BLS-Höhenweg »Lötschberg-Südrampe«

Beliebte, wenig anstrengende Höhenroute, die der Südrampe der BLS-Linie folgt. Neben den Ausblicken ins Rhonetal und auf die Bergketten der Walliser Alpen fasziniert vor allem die kühn angelegte Bahntrasse mit ihren Tunnels und Viadukten. Die Tour ist auch bei Familien sehr beliebt. Am besten fährt man zunächst per Bahn von Eggerberg nach Hohtenn und wandert dann auf dem Höhenweg zurück (bei der Station Hohtenn keine Einkehrmöglichkeit). (Autor: Eugen E. Hüsler)
15 km
540 m
5.00 h
Sie begann am Lötschberg praktisch mit der Eröffnung der Gotthardbahn (1882). Bern, das sich verkehrsmäßig ins Abseits gedrängt sah, wollte unbedingt eine eigene Transitachse. Im Juli 1906 wurde die Berner Alpenbahngesellschaft Bern-Lötschberg-Simplon (BLS) gegründet, vier Monate später wurde mit dem Bau der Strecke von Spiez nach Brig begonnen. Im gleichen Jahr feierte man im Wallis bereits die Eröffnung des Simplontunnels. Die Bauarbeiten am Lötschberg erwiesen sich als schwierig; bei einem Wasserund Felseinbruch kamen 25 italienische Mineure ums Leben. Am 19. Juni 1913 wurde die Bahnlinie in Betrieb genommen, damals (mit Ausnahme des 14,6 km langen Scheiteltunnels) noch auf einer Spur. Der vollständige Ausbau auf Doppelspur erfolgte erst viel später. Kurioserweise wurde er just in dem Jahr abgeschlossen, in dem per Volksentscheid das Mammutprojekt der NEAT vom Schweizer Volk gutgeheißen wurde. Dass die kleine Schweiz sich auf das finanzielle Abenteuer mit zwei Basistunnels einließ, war erneut dem Föderalismus geschuldet (siehe oben). Seit Dezember 2007 rauschen die Züge pfeilgeschwind durch den 34,6 Kilometer langen Tunnel zwischen Frutigen und Raron. Auf der alten Lötschbergstrecke ist es seither viel ruhiger, und nicht wenige fragen sich, ob die Strecke mit ihren 33 Tunnels, 22 Brücken und drei Lawinengalerien nicht eines Tages stillgelegt wird: zu teuer im Unterhalt? Noch rollt die BLS über ihre Südrampe, und während der Fahrt von Eggerberg nach Hohtenn bekommt der Wanderer einen guten Eindruck von ihrer genialen Linienführung. 538 Höhenmeter überwindet die Bahn vom Bahnhof Brig bis zum Südportal des Lötschbergtunnels, 225 Meter zwischen Eggerberg und Hohtenn. Elf Minuten dauert die Fahrt; zu Fuß braucht man in die umgekehrte Richtung gut fünf Stunden. Doch dann ist eben der Schritt das Maß der Dinge, nicht die geballte Kraft einer modernen Eisenbahnlok. Zur Rarnerchumma Die Aussichtswanderung startet bei der Station Hohtenn (1077 m), führt auf Asphalt zunächst kurz bergab, dann ansteigend unter der Bahntrasse hindurch und in den wilden Graben von Lüegilchi. Hier beschreibt der Weg im felsigen Gelände (Seilgeländer) einen Bogen, während die doppelspurige BLS-Linie die Schlucht auf einem hohen, gemauerten Viadukt überquert (Fotosujet!). Anschließend geht’s flach über die verstrauchten Hänge von Lidu zu einem bezaubernden Aussichtspunkt mit Rastbank, dann steigt der Weg durch eine steile Rinne ab zum Jolibach, der am Fuß des Wilerhorns (3307 m) entspringt. Die Bahn verschwindet im Blasbodetunnel, während der Höhenweg mit einer Sandpiste hinausleitet zu einem Guckinsland hoch über Niedergesteln. In der Folge passiert man die versteppten Hänge unterhalb des Weilers Brägji und quert dann – teilweise angenehm schattig – hinüber zur Einkehr Rarnerchumma (1015 m; 1.30 Std.). Weiter nach Ausserberg Hier ist eine Rast fällig, ehe man den Weiterweg Richtung Bietschtal unter die Füße nimmt. Er leitet mit ein paar kürzeren Tunnels durch die abschüssige Felsflanke zum großen Bietschtalviadukt. Der Gang über die Eisenkonstruktion beschert schwindelerregende Tiefblicke zum Bietschbach. Auf der gegenüberliegenden Talflanke leitet ein breiter Weg hinaus zur Geländekante des Riedgarto, einem beliebten Rastplatz mit freier Sicht übers Rhonetal. Dahinter stößt der Höhenweg auf die »Manera«, die alte Suone von St. German (757 m), die wenig oberhalb des Bietschtalviadukts gefasst wird. Mit dem Wasser wandert man quer durch die felsdurchsetzten, teilweise bewaldeten Hänge über dem Dorf. Im Maachigraben umgeht der Weg ansteigend einen Felsriegel und leitet dann in leichtem Auf und Ab, nochmals die Bahnlinie kreuzend, hinein nach Ausserberg (1008 m; 3.30 Std.). Letzte Etappe Vom Bahnhof (931 m) spaziert man durchs Dorf aufwärts bis zur Straßenspinne beim Hotel Sonnenhalde. Das hier halb rechts abgehende Sträßchen (Wegzeiger »Eggerberg«) führt, vorbei am Hofladen Fischerbiel (siehe Kasten), in den Lowigraben und weiter zur »Undra Suon«, die ihr Wasser im Baltschiedertal schöpft. Man folgt ihr zur Theresienkapelle (daneben ein Kräutergarten) und weiter zur Verzweigung Geissbalma (1046 m). Im Zickzack kurz abwärts zu einem tiefer am Hang verlaufenden Weg, dann links in die Mündungsschlucht des Baltschiedertals. An der folgenden Weggabelung entweder geradeaus zur Laldneri Suon und mit ihr hinein nach Eggerberg oder scharf rechts haltend über zwei Schleifen hinunter in den Graben, übers Wasser und auf einem Fahrweg flach ins Dorf. Die BLS-Linie überspannt die Klamm in einem eleganten Bogenviadukt und verschwindet dann gleich im Berg. Bei der Station Eggerberg (852 m; 5.15 Std.) endet die Höhenwanderung.

Höhenweg Wanderung

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied540 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortEggerberg (852 m)
AusgangspunktStation Hohtenn (1077 m)
EndpunktBahnhof Eggerberg (852 m)
TourencharakterEin Stück Verkehrsgeschichte wird lebendig auf diesem Höhenweg an den »Sonnigen Halden«. Dass man dabei mit der Eisenbahn wandert, ist weder zu übersehen noch zu überhören. Denn hier wandert die Geschichte mit: mehr als ein Jahrhundert Eisenbahnhistorie.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 274 T
MarkierungenGelbe Markierungen, Wegzeiger
VerkehrsanbindungEggerberg, Ausserberg und Hohtenn sind Stationen an der BLSBahnlinie; Eggerberg und Ausserberg haben Busverbindung mit Visp.
GastronomieRarnerchumma, Frühjahr bis Spätherbst, Tel. 027/934 28 35. Hotel Bahnhof in Ausserberg, ganzjährig, Tel. 027/946 22 59. Hofladen und Hofbeiz Fischerbiel in Ausserberg
Tipps
Hofladen und Hofbeiz Fischerbiel (Ausserberg) Wer auf dem BLS-Südrampenweg unterwegs ist, kommt an dem Biohof Fischerbiel vorbei. Der wartet seit 20 Jahren mit einer originellen Einrichtung auf: einem »Fensterladen «, an dem man sich selbst versorgen kann. Besser natürlich, man besucht gleich den Hofladen von Liliane und Orlando Schmid. Da ist die Auswahl an Leckereien beachtlich: Walliser Trockenfleisch, Hauswürste, verschiedene Marmeladen, Trockenfrüchte, auch Hochprozentiges. Alles umweltgerecht hergestellt. Und im kleinen Hofbeizli gibt’s einen feinen Zabund (Zvieri sagen dazu die Üsserschwiizer, Brotzeit die Bayern) – allerdings nur auf Bestellung (Tel. 027/946 52 09). En Güete!
Hinweise
Einkehr mit (urigem) Charme: Die Rarnerchumma Beliebte Einkehr am BLS-Höhenweg ist das Chrüterbeizli Rarnerchumma. Für Nichtschweizer: Chrütli sind Kräuter und so gibt es in der Rarnerchumma allerlei Köstliches mit Wildkräutern: Salate, Suppen, Ziger und Sushi. Auf der Speisekarte stehen natürlich auch Walliser Spezialitäten wie Raclette oder ein Käseplättli, und was gegen den Durst hilft, muss jede/r selbst entscheiden: ein Kräutertee oder ein Suonen-Bier. Letzteres wird sogar in drei Variationen angeboten, auch mit Chrüter. Die Weinkarte kann sich natürlich – wen wundert’s im sonnigen Wallis? – sehen lassen, doch mit Blick auf die noch anstehende Wegstrecke empfiehlt es sich, hier Verzicht zu üben. Hinterher, in Eggerberg, kann man dann ja immer noch mit einem Glas Fendant oder Dôle auf die schöne Tour anstoßen. Das Chrüterbeizli Rarnerchumma ist von Ostern bis Mitte November geöffnet, Tel. 076/4645690.
Informationen
Tourist-Info Verkehrsverein Sonnige Halden, CH-3938 Ausserberg, Tel. 027/946 63 14, E-Mail: info@sonnige-halden.ch, www.sonnige-halden.ch

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