weniger. Bei der Wanderung zum Sirwoltesee, der versteckt in einem Karwinkel liegt, fallen die paar Höhenmeter nicht ins Gewicht; entscheidender ist das Landschaftserlebnis, und das kann sich sehen lassen. Da sind einmal die Ausund Tiefblicke auf die Passregion des Simplon, dann die Szeneriewechsel an den Übergängen von Bistine und Sirwolte. Geht der Blick von Ersterem nördlich über das Rhonetal hinweg bis zu den Berner Alpen, kommt beim Abstieg vom Sirwoltesattel der gleichnamige See mit seinen winzigen Ablegern ins Sichtfeld. Nicht zu übersehen ist auch der Gratrücken nördlich des Schilthorns, zu dem man anschließend wieder ansteigen muss: eine Fleißaufgabe, für die man am Wyssbodehorn (2623 m) mit einem grandiosen Blick auf das Fletschhorn belohnt wird; 1000 Meter tiefer bewegen sich winzige Brummis im Zeitlupentempo auf der Simplonstraße der Passhöhe entgegen. Vom Simplon ins Nanztal Vom Bushalt beim Simplon Hospiz (1997 m) folgt man dem Hinweis »Stockalperweg «, verlässt die alte Passroute aber bald nach rechts und wandert über die steinigen Wiesen der Bergalp hinab zu den Hütten von Blatte (1893 m). Dahinter beginnt der Anstieg zum Bistinepass (2417 m); die breite Spur schneidet einen steilen Hang und mündet in das weitläufige Almrevier unter dem Joch. Man quert es nach Westen hin und steigt dann – zuletzt etwas steiler – hinauf in den Pass (2 Std.) Auf seiner Westseite leiten die Markierungen kurz abwärts zu einem breiten Karrenweg. Er führt westlich um das Magehorn herum und quert, allmählich an Höhe gewinnend, die teilweise felsigschroffe Westflanke des Galehorns (2797 m). Dabei hat man freie Sicht auf das lang gestreckte Nanztal; nicht zu übersehen ist die feine, fast horizontal verlaufende Linie am gegenüberliegenden Hang. Es handelt sich um den 6,5 Kilometer langen »Heido«, eine uralte, urkundlich 1305 erstmals erwähnte Suone (»de acquaeductu qui dicitur die heydenschu Wasserleyta de Nantz«), die das kostbare Nass im Talinnern schöpft und es auf die Felder oberhalb von Visperterminen leitet. Über das Wyssbodehorn Am Sirwoltesattel (2621 m; 3 Std.) wechselt man wieder auf die Ostseite des Bergkamms, der das Nanztal vom Simplon trennt. Nach kurzem Abstieg kommt der Sirwoltesee (2437 m) ins Blickfeld. Die Markierungen leiten über eine Gletschermoräne zu einem steilen, felsdurchsetzten Hang. Gut 100 mühsame Höhenmeter, dann ist der dem Schilthorn (2795 m) nordöstlich vorgelagerte Höhenrücken gewonnen. Pfadspur und Markierungen leiten über die Kuppe des Wyssbodehorns (2623 m; 4 Std.) und seinen Ostgrat hinab in den Wysse Bode. Hier quert man rechts zu einer Rippe; dahinter zickzackt der Weg über Wiesenhänge weiter bergab zum Rossbodestafel (1930 m) in herrlicher Lage unter dem mächtigen Fletschhorn. Die Alm hat Straßenanschluss; der Wanderweg kürzt die weiten Schleifen der Asphaltspur ab. An der Mündung des Seitentals tangiert er ein mächtiges Trümmerfeld, Überrest des verheerenden Bergsturzes von 1901. Damals brachen rund 800 000 Kubikmeter Eis, Fels und Geröll am Rossbodegletscher ab, die den Talgrund fast 100 Meter hoch verschütteten. In Egga (1580 m; 6 Std.), das bei der Katastrophe weitgehend zerstört wurde, kann man die Wanderung beenden und in den Postbus steigen; zu Fuß sind es bis Simplon Dorf (1472 m) noch gut 20 Minuten (6.30 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied1470 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortBrig (678 m)
AusgangspunktBushalt bzw. Parkplatz Simplon Hospiz
EndpunktSimplon Dorf (1472 m)
TourencharakterDas Fletschhorn (3982 m) im Süden und der Monte Leone (3553 m) im Osten sind die beiden »Wächter« über dem Simplonpass, auch seine höchsten. Das Fletschhorn, wie der Monte Leone stark vergletschert, kratzt an der Viertausendermarke.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 274 T
MarkierungenWeiß-rot-weiße Markierungen, gelbe Wegzeiger
VerkehrsanbindungAusgangs- und Endpunkt der Tour liegen an der Simplonroute, die von Brig über den Pass nach Gondo (Grenzort) und weiter nach Domodossola führt.
GastronomieAm Simplonpass und in Simplon Dorf; unterwegs keine Einkehrmöglichkeit
Tipps
Feines aus der Backstube Seit über einem Jahrhundert wird in der Bäckerei Arnold das Simpiler Roggenbrot nach altem Rezept hergestellt, täglich zwischen 60 und 80 Kilogramm. Reines Roggenmehl, Wasser und Salz sind die wenigen Ingredienzen; als Treibmittel dient ein Teil des Teigs vom Vortag, der sogenannte »Chef«. Das Simpiler Roggenbrot gibt es auch mit Baumnüssen oder Früchten (Pflaumen, Aprikosen, Feigen). Die Bäckerei verschickt ihr Brot überall in die Schweiz. Bäckerei Arnold, CH-3907 Simplon Dorf, Tel. 027/979 11 25, www.baeckerei-arnold.ch
Informationen
Tourist-Info Verkehrsverein, CH-3907 Simplon, Tel. 027/979 17 01, www.simplon.ch