In den Kleinen Zschand

Auch ohne großartige Ausblicke gehört diese Wanderung zu den eindrucksvollsten Touren; keine schwierigen Anstiege, viel Schatten, breite Waldwege (Autor: Tassilo Wengel)
12 km
220 m
4.00 h
Von der Felsenmühle zum Beuthenfall.
Wir beginnen die Wanderung bei der Brücke an der Felsenmühle und folgen der Forststraße mit der Markierung grüner Querstrich in den Kleinen Zschand. Der Weg führt entlang dem Quenenbach, rechts und links sind die Hänge bewaldet und am Weg wachsen zahlreiche Pflanzen, u.a. Fingerhüte, Fuchs’sches Kreuzkraut, Braunelle und viele hohe Farne. Nach 30 Minuten erreichen wir an einer Weggabelung eine kleine Schutzhütte. Dort folgen wir dem Wegweiser zum Heringsloch und schwenken nach fünf Minuten bei der Quenenwiese links. Das Tal wird enger, rechts sieht man die gewaltigen Wände des Gleitmannshorns aufragen und auch der Kleine Winterberg ist schon auszumachen.
Bald beginnt ein allmählicher Aufstieg bis zur Wegkreuzung beim Heringstein. Dort wandern wir mit der Markierung roter Querstrich weiter auf einem reizvollen Weg, der sich am Hang unterhalb des Kleinen Winterberges entlangzieht und durch Jungwuchs von Buchen, Birken, Fichten und Kiefern führt. Linker Hand beeindrucken die grandiosen, senkrechten Felswände des Kleinen Winterberges, die sich im lichten Wald in ihrer ganzen Schönheit präsentieren. Wir erreichen einen Abzweig und gehen weiter der Markierung roter Querstrich folgend auf dem Königsweg, einem breiten Waldweg, der allmählich abwärts führt. Auf dem bequemen Weg kommen wir gut voran und folgen dem Wegweiser »Beuthenfall 20 Min.« auf dem Hinteren Heideweg. Dieser mit Holzbohlen belegte Hohl- weg mündet auf die Zeughausstraße. Dort schwenken wir nach links und wandern durch den Dietrichsgrund zum Beuthenfall.
Auf dem Flößersteig.
Hier stoßen wir auf den Flößersteig, einen Lehrpfad, der bis Bad Schandau führt und von dem wir auf dieser Tour ein kleines Stück kennenlernen wer- den. Rund 400 Jahre lang – von 1557 bis in das 20. Jahrhundert – war die Flößerei auf der Kirnitzsch als kurfürstliches, später königliches Hoheitsrecht Haupterwerbszweig der hiesigen Bevölkerung und sicherte die Versorgung sächsischer Städte mit Brennholz. Während bis 1921 der Holztransport von der Oberen Schleuse bei Hinterhermsdorf bis in die Elbe erfolgte, flößte man danach nur noch bis zur Neumannmühle.
Wir überqueren die Straße, wenden uns nach rechts und gehen etwa zehn Minuten auf der Asphaltstraße bis zum Lichtenhainer Wasserfall. Rechter Hand steht die Heidemühle (noch geschlossen), die Ende des 16. Jahrhunderts als »Lichtenhainer neue brett müll« bezeichnet wurde. Damals schon mit Schankrecht ausgestattet, war sie eine beliebte Raststätte für die ersten Reisenden, die in diese Gegend kamen. Hier konnte man auch Fremdenführer, Sesselträger und Saumtierhalter mieten. Am Lichtenhainer Wasserfall überqueren wir die Straße und dann die Brücke über die Kirnitzsch und folgen nun dem Flößersteig weiter. Zunächst geht es wenige Meter auf einem breiten Weg dahin, dann steigen wir nach links eine Treppe hinab zur Kirnitzsch. Der Weg führt an der Wasserversorgung für die Berggaststätte auf dem Kuhstall vorbei und wird von zahlreichen Hochstauden begleitet, die sich am feuchten Ufer der Kirnitzsch wohlfühlen. Wo der Wald wieder dominiert, wird ein Teil des 1300 Meter langen Mühlgrabens der Lichtenhainer Mühle sichtbar, die im 15. Jahrhundert als Mahl- und Brettmühle zur Burgstätte auf dem Wildenstein gehörte. Zu ihr führte auch die Alte Straße, die wir kurz danach überqueren. Sie verband die Burgstätte mit dem 16 Kilometer entfernten Hohnstein. Hier bietet sich ein Abstecher zur Gaststätte auf dem Kuhstall an (20 Min., Markierung gelber Querstrich).
Wir folgen weiter dem Flößersteig und kommen an der einstigen Wehranlage »Kuhnbergschutz« vorbei. Auf diesem Teil unserer Tour befinden wir uns auf dem »echten« Flößersteig, der tatsächlich in vergangener Zeit von den Flößern begangen wurde. Das letzte Stück des Flößersteiges führt etwas anstrengender über Steine und Wurzeln und mündet bei der Brücke an der Felsenmühle in den Kleinen Zschand, wo unsere Wanderung begann.

GEHZEITEN.
Felsenmühle – Heringsstein – 11/2 Std. – Beuthenfall 13/4 Std. – Felsenmühle 11/4 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied220 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktFelsenmühle
EndpunktFelsenmühle
TourencharakterDer Kleine Zschand, ein drei Kilometer langes, wasserarmes Seitental des Kirnitzschtales, beginnt bei der Felsenmühle. Faszinierend sind vor allem die imposanten Felswände des Gleitmannshorns, die mehrere Hundert Meter hoch aufragen und dem Wanderer einen überwältigenden Eindruck bescheren.
Hinweise
KURFÜRST AUGUST VON SACHSEN AUF DEM WINTERBERG. Auf dem Kleinen Winterberg erinnert eine Tafel daran, dass hier Kurfürst August bei einer Hofjagd 1558 einen kapitalen Hirsch zur Strecke brachte. Zum Aufenthalt der Jagdgesellschaft diente damals ein winterfestes Jagdhäuschen, das 1818 durch einen Pavillon ersetzt wurde. Zu der Zeit wurden hier am Fremdenweg Getränke an Wanderer ausgeschenkt, heute ist der Pavillon verwaist.
KartentippTopografische Karte 1 - 25000 mit Wanderwegen des Landesvermessungsamtes Sachsen, Blatt 45
VerkehrsanbindungMit dem Auto auf der A4 oder A13 bis zur Anschlussstelle Dresden Altstadt und durch Dresden Richtung Pirna oder bis Autobahndreieck Dresden-West, auf der A17 bis Anschlussstelle Pirna und auf der B172 über Pirna und Bad Schandau zur Felsenmühle. Mit der S-Bahn bis Bad Schandau, weiter per Bus
GastronomiePension & Gasthaus Felsenmühle, Kirnitzschtalstr. 8, Tel. 035974/50088
Tipps
DIE FELSENMÜHLE – BRETTMÜHLE UND GASTSTÄTTE. Als im Jahre 1660 ein heftiger Sturm über die Sächsische Schweiz fegte, erlitt der Baumbestand großen Schaden. Vermutlich brachte dies den damaligen Buschmüller Christoph Storm auf die Idee, eine Brettmühle am »Kleinen Zschand« zu errichten. Bereits 1663 verkaufte die Gemeinde Ottendorf ihm für 12 Reichstaler und 1/4 Fass Bier ein Stück Gemeindeland. 1664 teilte ihm der Amtmann Johann Gottfried Hanitzsch brieflich mit, dass der Kurfürst ihm »gnädigst anbefohlen habe«, Storm zur Verarbeitung des vielen herumliegenden Bruchholzes den Bau einer Brettmühle zu gestatten. Danach wurde die Felsenmühle noch im gleichen Jahr gegründet. Zunächst als »Puttrichmühle« und »Kesslers Mühle« bezeichnet, erhielt sie ihren heutigen Namen »Felsenmühle« erst 1874, als ihr damaliger Besitzer Henke die Mühle wegen des Straßenbaus auf der anderen Straßenseite neu errichten musste. Heute ist sie als einzige modernisierte Brettmühle im Kirnitzschtal noch in Betrieb. Henke errichtete damals gleichzeitig am ursprünglichen Standort der Mühle eine Gastwirtschaft mit Fremdenzimmern, in der auch der Pferdestall untergebracht war. Heute ist die Gaststätte »Felsenmühle« für ihre Wildgerichte bekannt, denn Wildschwein, Rehe und Hirsche gibt es in dieser Gegend reichlich. Aber auch frische Forellen und Waldfrüchte von heimischen Züchtern und Sammlern finden sich auf der Speisekarte. Ein besonderer Leckerbissen sind die Hefeklöße mit Waldheidelbeeren und der Eisbecher mit hiesigen Waldhimbeeren.
Informationen
ARTENREICHE FEUCHTWIESEN AN DER KIRNITZSCH. Die Pflanzenwelt am Ufer der Kirnitzsch ist vielfältig und verwandelt sich im Hochsommer in ein Blütenmeer. Dichte Bestände des Drüsigen Springkrautes mit ihren rosaroten, gespornten Blüten säumen den Weg – umschwärmt von zahlreichen Insekten, vor allem Bienen und Hummeln. Aber auch die 50 Zentimeter hohe Gelbe Gauklerblume, hohe Taubnesseln mit gelb-violetten Blüten und viele andere erfreuen das Auge des Wanderers.
Unterkunft
Kirnitzschtal - Hotel Forsthaus, Kirnitzschtalstr. 5, Tel. 035022/5840, www.weka-touristik.de/hotel-forsthaus; Felsenmühle, Kirnitzschtalstr. 8, Tel. 03574/50088, www.pension-felsenmuehle.de
Tourismusbüro
Fremdenverkehrsamt Kirnitzschtal, Sebnitzer Str. 2, 01855 Altendorf, Tel. 035022/42774, fva-kirnitzschtal@freenet.de, www.saechsische-schweiz-urlaub.com

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