Blick nach Österreich

Von Bayrischzell auf die Neuhütte Einfache Tour auf Almwegen und Pfaden, auf dem Höhenweg oberhalb des Wackbaches benötigt man etwas Schwindelfreiheit, der Weg ist aber sehr gut gesichert. Nur auf einer Seite geht es steil hinunter. (Autor: Lisa Bahnmüller)
11 km
550 m
3.00 h
In Bayrischzell kennt man eigentlich nur einen Berg, den Wendelstein. Er thront so majestätisch über dem Ort, dass man vor lauter Überpräsenz kaum einen anderen Berg registriert. Der Seebergkopf ist deshalb ein eher stiller Berg, der im Schatten seiner Nachbarn steht. Für den Nachmittag ist die Gipfelbesteigung zu lang, deshalb ist die Neuhütte auf dem Anstiegsweg unser Ziel. Der Fernblick über das Ursprungtal bis weit nach Tirol beeindruckt auch verwöhnte Augen. Viele der umliegenden Berge sind schwer zu identifizieren, denn von dieser Seite aus ergeben sich ganz neue Formen. Wegverlauf - Vom Parkplatz wandern wir rechts an der Minigolfanlage vorbei und kommen in den Wald. Zahlreiche blaue Punkte dienen als Wegmarkierung. Der Weg windet sich in Serpentinen nach oben, zum Glück wird er aber nie sehr steil. Nach weniger als einer halben Stunde schauen wir von einer Rastbank auf Bayrischzell und den dahinter dominierenden Wendelstein. Nun wandern wir an der Ostflanke des Seebergkopfes auf die Neuhüttenalm zu. Erst kurz vor dem Almboden lichtet sich der Wald und wir treten in die Sonne. Die trotz ihres Namens bereits sehr alte Neuhüttenalm liegt mit traumhafter Aussicht in einer flachen Wiesenmulde. Fast 500 Höhenmeter unter uns erstreckt sich das Ursprungtal und lässt uns frei auf die Tiroler Berge schauen. Vor 200 Jahren war der Platz hier oben ein wichtiger militärischer Stützpunkt. Bayerische Soldaten standen hier in den Jahren 1806 bis 1809 auf gefährlicher Wache. Über das Ursprungtal fielen immer wieder Tiroler Gebirgsschützen ein. Darunter hatte vor allem die Bayrischzeller Bevölkerung zu leiden und so wurden an der Neuhütte Wachen aufgestellt, die rechtzeitig Alarm gaben. Ein im Jahre 2000 gesetzter Gedenkstein »Auf der Wacht« erinnert an diese schlimmen Zeiten. An der Neuhütte bleiben wir geradeaus und wandern auf dem Almweg immer weiter an der Südflanke entlang abwärts zum großen Almboden der Klareralm. Kurz nach der Klareralm treffen wir an einem Gatter auf eine Wegverzweigung. Nun muss man sich entscheiden: Nicht-Schwindelfreie wandern besser nach rechts. Hier führt der Weg über das Streitenbachtal am Segelflugplatz vorbei nach Osterhofen. Immer der Leitzach entlang kommen wir wieder zum Ausgangsort zurück. Spannender und abwechslungsreicher ist der Weg nach links, auf dem wir durch das Wackbachtal absteigen wollen. Zunächst können wir eine letzte Rast an der bereits 1779 erbauten Niederhoferalm einlegen. Weiter geht es dann auf der Almstraße, wo wir am Holzkreuz den unteren Weg wählen und den Bayrischzeller Höhenweg verlassen. Über Serpentinen wandern wir tiefer und überqueren den Wackbach. Der Weg wird schmal, auf unserer rechten Seite geht es stellenweise steil hinunter. Ehe wir uns versehen, sind wir schon unten im Ursprungtal angekommen. Hier hat uns auch die Zivilisation wieder. Autolärm von der parallel zu uns verlaufenden Grenzstraße begleitet uns auf den letzten zwei Kilometern zurück bis zum Parkplatz. Wissenswertes: Kurz vor der Neuhütte kommen wir an einer gefassten Quelle vorbei, die in vielen offiziellen Karten als „St. Joseph Delicius Quelle“ bezeichnet wird. Der Name ist jung und stammt, nach Erzählung des Besitzers und Bauern der Neuhütte Herrn Meinwolf von seinem ehemaligen Pächter. Dieser baute die Betonfassung um die Quelle um durstigen Wanderern das mühevolle Trinken zu erleichtern. Von ihm stammte auch ein Schild mit der Aufschrift „St-Joseph-Delicious-Quelle“, die „erfrischende Quelle des Hl. Josef“. Keiner weiß mehr warum er diesen Name gewählt hatte. Als jedoch wenige Jahre später ein Mitarbeiter des Vermessungsamtes vorbeikam, las er das Schild und übertrug sogleich den phantasievollen Namen in die offiziellen Karten. Das Schild wurde mittlerweile gestohlen, aber der Name hat offizielle Weihen erhalten.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied550 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWanderparkplatz »Seebergkopf« an den Sportplätzen außerhalb des Ortskerns über der Leitzach Karte Kompass Nr. 8, Tegernsee-Schliersee 1 - 50000 Information Kurverwaltung Bayrischzell, Tel. 08028/648
EndpunktWie Ausgangspunkt
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Nr. 8, Tegernsee-Schliersee 1 - 50000
VerkehrsanbindungAuto Auf der Salzburger Autobahn A8 Ausfahrt Bad Aibling, Landstraße Richtung Bayrischzell. Der Parkplatz befindet sich 30m nach dem Ortsschild auf der rechten Seite über der Leitzach beim Sportplatz. Bahn Von München Richtung Holzkirchen, Weiterfahrt nach Bayrischzell. Der Ausgangspunkt liegt ca. 400m südlich des Bahnhofs.
GastronomieNur in den Sommermonaten ist die Klareralm und die Niederhoferalm bewirtschaftet.
Tipps
Für die Gipfelbesteigung des Seebergkopfes muss man insgesamt mit fünf Stunden reiner Gehzeit rechnen. Dafür biegt man an der Neuhütte rechts auf den Bergpfad ab, wandert zur Seebergalm und bezwingt von dort aus den Gipfel. Vom Gipfel geht es zunächst auf gleichem Weg zurück. Dann direkt unter der Seebergalm rechts, talabwärts durch den Wald zur Abzweigung der Almstraße, die zur Neuhütte führt. Nun rechts und den restlichen Abstieg nach unserem Wandervorschlag.
Tourismusbüro
Kurverwaltung Bayrischzell, Tel. 08028/648

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