Der schönste Ausguck über dem Val Sugana?

Passo di Vézzena – Festungswerk Verle – Cima di Vézzena (Autor: Eugen E. Hüsler)
10 km
500 m
3.00 h
Unter Feuer.
Vézzena und Verle waren zu Kriegsbeginn Ziel heftiger Artillerieattacken, vor allem durch die italienische Batterie auf dem Monte Verena. Gleich zu Kriegsbeginn kam es zu einem fast verhängnisvollen Intermezzo, ähnlich den Ereignissen im Werk Lúsern (siehe Tour 26), als der Festungskommandant aufgrund von bewussten Falsch-informationen einen Rückzugsbefehl erwirkt hatte - Er war offensichtlich dem psychischen Druck nicht gewachsen. Die Offiziere rückten ab, zurück blieben 40 Soldaten, die sich in der Folge schwersten Angriffen ausgesetzt sahen. Erst nach vier Tagen kam Ersatz; das Fort konnte gehalten werden. Oberleutnant Albert Giebermann kam vor das Kriegsgericht, wurde aber freigesprochen und erhielt – was für ein Hohn! – später sogar noch einen Orden.
Insgesamt registrierte man von Kriegsbeginn bis zur Maioffensive 1916 fast 5000 Treffer der Kaliber 30,5 und 28 Zentimeter. Die Festung hielt jedoch, obwohl schwer beschädigt und wie die übrigen k. u. k. Anlagen auf dem Hochplateau ihrer Feuerkraft teilweise beraubt, stand. Italienische Infanterieattacken gegen die Linie Vézzena–Verle–Basson wurden ebenfalls erfolgreich abgewehrt.
Auf den Gipfel.
Der Aufstieg wird durch das ehemalige Werksträßchen vorgezeichnet, das am Passo di Vézzena (1417 m) seinen Ausgang nimmt und in ein paar Windungen die weitläufige Almregion von Verle ansteuert. Rechter Hand liegt die Festung mit ihrer noch einigermaßen erhaltenen Rückseite. Die einst mächtige Anlage wurde nach der österreichischen Maioffensive zwar wiederhergestellt, in den 1930er-Jahren aber ihrer Armierungseisen beraubt. Kehl- und Frontgraben sind weitgehend zugeschüttet, vom Verdeck bietet sich aber zumindest ein schwacher Eindruck von der ungewöhnlich heftigen Beschießung: überall Granattrichter. Gut zu erkennen ist auch noch der Laufgraben, über den der Zugang zur Feste erfolgte.
Die Fortsetzung der Armierungsstraße führt zunächst über offenes Gelände bis an den Rand des Altipiano di Vézzena, knickt dann nach rechts ab und steigt im Bosco Varagno an. An einer Verzweigung (1595 m) geht man geradeaus. Der Wald lichtet sich bald; über sechs Kehren steuert die Straße den Gipfel der Cima di Vézzana (1908 m; 2 Std.) an. Der Beobachtungsposten präsentiert sich trotz schwerer Verwüstungen noch als eindrucksvolle Anlage. Von der Kehlseite bietet sich ein faszinierender Tiefblick ins Val Sugana und auf den Lago di Caldonazzo, am nördlichen Horizont stehen die Lagoraiberge, auch sie im Krieg heftig umkämpftes Frontgebiet.
Zurück.
Am besten auf der Straße. Man kann alternativ auch den Weg 205 benützen, der in der dritten Kehre abzweigt und am Westrand des Bosco di Varagno absteigt (kürzer, aber sehr schotterig; 3.15 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied500 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortLavarone (1171 m), aus mehreren Dörfern bestehender Ort auf dem gleichnamigen Mittelgebirgsplateau
AusgangspunktPasso di Vézzena (1417 m), Straßenübergang ins Val d’Assa
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDie Cima di Vézzena (Pizzo di Levico, 1908 m) galt schon immer als ein besonders schöner Aussichtspunkt – um immerhin fast anderthalb Kilometer überragt sie den Caldonazzosee und damit das Val Sugana. Wie ein Schiffsbug ragt der Gipfel vom Tal aus gesehen in den Himmel, ein herr-liches Panorama bietend. Dass dies auch den k. u. k. Militärs nicht verborgen bleiben würde, war zu erwarten, zumal von der Cima di Vézzena aus die strategisch so wichtigen Hochplateaus dies- und jenseits der Reichsgrenze bestens zu überschauen sind. So wurde auf dem Gipfel, den man damals auch »Occhio dell’Altipiano (Auge des Hochplateaus) nannte, ein befestigter Beobachtungsposten errichtet. Er gehörte zu der Werkskette der k. u. k. Monarchie auf den Hochplateaus von Lavarone und Folgaria und war direkt mit dem ebenfalls in den Vorkriegsjahren errichteten Panzerwerk Verle verbunden, unter anderem über eine Sandstraße. Verle, dessen Bau den Staat 1 834 685 Kronen kostete, war mit vier 10-cm-Turmhaubitzen, zwei 8-cm-Kanonen, vier 6-cm-Kasemattkanonen und 15 Maschinengewehren bestückt. Das Werk war für eine Beatzung von 130 Mann konzipiert; eine Zeit lang diente hier auch Luis Trenker, der seine Erlebnisse in dem Roman »Sperrfort Rocca Alta« verarbeitete. Als das Buch 1938 erschien, zogen am europäischen Himmel bereits neue Wolken auf, drohte die nächste Katastrophe.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass 1 - 25 000, Blatt 631 »Altipiani di Folgaria, Lavarone e Luserna«
VerkehrsanbindungVon Lavarone auf gut ausgebauter Straße über Monterovere zum Pass, 11 km. Parkplätze. Busverbindung
GastronomieHotel am Passo di Vézzena
Tipps
Zitat. Zehn Tage lang rast das Feuer, ehe die Erlösung des Angriffs kommt. Dreitausend 30-cm-Granaten und doppelt so viele 28er zersieben die Decken und Panzer, bis die Ewigkeit dieser zehn Tage verflossen ist. Wir liegen in den Kellern, Maschinengewehre und Handgranaten griffbereit, die Köpfe bleischwer von Lärm und Sterbensangst, von Rum und Zigarettenrauch. Das Werk stürzt Teil für Teil zusammen, jede Stunde bringt neue Schreckensbilder. Nur der Branntwein schützt uns vor dem Wahnsinn. Ein Bereitschaftsraum wird durchschlagen. Die zerrissenen Traversen hängen bis auf den Fußboden herunter. Acht Sappeure liegen unter dem Schutt, zerhackt, zerschmettert, verbrannt. Sieben finden wir. Sie werden ausgegraben und nebeneinander aufgelegt. Niemand erkennt sie mehr. Ihre Gesichter sehen wie verkohltes Brot aus. Vom achten ist nur ein Schuh zu finden, in welchem noch der Fuß steckt. Fritz Weber, »Der Alpenkrieg«
Informationen
Gehzeit - Gesamt 3.15 Std. Aufstieg 2 Std., Abstieg 1.15 Std
Tourismusbüro
Azienda per il Turismo Folgaria, Lavarone, Luerna, Via Roma 37; I-38064 Folgaria; Tel. +39/0464/72 41 00, Fax 72 02 50, info@montagnaconamore.it, www.montagnaconamore.it

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