An den Vinschgauer Seen

Hoch über Haider- und Reschensee im Vinschgauer Oberland. Mittelschwere Wanderung entlang von Bergpfaden, Waldpfaden und Forststraßen mit geringen Anstiegen, teilweise etwas steiler Abstieg zwischen Haider Alm und Brucker Alm. (Autor: Peter Mertz)
16 km
1245 m
4.00 h

Von Schöneben zur Haider Alm

Unsere Wanderroute führt stets hoch über den beiden Seen an den Hängen von Zwölferkopf, Zehnerkopf und Elferspitz entlang. Wir wandern in luftiger Höhe auf einem bequemen Bergpfad über der Waldgrenze von der Schöneben Alm zur Haider Alm. Schöneben erreichen wir bequem mit der Gondelbahn. Von der Bergstation (2.088 m) benutzen wir eine Schotterstraße, um südwärts zum Wanderweg Nr. 14 aufzusteigen. Der Höhenweg führt in knapp eineinhalb Stunden zur Haider Alm. Dabei genießen wir die Blicke auf die Obervinschgauer Seen und hinüber zu den Ötztaler Alpen rund um die Weißkugel. Nach Süden hingegen reicht der Blick bis zu den Gletschern des Ortlermassivs. Etwa auf halbem Wege erreichen wir einen Hirtenunterstand, der bei den Quellseen Sieben Brunn liegt (2.280 m). Hier entspringt der Kaschoner Bach, der zum Reschensee hinab fließt. Beim Roten Eck erreichen wir die höchste Stelle des Höhenwegs und beginnen einen etwas steilen Abstieg durch den Graben des Fellatschbachs, bis wir die Haider Alm erreicht haben (2.149 m).

Von der Haider Alm zur Brucker Alm

Rund um die Alm befindet sich ein Skigebiet, das noch einige hundert Höhenmeter die Hänge hinaufzieht und mit Liften von hier aus versorgt wird. Für die Fortsetzung der Route wählen wir den Weg Nr. 16, der zuerst entlang einer Skipiste 100 Höhenmeter ansteigt und dann als romantischer Pfad in den Zirben-Lärchenwald einbiegt. Nun folgt ein Quergang durch den herrlichen Bergwald, bis wir an die Hänge des Zerzer Tals herankommen. Nach einem Abwärtsschwenk erreichen wir nach 200 Höhenmetern einen Forstweg, der rechts zur Brucker Alm hinabführt. Wir gelangen ins stille Hochtal von Zerz, aus dem ein silberheller Bergbach steil in den Haidersee hinabstürzt. Die ursprünglich gebliebene Alm (1914 m) bietet im Sommer frische Milch und Käse als Stärkung an. Entlang der Almstraße queren wir den Zerzerbach und wandern am südlichen Ufer des Haidersees etwa 15 Minuten bis zur Wallfahrtskirche St.Martin (1.785 m). Die schneeweiße Kapelle, die 1715 von Matthias Rediff gestiftet wurde, steht am Übergang des Zerzertals ins Vinschgau einsam im Wald.

Hinab zum Haidersee

Die nächsten Wegpassagen können wir auf dem alten Wallfahrtsweg zurücklegen, der als trassierter Saumpfad die Spitzkehren der Forststraße abkürzt. Wir queren diese zweimal, bis wir zu einer Wildfütterung kommen, um weiterhin auf dem Wanderweg bis zum Faulsee abzusteigen (1.597 m). Das kleine Gewässer liegt in einer Waldmulde und bietet einen gemütlichen Rastplatz an. Der letzte Abstieg zum Haidersee erfolgt entweder über den Forstweg oder über den alten Saumpfad, der nun etwas undeutlicher nördlich des Faulsees von der Waldstraße abzweigt. Beide Routen kommen bei einem kleinen Parkplatz am Vinschgau-Radweg an (1.460 m). Hier können wir einen kurzen Abstecher zum Ausfluss des Haidersees hinab unternehmen, wo ein flutender Steg durch Schilfgürtel und Auenwald zu einem Naturlehrpfad führt. Der Haidersee umfasst eine Fläche von 90 Hektar und lieferte schon vor 800 Jahren den Einsiedlermönchen der Kartause Allerengelberg im Schnalstal Fische für ihre Fastengerichte. Wir wandern nun auf dem Radweg am Westufer des Haidersees in 45 Minuten nach St. Valentin auf der Haide (1.470 m). Dort können wir von der Bushaltestelle an der Hauptstraße nach Reschen zurückkehren.

Am Reschensee entlang

Wer die Wanderung noch fortsetzen will, kann zu Fuß den Ausgangspunkt erreichen, der acht Kilometer von St. Valentin entfernt liegt. Dazu queren wir St. Valentin und folgen den asphaltierten Wirtschaftswegen über Valatsch bis zur Staumauer des Reschensees. Dort beginnt der am Westufer entlangführende Reschenrundweg, der zumeist in unmittelbarer Ufernähe oder durch das Wiesengelände der Weiler Spin und Görf führt. Für diesen Rückweg müssen wir knapp zwei Stunden einplanen.


Dauer: Schöneben Alm – Haider Alm 1.45 Std. – Brucker Alm 1 Std. – St. Martin 20 Min. – Faulsee 30 Min. – Haidersee 10 Min. – St. Valentin auf der Haide 45 Min.; Gesamtgehzeit 4.30 Std.; Retour nach Reschen zusätzlich 2 Std.
Motto: Wandern am Wasser, Sommerwanderungen

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied1245 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPitz (1.498 m), Talstation der Schönebenbahn nahe der Ortschaft Reschen
EndpunktSt. Valentin auf der Haide (1.461 m)
TourencharakterDas Vinschgau endet knapp vor dem Reschenpass sozusagen auf höchster Ebene mit zwei Seen, von denen der Reschensee ein Stausee und der Haidersee ein natürliches Gewässer ist. Weltbekannt wurde der Reschensee durch den versunkenen Kirchturm von Graun, der teilweise sichtbar blieb, als man zwischen 1948 und 1950 den kleinen Reschen- und den Graunsee zu einem zusammenhängenden See aufstaute und der Wasserspiegel um 22 Meter anstieg. Dabei wurden alle, zum Teil auch kulturhistorisch wertvolle, Bauernhäuser und alle umliegenden Gärten, Feldern und Weiden überflutet. Die 163 Bewohner hatte man zuvor in das neue Graun umgesiedelt, das etwas höher am Ausgang des Langtauferer Tales errichtet worden war. Heute erstreckt sich der Reschen(stau)see mit einer Breite von etwa 2 Kilometern über eine Länge von 7,5 Kilometern, sein Wasser wird bis Schlunders in ein Kraftwerk abgeleitet. Der südlich gelegene Haidersee blieb zwar von einer Veränderung verschont, sein Wasser kann aber im Bedarfsfall in den Reschensee hinaufgepumpt werden.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt Wanderkarte (1:50 000) Blatt WK S2 (Vinschgau–Ötztaler Alpen); Tabacco (1:25 000) Blatt 043 (Vinschgauer Oberland)
VerkehrsanbindungAuto: In Reschen von der Vinschgau-Staatsstraße (SS 38) ans Westufer des Reschensees, auf einer Nebenstraße 2 km bis zur Talstation der Schönebenbahn in Pitz (beschildert).
Bus: Busverbindung von St. Valentin an der Haide nach Graun und Reschen
GastronomieBergrestaurant Schöneben
Haideralm
Brucker Alm
Gasthöfe in St. Valentin
Tipps
Abstecher nach Rojen (1.980 m): Nahe dem Ausgangspunkt führt das Rojental zu dem kulturgeschichtlich bedeutenden Bergdörfchen Rojen, dessen Bauernhäuser förmlich in den Wiesenhängen des romantischen Tals kleben. Rojen ist die höchste ganzjährig bewohnte Siedlung Südtirols. Im Gasthof Bergkristall kann man sich den Schlüssel für das sehenswerte St.-Nikolaus-Kirchlein geben lassen. Sowohl die Wände als auch das Kreuzgewölbe tragen Kunstschätze der Meraner Schule des 15. Jahrhunderts, unter anderem die Weihnachtsgeschichte.
Tourismusbüro
Tourismusverein Vinschgauer Oberland, I–39020 Graun, Tel. 0473-634603, reschen@reschenpass.info, www.reschenpass.info

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Peter Mertz

Wandern am Wasser in Südtirol

Wasser ist nicht nur für Kinder faszinierend. Die familienfreundlichen Wanderungen führen zu den schönsten und reizvollsten Wasser-Schauplätzen Südtirols.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema