Das Trettachtal und seine Nebentäler

Überwiegend breite und gut zu begehende Wege, die steilen Aufstiege durch die beiden Tobel setzen Trittfestigkeit voraus. Teilweise geteerte Straßen. (Autor: Gerald Schwabe)
26 km
750 m
7.00 h
Im Trettachtal Das Trettachtal kann man sicherlich nicht still und abgelegen nennen; dafür sorgen schon seine Lage unmittelbar südlich von Oberstdorf und seine zahlreichen schönen Wanderziele. Aber wie so oft gibt es auch hier im Trettachtal neben dem Hauptweg, den fast alle nutzen, viele kleine wunderschöne Nebenpfade, die zu den gleichen Zielen führen und erstaunlich wenig frequentiert werden. Wir starten unsere Wanderung in Oberstdorf an der Trettachbrücke in der Nähe der Nebelhornbahn- Talstation, wählen die der Stadt zugewandte Westseite des Flusses und folgen dem schönen Weg entlang der rauschenden Trettach. Der Fluss hat sich hier eine tiefe Schlucht gegraben, durch die wir etwa 750 Meter hindurchlaufen, ehe sich das Tal plötzlich weitet und den Blick auf Kratzer und Trettachspitze freigibt. Die Trettach hat hier ein weites, offenes Schotterbett aufgeschüttet, das nach jedem Hochwasser seine Struktur ändert. Über eine Holzbrücke gelangen wir auf die östliche Flussseite und folgen dem – wieder etwas belebteren – breiten Fahrweg südwärts. Nach wenigen Metern queren wir eine weitere Brücke über den klaren Oybach, der aus dem Oytal kommend an dieser Stelle in die Trettach mündet. Über eine Wiese und anschließend durch eine lange Ahornallee stoßen wir schließlich an einer kleinen Staumauer auf eine Teerstraße, auf der wir taleinwärts weiterwandern. Kurz darauf öffnet sich vor uns eine wunderschöne weite Tallandschaft, die die Augen zum Leuchten bringt: Almwiesen, vereinzelte Häuser, und im Talschluss die markanten Gipfel von Trettachspitze und Kratzer. Links führt eine geteerte Straße steil hinauf zur Alpsiedlung Gerstruben, die zwar auch unser erstes Ziel ist, aber auf einem anderen, etwas schöneren Weg. Dazu folgen wir dem Talweg noch etwa zehn Minuten, bis links ein schmaler Pfad abgeht. (Wer mag, kann die »Anfahrt« von Oberstdorf bis hierhin mit dem Fahrrad abkürzen; am Ende der Rundwanderung kommen wir wieder an dieser Stelle vorbei.) Unser Ziel, das Dietersbachtal, entzieht sich von hier unten völlig den Blicken, was ein Grund sein mag, warum vergleichsweise wenige Wanderer dort hinaufsteigen. Wer nicht weiß, dass dort oben die herrliche Alpsiedlung Gerstruben wartet, strebt meist dem weitaus interessanter wirkenden Trettachtalschluss entgegen. Hinauf nach Gerstruben Für uns heißt es nun, etwa 200 Höhenmeter zu überwinden. Der schmale Pfad steigt steil durch den bewaldeten Hölltobel an, immer wieder vorbei am rauschenden Dietersbach mit seinen Kaskaden und Wasserfällen. Nach 30 Minuten Aufstieg gelangen wir schließlich auf eine Teerstraße, die alternativ ins Dietersbachtal hinaufführt, biegen um eine letzte Kurve und stehen vor einem der klassischen Fotomotive des Oberallgäus, der kleinen Alpsiedlung Gerstruben: fünf uralte Höfe, sonnenverbranntes Holz, ausladende Bäume, eine strahlend weiße Kapelle, Blumenwiesen. Kurzum: eine Almidylle, wie man sie sich schöner nicht ausdenken kann. Und als ob das nicht schon reichen würde, erhebt sich im Hintergrund einer der schönsten Gipfel des Allgäus – die markante Höfats mit ihrem scharfen Gipfelgrat. Wer sich nach einer ausgiebigen Pause inmitten dieser Stille nicht losreißen mag, kann sich damit trösten, dass wir auf unserem Rückweg erneut hier vorbeikommen. Wir verlassen schließlich die Siedlung und laufen auf breitem Fahrweg durch eine reizvolle alte Ahornallee ins Dietersbachtal hinein. Der Weg führt anschließend – immer leicht ansteigend – durch Weiden und kleine Baumgruppen, an der uralten Gerstruber Alpe vorbei, bis wir nach etwa einer Stunde den beeindruckenden Talschluss erreichen. Unterhalb des Rauhecks und einer hohen, senkrechten Wand, über die ein kleiner Wasserfall stürzt, liegt die schön herausgeputzte Dietersbach-Alpe (1325m) inmitten einer weiten Weidefläche. Nachdem wir auf demselben Weg zurück nach Gerstruben gelangt sind, folgen wir inmitten der Häuser südwärts der Beschilderung »Spielmannsau über Rautweg« und steigen die steile Wiese unterhalb der Siedlung hinab zum Dietersbach, den wir an einer immer etwas rutschigen, durch Seile gesicherten Stelle überqueren. Nach dem Queren einer kleinen Lichtung wandern wir genüsslich auf einem angenehmen Waldweg südwärts in Richtung Spielmannsau. Ins Traufbachtal Nach 45 Minuten erreichen wir kurz vor Spielmannsau die geteerte Talstraße. Wer genug Zeit und Lust hat, dem sei ein kurzer Abstecher in das urtümliche Traufbachtal wärmstens empfohlen (etwa eine Stunde hin und zurück bis zur Traufbergalpe). Dazu halten wir uns gleich wieder links und folgen dem ansteigenden Waldweg entlang dem Traufbach. Nach 50 Metern sehen wir rechts einen Steg über den Bach, der uns auf dem Rückweg direkt nach Spielmannsau bringt. Wir bleiben auf unserem Weg und durchschreiten eine schmale Schlucht. Bei einem hübschen Wasserfall queren wir auf einer schmalen Brücke den Bach und steigen auf der anderen Seite steil den Tobelweg hinauf. Der Pfad ist bei Nässe teilweise etwas matschig, aber im Großen und Ganzen gut zu gehen. Schnell haben wir den Anstieg hinter uns gelassen, der Weg wird eben und trifft nach wenigen Metern auf die Teerstraße, auf der man mit Auto und Fahrrad das Tal erreichen kann. Für Wanderer ist der Tobelweg die weitaus bessere Variante. Der breite Weg führt über eine Brücke und endet schließlich bei der alten, schönen Traufbergalpe (1220m). Das Traufbachtal wirkt anders als die übrigen Oberallgäuer Täler: wilder, fast möchte man meinen »unaufgeräumter«; es ist enger und steiler, und es fehlen die ebenen, lieblichen Almböden. Ein Wegweiser lockt uns mit einem Wasserfall in 45 Minuten; ein Weitergehen lohnt nur für etwa zehn Minuten, bis wir einen freien Blick auf den imposanten Talschluss, den besagten Wasserfall und die Öfnerspitze haben. Der Weg selber verläuft sich nach und nach im etwas rutschigen Gelände. Zurück geht es auf dem gleichen Weg, bis wir auf dem schmalen Steg am Talausgang den Traufbach queren und die kleine Häuseransammlung der Spielmannsau (985m) erreichen. Eine beliebte Ausflugsgaststätte für Wanderer und Radler, inmitten einer schönen, weiten Ebene, der Spielmannsau, mit freiem Blick auf die mächtige Trettachspitze. Etwas ruhiger geht es ein paar Meter taleinwärts bei der Alpe Oberau zu. Südlich davon wird das Tal enger, der Weg zieht sich hinauf zur Kemptner Hütte und zu großartigen alpinen Touren. Gemütlicher Rückweg Schließlich treten wir den Rückweg an; mangels Auswahl bleibt uns vorerst nur die Teerstraße, der wir etwa 20 Minuten folgen, ehe wir uns hinter einer Brücke links halten und parallel zur Straße auf einem breiten Schotterweg zügig voranschreiten. Ein für dieses Tal etwas zu groß geratenes Hotel zur Linken ignorieren wir und gelangen zum herrlichen Christlessee: ein großer Quellteich mit einer unglaublichen Wasserfarbe. Vom See sind es nur wenige Meter bis zur Haupt-Teerstraße, die wir – ebenso wie die Trettach – überqueren. Kurze Zeit später schließt sich ein erster Kreis und wir haben den Hölltobel-Abzweig zur Alpsiedlung Gerstruben erreicht (und evtl. unser Fahrrad). Wem es nach Einkehr verlangt, wird in diesem Talabschnitt sicherlich fündig. Wir folgen weiter unserem Hinweg bis zu einer weiteren Trettachbrücke (an einem kleinen Stauwehr), biegen dort aber nicht nach rechts ab, sondern bleiben auf der Straße und folgen ihr etwa 500 Meter. Kurz vor einem steilen Gefälle verlassen wir die Straße und biegen nach rechts in einen breiten Pfad ein. Anfangs einen Golfplatz entlang, bringt uns dieser wunderschöne Waldweg zum stillen Moorweiher. Auf einer der vielen, aussichtsreichen Bänke kann man wunderbar den schönen Tag Revue passieren lasen, bevor wir die letzten Meter auf uns nehmen. Ein kleiner Anstieg noch über eine Kuppe mit einer schönen Ahornallee, dann geht es hinunter nach Oberstdorf, das wir genau an unserem Ausgangspunkt an der Trettachbrücke erreichen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour26 km
Höhenunterschied750 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortOberstdorf, 813m
AusgangspunktOberstdorf
EndpunktDietersbach-Alpe, 1325m; Traufbergalpe, 1220m; Spielmannsau, 985m
TourencharakterDiese Wanderung bietet fast alles – mit Ausnahme eines Gipfelerlebnisses: das wunderschöne Trettachtal, seine beiden etwas ruhigeren Nebentäler, glasklare rauschende Bergbäche, zwei schöne Seen, wilde Tobel und Wasserfälle, blühende Alpwiesen, die historische Alpsiedlung Gerstruben, gemütliche Alphütten ... Da die beiden Nebentäler durch Stichwege erschlossen sind, kann die Wanderung je nach Lust und Zeit verkürzt werden. Ein Abschnitt lässt sich auch per Fahrrad bewältigen.
Beste Jahreszeit
KartentippUK L 8 Allgäuer Alpen 1:50 000, Bayerisches Landesvermessungsamt; Zumstein Wanderkarte Nr. 4 Oberstdorf
VerkehrsanbindungÖPNV; mit Pkw zum Parkplatz in der Nähe der Nebelhornbahn- Talstation
GastronomieZahlreiche Gasthäuser, u.a. Gasthaus Gerstruben, Dietersbach-Alpe, Traufbergalpe, Spielmannsau
Höchster Punkt
Dietersbach-Alpe, 1325m

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