Das Pfrühlmoos

Im Loisachtal.
Einfach zu gehende Tour auf einem gut befestigten Güterweg; lediglich für das kurze Stück zum Wasserfall ist Trittsicherheit erforderlich. (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
10 km
70 m
2.00 h
Typisch ländliches Dorf.
Vom Bahnhof in Eschenlohe halten wir uns links und erreichen über die Bahnhofstraße den Dorfplatz. Von dort überqueren wir die Loisach und biegen rechts in die Mühlstraße ein. Unterwegs kommen wir immer wieder an prächtigen Bauerngärten vorbei, in denen herrlich blühende Blumen und heranwachsendes Gemüse nach ganz bestimmten Regeln in unmittelbarer Nachbarschaft angepflanzt sind. Über die Römerstraße verlassen wir die sympathische Gemeinde mit ihrem ländlich-dörflichen Charakter.
Von Eschenlohe in das Pfrühlmoos.
Nach den letzten Häusern geht die Straße in einen gut befestigten Güterweg über, der für den Autoverkehr gesperrt ist. Wir wandern zunächst durch saftiggrüne Weiden, erreichen jedoch schon kurz darauf das Pfrühlmoos. Die Wiesen sind feucht und der Boden weich, sodass hier keine Tiere mehr weiden können. Dafür gedeihen unzählige Pflanzen auf dem moorigen Boden, darunter die hellgelbe Trollblume, der dreiblättrige Fieberklee, die dunkelrote Kuckucksblume sowie die dunkelblaue Schwertlilie. Am auffälligsten ist das Wollgras, dessen Blüte sich ähnlich wie ein weichgrauer Wollknäuel im leichten Wind wiegt.
Die Sieben Quellen.
Auf der rechten Wegseite plätschert der Mühlbach, dessen Ursprung etwa 15 Min. weiter bei den Sieben Quellen liegt. An mehreren Stellen sprudelt links und rechts des Wegs das Wasser aus der Erde; landschaftlich am schönsten ist der große Quelltümpel auf der rechten Seite, auf den ein kleiner Steg hinausführt. Durch das klare Wasser ist der Grund schön zu sehen, während in der Mitte die Seerosen blühen. Der Rand ist komplett mit Schilfgras bewachsen, dahinter stehen vereinzelte Laubbäume und Büsche, während sich bei Windstille die Silhouette der Kramerspitze schön im Wasser spiegelt. Die Wanderung führt nun einige Kilometer immer am Pfrühlmoos entlang. Auf der rechten Talseite können wir den Laberberg erkennen, links vom Weg beginnt gleich ein dichter Mischwald, der sich den Hang zur Teufelskapelle hinaufzieht. Noch ein Stück höher, bereits oberhalb der Baumgrenze, liegt der Obere Risskopf (2049 m), nach dem Krottenkopf die zweithöchste Erhebung des Estergebirges.
Bewegte Geschichte.
Das Loisachtal war vor 2000 Jahren Teil des Handelswegs zwischen Augsburg und Venedig. Händler und Fuhrleute brachten Waren aus dem Orient in die Gebiete nördlich der Alpen und belieferten umgekehrt den Süden Europas mit Gütern aus dem Norden. Könige und Fürsten, aber auch Pilger zogen hindurch, und in Kriegszeiten nutzen Heerscharen den Durchlass. Das Land wurde beherrscht von den Grafen von Eschenlohe, die in einer Burg am südlichen Ortsrand auf einem Hügel residierten. Ihre Besitztümer reichten nach Süden weit über Partenkirchen und Mittenwald hinaus bis in das Ultental in Südtirol und Richtung Norden bis nach Murnau und zum Staffelsee. Noch weiter nördlich mischten sich ihre Besitzungen mit denen der Grafen von Andechs. Aufgrund von Übereinstimmung in den Wappen beider Grafengeschlechter wird vermutet, dass sie in verwandtschaftlicher Beziehung standen.
Graf Berthold III., der keine männlichen Nachkommen hatte, verkaufte im Jahre 1294 seine gesamten Besitzungen. Ein Teil davon, einschließlich Eschenlohe, wurde Eigentum des Hochstifts Augsburg. Die Besitzungen Partenkirchen und Mittenwald veräußerte er an den Bischof von Freising. Dafür verlangte er Silber im Wert von 1000 Mark sowie jährlich fünf Fuder Bozener Weines bis an sein Lebensende. Der Name des Eschenloher Grafengeschlechts ist nach dieser Zeit nicht mehr nachzuweisen; nach dem Verfall der Burg errichteten Ansiedler aus den Steinen des Burggemäuers ihre Häuser in Eschenlohe.
Der Nord-Süd-Transit durch die Alpen hat sich mittlerweile auch auf anderen Strecken verlagert. Trotzdem leidet insbesondere der Ort Oberau immer noch stark unter dem Durchgangsverkehr. Zu unserem Glück ist die dicht befahrene Bundesstraße wenigstens auf der Wanderung nicht zu hören.
Abkühlung im Lauterbach.
Schon in Sichtweite von Oberau erreichen wir den Lauterbach, der rechts neben dem Weg verläuft. Wer möchte, kann sich in dem klaren Wasser etwas erfrischen; an einigen Stellen gibt es bequeme Einstiegsmöglichkeiten zwischen den Büschen. In der Nähe des Golfplatzes folgen wir links der Beschilderung zum Wasserfall, den wir nach einem kurzen Anstieg erreichen. Wer trittsicher ist, kann das kurze Stück den Hang hinaufsteigen und so das Getöse aus nächster Nähe beobachten.
Vom Wasserfall gehen wir ein Stück zurück, durchqueren dann den Golfplatz und erreichen über eine asphaltierte Straße den Ort Oberau. Nach Überschreiten der Loisachbrücke und der anschließenden Bahngleise erreichen wir rechts den Bahnhof, von dem aus der Zug zurück nach Eschenlohe fährt.
Rückfahrt.
Stündliche Bahnverbindung zwischen Oberau und Eschenlohe mit Weiterfahrt nach München

Dauer: 2:30 Std.
Eschenlohe – Sieben Quellen 30 Min., Wasserfall 1:30 Std., Oberau 30 Min. ;
Motto: Wandern am Wasser
leichte Herbstwanderungen

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied70 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBahnhof Eschenlohe
EndpunktBahnhof Oberau
TourencharakterDie üppig blühende Moorlandschaft bei Eschenlohe strahlt viel Ruhe aus, während uns kurz vor Oberau ein tosender Wasserfall die Kraft des nassen Elements vorführt.
Hinweise
Das kurze Stück zum Wasserfall ist mit dem Kinderwagen nicht zu begehen.
KartentippKompass-Wanderkarte Nr. 07: Werdenfelser Land mit Zugspitze, 1:35 000
VerkehrsanbindungMit der Bahn stündliche Verbindung auf der Strecke München–Garmisch-Partenkirchen mit Halt in Eschenlohe. Mit dem Auto nimmt man entweder von München die Autobahn A 95 nach Garmisch-Partenkirchen bis zur Ausfahrt Eschenlohe oder fährt aus Richtung Ulm über die Autobahn A 7 bis Kempten und dann weiter auf der Bundesstraße über Reutte/Tirol nach Oberau und von dort nach Eschenlohe.
GastronomieSowohl in Eschenlohe als auch in Oberau findet man mehrere Gasthäuser und Cafés. Unterwegs hingegen gibt es keine Einkehrmöglichkeit.
Tipps
Kräuterweihe. Jedes Jahr zu Mariä Himmelfahrt tragen die Eschenloher Buben eine geschmückte Königskerze zur Weihe in die Kirche. Um die auch Wuler oder Wetterkerze genannte Kerze sind ganz bestimmte Frauenkräuter gebunden, etwa das Johanniskraut oder der Mooskolben. Die Kräuterbüschel werden anschließend im Speicher des Hauses aufgehängt und sollen vor Blitzschlag schützen. Bauerntheater. Die Vorstellungen der Theatergruppe des Volkstrachtenvereins Oberau enthalten viel Witz und Humor, aber auch Hintergründiges. Eine gute Möglichkeit, um bayerische Eigenheiten aus nächster Nähe kennen zu lernen. Die Aufführungen finden im Trachtenheim statt und werden mit Plakatanschlägen bekannt gegeben. Infos und Kartenvorverkauf im Verkehrsamt, Tel.: 08824/9 39 73
Tourismusbüro
Verkehrsamt, Murnauer Straße 1, 82438 Eschenlohe, Tel.: 08824/82 28, Fax: 08824/89 56, E-Mail: verkehrsamt@eschenlohe.de, Internet: www.eschenlohe.de

Buchtipp

Wolfgang Taschner, Michael Reimer

Wanderungen am Wasser

Wandern am Wasser: 20 Touren an Bächen, Flüssen und Seen für die ganze Familie rund um München, mit vielen Tipps für Highlights am Wegesrand.

zum Shop
Mehr zum Thema