Bletterbachschlucht und Weißhorn

In den Berg und auf den Berg! Die Runde am Weißhorn vermittelt unterschiedlichste Eindrücke, auf der Schluchtwanderung packende (und sehr aufschlussreiche) Felsbilder, am Gipfel ein großes Panorama. Und ganz zum Schluss kann man auf der Lahner Alm noch auf den Teller und ins Glas gucken: bei einer zünftigen Südtiroler Marende (Brotzeit). (Autor: Eugen E. Hüsler)
Erdgeschichte.
Ungleich interessanter ist die Weißhorntour von Aldein-Lerch aus, vorausgesetzt, man verbindet sie mit einem Besuch der Bletterbachschlucht. In diesem Fall wird die Gipfeltour zu einer Reise in die Vergangenheit, denn die Klamm – eines der großen Naturwunder Süd-irols – ist so etwas wie ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch, allerdings eines, auf dessen Seiten von Jahrmillionen die Rede ist: Erdgeschichte. An ihren Steilflanken lässt sich das Werden der Dolomiten ablesen; ein geradezu exemplarischer »Aufschluss« (so sagen die Geologen) – aufschlussreich ist diese Tour aber auch für den Laien, diese Wanderung durch Äonen auf einem Pfad, der, entstanden durch Erosionsarbeit, die Ver-gänglichkeit selbst der »ewigen« Berge deutlich macht. Unglaubliche zehn Milliarden Tonnen Gestein wurden dabei vom Wasser ins Etschtal transportiert, dann vom zweitlängsten Fluss Italiens zu Sand zerrieben und aus den Alpen hinausbefördert in die Adria.
Zwischen der Mündung des Bletterbachs in die Etsch und dem Gipfel des Weißhorns, an dessen Westflanke er entspringt, liegen über 2000 Höhenmeter und – geologisch betrachtet – mehr als 50Millionen Jahre. Das Fundament dieses gewaltigen »Bauwerks« besteht aus Bozner Porphyr, einem rötlichen Gestein vulkanischen Ursprungs (vor 270 bis 225 Millionen Jahren), das im Landschaftsbild rund um Bozen dominiert. Auf dieser Platte liegen übereinander – fast wie bei Omas Torte – Grödner Sandstein, Bellerophon- und Werfener Schichten; der »Zuckerguss« am Weißhorn besteht dann aus Sarldolomit. Handelt es sich beim Grödner Sandstein, der im Bereich der Bletterbachschlucht eine Mächtigkeit von etwa 200 Metern erreicht, noch um ein festländisches Verwitterungsprodukt, so zeugen die Bellerophonschichten mit ihren Gipseinlagen bereits von – wenn auch nur seichter und sporadischer – Meeresbedeckung. Die Werfener Schichten leiten die alpine Triasfolge ein (vor rund 225 Millionen Jahren); mit ihnen beginnt die marine Sedimentation (Ablagerung).
In der Bletterbachschlucht kann man die gesamte permo-triasische Schichtfolge, vom Porphyr bis zum Sarldolomit, geradezu beispielhaft und von Geröll- und Schuttablagerung kaum beeinträchtigt verfolgen. So wird die Bergwanderung zu einer (entspannten) Lernstunde unter freiem Himmel, und so mancher bunte, vom Wasser in Jahrtausenden rund geschliffene Stein (Wie alt ist er wohl?) wandert in die Hosentasche eines Junior-Erdkundlers.
In die Bletterbachschlucht.
Vom großen Parkplatz im Heimwald (1540 m) führt der Geoweg, zuletzt über steile Stiegen, hinab in die Bletterbachschlucht. Am Bach angekommen, wendet man sich nach links und wandert im breiten, geröllbedeckten Klammgrund zwischen fast himmelhoch ragenden rötlichen Mauern taleinwärts, vorbei an den alten Bergwerksstollen des Taubenlecks. Nach etlichen Schluchtbiegungen kommt das Butterloch ins Blickfeld; solide Eisenstiegen hel-fen hier über eine rund 40 Meter hohe Felsstufe, über die der Bletterbach herabstiebt. An seinem Ansatzpunkt (1.30 Std.; schöne Rastplätze) quert man einen von Radein kommenden Weg, der zurückführt zum Besucherparkplatz (siehe »Kleine Genussvariante«).
Zum Weißhorn.
Oberhalb des Butterlochs wird die Klamm breiter, und ihre Wände sind auch nicht mehr so steil; im Talhintergrund taucht das Weißhorn auf. Eine knappe halbe Stunde weiter kreuzt der Gorzsteig (1636 m) die Schlucht; er führt rechts über einen teilweise bewaldeten Hang aus der Klamm auf die blumenreichen Lahner Wiesen. Hier stößt man auf den Zirmersteig, den klassischen Anstieg von Radein zum Weißhorn (2317 m). Er folgt dem Rand des Canyons und bietet neben packenden Tiefblicken auch eine bemerkenswerte Fernsicht, die nach Nordwesten bei entsprechender Witterung bis zum fernen Eisdom des Ortlers reicht. Oberhalb der 2000-Meter-Höhenmarke gabelt sich der Weg: Links quert eine dünne Spur erst ab-, dann wieder ansteigend auf halber Höhe zwischen Klammgrund und Gipfelkreuz hinüber zum Nordwestgrat des Weißhorns (sehr lohnend!). Geradeaus geht’s zunehmend steiler zum Nordgipfel (2313 m; 3.30 Std.) mit Kreuz und großartigem Panorama. Um ein paar wenige Meter höher ist der Südgipfel (2317 m) des Weißhorns.
Aussicht.
Blickfang sind natürlich die markanten Zacken der westlichen Dolomiten: Schlern, Rosengarten, Latemar und Pala. Nicht zu übersehen ist auch, weshalb das Weißhorn einleitend als ein »verirrtes Stück Dolomiten« bezeichnet wurde: viel Grün rundum und rötliches Pophyr am Schwarzhorn. Am weitesten reicht die Sicht nach Westen, wo Brenta, Adamello, Presanella und Ortler eine weiße Gratlinie bilden, die sich effektvoll gegen das Blau des Himmels abhebt.
Abstieg.
Der Rückweg verläuft – orografisch gesehen – am rechten Rand des »Südtiroler Grand Canyons« und bietet nochmals faszinierende Einblicke in den Graben, der wie eine riesige Wunde mitten durch die grünen Hügel schneidet. Knapp unterhalb des Gipfels ist eine Minikletterstelle (I) zu meistern, was wenig Geübten möglicherweise leichte Probleme bereiten könnte. Der weitere Abstieg bietet dann keinerlei Schwierigkeiten mehr, dafür aber viel Aussicht. Schließlich taucht der Weg in den lichten Wald, wo er auf eine Forstpiste stößt. Diese führt sanft bergab und mündet in der Senke unter der Schönrast (1791 m) in eine quer verlaufende Straße. Hier links und auf einem Steig hinunter zur Lahner Alm (1583 m), wo eine längere Rast fällig ist – für eine Südtiroler Marende, zu der ja bekanntlich fast alles passt, von der Cola bis zum Viertel Roten. Zurück zum Wanderparkplatz ist es hinterher nur noch ein Katzensprung (5.15 Std.).

Besucherzentrum – Butterloch 1.30 Std., Butterloch – Weißhorn 2 Std., zum Besucherzentrum 1.45 Std. Insgesamt 5.15 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied900 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortAldein (1225m), kleiner Ort auf dem Regglberg
AusgangspunktGroßer Parkplatz beim Besucherzentrum des Geoparcs Bletterbach (1540m)
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDas Weißhorn: ein »verirrtes Stück Dolomiten«, völlig isoliert westlich draußen vor dem Latemarmassiv, kein schroffer Fels rundum, nur roter Porphyr über dem Grün von Wiesen und Wäldern, auch am benachbarten Schwarzhorn (2439m). Beide Hörner, meist in einem Atemzug genannt, gelten als bemerkenswerte Aussichtspunkte mit nur kurzen Anstiegen (je gut eine Stunde vom Joch Grimm). Aber eigentlich wäre es schade, hier geradewegs nur den Gipfel anzusteuern.
Hinweise
Besucherzentrum – Butterloch 1.30 Std., Butterloch – Weißhorn 2 Std., zum Besucherzentrum 1.45 Std. Insgesamt 5.15 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 029 »Schlern–Rosengarten–Latemar«
VerkehrsanbindungVon Auer im Etschtal auf guter Straße nach Aldein. Über dem Ort, an der Straße Richtung Deutschnofen, bezeichnete Abzweigung zum Parkplatz
GastronomieLahner Alm, Mai bis November, Tel. 0471/886056.
Informationen
Krone in Aldein. Tradition wird groß geschrieben in dem schönen alten Haus im Zentrum von Aldein, tausend Meter über dem Etschtal. Das passt gut zum gediegenen Ambiente mit schönen Stuben (samt Kachelöfen), aber auch zur Familie Franzelin. Die führt das 1577 erstmals urkundlich erwähnte Gasthaus Krone seit 1720. So etwas ist auch Verpflichtung, doch der kommt man hier gerne nach: Typisch Südtirolerisches wird lecker variiert: Gröstl mit Stockfisch, Kartoffelknödel, gefüllt mit Hirschragout; hausgemachte Kuchen, Speck vom eigenen Bauernhof. Gasthof Krone, I-39040 Aldein, Dorfplatz 3; Tel. 0471/886 825, info@gasthof-krone.it, www.gasthof-krone.it
Tourismusbüro
Tourismusverein Aldein–Radein, Dorf 34, I-39040 Aldein, Tel. +39/0471/88 68 00 info@aldein-radein.it, www.aldein-radein.it

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