In der Heimat der Barockkünstler

Eines der führenden Zentren des Pfaffenwinkels in der Barockzeit war Wessobrunn, Wirkungsstätte berühmter Künstlerfamilien. Vom Glanz vergangener Zeiten ist nicht mehr viel übrig, wiewohl ein Besuch in dieser friedlichen und unverfälschten Gegend nach wie vor ein Erlebnis bleibt. Beim Abstecher nach Dießen und zum Ammersee begibt man sich aber zwangsläufig auf etwas »belebtere« Wege. (Autor: Armin Scheider)
4 km
90 m
1.00 h
Auf dem Paterzeller Eibenpfad. Zwei Gründe hat es, wenn wir auf dem Weg von Weilheim nach Wessobrunn kurz nach dem Zellsee links hinauf nach Paterzell fahren - Einmal interessiert das Naturschutzgebiet Paterzeller Eibenwald, zum andern gibt es dort den stattlichen Gasthof Zum Eibenwald. Auf dessen Terrasse lassen sich Brotzeit und Alpenblick in angenehmer Weise miteinander verbinden. Nahe dem Gasthof breitet sich der größte Eibenwald Deutschlands aus. Die Eibe gilt von jeher als eine geheimnisvolle Baumart und war für die Kelten gar ein heiliger Baum. Unter den Nadelbäumen Deutschlands ist sie der einzige giftige. Begehrt war vor allem ihr Holz. Es ist hart und dennoch elastisch und wurde deshalb früher vor allem für Bögen und Armbrüste verwendet. Aber auch Möbel und Musikinstrumente wurden aus Eibenholz gefertigt. Rund 2000 Eiben sollen in Paterzell stehen, manche bis zu 20 Meter hoch. Sie können über 1000 Jahre alt werden. Ab dem Gasthof führt ein Zugangsweg zum Paterzeller Eibenpfad, einem Lehrpfad mit zehn Stationen. Auf Klapptafeln wird man über besondere Aspekte des Eibenwaldes informiert, so beispielsweise über Standort und Lebensraum der Eibe, über ihr Holz und über ihren Ruf als Baum der Zauberer und Dämonen. Rechnen Sie für den Rundgang ca. eine Stunde. Rundgang in Wessobrunn. Angekommen in Wessobrunn, gilt es sich bewusst zu machen, dass man sich in der Heimat führender Künstlergeschlechter des Barock und Rokoko befindet. Namen wie Asam, Zimmermann, Schmuzer und Feichtmayr oder Zöpf, Baader, Übelhör und Günther haben einen hervorragenden Klang. Diese Familien und Werkstätten konnten das Kunstgeschehen in Südbayern im 17. und 18. Jh. maßgeblich mitgestalten. Werfen Sie zunächst einen Blick in die Kirche St. Johann Baptist, erbaut 1759 von Joseph Schmuzer. Die Deckenfresken hat Andreas Baader gemalt, der sie umrahmende Stuck sowie Altäre und Kanzel stammen von Tassilo Zöpf. Große volkstümliche Wertschätzung genießt das Gnadenbild »Mutter der schönen Liebe« am linken Seitenaltar. Es wurde 1706 von einem Mönch aus Regensburg-Prüfening gemalt. Hinter der Pfarrkirche steht das historische Brunnenhaus, wo der Legende nach drei Quellen entdeckt wurden, die zur Klostergründung führten. Außerhalb der östlichen Klostermauer finden Sie die Tassilolinde, unter der schon 753 der Agilolfinger Herzog Tassilo geschlafen haben soll. Im Gedenkstein an der Klostereinfahrt ist das Wessobrunner Gebet (um 814) eingemeiselt, das zu den ältesten deutschen Schriftdenkmälern zählt. Wenn Sie in Paterzell nicht eingekehrt sind, können Sie das jetzt im Gasthof Zur Post tun. Nebenbei bemerkt, gibt es im Obergeschoss des Gasthofs eine prächtige Holzdecke aus dem ehemaligen Kloster. Wanderung um das Kloster. Wie schön das Kloster auf der Anhöhe liegt, sieht man erst, wenn man den Tassilo- und König-Ludwig-Weg hinausgeht. Da eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf das Weilheimer Moos und die dahinter aufgereihten Bergkuppen. Dort, wo der König-Ludwig-Weg einen Linksknick macht, läuft auch rechts eine Abzweigung weg, der wir bei anhaltender Alpensicht folgen. Sie heißt später Schmuzerstraße und führt uns direkt nach Wessobrunn zurück. Der Rundgang ist nur ca. vier Kilometer lang, also gerade richtig, um sich für eine Stunde die Beine zu vertreten (siehe Karte). Über den Engelsrieder See nach Rott. Vier Kilometer nordwestlich von Wessobrunn liegt der Engelsrieder See, ein moorhaltiger Badesee am Rande des Naturschutzgebietes Schwaigwaldmoos. Er wird allerdings als Naherholungsgebiet ausgewiesen, was zur Folge hat, dass vor allem an Wochenenden mehr Andrang herrscht. Ob Badepause oder nicht, weiter geht es nach Norden bis Rott. Neben einer Sonnenuhr am alten Schulhaus und einem alten Kriegerdenkmal in der Ortsmitte ist die Pfarrkirche St. Johannes d.T. insofern sehenswert, als an den Wänden sechs Schmädl-Figuren angebracht sind. Sie zählen nach Georg Dehio »zum Besten, was Franz Xaver Schmädl für eine kleine Landkirche geschaffen hat«. Schließlich ist ein kurzer Gang überlegenswert, der 500 Meter westlich der Ortsmitte an der Straße nach Reichling beginnt. Dort führt ein Waldweg als Kreuzweg mit Stationen zum Kalvarienberg hoch. Auf halber Höhe eine Grotte mit zahlreichen Votivgaben, oben eine Kapelle und davor eine Kreuzbergszene. Alles mehr volkstümlich interessant. Die viel gepriesene Aussicht auf Dorf, Land und Berge ist durch Bewachsung auf wenige begrenzte Ausblicke zusammengeschmolzen. Zeitbedarf nach oben ca. 10–15 Minuten. Jetzt fahren wir weiter nach Dießen am Ammersee. Unter dem Dießener Himmel. Dießener Himmel wird im Volks-mund die Stiftskirche des ehemaligen Augustinerchorherrenstifts in Dießen genannt. Sie wurde 1739 vom führenden Barockarchitekten Johann Michael Fischer erbaut. Ihre Ausstattung ist nach Dehio die bedeutendste unter allen südbayerischen Abteikirchen. Der erste Eindruck beim Eintreten ist umwerfend: Der lichterfüllte Raum strahlt in festlichem Weiß-Gold, die Einrichtung vermittelt vollendete Harmonie. Mitwirkende Künstler waren u.a. die Brüder Feichtmayr und J. G. Übelhör (Stuck), J. G. Bermüller (Fresken), J. B. Straub und F. X. Schmädl (Kanzel und Figuren) sowie F. Cuvilliés (Hochaltar) und E. Grasser (Petrusstatue). Zur Mündung der Ammer. Knapp einen Kilometer vor Vorderfischen ein kleiner Parkplatz, von dort führt ein zwei Kilometer langer Dammweg zur Mündungsstelle der Ammer in den Ammersee. Das Besondere daran ist, dass man in diesem Gebiet, der so genannten Vogelfreistätte Ammersee-Südufer, noch seltene Vögel und Pflanzen beobachten kann, vorausgesetzt, Sie bringen entsprechende Zeit, Geduld und Grundkenntnisse in Flora und Fauna mit. Lohnend ist der Gang nach vorne an die Südspitze des Ammersees auf jeden Fall.

Länge - Autoroute ca. 35 km (Paterzell-Rott-Dießen-Ammerseeufer Süd) Wanderung ca. 4 km

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour4 km
Höhenunterschied90 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPaterzell, 3 km südöstlich von Wessobrunn Anfahrt auf der B 2 über Starnberg-Weilheim.
TourencharakterEines der führenden Zentren des Pfaffenwinkels in der Barockzeit war Wessobrunn, Wirkungsstätte berühmter Künstlerfamilien. Vom Glanz vergangener Zeiten ist nicht mehr viel übrig, wiewohl ein Besuch in dieser friedlichen und unverfälschten Gegend nach wie vor ein Erlebnis bleibt. Beim Abstecher nach Dießen und zum Ammersee begibt man sich aber zwangsläufig auf etwas »belebtere« Wege.
Beste Jahreszeit
GastronomiePaterzell Gasthof Zum Eibenwald Terrasse, kein Ruhetag Wessobrunn Gasthof Zur Post Terrasse, kein Ruhetag Dießen Gasthof Unterbräu Biergarten, Mi Ruhetag
Tourismusbüro
Wessobrunn Tel. 08809/313 www.wessobrunn.de Dießen Tel. 08807/1048 www.diessen.de
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