Cògnora – Rifugio del Barone

Etwas für gut trainierte Berggänger mit einem Flair fürs Ungewöhnliche: steile, steinige Auf- und Abstiege, eine »Alta via« zwischen abschüssigen Grashängen und senkrechten Felsfluchten. Unerlässlich dabei: viel Ausdauer, Erfahrung in hochalpinem, weglosem Gelände und gutes Wetter. Und besonders wichtig: die sonnseitigen Grashänge müssen trocken sein, sonst wird's gefährlich! Die Drahtseile (plastikummantelt) zwischen der Capanna Cògnora und dem Passo Piatto sind teilweise beschädigt – also Vorsicht! (Autor: Eugen E. Hüsler)
Die große Runde beginnt (und endet) auf Asphalt. Im Morgenschatten wandert man ins Val Vegornèss, hohe, felsige Flanken links wie rechts. Hinter den Steinhütten von Seceda (992 m) geht's über die Verzasca, eine Viertelstunde weiter weist ein Schild rechts nach Cògnora: hinauf! Letzteres darf man wörtlich nehmen, hat der Zustieg zu der umgebauten Alphütte unter dem Pizzo di Mezzodì (2708 m) doch mehr Ähnlichkeit mit einem Steilanstieg als mit einer nordalpinen Hüttenwanderung: phantastisch! Zunächst in kurzem Zickzack zum Felsfuß, dann etwas heikel rechts in einen wilden Graben. Man quert ihn und steigt an einem steilen, felsdurchsetzten Rücken in vielen kurzen Kehren weiter an, zuletzt über verstrauchte Hänge zur Capanna Cògnora (1938 m; 3:30 Std.). Hier bietet sich ein herrlicher Blick über die Val Vegornèss, talauswärts nach Sonogno, taleinwärts auf den von der Corona di Redorta (2804 m) zum Pizzo Barone (2864 m) ziehenden hohen Grat. Gut einzusehen ist auch die sonnseitige, von gewaltigen Felsfluchten durchzogene Flanke des innersten Tals. An ihr verläuft die Höhenroute, teilweise nur knapp unter dem zerklüfteten Grat, mehrere Karwinkel und Gräben ausgehend. Der weiß-blau-weiß bezeichnete Steig führt in sanftem Anstieg zunächst über die steinige Alpe di Cògnora zum Felsfuß der Cima Bianca (2612 m) und quert anschließend in leichtem Auf und Ab ihre gesamte Südwestflanke. Einige etwas ausgesetzte Passagen sind mit Drahtseilen gesichert; eine Felsstufe meistert man absteigend mit Hilfe zweier Eisenleitern. Am Passo di Piatto (2111 m; 4:45 Std.) öffnet sich überraschend ein schöner Blick über die Leventina auf die Bergketten um den Lukmanierpass; jenseits der Scharte liegt der tiefblaue Laghetto (1763 m).
Deutliche Markierungen leiten aus der Senke in die abschüssigen Grashänge. Erst geht es nur leicht, dann steil abwärts, anschließend mit einigen Gegensteigungen unter den Südwänden des Pizzo dei Laghetti (2443 m) und des Pizzo Campale (2481 m) hindurch. Bereits sichtbar ist nun der markante Südgrat des Pizzo della Bedéia (2666 m), an dem die Haute Route ihren höchsten Punkt gewinnt. Zuvor sind allerdings noch drei tiefe Gräben zu queren mit einigen Steilpassagen. Besonders ermüdend bei der langen Querung ist das ständige Schräggehen an steilen Grashängen. Aus einer Minischarte (2312 m) geht's nochmals bergab, dann folgt der finale Diagonalanstieg über einen schrofigen Hang zum Bedéia-Südgrat (ca. 2350 m; 7 Std.). Dahinter quert man auf vergleichsweise bequemem Weg absteigend ein weites Kar zum Südgratfuß des Pizzo di Piancoi (2769 m). Schließlich leiten die Markierungen über steinige Wiesenböden hinüber zum Rifugio del Barone (2172 m; 7:45 Std.) auf der gleichnamigen Alp.
Der Abstieg führt zunächst in ein paar Schleifen über kleine Felsstufen und Gras zur Alphütte von Piodoo (1950 m), dann auf ordentlichem Weg weiter abwärts zum Corte di Fondo (1487 m), wo man auf solider Brücke die Verzasca überquert. Nun geht es auf gutem Weg talauswärts; im Vorblick Cima Bianca und Pizzo di Mezzodì (2708 m), über den mächtigen Felsbalmen zur Linken – tausend Meter höher! – verläuft die dünne Spur der Haute Route. Hinter Sprügh (1350 m) steigt der Pfad in ein paar Kehren ab; die Verzasca stiebt über mächtige Gneisplatten zu Tal. Bei der Alp Cabói (1079 m) führt der Weg auf die linke Talseite. Nun auf der Straße – vorbei an der Abzweigung zur Alpe di Cognora – hinaus nach Secada und auf dem Asphaltsträßchen zurück nach Sonogno (918 m; 10 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour22 km
Höhenunterschied1560 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSonogno (918 m), höchstgelegenes Dorf in der Val Verzasca. Gebührenpflichtiger Parkplatz vor dem Ort.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterUnter den Trekkingzielen im Hochglanzkatalog des Summit-Clubs wird man das Verzascatal vergebens suchen; da gibt's halt keine Achttausender, aber auch keine Einheimischen, die den Gelegenheits-Abenteurern aus dem Westen das Gepäck hinterhertragen. Doch die Wege über den Quellbächen der Verzasca sind mindestens so steil wie jene im fernen Himalaja, nur die Luft ist hier etwas »dicker«, was den Schweiß noch mehr rinnen lässt. Wer nach dem Aufstieg zur Capanna Cògnora die Höhen- und Hangtraverse zum Rifugio del Barone hinter sich gebracht hat und auch noch abgestiegen und hinausgewandert ist nach Sonogno, hat auf jeden Fall ein ordentliches Abendessen verdient. Wie wär's mit Polenta con funghi oder einem Gamsschlegel nach Tessiner Art und dazu ein ordentlicher Merlot? Jene, die es lieber etwas gemütlicher mögen, können an Stelle der großen Runde auch bloß eine Talwanderung in die Val Vegornèss unternehmen, bis Corte di Fondo (1487 m), 2 bis 2:30 Std., oder auf dem steilen Pfad zur Alpe di Cògnora (1938 m) hinaufsteigen. Und für Familien gibt's an der jungen Verzasca jede Menge richtig toller Picknickplätze.
Beste Jahreszeit
KartentippLandeskarte der Schweiz 1:25 000, Blatt 1272 »Pizzo Campo Tencia«.
MarkierungenHüttenzustiege weiß-rot-weiß, Höhenweg weiß-blau-weiß.
VerkehrsanbindungGut ausgebaute Talstraße, von Gordola bis Sonogno 25 km. Postbuslinie.
GastronomieIn Sonogno.
Unterkunft
Capanna Cògnora (1938 m) und Capanna Barone (2172 m), beides bestens eingerichtete Selbstversorgerhütten (Getränke vorhanden – bezahlen nicht vergessen!), stets zugänglich.
Tourismusbüro
Ente Turistico Tenero e Valle Verzasca, Via ai Giardini, CH-6598 Tenero; Tel: +41.91/791 00 91, info@tenero-tourism.ch, www.tenero-tourism.ch.

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