Bodetal und Rosstrappe

Durch das imposanteste Schluchttal des Harzes Talwanderung auf zuweilen steilen und schmalen Wegen/Pfaden, Trittsicherheit ist erforderlich. (Autor: Bernhard Pollmann)
19 km
200 m
4.30 h

Zum Bodetor

Vom Bahnhof und Busbahnhof am Friedenspark in Thale gehen wir an der Zufahrt/Kassenhaus des gebührenpflichtigen Großparkplatzes und an der Herz-Jesu-Kirche vorbei Richtung »Schwebebahnen«, überqueren die Bode auf einer renovierten Brücke (ab hier herrscht Autofreiheit) und wandern unter alten Bäumen neben dem Fluss aufwärts.

Nach Passieren der Talstation des Rosstrappen-Sessellifts fällt an der Talstation der Hexentanzplatz-Schwebebahn der Blick hinauf zur Schwebebahn-Bergstation, über der sich der Zuckerhut- und der Wachlerfelsen zeigen, während weiter unterhalb die Zacken der Kleinen Gewitterwand aufragen. Nach Unterqueren der Schwebebahn taucht der bequeme Weg in den Wald ein und folgt der über Blockwerk gischtenden Bode aufwärts. Am Katersteg kann man links hinüber zur Gaststätte »Kleiner Waldkater« gehen, rechts des Wegs erinnert eine Tafel neben einer Quelle an die verschlossene Schallhöhle, einen um 1760 in den Felsen hineingehauenen Gang, der wie ein Schallverstärker wirkte.

»Zur Belustigung« von Touristen wurden darin oftmals Böllerschüsse abgegeben. Am Katersteg lohnt folgender 5-Minuten Abstecher - Wir überqueren die Bode auf dem Katersteg und steigen oberhalb der Gaststätte »Kleiner Waldkater« auf dem Brunhildenweg hinauf zu den ausgeschilderten Felsen des Bodetors. Hier bietet sich ein malerischer Blick auf die Felsabstürze in den Talflanken und in den von alten Buchen geschirmten Grund des Bodetals.

Kronensumpf und Königsruhe

Am Katersteg tritt der Hexensteig in das Naturschutzgebiet ein, rechts türmen sich Blockhalden, links rauscht die Bode, alles wird überdacht von wunderbarem Wald. Der Weg führt weiter aufwärts neben der über Granitblockwerk rauschenden Bode zu den steil aufragenden Granitwänden des sagenumwobenen Siebenbrüderfelsens.

1948 wurde der Siebenbrüderfelsen zur Erinnerung an die Bodetal-Wanderungen des Dichters in Goethefelsen umbenannt. Auf einer großen Granitplatte im Bodebett – dem Goethestein – soll Goethe 1784 die Verwitterungsspalten im Granit studiert haben. Im Kronensumpf (Kreetpfuhl) beim Goethefelsen bewacht der Sage nach der in einen Hund vewandelte Wüstling Bodo die Krone, die die Riesin Brunhilde beim Sprung vom Rosstrappenfelsen zum Hexentanzplatz verlor. Bald darauf erreicht der Weg am Jungfernsteg am Fuß des Rosstrappenfelsens und an der Ausmündung des Hirschgrunds das Gasthaus Königsruhe.

Wie es heißt, trägt die Brücke ihren Namen nach dem frommen Aberglauben, dass nur Jungfrauen über sie gehen können, ansonsten würde sie einstürzen. Von der Terrasse der Königsruhe fällt der Blick zurück zum Goethefelsen und hinauf zum Hexentanzplatz.

Bodekessel

Am autofreien Gasthaus Königsruhe endet der promenadenartige Teil des Wanderwegs, der sich nun in einen teilweise gesicherten Steig verwandelt. Nach Passieren des »Schurre« genannten Serpentinensteigs zur Rosstrappe verengt sich das ohnehin schmale Tal zu einer Klamm, in der die Wanderung ohne Gehhilfen zu Ende wäre: Auf schmalen Stegen und Bohlen führt der geländergesicherte Weg über dem gischtenden Fluss dahin.

An der zweiten Hangbrücke oberhalb des Hirschgrunds zeigt sich hoch über dem jenseitigen Ufer der Bode die Steinerne Kirche unterhalb der Rosstrappe: Die von einem Kreuz bezeichnete oberste Felsspitze wird als »Kirchturm« gedeutet, darunter lässt sich mit viel Fantasie ein Kirchenschiff erkennen. Bei der Teufelsbrücke erreicht die Steilheit der Felswände fast 90°, die Strudeltöpfe, Kolke und Auswaschkehlen in den Felswänden zeugen von der Erosionstätigkeit des Flusses, der sein Bett im Lauf von Jahrmillionen immer tiefer in den Fels grub.

Beim Blick zurück von der Teufelsbrücke zeigt sich weiter oben die spitze Teufelskanzel, auf der der Teufel früher dem Hexenvolk gepredigt haben soll. Oberhalb der Teufelsbrücke erreicht der Weg den eindrucksvollen Bodekessel mit seinen großen Strudeltöpfen. Früher entwässerte dieser Kessel über einen acht Fuß hohen Wasserfall. Er wurde im Jahr 1784 durch Sprengung entschärft, um die Holztrift zu erleichtern. Merian bezeichnet diesen Wasserfall im Jahr 1654 als »horribilem Bodae cataractam«, als Horror-Wasserfall der Bode. Geländergesichert führt der Felssteig vom Bodekessel weiter aufwärts und schraubt sich in Serpentinen auf den Kesselrücken hinauf, in üppiger Waldvegetation bei gleichzeitig immer wieder hervorragenden Ausblicken, während aus dem Talgrund das Tosen der Bode heraufdringt.

Ganz oben bietet sich ein Profilblick zum Rosstrappenfelsen, eine Sitzbank lädt zur Rast. Nun senkt sich der Weg in prachtvollem Schluchtwald bis fast zur Bode hinab und folgt ihr in sachtem Auf und Ab durch den Steilhang, punktuell geländergesichert. Die Felsen des Langen Halses zwingen die Bode zu einer Nordschleife, auch an den markanten Gewitterklippen vollzieht das Tal ein Biegung. Zwischen dem Großen und dem Kleinen Taschengrund und dem Kästental fällt als geologische Besonderheit der helle Quarzporphyr des Bodegangs auf.

In einer Breite von 3–8m quert dieses Gestein, das als ältestes im Harz gilt, dreimal das Bodetal. Das Kästental ist berühmt für seine alten Eiben, der Kästenbach bildet kurz vor seiner Mündung in die Bode einen 6m hohen Wasserfall. Schließlich entfernt sich der schöne Pfad bald nach Passieren einer kleinen Schutzhütte vorübergehend ein wenig von der Bode, und wenn er an einer Biegung wieder in das Tal einzuschwingen beginnt, lädt bei einer uralten Buche eine Sitzbank zur Rast.

Wenig später ist das obere Ende des Naturschutzgebiets erreicht. Wir überqueren die Bode auf einer Holzbrücke und gehen an der Kurverwaltung Treseburg vorbei zur Straße, überqueren auf der Straßenbrücke erneut die Bode und gelangen dahinter neben einem Parkplatz und einem Hotel-Restaurant zum Buswendeplatz. Die Haltestelle wird von zwei verschiedenen Buslinien bedient, beide fahren über die Rosstrappe, eine fährt weiter nach Thale. Mit dem Bus fahren wir zur Rosstrappe, steigen am Großparkplatz aus und gehen am Hotel vorbei.

Rosstrappe

Von der Bushaltestelle führt der E 11 am Berghotel »Rosstrappe« vorbei. Von der Terrasse des Berghotels schweift der Blick weit hinaus auf das Harzvorland und zur Teufelsmauer. Diesen Blick rühmt auch die Titelgestalt von Theodor Fontanes Roman »Cécile« (1887). Vom Berghotel führt der E 11 im Wald mit schönen Aussichtsstellen hinab zum Rosstrappenfelsen. Der Rosstrappenfelsen ist ein von Quarzadern durchzogener Granitsporn, der auf drei Seiten bis zu wandartig steil 250m in das Bodetal abstürzt und in dessen Oberfläche eine Schale und Näpfchen gehöhlt wurden.

Die Kultanlage mit dramatischem Tiefblick zur Steinernen Kirche (kreuzbezeichnet) und zur Teufelsbrücke im Bodetal war offenbar über Jahrtausende hinweg unter wechselnden religiösen Vorzeichen vom Megalithikum bis in keltische und sächsisch-germanische Zeit in Gebrauch. Der 500m lange, ab der Jungsteinzeit angelegte »Heidenwall« (beim Berghotel »Rosstrappe«), der heute noch 4–6m Höhe erreicht, bildete die Begrenzung des rund 25 ha großen Sakralbezirks, der auch als Fliehburg (»Winzenburg« genannt) genutzt wurde.

Nach der Christianisierung wurden Schale und Näpfchen als »Rosstrappe« umgedeutet und mit einer Legende versponnen: Das Ross einer riesenhaften böhmischen Jungfrau und Prinzessin namens Brunhilde habe hier eine Hufspur hinterlassen, als Brunhilde auf der Flucht vor einem Vergewaltiger namens Bodo vom Rosstrappenfelsen über das Bodetal hinweg zum Hexentanzplatz gesprungen sei. Während des Sprungs sei Brunhilde die Krone vom Kopf und in das Tal gefallen, wo sie noch heutigen Tags in dem »Kronensumpf« genannten Strudeltopf in der Bode liege, bewacht von dem in einen Hund verwandelten Wüstling Bodo. Mehrmals sei von Tauchern versucht worden, die goldene Krone zu heben, doch stets sei dem Kronensumpf alsbald eine Blutfontäne entspritzt, und kein Taucher ward jemals wieder gesehen.

Vom Rosstrappenfelsen führt der E 11 über die Schurre steil hinab ins Bodetal. Die Schurre ist ein alter Steig, der in 18 Serpentinen durch Verwitterungsblockfelder und Geröllhalden führt. Um 1850 wurde der Steig ausgebaut und teilweise befestigt. Da die Gesteinsbruchstücke nach kräftigen Regengüssen und während der Schneeschmelze jedoch weiterhin talwärts rutschen (»schurren«), muss die Schurre ständig gewartet werden. Unten im Bodetal gelangen wir auf demselben Weg wie beim Aufstieg flussabwärts nach Thale zurück.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour19 km
Höhenunterschied200 m
Dauer4.30 h
Schwierigkeit
StartortDie Stadt Thale am Austritt des Bodetals aus dem Nordharz ist einer der bedeutenden Fremdenverkehrsorte des Gebirges.
AusgangspunktBahnhof/Busbahnhof Thale (180m); in unmittelbarer Nähe befindet sich ein gebührenpflichtiger Großparkplatz.
TourencharakterDer als Naturschutzgebiet ausgewiesene Abschnitt des Bodetals zwischen Thale und Treseburg ist das landschaftlich großartigste Schluchttal des Harzes. Die in den Hangmooren des Brockenmassivs entspringende Bode hat hier eine der eindrucksvollsten deutschen Felslandschaften nördlich der Alpen ausgewaschen. Fast 250 m stürmen Felsflanken und -wände neben dem Fluss himmelwärts. Von Thale bis Treseburg führt der Hexenstieg durch dieses eindrucksvolle Tal; da von Treseburg (10km bis dort) kein an Schönheit vergleichbarer Wanderweg über die Höhen zurückführt, nehmen wir in Treseburg den Bus Richtung Thale, steigen jedoch an der Rosstrappe aus und wandern von diesem großartigen Aussichtsfelsen aus zurück ins Bodetal.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wander-, Radtouren- und Langlaufkarte 1 - 50 000, Blatt 1019 Ostharz.
VerkehrsanbindungB 81 Halberstadt – Blankenburg – Nordhausen und abzweigen nach Thale.
GastronomieThale, Bodetal, Treseburg, Rosstrappe.
Tourismusbüro
Thale-Information, Rathausstraße 1, 06502 Thale, www.Thale.de

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