Croda del Valon Bianco, 2687 m

Capanna Alpina/Pederü/Centro Visitatori – Große Fanesalpe – Monte Vallon Bianco (Autor: Eugen E. Hüsler)
33 km
1100 m
8.00 h
Hike + Bike.
Die gesamte Region ist Naturschutzgebiet, sowohl auf Südtiroler Seite (Naturpark Fanes–Sennes–Prags) als auch im Ampezzano (Parco Naturale delle Dolomiti d’Ampezzo). Die Gipfeltour startet in jedem Fall im Tal - bei der Capanna Alpina im Hochabtei, bei Pederü im Rautal oder an der »Strada d’Alemagna«. Den Zugang vermitteln die ehemaligen Kriegsstraßen über das Limojoch (Ju de Limo, 2174 m) und den Tadegapass (Ju dal’Ega, 2157 m) – ideale Radlerstrecken. So eröffnet sich die Möglichkeit, diese schöne Tour »Bike+Hike« durchzuführen. Landschaftlich besonders reizvoll ist dabei die Anfahrt durch das Val de Fanes mit seinen Wasserfällen und kleinen Seen. Im Talboden unweit des Lè de Fanes entdeckt man die Überreste eines aufgelassenen Soldatenfriedhofs und des ehemaligen Barackenlagers Fanessperre sowie weitere Reste der ehemaligen österreichischen Stellungen.
Zustieg durchs Fanestal.
Ampezzaner Ausgangspunkt der Tour ist der Parkplatz (ca. 1320 m) am Eingang zum Naturpark »Dolomiti d’Ampezzo«. Man folgt dem Sträßchen, das zunächst unter dem Peutelsteiner Felsen flach taleinwärts führt, die Mündungsklamm des Ru dei Cavai und wenig später den Boite sowie den Fanesbach überquert. In leichtem Anstieg wird die Ponte Alto erreicht. Biker strampeln über die Schleifen der Schotterstraße weiter bergan, während Wanderer den rot-weiß markierten Abkürzungsweg nehmen.
Talaufwärts stößt man auf die signalisierte Abzweigung zum oberen Wasserfall des Fanesbachs; bald darauf kommt der kleine Fanessee (1834 m) ins Blickfeld. Nach einer letzten kräftigen Steigung ist bei der Ütia de Gran Fanes (2102 m) die weitläufige Alm- und Karstregion der Großen Fanesalm erreicht (3 Std.).
Zugang übers Limojoch.
Vom großen Parkplatz bei Pederü (1548 m) führt die schotterige Kriegsstraße in vielen Kehren über eine markante Talstufe bergan zum seichten, im Spätsommer gelegentlich fast ausgetrockneten Lé Piciodel (1819 m) und weiter zur Kleinen Fanesalm. Abseits der staubigen Piste verläuft der markierte Wanderweg; er mündet hinter dem See wieder in die Straße. Diese steigt weiter an und verzweigt sich am Rand des ausgedehnten Almgeländes. Links geht es in ein paar Schleifen – vorbei an der gast-lichen Faneshütte – hinauf zum Limojoch (Ju de Limo, 2172 m) mit seinem kleinen Passsee. Dahinter senkt sich das Sträßchen sanft zur Ütia de Gran Fanes (2102 m; 2.30 Std.).
Zugang über das Ju dal’Ega.
Vom Parkplatz bei der Capanna Alpina (1720 m) wandert man flach hinein in den licht bewaldeten Boden des Plan dal’Ega; rechts ragt die Cima Scotoni (2874 m) hoch in den Himmel. Der recht schotterige Weg quert auf einer soliden Brücke den Rio Sciarè und steigt dann kräftig an; er bietet Einblick in die wild zerklüfteten Südabstürze des Piz dles Conturines (3064 m), wo vor 20 Jahren Knochen urzeitlicher Höhlenbären entdeckt wurden. Oben am grünen Buckel des Col de Locia (2069 m; 1 Std.), der einen stimmungsvollen Rückblick zum Sellamassiv bietet, öffnet sich der Graben zu einem weiten, kaum mehr ansteigenden Hochtal, umrahmt von hohen Bergen, die aber alle etwas Abstand halten. Der Weg führt sanft abwärts, quert dann den ausgedehnten flachen Boden des Gran Plan und steigt leicht an zum Ju dal’Ega (2157 m; 1.30 Std.), der Wasserscheide zwischen Hochabtei und Ampezzano. Dahinter senkt sich das alte Militärsträßchen vorbei am Bergsturzgelände von Gran Majarei zur Großen Fanesalm (1.45 Std.).
Valon-Bianco-Steig.
Ein paar hundert Meter südlich der Ütia de Gran Fanes zweigt rechts (Tafel) der mit »17« und »VB« bezeichnete Weg in das von lichtem Wald und auffallenden Karstformationen geprägte Vorfeld der Pizes de Furcia Rossa ab. Er steigt sanft an bis zu einem Felsriegel, wo sich die Route gabelt: Rechts geht’s ins Valun Blanch, links auf der noch gut erhaltenen Mulattiera ins Valun dl Fosse und über ein paar Kehren hinauf zu einer nächsten Verzweigung (ca. 2420 m; Wegzeiger, rechts zum Furcia-Rossa-Klettersteig). Hier weiter mit der Markierung »VB« in den öden Karwinkel unter dem Furcia-Rossa-Grat, dann links auf eine Geländeschulter, wo sich ein schöner Blick auf das Fanestal und seine Berge auftut. Mit dieser Aussicht wandert man auf dem komfortablen Weg sanft abwärts, dann um ein felsiges Eck (Drahtseile) zu einer Scharte. Eine solide, etwa acht Meter lange Eisenbrücke hilft über einen tiefen Graben hinweg, dann steigt der Militärweg, stets die Deckung des Valon-Bianco-Kamms nutzend, wieder an, teilweise mit neuen Holz-stegen und Drahtseilsicherungen versehen. Knapp unter dem Gipfel (2687 m), den ein morsches Holzkreuz ziert, helfen ein paar Eisenklammern über eine Mini-Felsrampe (2.30 Std. ab Ütia de Gran Fanes).
Die Stollenanlage am Valon Bianco.
Hier ist die Tour aber keineswegs zu Ende. Der alte Kriegsweg setzt sich – allerdings nur mehr teilweise erhalten – noch etwa 500 Meter weit bis zur Ostkuppe des Valon Bianco (2680 m) fort, wo sich phänomenale Aus- und Tief-blicke eröffnen. Und dabei wird auch seine strategische Position deutlich: Praktisch unangreifbar steht er über dem Travenanzestal mit Sicht auf die italienischen Stellungen. Die wurden aus Kavernen auch regelmäßigbeschossen. Der östliche Eingang zu dem ausgeräumten Stollensystem liegt – nicht zu übersehen – wenig oberhalb des Weges.
Über 100 Stufen steigt man zunächst ab ins Bergesinnere; Nebenstollen führen dann linker Hand zu Schussöffnungen. Sie waren im Krieg mit Tarnvorhängen versehen, wie die zwischen den Felsen angebrachten Stangen und Eisenringe verraten.
Nach einem Flachstück in dem stockfinsteren Tunnel kommt man zum ersten großen Südfenster (Tiefblick ins Travenanzestal!), dann zum zweiten. Ein betonierter Stollen führt schließlich zum nordseitigen Ausgang wenig unterhalb des Gipfelkreuzes (0.30 Std.).
Abstieg.
Auf dem Hinweg zurück zur Großen Fanesalm, dann auf einem der beschriebenen Zustiege zurück ins Tal.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour33 km
Höhenunterschied1100 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
StartortCortina d’Ampezzo (1211 m), St. Vigil (1191 m) oder St. Kassian (1563 m)
AusgangspunktBesucherzentrum des Parco Naturale delle Dolomiti d’Ampezzo (1320 m) am Boite; Pederü (1548 m) im innersten Rautal; Capanna Alpina (1720 m) am Plan dal’Ega
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterZitat.
Ich erinnere mich noch, daß es mörderisch schneite, als wir Ende Februar 1916 aus dem Pustertal durch das Gadertal nach St. Kassian hinaufzogen. Es geschah schon das vierte mal in diesem Winter, daß sich unsere Kaiserjäger- Streifkompanie auf der Wanderschaft in neue, wildfremde Frontabschnitte der Dolomiten befand. Diesmal sollten wir irgendwo im Travenanzes eingesetzt werden, jenseits der Fanesscharte, in jenem einsamen Hochtal, das von den wild zerrissenen Dolomitgruppen der Fanes, der Tofanen und Lagazuoiberge umstanden wird.
Hubert Mumelter »In Felsen und Feuer«.Mumelter (1896–1981) war Jurist, Journalist und Bergführer.
Ein kurzer Blick auf die Landkarte macht die strategisch günstige Lage der Croda del Valon Bianco deutlich. Rundum über schroffe Felsflanken abfallend, steht der langgestreckte, hohe Bergrücken im Winkel zwischen den Tälern von Fanes und Travenanzes. Da erstaunt es kaum, dass er im Laufe des Krieges zu einem Bollwerk der österreichischen Travenanzes-front ausgebaut wurde. Der Zugang erfolgte von der Großen Fanesalpe, und der breite, teilweise aufwendig aus dem Fels geschlagene Weg ist von der Alm aus noch heute mit bloßem Auge erkennbar. Unsichtbar bleibt dagegen aus der Ferne das verzweigte, teilweise begehbare Stollensystem unter dem Gipfelplateau mit seinen Geschützstellungen und Beobachtungsposten. Vor gut 40 Jahren wurden sowohl die alte Mulattiera als auch die Stollenanlage von den »Dolomitenfreunden« unter Leitung des Wieners Walther Schaumann wiederhergestellt. Das Markierungskürzel VB für »Valon Bianco« leitet den Bergwanderer heute zuverlässig von der Großen Fanesalpe bis zum winzigen Kreuz am Gipfel des großen Berges.
Hinweise
Cascata de Fanes. An ihrem Zusammenfluss haben sich Fanesbach und Rio Travenanzes tief ins Gestein eingegraben. Die aus Kriegszeiten stammende Limojoch-Straße überquert die beeindruckende Klamm in etwa 80 Meter Höhe an der Ponte Alto; ganz in der Nähe stiebt der Fanesbach in zwei Kaskaden über eine ähnlich hohe Felsstufe hinab. Gesicherte Steige führen vom Pian de Loa und von der Straße zur Cascata de Fanes, was die Möglichkeit zu einer spannenden kleinen Runde eröffnet.
KartentippTabacco 1 - 25 000, Blatt 03 »Cortina d’Ampezzo«
VerkehrsanbindungVon Cortina d’Ampezzo auf der »Strada d’Alemagna« nach Norden, dann dem Hinweis »Fanes« folgend zum Centro Visitatori, 7 km. Von St. Vigil durch das Rautal zum großen Parkplatz bei Pederü, 12 km. Von Stern/La Ila (1420 m) via St. Kassian bis zur Punt de Sciarè hinter Armentarola; hier links und vorbei an einem Kieswerk zum großen Parkplatz vor der Capanna Alpina, 8 km
GastronomieÜtia de Gran Fanes, im Sommer bewirtschaftet (keine Übernachtung). Ücia de Fanes, Anfang Juni bis Ende Oktober; Tel. 0474/ 50 10 97
Tipps
Der Furcia-Rossa-Klettersteig. Den ehemaligen österreichischen Stellungen am Kamm der Pizes de Furcia Rossa folgt der von den »Dolomitenfreunden« um Walther Schaumann restaurierte und erst kürzlich sanierte Klettersteig. Er lässt sich gut mit der Besteigung der Croda del Valon Bianco verbinden. Als Tagespensum ist die Tour allerdings nur etwas für absolute Konditionsbolzen; genussvoller wird’s, wenn man eine Übernachtung in der gediegenen Faneshütte einplant. Von der Weggabelung im inneren Valun dl Fosse (2420 m; Tafeln) leitet eine markierte Spur quer über den Karboden auf die mächtige Geröllterrasse unter den Felswänden der nördlichsten Furcia-Rossa-Spitze. Man folgt ihr bis in den Karwinkel unter der zweiten Spitze, steigt über drei kurze Leitern ab und steuert dann den Grat an. Rechts von ihm helfen Drahtseile und zwei Leitern in gestuftem Fels auf ein Horizontalband. Es leitet rechts zu einem senkrechten, durch einige Eisenkrampen und Drahtseile entschärften Aufschwung. Er führt auf eine grasige Schulter; nur wenig höher zweigt am Geröllhang links der Gipfelsteig ab (Furcia Rossa III, 2791 m; 3 Min.). Der Abstieg führt von der Weggabelung über steile, aber gestufte Felsen (Leitern, Drahtseile) hinab in die schmale Scharte vor der vierten Spitze. Auf Bändern quert man, kurz ansteigend, ihre Nordwestflanke. Dann leitet die Geröllspur an den Rand der senkrechten Felsmauer heran, die das »Weiße Tal« (Valun Blanch) auf seiner Ostseite begleitet. Wer von unten in diese Wand schaut, hält einen vergleichsweise einfachen Durchstieg für schlicht unmöglich. Doch die Wegbauer nutzten geschickt eine markante Verscheidung, die schräg hinabzieht zum Felsfuß. Ihre kühne Holzkonstruktion ist mittlerweile durch solide Eisenleitern ersetzt (schade!); straff gespannte Drahtseile sichern die Route zusätzlich. Sie mündet etwa 50 Meter tiefer in einen Geröllhang; man folgt der Spur nach links bis zum tiefsten Punkt der Wand. Hier kann man im Geröll in den Boden des Valun Blanch abfahren. Steinmännchen leiten über einen abgeflachten Buckel hinüber zum rot-weiß markierten Talweg. Er läuft zwischen mächtigen Bergsturztrümmern hinab ins weite Almgelände und mündet schließlich in den mit »VB« bezeichneten Weg zur Croda del Valon Bianco. Gehzeit von der Weggabelung im Valun dl Fosse bis zur Großen Fanesalm 2.45 Std. Klettersteigausrüstung und Helm ratsam (K 2 ).
Informationen
Gehzeit - Gesamt 9 Std. (Centro Visitatori), 8 Std. (Pederü), 7.15 Std. (Capanna Alpina) Centro Visitatori – Große Fanesalm 3 Std., Pederü – Große Fanesalm 2.30 Std., Capanna Alpina – Große Fanesalm 1.45 Std., Große Fanesalm – Croda del Valon Bianco 2.30 Std.
Tourismusbüro
Tourismusverband Alta Badia, Col-Alt-Straße 36, I-39033 Corvara; Tel. +39/0471/83 61 76, Fax 83 65 40, info@altabadia.org, www.altabadia.org

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