Bricola, 2415 m

Noch 200 Meter höher: Blick auf Dent Blanche (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
18 km
1700 m
8.00 h
Ringkuhkämpfe – Combats de Reines – haben im Val d’Hérens Tradition. Die kleinwüchsigen, widerstandsfähigen braunen und schwarzen Tiere mit dem kurzen Kopf tragen den Namen Eringerkühe. Sie erinnern auf den ersten Blick an spanische Kampfstiere, sind gut geeignet für die Berge, geben allerdings nicht soviel Milch wie andere Kühe. Aber ihre Kampfeslust ist ausgeprägt. Unter den Wettkämpfen zwischen Tieren nehmen die Kuhkämpfe einen herausragenden Platz ein: Es ist ein Ringen ohne jene Grausamkeit, wie man sie etwa bei Stier- oder Hahnenkämpfen erlebt. Die Hörner jeder Kuh werden gestutzt und abgerundet, um Verletzungen zu vermeiden. Ringkuhkämpfe sind streng reglementiert und stehen unter tierärztlicher Kontrolle. Nicht jede Kuh wird ohne weiteres zum Kampf zugelassen. Das heißt: Die Kühe müssen bei den Frühjahrskämpfen (April/Mai) Milch geben und bei den Herbstausscheidungen (August/ September/Oktober) trächtig sein. Bei den regionalen Ausscheidungen werden die Kühe bestimmt, die am kantonalen Finale teilnehmen. An diesem Endkampf (im Herbst) wird dann die Königin der Königinnen erkoren, wobei Wendigkeit, Ausdauer und auch Kraft über den Verlauf eines Kampfes entscheiden. Die Eringer feiern den erfolgreichen Kampf als Volksfest.
Am Ortsende von Les Haudères gabelt sich das Val d’Hérens: Geradeaus führt die Straße nach Arolla, links über die Brücke ins einsame Val Ferpècle. Gleich am Anfang zweigt in einer Linkskurve das Sträßlein zu den Weilern La Sage und Villa ab, die auch den Namen »Auf den Felsen« tragen und eine Entdeckungsreise wert sind. Sie liegen auf einem Felsband, das die ganze orografisch rechte Talseite der Gemeinde Evolène durchzieht. Über Forclaz führt die zum Teil recht enge Straße weiter ins Val Ferpècle.Der
Wegverlauf.
Wanderung nach Salay.
Am Ortsausgang von Les Haudères (1436 m) begeben wir uns auf die orografisch linke Seite der Borgne de Ferpècle und wandern im Talgrund in dieses einsame Tal hinein. Es wird von einem imposanten Berg beherrscht, der 4357 Meter hohen Dent Blanche, deren Grate und Wände bei Hochalpinisten bekannt sind für ihre Länge und Schwierigkeiten. Sanft geht es durch Lärchengruppen, die zwischen Felsblöcken ihr karges Leben fristen, nach Salay (1766 m; früher Ferpècle) auf der gegenüberliegenden Seite des Bergbaches, dem letzten Weiler des Tales mit einigen Wirtschaftsgebäuden und Hütten, dem Gasthof und einem kleinen Kapellchen, dessen Dach von dicken Moospolstern bedeckt ist.
Aufstieg nach Bricola.
Gleich hinter der Kapelle beginnt der Höhenweg nach Bricola. Der schmale Pfad zieht durch dichten Lärchenwald zwischen Alpenrosen und Kriechwacholder in kaum merklicher Steigung dahin. Gegen Punkt 1984 lichtet sich der Wald, und wir durchstreifen unter Tsa de l’Ano und Pointe de Bricola ein weit überschaubares Gebiet. Rechts des Weges (etwas tiefer) das Alphüttchen von Perroc – ostwärts (links) verlieren sich Pfadspuren nach Les Rosses. Pfeile auf einem Felsblock geben weitere Richtungsanweisungen: geradeaus zum Glacier, fünf Meter weiter links nach Bricola. Der Blick ist nun ständig gefesselt von den Zwillingsgletschern von Ferpècle und Mont Miné, die durch den dunklen Felsgrat Mont Miné getrennt sind. Bis 1952 vereinigten sich diese beiden Gletscher noch in ihrem unteren Teil und reichten bis vor hundert Jahren weit ins Tal (etwa bis zur Höhe 1900).
Diese Wanderung führt durch eine verträumte Landschaft, deren ur-sprüngliche Natürlichkeit von Zivilisation und Technik unberührt blieb. Kurz vor Bricola gabelt sich die Route: Auf beiden gelangt man zum Ziel, jedoch ist die linke empfehlenswerter. In Bricola (2415 m) steht ein privates Berghaus. Früher diente es als Hotel, heute sind Tür und Fensterläden dicht verschlossen. Nebelschwaden umgeben uns und lassen eine ganz merkwürdige Stimmung entstehen. Ein Stückchen weiter soll es noch in die Bergeinsamkeit hinaufgehen, um den kühlenden Gletscherwind auf der warmen Haut zu spüren. Ein paar temperamentvolle Ziegen begleiten uns auf dem Weg, der in seinem späteren Verlauf über den Glacier des Manzettes zur Cabane de la Dent Blanche (3507 m) führt. Bei Punkt 2640 hoch über dem Glacier de Ferpècle dann endgültig Halt – übermächtig stehen Grand Cornier und Dent Blanche vor uns.
Abstieg nach Salay und Pra Floric.
Nach langer Schaurast kehren wir auf der Anstiegsroute nach Salay zurück. Nach dem Blick in die eiskalte Gletscherwelt scheint uns die Landschaft jetzt völlig verändert und viel lieblicher als am Morgen. Von Salay gehen wir etwa 15 Minuten auf der Straße talauswärts, bis bei den Hütten von Pra Floric (1655 m) rechts der Straße an einem Stein der Hinweis »La Forclaz« zu lesen ist (Achtung – aufpassen!).
Auf-/Abstieg nach La Forclaz und Les Haudères.
Gut markiert windet sich ein Steiglein über den bewaldeten grünen Hang steil empor. In etlichen Kehren erneuter Höhengewinn. Bei Punkt 1860 Queren eines breiten Bachbettes. An der nächsten Markierung nach rechts und durch dichtes Buschwerk ansteigend in den Hochwald. Bald wird das nächste Bachbett erreicht. Der Weg kann nicht verfehlt werden, solange man auf den Hinweis La Forclaz an Steinen oder Felsblöcken achtet. Vorbei geht es an verstreut liegenden Almhütten – unter uns dunkelgrüner Wald. Dann neigt sich der Weg sanft nach »La Forclaz« hin. Harmonisch sind die Häuser an windgeschützter Stelle an den Hang gebaut mit Blick auf die Dent Blanche und die gewaltige Gletscherlandschaft (1744 m). Die Hütten, Speicher und Stadeln von La Forclaz und den anderen Dörfern, die auf den Felsen stehen (Villa und La Sage), sind nach altem Brauch aus Lärchenholz gebaut. Und es ist der Stolz jeder Familie, den größten Tragbalken zu besitzen. Das Leben der Menschen hier ist durchdrungen von Brauchtum und religiösem Glauben. Entbehrungen und harte Arbeit über Jahrhunderte, die erschwerte Zugänglichkeit ihrer Heimat und die Hilflosigkeit den Naturgewalten gegenüber prägten ihre Wesensart. Von La Forclaz folgen wir dem Wegweiser nach Les Haudères – schön ist der Tiefblick ins Tal von Evolène…
Weiterer Tourenvorschlag.
• Cabane des Becs-de-Bosson (2985 m), im Sommer 1998 eingeweihte Berghütte als Stützpunkt zwischen den Tälern d'Hérens und d'Anniviers (südl. Ptes de Tsavolire und Becs de Bosson, Koor-dinaten 605‚980/112‚510). Die Hütte ist u.a. von Grimentz (Val d'Anniviers) sowie von den Terrassendörfern Eison und St-Martin (oberhalb Evolène im Val d’Hérens) bequem zu erreichen. Da die Route durchs Hochgebirge führt, ist Bergerfahrung erforderlich. Hüttenwart: Weihnachten bis April sowie während der Sommermonate, 50 Lager, Tel. 027/281 39 40.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied1700 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
StartortLes Haudères (1436 m) im Val d’Hérens; Start in Ortsmitte.
AusgangspunktLes Haudères (1436 m) im Val d’Hérens; Start in Ortsmitte.
Endpunktwie Ausgangspunkt
Tourencharakteridyllische Rundwanderung auf guten Wegen. Auf dem Rückweg zwischen Salay und La Forclaz streckenweise Trittsicherheit nötig; auf Markierung achten. Höhenmeter und Tourenlänge erfordern Kondition.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1:50 000, Blatt 283 T (Arolla; mit eingezeichneten Routen).
GastronomieSalay (1766 m), 25 Betten, geöffnet von Juni bis Oktober, Tel. 027/283?11?54.
Unterkunft
Salay (1766 m), 25 Betten, geöffnet von Juni bis Oktober, Tel. 027/283?11?54.

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