Cristallino di Misurina, 2775 m

Straßenbrücke – Val Popena auta – Val del le Barache – Cristallino di Misurina (Autor: Eugen E. Hüsler)
Durchs Val Popena auta.
Die Gipfeltour beginnt als Talwanderung und führt von der Straßenbrücke (1659 m) ins malerische Val Popena auta. Aus dem Sandsträßchen wird bald ein Wanderweg, der mal neben dem, dann wieder im Geröllbett des meist ausgetrockneten Popenabachs verläuft. Rot-weiße Markierungen und Steinmänner geben die Richtung vor. Nach und nach lichtet sich der Wald, und im Talhintergrund tauchen die markant geschichteten Cianpanis de Popena (2479 m) und der Corno d’Angolo auf. Knapp oberhalb der 2000-Meter-Höhemarke – der Weg verläuft hier zwischen Latschenfeldern – folgt eine Verzweigung (Tafeln; 1.15 Std.).
Zum Gipfel.
Hier biegt man rechts ab auf den alten Militärweg, der über ein paar Schleifen in den von gewaltigen Mauern umstandenen Kessel des Val de le Baracche ansteigt, wo man – nomen est omen – Reste ehemaliger Unterkünfte entdeckt. Im Zickzack geht’s hinauf gegen den Felsfuß, anschließend rechts in die markante Geröll- und Blockschlucht. In ihr, gelegentlich die Hände zu Hilfe nehmend, aufwärts, dann links zu einem Geländesporn, von dem sich ein besonders schöner Blick auf die »Hummerschere« des Campanile Dibona und der Guglia di Val Popena bietet. Die Spur leitet zurück in den Graben, in dem man sich zwischen Bergsturztrümmern mühsam aufwärts arbeitet, bis links die Kriegstrasse wieder sichtbar wird. Sie leitet hinaus in die Südflanke des Cristallino di Misurina. Steinmännchen weisen den Weiterweg über den Schrofenhang. Leichte Kletterstellen wechseln ab mit Geröllstrecken; dazwischen ist auf kürzeren Abschnitten der Steig recht gut erhalten. Die tiefe Scharte der Forcella Michele (2590 m) bleibt links; vorbei an verfallenen Unterständen und Geschützkavernen gewinnt man die Kammhöhe. Rechts an einer Scharte vorbei zum Hauptgipfel (3.45 Std.). Die Aussicht ist ein packender Mix von nah, fern und tief. Blickfang über dem Circo delCristallo sind die drei Hauptgipfel des Massivs, der Piz Popena, der Monte Cristallo und die Cima de Meso; bezaubernd der Tiefblick auf den grün schimmernden Dürrensee. Nicht zu übersehen ist auch die strategisch günstige Lage des Cristallino di Misurina - fast zum Greifen nahe die österreichischen Stellungen am Rauchkofel, dahinter die Plätzwiese mit ihrer Festungsanlage, jenseits des Val Popena bassa der Monte Piana, ein Angelpunkt der östlichen Dolomitenfront.
Abstieg.
Nur auf dem Anstiegsweg!

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied1120 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortToblach (1241 m), altbekannter Ferienort im Hochpustertal an der Wasserscheide zwischen Rienz und Drau
AusgangspunktPonte Val Popena auta (1659 m) an der Straße Schluderbach–Misurina
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterBesuch erhält der Cristallino di Misurina weit weniger als der Cristallino d’Ampezzo. Das hat wohl zwei Gründe - Der Ampezzaner Gipfel ist in doppelter Hinsicht an Drahtseile gebunden – an jene der Cristallo-Lifte und die des »Sentiero ferrato Ivano Dibona« (siehe Tour 15). Das verkürzt den Zustieg und sorgt für ordentlich »Verkehr« unterwegs. Den braucht man am Cristallino di Misurina kaum zu befürchten, und wenn nicht gerade eine CAI-Sektion den Berg zum Tourenziel erkoren hat, ist man in den Felsen über dem Val Popena auta meistens allein. Allein mit den Spuren der Vergangenheit, die hier fast überall präsent sind – nicht zufällig, verlief die Frontlinie doch quer über das Cristallomassiv. Die Italiener hielten das obere Popenatal besetzt und hatten auf dem Westgipfel des Cristallino di Misurina (2737 m) eine Geschützstellung, in deren Reichweite sich die österreichischen Stellungen am Rauchkofel und an der Schönleitenschneid befanden. Ein kunstvoll angelegter, heute allerdings weitgehend verfallener Serpentinenweg führte aus dem Val de le Barache bis an den Gipfelgrat. Den betrat 1884 als erster ein berühmter Alpinist: Paul Grohmann, der aus Wien stammende Pionier des Dolomiten-Bergsteigens. Nur ein Jahr später, am 14. September 1865, stand er dann zusammen mit seinen beiden Führern Antonio Dimai und Santo Siorpaes auf dem Hauptgipfel des Massivs, dem Monte Cristallo (3221 m).
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1 - 25 000, Blatt 03 »Cortina d’Ampezzo«
VerkehrsanbindungVon Toblach (Bahnhof) auf der »Strada d’Alemagna« durch das Höhlensteintal bis Schluderbach (1438 m), dort weiter Richtung Misurina zur Straßenbrücke am Eingang ins Val Popena auta (1659 m; Parkplatz). Busverbindung
GastronomieKeine Einkehr unterwegs!
Tipps
Zitat. Anfangs November schneite es Tag für Tag und große Schneemengen erstickten jeden feindlichen Angriffsversuch. Ohne auch nur einen Schritt des erkämpften Bodens wegen der Schneemassen herzugeben, blieben Offizier und Mann während des ganzen Winters in den Stellungen. Nach den schweren Gefechten des Sommers begann jetzt erst der Stellungsbau. Jedes Brett, jeder Nagel wurde in fünf- bis sechsstündigem Aufstieg heraufgeschleppt, dazu tausende Fleisch-, Suppen- und Kaffeekonserven für die Reserveverpflegung, Brennholz und andere Materialien. [...] Im Monat März war die Hochgebirgskompanie 17 auf Schönleiten volle drei Wochen vom Hinterland abgeschnitten. Kein Telephongespräch, keine optische Verbindung war möglich. Bis wieder der normale Küchenbetrieb im Hochlager aufgenommen werden konnte, vergingen vier Wochen. Während der ganzen Zeit lebten Offizier und Mann nur von Konserven und Zwieback! Winter 1915/16 im Cristallomassiv, aufgezeichnet von Hauptmann Gaidos
Informationen
Gehzeit - Gesamt 6 Std. Aufstieg 3.30 Std., Abstieg 2.30 Std.
Tourismusbüro
Tourismusverein, Dolomitenstraße 3, I-39034 Toblach; Tel. +39/0474/97 21 32, Fax 97 27 30, info@toblach.info, www.toblach.info

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