Chilchhorn

Kurzer, mäßig schwieriger Gipfelabstecher. Für die geringe Anstrengung wird man mit einem prächtigen Panorama belohnt. Ein sicherer Tritt ist notwendig auf dem teilweise etwas rauen Weg. (Autor: Eugen E. Hüsler)
1 km
310 m
2.00 h
Für richtige Gipfelstürmer ist der Abstecher zum Chilchhorn (2789 m) nicht viel mehr als ein Katzensprung: eine Stunde oder sogar weniger bis zum Hoch- und Wendepunkt, wo man für die kurze Übung mit einer tollen Umschau belohnt wird. Im weiten Panorama stehen dann die wirklich großen Tourenziele, allen voran die Dreieinhalb- und Viertausender der Berner Alpen. Doch der »kleine« Berg über dem Nufenenpass vermittelt nicht nur ein paar Postkartenbilder, sondern auch ein paar interessante Einsichten zu den Problemen so mancher Alpentäler. Wie beispielsweise das Val Bedretto, Quelltal des Ticino, das sich vom Nufenenpass bis nach Airolo erstreckt. Dieses Tal, nahe am Alpenhauptkamm gelegen, gehört zu den schneereichsten der Schweizer Alpen, und immer wieder bedrohen Lawinen die Dörfer am obersten Ticino. Aufwendige Verbauungen haben das Leben im Winter sicherer gemacht, und die Straße über den Nufenenpass, 1964 eröffnet, brachte einen bescheidenen Tourismus. Doch die allmähliche Entvölkerung – eines der drängendsten Probleme des Sopra Ceneri – ließ sich damit nicht aufhalten. Im vergangenen Jahrhundert hat das Bedrettotal vier Fünftel seiner Bewohner durch Abwanderung verloren. Walser im Pomatt Vor vergleichbaren Problemen steht ein (italienisches) Nachbartal, das einst von Wallisern besiedelte Pomatt (Val Formazza). Eine kurvenreiche Straße führt von Domodossola bis hinauf zum Grenzpass San Giacomo (2313 m), doch konnten sich die Schweizer nie dazu entschließen, einen Anschluss an die Nufenenstrecke zu bauen. Das hätte den Dörfern um Wald (Valdo) und In där Mattu (Chiesa) bestimmt gutgetan. Doch die Militärs, die eine Bedrohung ihrer (inzwischen aufgegebenen) Gotthardfestung witterten, waren stets dagegen. Eingewandert ins Pomatt sind die Gommer im 14. und 15. Jahrhundert vor allem über den Griespass (2479 m). Er ist vom Gipfel des Chilchhorns aus gut zu sehen, knapp rechts neben dem Nufenenstock und direkt hinter dem Gries- Stausee (2386 m). Der Speicher wird vom fast fünf Kilometer langen Griesgletscher gespeist; er gehört – obwohl auf Walliser Boden liegend – zur Kraftwerksgruppe Robiei im Tessiner Bavonatal, mit dem ihn ein 15 Kilometer langer Tunnel verbindet. Auch im italienischen Pomatt wird Strom erzeugt, vor allem für die Millionenmetropole Mailand: Ein halbes Dutzend Stauseen speichert, was im Laufe des Jahres an Niederschlägen vom Himmel fällt. Der Gipfelweg Von der Passhöhe des Nufenen (Passo Novena, 2478 m) folgt man dem deutlichen, aber nicht markierten Weg, der über den grasig breiten Rücken gegen das Chilchhorn und dann in die schrofige Westflanke des Berges führt. Im Zickzack geht’s bergan zu einer verfallenen Militärbaracke, die sich an die Felsen des Südgipfels lehnt. Über einen Blockgrat gelangt man schließlich zum höchsten Punkt (2789 m; 1.15 Std.). Packend der Tiefblick auf die Passhöhe des Nufenen mit seinem kleinen See. Absolutes Highlight im kontrastreichen Panorama ist bei schönem Wetter die Parade der Berner Hochalpen, angeführt vom Finsteraarhorn (4274 m). Ziemlich genau im Westen zeigt sich das Brudelhorn (2791 m) – noch ein schöner Wandergipfel im Obergoms (siehe Tour 3). Abstieg nur auf dem Anstiegsweg!

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour1 km
Höhenunterschied310 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
StartortUlrichen (1346 m)
AusgangspunktNufenenpass (2478 m), Straßenpass zwischen dem Bedrettotal und dem Obergoms
EndpunktNufenenpass (2478 m), Straßenpass zwischen dem Bedrettotal und dem Obergoms
TourencharakterFür richtige Gipfelstürmer ist der Abstecher zum Chilchhorn (2789 m) nicht viel mehr als ein Katzensprung: eine Stunde oder sogar weniger bis zum Hoch- und Wendepunkt, wo man für die kurze Übung mit einer tollen Umschau belohnt wird. Im weiten Panorama stehen dann die wirklich großen Tourenziele, allen voran die Dreieinhalb- und Viertausender der Berner Alpen.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 265 T
MarkierungenKeine Markierungen, aber deutlicher Weg
VerkehrsanbindungZum Nufenenpass kommt man von Ulrichen über eine gut ausgebaute Straße. Postbuslinie, großer Parkplatz am kleinen See
GastronomieEinkehrmöglichkeit am Nufenenpass
Tipps
Rund um den Nufenenstock An einem schönen Sommertag können selbst Genießer, denen der Sinn nicht nach sportlichen Höchstleistungen steht, auf die Idee kommen, dem kleinen Gipfelabstecher noch eine Bergwanderung anzuschließen. Da bietet sich die Runde um den Nufenenstock (2865 m) an. Sie startet am Straßenpass, führt durch die felsige Westflanke des Berges zum Gries-Stausee und steigt dann an zum Passo del Corno (2525 m). Knapp eine halbe Gehstunde östlich unter der Wasserscheide steht der eigenwillige Neubau der Capanna Gries (2338 m), wo man sich vor dem Rückweg stärken kann. Der führt zunächst bergab, hinunter in den Almboden von Foppe (2002 m) bzw. zur Nufenenpassstraße. Hier wartet dann noch eine längere Gegensteigung, fast 500 Höhenmeter zum Pass, und da kann man das Tütä- tä des Postbusses durchaus als Aufforderung zum Mitfahren verstehen ... Gehzeit 4 Std., markierte Wege.
Informationen
Tourist-Info Goms Tourismus, Furkastr., CH- 3984 Fiesch, Tel. 027/970 10 70, E-Mail: tourismus@goms.ch, www.goms.ch
Höchster Punkt
Nufenenpass (2478 m)

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