Der Simplon-Höhenweg

Nur mäßig anstrengende Höhenwanderung mit viel Aussicht. Auf der ersten Weghälfte teilweise recht raue Spur, auf dem zweiten Abschnitt kurze ausgesetzte Passagen, nur teilweise gesichert. Die Tour lässt sich natürlich auch in entgegengesetzter Richtung durchführen. (Autor: Eugen E. Hüsler)
14 km
600 m
5.00 h
Zusammen mit dem Hillehorn (3181 m) und dem Wasenhorn (3246 m) bildet das Bortelhorn die Gipfelumrahmung des Gantertals. Das quert die Simplonstraße auf einer monumentalen Betonbrücke. Gut eine Etage höher verläuft einer der schönsten Höhenwege der Region. Er verbindet Rothwald an der Simplonstrecke mit der Chaletsiedlung Rosswald; fast sechs Stunden lang, verläuft er an der Waldgrenze oder ein Stück darüber. Viel Aussicht ist so garantiert, auch vielfältige Eindrücke, die sich zu einem erlebnisreichen Wandertag verbinden. Am Weg zur Bortelhütte genießt man freie Sicht auf die schroffen Südabstürze der Berner Alpen, die sich im Morgenlicht besonders eindrucksvoll präsentieren. Da können die Gipfel über dem Gantertal nicht mithalten: Düster-abweisend ragen sie über gewaltigen Geröllströmen in den Himmel. Von der Bortelhütte geht der Blick weit durchs Rhonetal hinaus bis zu den Weinbergen um Sierre. Suonen Wasser, nicht Vino, prägt den zweiten Abschnitt der Tour, die erst in das Steinutal führt, dann auf und neben drei Suonen hinausläuft nach Rosswald. Frei plätschert das Wasser allerdings nur noch in der Gibjeri, die am Schiessbach gefasst wird und die Wiesen um Rosswald bis hinunter nach Schallberg mit dem kostbaren Nass versorgt, ein Wasserweg von immerhin über sieben Kilometer Länge. Auch vom unteren Steinutal hinüber zum Tälchen des Schiessbachs wandert man »auf Wasser«, doch die beiden Suonen sind in den Untergrund abgetaucht, zugemauert oder in Rohre verlegt. Sie werden auf den Rigiwiesen gefasst und betreiben das Kraftwerk drunten bei der aus napoleonischer Zeit stammenden alten Ganterbrücke: Modern Times. War’s der Stockalper? Aus alten Zeiten stammt dagegen eine Ruine im inneren Steinutal, bei Begginu (2196 m). Es handelte sich ursprünglich um einen Komplex aus vier Gebäuden, dessen Zweck und Alter völlig ungeklärt ist. Der Flurname Begginu bezieht sich auf die markanten Frontbögen des Bauwerks, von denen einer noch erhalten blieb. Ob Kaspar Jodok Stockalper, der steinreiche »König des Simplon«, die Häuser errichten ließ, wie immer wieder spekuliert wird? Und wozu in diesem gottverlassenen Winkel, dem Steinugletscher viel näher als dem nächsten Dorf? Begginu – ein rätselhafter Ort, der sein Geheimnis wohl nie preisgeben wird ... Blumenpracht Besonders schön ist die Höhenwanderung im Frühsommer, wenn es auf den Wiesen und in den lichten Waldparzellen üppig blüht. Da entdeckt der Blumenfreund am Weg so manche botanische Rarität wie etwa den gelben Schweizer Schöterich, den aromatisch duftenden Berg-Gamander, die Kahle Turmkresse (Turmkraut) oder den unscheinbaren Stängellosen Tragant. Und an der Schlosswang, keine fünf Minuten von der Bortelhütte, steht der Türkenbund, das vielleicht schönste Liliengewächs, zu Dutzenden. Zur Bortelhütte Die Tour beginnt an der Simplonstraße, beim Bushalt Rothwald (1745 m). Erster Etappenort ist die Wasenalp (1960 m; 0.45 Std.) mit asphaltierter Zufahrt. Der markierte Wanderweg kürzt die Schleifen der Straße ab, läuft dann mit ihr zu der hübsch gelegenen Chaletsiedlung. Wenig höher, bei der Wintrigmatte (2042 m; Tafeln), biegt man in den links abgehenden Fahrweg ein, der, nur mehr sanft ansteigend, hinausläuft zum Honegga, dann nach Osten umbiegt. Hier wird er zum Wanderpfad, der sich zum Schrickbode (1925 m) senkt. Dahinter quert man die steinige Karmulde von Furggubäum, dann steigt das Weglein an gegen die Bortelalp. In der Bortelhütte (2107 m; 3 Std.) ist natürlich eine ausgiebige Pause fällig, mit angemessener Stärkung und Aussicht über Berg und Tal. Suonenwandern Der Weiterweg führt kurz abwärts, dann steil an der Schlosswang bergan und durch eine Rinne auf eine Wiesenschulter mit besonders schöner Sicht übers Gantertal. Der anschließende kurze Abstieg ins Steinutal wartet mit ein paar leicht felsigen Passagen auf; zwischen den Steinen blüht im Spätsommer der Purpurenzian en masse. Drunten am Bach (Schneereste bis in den Hochsommer) fädelt man ein in den unteren Weg (Tafeln), der mit minimalem Gefälle hinauszieht zu den Rigiwiesen. (1968 m) geht’s genauso sanft bergan; das Gelände wird allerdings zunehmend steiler. Um ein felsiges Eck herum (Drahtseile, Geländer) leitet der Wasserweg ins Tal des Schiessbachs. Man quert ihn wenig unterhalb der Schöpfe (4.30 Std.) und steigt dann über einen breiten Ziehweg kurz an zu den Häusern von Stafel (1997 m). Wenig weiter verlassen die Höhenwanderer das Sträßchen nach rechts (Tafel) und folgen der Gibjeri, die an dem licht bewaldeten Hang talauswärts läuft. In der Tiefe zeigt sich ab und zu das weiße Betonskelett der Ganterbrücke, über dem innersten Gantertal stehen dunkle Gipfel: Bortelhorn & Co. Die Gibjeri mündet schließlich bei den obersten Chalets auf die Wiesen von Rosswald. Mit ihr steigt man ab ins »Dorf«, das außerhalb der Saison wohl mit einer Rekordzahl an geschlossenen Fensterläden aufwartet, und zur Seilbahnstation (1819 m; 5.30 Std.).

Höhenweg Wanderung

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied600 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortBrig (678 m)
AusgangspunktBushalt Rothwald (1745 m) an der Simplonstraße
EndpunktBushalt Rothwald (1745 m) an der Simplonstraße
TourencharakterBei einer Fahrt durchs Rhonetal herauf nach Brig ist die ebenmäßig gebaute Pyramide nicht zu übersehen, was bei nicht so ortskundigen Reisenden auch schon zu Ausrufen wie »Oh, look, the Matterhorn!« geführt haben soll. Wir wissen es natürlich besser, doch das Bortelhorn (3193 m) ist trotzdem ein schöner Berg, auch wenn er weit weniger Besuch bekommt als das »Horu« hinten im Mattertal.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 274 T
MarkierungenWeiß-rot-weiß, gelbe Wegweiser
VerkehrsanbindungBrig ist der Verkehrsknotenpunkt im Oberwallis. Busverbindungen über den Simplon (Rothwald) und mit der Talstation der Rosswald- Gondelbahn.
GastronomieBortelhütte, Mitte/Ende Juni– Mitte Okt., Tel. 027/924 52 10, E-Mail: mail@bortelhuette.ch, www.bortelhuette.ch
Tipps
Die etwas andere Berghütte Bortelhitta – meh wa en bärghitta. Das ist die Devise von Sophie und Waldemar Schön, und die wissen sie auch umzusetzen: mit Gastfreundschaft, Fantasie und handwerklichem Geschick. Da fühlt man sich gleich heimisch, auch ohne Einheimischer zu sein. Walliser kommen natürlich ebenso gerne hierher wie Üsserschwyzer. Und dann hockt man sich an einen der Steintische vor der Hütte, genießt eine währschafte Suppe, eine Wasa-Schnitte (Käseschnitte) oder einen feinen Kuchen. Dazu passt ein guter Weißwein, und hier kommt der Hüttenwirt keinesfalls in Verlegenheit. Wie wär’s mit einem Petit Arvine, oder soll’s lieber ein Roter sein? Wir entscheiden uns für den Weißwein, prosten uns zu und genießen Geschmack (in der Kehle) und die schöne Aussicht (vor der Nase). Über dem Hüttendach ragt das Bortelhorn in den blauen Walliser Himmel, die Sonne macht den Uhrzeiger, und nichts stört die Ruhe. Schade, dass wir zurück ins Tal müssen, eine Hüttenübernachtung wäre jetzt genau das Richtige, Sonnenuntergang über den Berner Alpen inklusive. Vielleicht ein andermal – also auf Wiedersehen! Die Bortelhütte des Skiclubs Simplon Brig ist von Mitte/Ende Juni bis Mitte Oktober bewirtschaftet, sie verfügt über 36 Betten. In der Küche werden nach Möglichkeit Frischprodukte aus der Region verwendet, das Brot wird auf der Hütte gebacken. Auf Wunsch gibt’s auch vegetarische Gerichte. Bortelhütte, CH-3901 Rothwald, Tel. 027/924 52 10, E-Mail: mail@bortelhuette.ch, www.bortelhuette.ch
Informationen
Tourist-Info Brig Belalp Tourismus, CH-3900 Brig, Tel. 027/921 60 30, E-Mail: info@brig-belalp.ch, www.brig-belalp.ch