Der Lötschberg

Spannende Passwanderung zwischen Almen und der Felsregion des Lötschbergs. Trotz des hochgelegenen Ausgangspunktes ist etwas Ausdauer verlangt, auch ein sicherer Tritt. Große Kulisse mit dem Bietschhorn als unbestrittenem Star. (Autor: Eugen E. Hüsler)
11 km
800 m
5.00 h
Der sogenannte »Römerweg« stammt allerdings nicht aus der Antike; es handelt sich dabei um einen von den Bernern im 17. Jahrhundert erbauten, teilweise kunstvoll trassierten Saumpfad, die »Graffenriedsche Straße«. Sie umging die Zunge des Lötschegletscher links und wurde 1992 vom Schweizer Zivildienst saniert. Ein Bergsturz hat 2003 diesen historischen Weg zerstört. Eisenbahntunnels Zu einer richtigen Straße über den Lötschberg reichte es nie. Gebaut wurde trotzdem, allerdings im Berg. Seit dem Jahr 1913 verbindet der Lötschberg-Eisenbahntunnel als Teilstück der Bern-Lötschberg- Simplon-Linie (BLS) das Kandertal mit dem Oberwallis. Dabei wurden exakt 836 858 Kubikmeter Gestein ausgebrochen, die Gesamtkosten für den Tunnel beliefen sich auf vergleichsweise bescheidene 52 Millionen Franken. Ziemlich genau 50 Mal teuerer wurde das moderne, 34,6 Kilometer lange Lötschberg-Rekordloch, das seit 2007 Frutigen im Kandertal mit Raron verbindet: 2,6 Milliarden Franken ... Hochalpin Fast zwei Kilometer Fels liegen zwischen dem Basistunnel und dem Lötschepass (2690 m). Drinnen im Berg ist es stockfinster, oben am Lötschberg scheint die Sonne, weht aber auch im Sommer oft ein ziemlich frischer Wind. Und wenn die Wolken das Bietschorn (3934 m) verhüllen, verzieht man sich gerne in die erst jüngst modernisierte Lötschenpasshütte. Da hilft dann vielleicht ein Blick in die Geschichte (statt zum stolzen Berg), auf die Schilderung, die uns der berühmte Erstbesteiger Sir Leslie Stephen (1859) hinterlassen hat: »Die Felsen, in denen wir jetzt kletterten, zogen steil aufwärts, manchmal als scharfe, ausgesprochene Grätchen, manchmal auch in breiteren Wänden, die Schneeflecke trugen. Verwittertes, loses Gestein, das bei jedem Schritte nachgab, bedeckte hier die ganze Bergflanke. Zügler begann Freude an der Sache zu finden, und wir rannten um die Wette, so schnell als er – oder wenigstens ich – nur irgend konnte. Ich musste mich gehörig ausgeben, manchmal aufrecht gehend und manchmal auch mich anklammernd mit allem, was helfen mochte, mit Händen, Knien und Augenlidern. Die beiden anderen folgten uns heftig schwitzend, was ihren Redefluss eine Zeit lang eindämmte. Hinter uns flogen und knatterten die Steine die Felsen hinab, gelegentlich donnernde Lawinen, dann wieder einzelne Geschosse, die in unregelmäßigen Sprüngen über den Schnee und das Eis zu Tal sausten. [...] Inzwischen waren wir stetig vorangekommen, und um 11.15 Uhr standen wir wieder auf dem Grat. Ein langer Schneefirst zog gleichmäßig steil von unserem Standpunkt zum Gipfel. Wir folgten dem Grate ohne ernstliche Schwierigkeiten, mussten einige Stufen hacken in der letzten Rinne, und dann konnte ich mich an einem der riesigen Gipfelblöcke um 12.30 Uhr auf den Gipfel hissen. Die steilen Felsen zu beiden Seiten verloren sich in brodelnden Wolken, die uns jede Fernsicht nahmen. Und dabei müsste die Aussicht vom Bietschhorn eine der schönsten der Alpen sein. Wir warteten mehr als eine halbe Stunde, in der Hoffnung, doch noch einen Ausblick zu erhaschen, und brachten die Zeit damit zu, drei Steinmännchen auf den drei Gipfeln zu bauen. Aber kein Blick in die Ferne war uns vergönnt, und schließlich machten wir uns etwas enttäuscht an den Abstieg.« Zum Hockuchriz Dem Genusswanderer wünschen wir schöneres Wetter mit freier Sicht auf die gewaltige Felspyramide des Bietschhorns, das die Kulisse des unteren Lötschentals so eindeutig beherrscht. Aussicht auf den Koloss bietet bereits die Seilbahnfahrt zur Lauchernalp (1969 m); die Wanderung beginnt dann mit einem kleinen Architekturexkurs (Chalets), führt über Wiesen hinauf zu den Häusern von Stafel (2102 m). Hier kurz auf einer Straße nach rechts, bevor man links in den Lötschbergweg einbiegt. Er schneidet, stetig an Höhe gewinnend, die Grashänge über der Lauchernund der Hockenalp. Zuletzt geht’s steiler hinauf in die Sattlegi (2566 m; 1.45 Std.). Ein kleiner Abstecher führt links über den breiten Rücken zum Hockuchriz (Hockenkreuz, 2593 m), das sich sowohl als Aussichts- als auch als Rastplatz bestens eignet. Von hoher Warte überschaut man das gesamte Lötschental von der Mündungsschlucht bis hinauf zur Lötschenlücke. Und der absolute Hingucker im Südosten misst ... 3934 Meter. Zum Lötschepass Der Weiterweg ist entschieden steiniger; er quert das ausgedehnte, von eiszeitlichen Gletschern geformte Felsgelände hinüber zum Lötschberg. Höhe gewinnt man zunächst kaum, dafür Einblick in eine Bergregion, deren geologische Vielfalt einzigartig ist. Rund um den Lötschepass zählt man nicht weniger als 35 (!) verschiedene Gesteinsarten; was für Kräfte bei der Alpenhebung wirksam waren, zeigt sich am Ferdenrothorn (3180 m) besonders augenfällig. Die kurios gefalteten Schichten bleiben Blickfang am Weg zum Pass; zwischen den Felsen liegen zahlreiche Lacken, manche nur ein paar Quadratmeter groß. Schließlich ist die weite, von der mächtigen Ostwand des Balmhorns (3698 m) überragte Wasserscheide erreicht. Bereits im 16. Jahrhundert soll hier eine kleine Hütte gestanden haben; sie dürfte allerdings entschieden weniger komfortabel gewesen sein als die moderne Lötschenpasshütte (2690 m; 2.45 Std.). Abstieg Er führt zunächst nur sanft bergab, bietet dabei freie Sicht aufs Bietschhorn. Nach etwa einer Viertelstunde erreicht man den Stierstutz, eine steile Geländestufe, die den Weg zum Zickzackkurs zwingt. Dem aufmerksamen Wanderer wird dabei der abrupte Gesteinswechsel (Granit/Sedimente) nicht entgehen. Anschließend leitet er durch einen steilen Hang mit auffallend rötlichem Gestein hinaus zu einer hübschen Aussichtskanzel. Eine halbe Stunde später ist die Kummenalp (2086 m; 4 Std.) erreicht. Der Rest der Tour ist Schaulaufen an der Baumwuchsgrenze vor dem Bietschhorn. Ohne größere Höhenunterschiede wandert man auf dem »Lötschentaler Höhenweg« über die Hockenalp zurück zu der Alpsiedlung Stafel (2047 m; nicht zu verwechseln mit dem Stafel beim Aufstieg). Zuletzt geht’s kurz hinunter zur Seilbahnstation Lauchernalp (1969 m; 5 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied800 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortWiler (1419 m), Dorf im Lötschental
AusgangspunktBergstation der Lauchernalp-Seilbahn (1969 m)
EndpunktBergstation der Lauchernalp-Seilbahn (1969 m)
TourencharakterDer Lötschberg ist ein Alpenübergang mit Geschichte, ein Pass, der schon lange vor den Römern benutzt wurde, wie Pfeilfunde im Bereich des Lötschegletschers belegen. Sie werden in die Zeit um 3500 v. Chr. datiert – »Ötzi« lässt grüßen!
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 264 T
MarkierungenWeiß-rot-weiße Markierungen, gelbe Wegzeiger
VerkehrsanbindungIns Lötschental führt von Gampel- Steg (635 m) via Goppenstein (Autoverlad) eine überwiegend gut ausgebaute Straße.
GastronomieLötschenpasshütte, Juni–Okt., Tel. 027/939 19 81, www.loetschenpass.ch. Einkehrmöglichkeiten auf der Kummenalp und der Lauchernalp
Tipps
Die Hütte auf dem Lötschberg Natürlich wünscht man den Wanderern, die den Lötschepass überqueren, schönes Wetter samt Kaiserblick auf das Bietschhorn, das ein echter Walliser ist, aber in den Berner Alpen steht. Unlogisch? Auch mit der Lötschenpasshütte war es geografisch nicht immer einfach, gab’s doch lange Streit, ob das Haus auf Berner oder Walliser Boden steht. Sogar eine Neuvermessung der Kantonsgrenze wurde einmal verlangt und die neu errichtete Hütte von Vandalen umgehend zerstört. Das ist längst Geschichte, heute, nach mehreren Um- und Ausbauten, präsentiert sich die Lötschenpasshütte (2690 m) als modernes Haus im Gebirge, das nach streng ökologischen Grundsätzen betrieben wird, aber dennoch ein gemütliches Refugium für Bergfreunde geblieben ist. Aber ein besonderes: mit zwei »Suiten« (Blick in den Sternenhimmel inklusive), einem kleinen Hauszoo (samt Hängebauchschweinen) und Steinböcken als gelegentliche Zaungäste. Ein besonderer Tipp: Übernachten auf der Hütte, dann ganz früh aus den Federn für den Sonnenaufgang oben am Hockenhorn (3293 m), etwa 2.30 Std. für erfahrene Berggänger. Lötschenpasshütte, Anfang Juni bis Mitte November, Tel. 027/ 939 19 81, www.loetschenpass.ch
Informationen
Tourist-Info Lötschental Tourismus, CH-3918 Wiler, Tel. 027/938 88 88, E-Mail: info@loetschental.ch, www.loetschental.ch