Col de la Meina, 2702 m

Vom Val d’Hérens ins Val d'Hérémence (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
16 km
1350 m
7.00 h
Zwei auffallende Burghügel überragen Sion (zu deutsch Sitten), die im weiten Rhonetal gelegene Hauptstadt des Kanton Wallis. Sie laden dazu ein, die Vergangenheit kennenzulernen. Steigen Sie nach einem Bummel durch die sehenswerte Altstadt hinauf zu den Monumenten kirchlicher und weltlicher Mächte. Auf einem der beiden Hügel steht die beeindruckende Kirchenburg von Valeria. Die Stiftskirche (12. Jh.) vereint in harmonischer Weise gotische und romanische Elemente und beherbergt als Prunkstück die Schwalbennestorgel aus dem 14. Jahrhundert (erweitert im 17. Jh.). Sie wurde zuletzt im Jahre 1954 restauriert und zählt zu den ältesten noch spielbaren Orgeln der Welt. Seit 1969 wird hier wieder Orgel gespielt.
Auf dem gegenüberliegenden Hügel steht die Burganlage Tourbillon: Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut, in späteren Jahren erweitert und einst sommerliche Residenz der Bischöfe. 1788 wurde Tourbillon durch einen Brand zerstört. In den Sechzigerjahren des 20. Jahr-hunderts erfolgte Renovierungsarbeiten sollten vor allem die Fresken (13. und 15. Jh.) in der frühgotischen Kapelle retten. Von den Burghügeln genießt man eine großartige Aussicht auf das Rhonetal mit seinen Weinbergen und Obstplantagen. Das Rhonetal bei Sion nach Süden verlassend, gelangt man ins Val d’Hérens (zu deutsch Eringertal) – ein stilles Tal von lieblicher Schönheit im französisch-sprachigen Teil des Wallis. Nach dem Rückgang der Gletscher stürzte die Borgne als Wasserfall in die Rhone, und es entstand eine tiefe Schlucht, die keinen Zugang ins Tal ermöglichte. Nur ein schmaler Pfad schlängelte sich am westlichen Berghang taleinwärts. Heute verbindet eine hervorragend ausgebaute Straße das Val d’Hérens mit der Außenwelt. Sie überwindet während der ersten kehrenreichen neun Kilometer eine Talstufe von nahezu 450 Höhenmetern.
Vex ist der erste Ort des Val d’Hérens (hier sowie in Euseigne zweigt eine Straße ins Val d'Hérémence ab). Dann weitet sich das Tal unvermittelt, und wir entdecken bald darauf eine morphologische Besonderheit: die Erdpyramiden von Euseigne, auch Gottwärgini-Burgen (Schlupfwinkel der Berglütli) genannt. Einst flossen hier die Gletscher aus dem Val d’Hérens und dem Val d’Hérémence zusammen. Im Laufe der Jahrhunderte formte die Erosion aus der verfestigten Grundmoräne diese eigenwilligen Gebilde.
Nach Überqueren der aus dem Val d’Hérémence kommenden Dixence führt die Straße durch einen Tunnel unter den Erdpyramiden hindurch. Euseigne, La Luette, Praz-Jean und Villetta sind die nächsten kleinen Flecken. Bald ist Evolène erreicht, der bedeutendste und schönste Ort des Tales. Die hölzernen und steinernen Häuser sind mit Fassadenmalerei versehen: als Motive findet man unter anderem Blumen, Wappenverzierungen und religiöse Symbole. Die dunklen blumengeschmückten Holzhäuser strahlen eine eigenwillige, behag-liche Atmosphäre aus. Tagsüber herrscht reges touristisches Treiben auf der engen Dorfstraße – steigt man jedoch die schmalen Gassen höher hinauf, sind dort fast nur noch Einheimische anzutreffen.
Der Wegverlauf.
Aufstieg zum Col de la Meina: Drei hohe Übergänge verbinden das Val d’Hérens mit dem Val des Dix und dem Val d’Hérémence: Pas de Chèvres, Riedmattenpass und Col de la Meina (oder de Méribé). Dieser nördlichste und mit 2702 Metern niedrigste der Pässe ist unser heutiges Tourenziel. Von der Dorfstraße in Evolène zweigt etwa gegenüber der Kirche ein Steiglein ab zur Borgne, an deren orografisch linkem Ufer es nach Lana geht (1407 m). Rund um eine Wiese stehen die von der Sonne dunkelbraun gegerbten Holzhäuser – sehenswert ist die St.-Laurentius-Kapelle von 1711. Wir lassen den kleinen Weiler rechts liegen.
Nach Durchstreifen eines Lärchenwäldchens befinden wir uns über der Baumgrenze. Vorbei an einem Abzweig (links), der zu den Hütten von Vernec und Vouasson führt, kommen wir zu den Alphütten von Artsinol (2065 m) und La Meina (2121 m). Von der Bergstation des Sesselliftes gehen wir ein Stück weit auf breitem Wirtschaftsweg. Nach 20 Minuten rechts ab auf ein schmales Steiglein, das in südwestlicher Richtung dem Lauf einer alten Bisse folgt. Bei Punkt 2357, wo die Route von Vouasson heraufkommt, ein Richtungshinweis zum Col de la Meina. Der Weiterweg zieht sich unschwierig zwischen Felsen hindurch.
Bald darauf stehen wir auf dem Col de la Meina (2702 m). Von der Passhöhe blicken wir ins Val d’Hérémence und auf den Stausee Lac des Dix, der den obersten Teil des Tales, das durch eine Steilstufe abgesetzte Val des Dix, überflutete.
Übergang und Abstieg ins Val d’Hérémence.
Sie können nun auf der morgendlichen Route nach Evolène zurückkehren (3 Std.), oder wie wir den lohnenden Abstieg ins Val d’Hérémence machen. Vom Col de la Meina eine Zeit lang teils weglos oder schwachen Pfadspuren folgend schräg den bewachsenen Hang abwärts. Bald stoßen wir auf ein Steiglein, das fast eben zur Hochalm von Noveli (2403 m) führt. Steiler zieht sich der Weg zur Hüttengruppe der Alpe Noveli (2084 m) hinab. Später nimmt uns prächtiger Lärchenwald auf. Angenehm wandert es sich weiter in den Talgrund des Val d'Hérémence hinaus nach Pralong (1608 m) mit der sehenswerten Kapelle St.Barthélemy (17. Jh.). Mit dem Bus talaus nach Hérémence.
Ist es noch früh genug, nehmen wir den kurz vor 13 Uhr eintreffenden Postbus (vorher erkundigen!) und fahren weiter taleinwärts nach Le Chargeur zur Grande Dixence, mit 285 Metern einer der höchsten Staumauern der Welt. Am Fuße der Grandl Dixence steht die rustikale Kapelle, die Johannes dem Täufer geweiht ist. Mit der Seilbahn geht es hoch zur 748 Meter langen Krone der Staumauer (oder 1 Std. zu Fuß). Großartig ist die Gebirgsumrahmung des Lac des Dix, in dem 400 Millionen Kubikmeter Wasser gestaut werden. Ein 7 Kilometer langer Wanderweg führt am westlichen Seeufer entlang (2½ Std. hin und zurück). Über den Pas du Chat (2386 m) gelangt man in 3½ Stunden zur Cabane des Dix (2928 m). Von Le Chargeur Rückfahrt per Bus, vorbei an der Kirche/Kapelle in Mâche, die der heiligen Barbara geweiht ist, nach Hérémence und weiter nach Evolène.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied1350 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortEvolène (1371 m); Start bei der Dorfkirche.
AusgangspunktEvolène (1371 m); Start bei der Dorfkirche.
EndpunktPralong
TourencharakterPassüberschreitung in einsamer Berglandschaft. Auf der Westseite unter dem Col de la Meina kurze Strecke nur Pfadspuren oder weglos, jedoch ohne Gefahren.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1:50 000, Blatt 283 T (Arolla; mit eingezeichneten Routen).
VerkehrsanbindungÖV: Von Sion (Bahnstation) Busverbindung nach Evolène. Auto: Von Sion/Rhonetal ins Val d’Hérens und nach Evolène. Rückkehr: von Pralong oder nach Besuch der Grande Dixence von Le Chargeur per Bus nach Hérémence (letzte Fahrt ca. 16.45 Uhr; erkundigen!) und über Vex nach Evolène.
GastronomieLe Chargeur (am Fuße der Staumauer), Betten und Lager, Tel. 027/281?13?22. Restaurant Val des Dix in Pralong, einfache Zimmer, Tel. 027/281?12?13. Hérémence, Tel. 027/281?11?97.
Tipps
Weiterer Tourenvorschlag • Le Chargeur (Lac des Dix) – Col de Prafleuri – Col de Louvie – Fionnay/Val de Bagnes (6½ Std.) ; • Weg des Wassers: von der Dixence im Val des Dix bis Sitten im Rhonetal. Auf dem Weg zwischen Quelle und Rhone hat man Gelegenheit, sich der Allgegenwart des Wassers in unserem Leben bewusst zu werden: vom Wasserfall bis zur Stromerzeugung, vom Getränk zur Bewässerung und vom Bach zum Wasserhahn (30 km; reine Gehzeit ca. 8½ Std.) und kann auch in Abschnitten begangen werden. Öffentliche Verkehrsmittel ermöglichen diverse Varianten. Broschüre im Office du tourisme d’Hérémence.
Unterkunft
Le Chargeur (am Fuße der Staumauer), Betten und Lager, Tel. 027/281?13?22. Restaurant Val des Dix in Pralong, einfache Zimmer, Tel. 027/281?12?13. Hérémence, Tel. 027/281?11?97.

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