Der Gommer Höhenweg

Aussichtsreiche Hangwanderung ohne größere Steigungen, bestens markiert. Durchwegs ordentliche Wege, kaum Asphaltbelag. Mehrfach Zwischenabstiege zu den Gommer Dörfern möglich. (Autor: Eugen E. Hüsler)
15 km
680 m
5.00 h
Die Rhone heißt hier noch Rotten, moderne Chaletsiedlungen und Hotelburgen gibt es kaum, dafür überall alte Bausubstanz in Stein und Holz. Ernen, das auf einer Anhöhe über dem Talgrund liegt, ist ein lebendiges Museum mit einem charaktervollen Dorfplatz und allen typischen Bauformen der Talschaft. Die schönste Gommer Kirche steht in Reckingen; sie stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde wohl von einem Baumeister aus Vorarlberg errichtet. Für die Pfarrkirche von Münster schuf Jörg Keller aus Luzern einen prächtigen spätgotischen Flügelaltar. Finanziert wurde das Werk teilweise von dem aus Mühlebach bei Ernen stammenden Kardinal Matthäus Schiner.

 Ein anderer Gommer, dem das Tal bald zu eng wurde, ist Cäsar Ritz (1850–1918), Begründer eines großen Hotelimperiums. Sein »Ritz« in Paris (wo immerhin Escoffier kochte) galt als Inbegriff eines modernen Luxushotels. Kaum bekannt ist, dass Ritz auch die deutsche Mineralwasser AG »Apollinaris« gründete. Wer das Goms kennenlernen will, tut das am besten zu Fuß (oder mit dem Radl), also in einem dem Charakter des Tals angemessenen Tempo, das ausreichend Zeit lässt zum Schauen und Verarbeiten. Beispielsweise auf dem »Gommer Höhenweg«, der von Bellwald bis Oberwald führt, immer ein Stück über dem Talboden. Für die gesamte Strecke reicht allerdings ein Tag kaum aus (etwa 10 Std.), weshalb sich eine Teilbegehung anbietet.

Rückreise mit der Gotthard Matterhorn Bahn

Zurück zum Ausgangspunkt reist man dann ganz entspannt in der »Gotthard Matterhorn Bahn«. Bellwald Sonnig und aussichtsreich. So lässt sich die Lage des Dorfes, das auf einer Anhöhe über der Mündung des Fieschertals liegt, charakterisieren. Lange Zeit war es nur über eine Seilbahn mit dem Tal verbunden. Der alte Dorfkern, 1374 als Zblattun urkundlich erwähnt, zeichnet sich durch einen bedeutenden Bestand alter Wohn- und Nutzbauten aus. Im Rücken von Kirche und Beinhaus stehen die Häuser dicht an dicht, dazwischen liegen schmale Gassen und kleine Plätze. Die Pfarrkirche mit ihrem spitzen Turm stammt aus dem 17. Jahrhundert; sie bewahrt eine üppige Barockausstattung.

Hangaufwärts wuchert gesichtsloser Chaletbaustil, parlieren die (meist abwesenden) Besitzer eher Züridütsch oder Holländisch als im Walliser Dialekt. Der Grat zwischen wirtschaftlicher Not, Abwanderung und Ausverkauf der Heimat ist halt ziemlich schmal, im Wallis wie anderswo in den Schweizer Alpen. Der »Gommer Höhenweg« Alt und neu säumen den Auftakt des Höhenweges. Von der Seilbahnstation in Bellwald (1554 m) steigt man zwischen Gommer Holzhäusern, alten Speichern mit den typischen Mäusesteinen und modernen Chalets hinauf zum oberen Dorfteil (Gasse). Dann geht’s eben weiter, zunächst mit freier Sicht übers Tal, bald auch angenehm schattig. Gleich hinter der Miniklamm von Nessel weist ein Pfeil rechts zur Apolloniakapelle (1622 m), die wenig unterhalb des Höhenweges steht und aus dem 17. Jahrhundert stammt.

Die Heilige gilt als Nothelferin bei Zahnschmerzen, weshalb sie früher recht häufig aufgesucht wurde, in der Hoffnung, den bohrenden Schmerz betend loszuwerden. Die Fortsetzung des »Gommer Höhenweges« senkt sich über Willerle sanft in den Graben des Schwarzen Wassers. Mit freier Sicht auf die Berge des Obergoms geht’s am Hang unterhalb des Wilerwaldes weiter abwärts nach Wilerlärch (1460 m; 1 Std.). Man passiert den Wilerbach, dann beginnt die Route wieder anzusteigen (Wildgehege). An einem besonders schönen Wegpunkt steht eine Panoramatafel. Oberhalb von Selkingen, hinter den Hütten von Igschene (1697 m), biegt der Pfad ein ins Bieligertal.

Beim Selkigerchäller (1674 m; 2.45 Std.), wo sich Gelegenheit zur Einkehr bietet, überschreitet man den Walibach; im Talhintergrund bauen sich das Wasenhorn und das Vordere Galmihorn (3517 m) auf. In der Folge quert der Höhenweg die Hangmulde der Löüwene, deren Name auf immer wiederkehrende Naturkatastrophen im Goms hinweist. So verschüttete eine riesige Lawine im Winter 1970 einen Teil des Dorfes Reckingen; 30 Menschen fanden dabei den Tod. Die Höhenwanderung führt weiter ins enge Bächital, wo die Guferschmattä (1790 m) eine urige Einkehrmöglichkeit bietet, dann oberhalb von Reckingen auf einem Sandsträßchen sanft bergab. An der Rechtskehre geradeaus nach Gifi und schließlich auf einem Fahrweg hinein nach Münster (1370 m; 5 Std.).

Höhenweg Wanderung

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied680 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortBellwald (1559 m)
AusgangspunktOrtsmitte Bellwald
EndpunktMünster (1370 m)
TourencharakterDas Goms ist anders. Anders als das übrige Wallis, das spürt man bereits auf der Fahrt von den großen Pässen herab in das sich schnurgerade hinziehende Tal. Es ist eine Landschaft der großen Linien, Gräben, aber keine richtigen Täler links wie rechts, und an ihren Mündungen, aufgereiht wie Perlen an einer Schnur, die Dörfer.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 265 T
MarkierungenGelb, weiß-rot-weiß, gelbe Wegzeige
VerkehrsanbindungDie Dörfer des Goms liegen an der Bahnlinie Brig–Furka; von der Station Fürgangen (1202 m) Seilbahn nach Bellwald. Das Dorf hat auch eine Straßenzufahrt.
GastronomieWalibachhütte (Selkigerchäller) und Hänggisch-Hitta (Guferschmattä), Alphütten, im Sommer einfach bewirtschaftet
Tipps
Ein kulinarisches Gommer Highlight Wenn immer wieder (und auch zu Recht) moniert wird, dass man in den großen Walliser Ferienorten mit lieblosen Käsegerichten und wenig fantasievoller Hotelküche abgespeist wird, so darf man sich hoch droben im Goms vom Gegenteil überzeugen. Im Alpenhotel Castle, das am Sonnenhang über Blitzingen liegt, wird man nicht nur freundlich-kompetent umsorgt. Peter Gschwendtner verwöhnt mit seiner regional geprägten Küche auch anspruchsvolle Gaumen, seine Frau Brigitte ist für den Service zuständig und betreut den wunderschönen Hotelgarten. Dass auch noch das Weisshorn, neben dem Matterhorn der schönste Viertausender des Wallis, hier zum Fenster hereinschaut, passt ganz besonders gut. Denn immerhin stand der Bergführer Geschwendtner 2004 auf dem höchsten Gipfel der Erde – chapeau! Beim Kochen will er kein Himmelsstürmer, sondern mehr dem Bodenständigen verhaftet sein, mit Naturprodukten aus dem Goms arbeiten, und dazu gehört auch, dass er im Wald nach Schwammerln und Kräutern sucht. Das Castle – eine echte Wohlfühloase. Ein Tipp: das Ritz-Menü, eine Hommage an den berühmten Hotelier Cäsar Ritz, der aus dem Goms stammt. Alpenhotel Castle, CH-3989 Blitzingen, Tel. 027/970 17 00, E-Mail: info@hotel-castle.ch, www.hotel-castle.ch
Informationen
Tourist-Info Goms Tourismus, Furkastr., CH- 3984 Fiesch, Tel. 027/970 10 70, E-Mail: tourismus@goms.ch, www.goms.ch
Höchster Punkt
Bellwald (1559 m)

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