Der Grosse Rettenstein, 2366 m

Am Kitzbüheler Felsenbollwerk - Gut beschilderte und markierte Wege machen die Orientierung leicht. Beim Gipfelanstieg wird die Route steil und felsig; schwierig ist sie nicht, doch sollte man etwas Bergerfahrung haben. (Autor: Siegfried Garnweidner)
5 km
1295 m
6.00 h
Vom Unteren Grund zur Schöntalscherm V om Parkplatz etwas nach Norden, über die Aschauer Ache hinweg und südlich der Hintenbachalm steil nach Osten hinauf. Der Wanderweg ist anfangs nicht ganz leicht zu finden. Bei 1450 m Höhe quert er eine Forststraße und führt dann in leichtem Rechtsbogen in das Schöntal hinein. Am Rande des lichten Lärchenwaldes weist die Trittspur nach Südosten zur Schöntalalm. Dort führt sie abermals auf die Straße und zu den Almhütten. Nun geht man den Schöntalbach entlang nach Süden bis zur Schöntalscherm. Steil zum Gipfel und zurück Von der Alm nach Südwesten weiter, an der Schöntalquelle vorbei und auf einen Rücken zu, der unter den Blaufeldköpfen nach links verlassen wird. Das Gelände schwingt sich auf und der Anstieg wird immer felsiger. An der Wegverzweigung auf etwa 2050 m rechts halten und stellenweise etwas pfiffig zum Felsengipfel des Großen Rettensteins hinauf. Für den Abstieg folgt man zunächst der Aufstiegsroute, doch bei der Wegabzweigung auf 2050 m, unmittelbar bei einer schmalen, aber steilen Geröllreiße, halten wir uns rechts und zunächst noch etwas abwärts, wenden uns dann aber in das Schöntaljoch hinauf. Im weitläufigen Joch biegt man links ab und wandert auf markiertem Weg, anfangs nach Osten, im weiteren Verlauf nach Nordosten, an einem kleinen See vorbei. Im stillen Wasser spiegelt sich schön der Kleine Rettenstein. Bald ist das Rettensteinjoch erreicht. Dort zweigt ein beschilderter Weg links ab, der über steile Grashänge, kurz unter der Schöntalscherm, wieder zum Aufstiegsweg stößt, dem man bis zum Ausgangspunkt zurück folgt. Bequemer, aber weiter wäre es, auf der Forststraße zurückzuwandern. Steinböcke Wer meint, am Rettenstein allein unterwegs sein zu können, der wird nicht nur im Hinblick auf zweibeinige Bergkameraden enttäuscht werden. Vor allem in den Hochlagen ist Kletterkonkurrenz unterwegs, die in den Alpen selten übertroffen wird - Steinböcke. Diese Verwandten der Ziege machen sogar den Gämsen klettertechnisch noch etwas vor. Der Mensch braucht ein Paar erstklassiger Bergschuhe, um im rauen Fels und auf kleinen Steinvorsprüngen Halt finden zu können. Den Steinböcken hat der liebe Gott dafür bestens geeignete Klauen mitgegeben. Diese sind weit abspreizbar, haben – gewissermaßen als Vibramsohle – weiche, elastische, sich dem Felsen anschmiegende Sohlen und scharfe, harte und griffige Hornränder. Einmal jedoch wäre es um den Träger dieser Kletterschuhe fast geschehen gewesen. Nein, nicht wegen unachtsamer Kraxelei, sondern wegen der Jagdwut der Menschen und deren Irrglauben, dass Hörner, Haare, Blut, ja selbst der Kot des Steinbocks Wunderheilkräfte besäßen. Im 17. Jh. ließ sogar der Erzbischof von Salzburg in seiner Apotheke einen eigenen Bereich für Steinbockmedikamente einrichten. Mitte des 18. Jhs. war der Steinbock in Österreich, Anfang des 19. Jhs. in der Schweiz ausgerottet. Ordentlich mitgeholfen haben beim Ausrotten auch die Wildschützen. 1903 lebten die letzten 60 Steinböcke im Gran-Paradiso-Revier des italienischen Königs Emanuel II. Dessen Jagdleidenschaft und der Tatsache, dass er seine Tiere ganz allein schießen wollte, ist es zu verdanken, dass der Steinbock überlebte. Denn während einerseits eine königliche Wildhüter-Armada darauf achtete, dass niemand anderer einen Steinbock schoss, gelang es andererseits Schweizer Naturfreunden, einige Steinbockkitze zu fangen und über die Grenze zu schmuggeln. Damit begann gewissermaßen eines der erfolgreichsten Auswilderungsprojekte im Alpenraum, denn mittlerweile springen wieder ca. 40000 Tiere durch die Felswände aller Alpenländer. Ein besonders imposantes Schauspiel bietet sich dem Naturfreund in der Brunftzeit der Steinböcke zwischen Dezember und Januar, wenn die Böcke in oft hartnäckigen Zweikämpfen die Rangordnung für die Paarung ausfechten. Welche Kräfte bei diesen Kämpfen frei werden, kann man sich gut vorstellen, wenn man weiß, dass ausgewachsene Böcke bis zu 140 kg wiegen und ihre Hörner bei einer Länge von 1 m auch gut und gerne 15 kg auf die Waage bringen. Dass die Tiere trotz des mitunter etwas spärlich anmutenden Nahrungsangebots ein solches Gewicht erreichen, liegt an ihrer exzellenten Futterverwertung. Wie alle Wiederkäuer besitzt auch der Steinbock ein mehrkammeriges Magensystem, in dessen Gärkammer, dem Pansen, mithilfe von Mikroorganismen die zellulosereiche Kost aufgeschlossen wird. Interessant ist hierbei, dass der Steinbock von allen heimischen Wildwiederkäuern den verhältnismäßig größten Pansen hat. Grund hierfür ist seine sehr geringe Nahrungsselektivität – in den Höhenlagen bleibt ihm auch nichts anderes übrig! Während er darauf angewiesen ist, sämtliche verfügbaren Nahrungsreserven zu nutzen, kann sich z.B. das Rehwild die besten Kräuter aus der breiten Palette auf den Talwiesen heraussuchen. Als weitere Anpassung an die Lebensweise im Hochgebirge gilt beim Steinbock der für Paarhufer ungewöhnlich kleine Sehwinkel. Während die Flachlandbewohner in der Regel einen großen Gesichtskreis (bis zu 75° pro Auge) haben, um überall Bewegungen angreifender Feinde registrieren zu können, engt sich der Winkel beim Steinbock nach vorne deutlich ein, was aber ein verstärktes räumliches Sehvermögen zur Folge hat. Dies ist beim Klettern und Springen im schwierigen Gelände unerlässlich, da ja auch Entfernungen präzise abgeschätzt werden müssen. Wir sollten uns also wenig Hoffnung machen, trotz ständigen Trainings und vieler Touren dem Steinbock klettertechnisch das Wasser reichen zu können – aber ein Genuss ist es immer wieder, diesem gewandten Bergkameraden im Fels zuschauen zu können.

Dauer - ges. 6 Std. Hintenbachalm – Schöntalalm 11/4 Std., Schöntalalm – Schöntalscherm 3/4 Std., Schöntalscherm – Großer Rettenstein 11/2 Std., Großer Rettenstein – Schöntaljoch 3/4 Std., Schöntaljoch – Schöntalalm 1 Std., Schöntalalm – Hintenbachalm 3/4 Std. Höhenunterschied: ?? 1295 m Hintenbachalm – Schöntalalm 460 m, Schöntalalm – Schöntalscherm 239 m, Schöntalscherm – Großer Rettenstein 526 m, Großer Rettenstein – Schöntaljoch ? 470 m, Schöntaljoch – Schöntalalm ? 428 m, Schöntalalm – Hintenbachalm 460 m

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour5 km
Höhenunterschied1295 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktHintenbachalm im Unteren Grund südlich von Aschau im Spertental, 1141 m
TourencharakterAn schönen, herbstlichen Wandertagen wird es am Großen Rettenstein eng. Die grandiosen Ausblicke in die Zillertaler Alpen, in die Venedigergruppe und an klaren Tagen bis zum Großglockner locken bergbegeisterte Wanderer in Scharen auf den Rettenstein und da wird der Platz für die Gipfeljause manchmal etwas knapp. Der Große Rettenstein ist übrigens eine Berggestalt, wie sie für die Kitzbüheler Alpen mit ihren vielen Gras- und Waldbuckeln recht untypisch ist. Er gibt sich steil und felsig und deshalb fällt er weithin als felsiges, markantes Gipfelziel auf.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarte, 1 - 50000, Blatt 29 (Kitzbüheler Alpen)
VerkehrsanbindungVon Kitzbühel mit Pkw oder Bus über Kirchberg in Tirol nach Aschau im Spertental, von dort in den Unteren Grund bis zur Hintenbachalm
Tipps
Spiessnägel Vom Schöntaljoch kann man gegen Norden über das Rettensteinjoch weitergehen und landet auf den 1880 m hohen Spießnägeln. Wer sich diesen ausgedehnten Schlenker gönnt, kann anfangs auf einem gewundenen Bergweg, danach auf Fahrstraßen zur Hintenbachalm absteigen.
Höchster Punkt
Großer Rettenstein, 2366 m
Tourismusbüro
Kirchberg in Tirol, Tel.: 0043/(0)5357/2309; Internet: www.tirol.at/kirchberg
Mehr zum Thema