Blaueishütte

Kletterparadies am Hochkalter (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
18 km
900 m
4.00 h
Bequemer Aufstieg im Steilgelände.
Der Hüttenzugang wurde so angelegt, dass ihn auch der normal konditionierte Wanderer problemlos bewältigen kann. Erstes Ziel ist die Schärtenalm, die man nach einem Anstieg in weiten Kehren quer durch den Wald erreicht. Die Alm ist im Sommer bewirtschaftet und bietet sogar Nachtlager. Hinter der Alm quert der Fahrweg zunächst fast eben westwärts, bevor er an einer Felsecke in das Blaueistal hineinführt. Von der Holzbrücke an der Steilwand ergeben sich beeindruckende Tiefblicke in die Schlucht. Dann wird mit Ende des Fahrweges die Materialseilbahn und von dort auf schönem Steig die Blaueishütte angepeilt.
Anspruchsvolle Gipfelwelt.
Über der Blaueishütte wirken die Felsabstürze von Hocheis- und Hochkaltergruppe fast wie eine dunkle Drohkulisse. Die umliegenden Gipfel flößen von der Hüttenterrasse noch mehr Respekt ein als vom entfernten Seeufer. Kein Wunder, dass hier für das Gros der Wanderer Endstation ist. Während die Besteigung der Schärtenspitze noch ohne größere Schwindelgefühle machbar ist, bleibt das Erklimmen von Hocheisspitze und Hochkalter allein dem geübten Bergsteiger vorbehalten. Anders als am benachbarten Watzmann ist nämlich selbst die Normalroute über den »Schönen Fleck« nicht durch Drahtseile abgesichert, obwohl das Gelände kaum weniger abschüssig ist.
Kletterkurse vom DAV.
Insgesamt scheint die Hütte also für Kletterer fast geeigneter als für Wanderer. Kein Wunder also, dass der Alpenverein wegen der zahlreichen Routen in sämtlichen Schwierigkeitsgraden hier etliche Kletterkurse anbietet. In der Hütte gibt es ein übersichtliches Kletterbuch mit Skizzen und den Beschreibungen der Erstbegeher. Doch irgendwie scheint die imposante Felskulisse auch den gewöhnlichen Wanderer magisch anzuziehen. Wir wunderten uns jedenfalls über den Besucheransturm an einem Werktag Anfang Oktober, obwohl sich die Sonne zu dieser Jahreszeit an der Hütte im Schatten der Steilwände bereits rar macht. Doch der Hüttenwirt weiß über die Sonnenpassagen bestens Bescheid und gibt gerne Auskunft.
Die Hütte steht noch keine 50 Jahre.
Die ursprünglich 1922 erbaute Blaueishütte wurde im Dezember 1955 durch den Luftdruck einer Staublawine zerstört. Drei Jahre darauf nahm man den Hüttenbau neu in Angriff. Das heutige Haus wurde an der Stelle der 1946 durch Brandstiftung zerstörten Wehrmachtshütte gebaut. Der Hüttenpächter Raphael Hang ist quasi als Kind in diese Hütte hineingeboren, jedenfalls hat er ihr bis heute die Treue gehalten.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich die gewaltigen Felsstürze von 1908 und 1954 nicht wiederholen, als einige hundertausend Kubikmeter Felsmasse vom Gipfelaufbau des Hochkalter in die Tiefe stürzten. Die moosbewachsenen Überbleibsel des Felssturzes haben übrigens dem Zauberwald am Hintersee seinen Namen gegeben.
Abstecher zum Blaueis.
Direkt unter dem Hochkalter liegt das Blaueis, der nördlichste Gletscher der Alpen. Doch wie lange noch? Da das Eis im Zuge der Klimaerwärmung dramatisch abtaut, ist von dem früheren Ausmaß – ein Kilometer Länge und 250 Meter Breite im Jahr 1977 – heute nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Immerhin schuf der Gletscherrückgang einen zweiten, unschwierigen Einstieg in die Blaueishöhle; früher musste man sich vom stattlichen Eingang in den sechs Meter tiefer liegenden Eisboden abseilen, um die Höhle mit dem so genannten Karl-Rieser-Dom sowie ihren Schächten, Klemmblöcken und Eisschloten inspizieren zu können. Ohne entsprechende Erfahrung sollte man sich dennoch nicht in die Eishöhle wagen. Doch auch von außen wirkt das im oberen Teil rund 55 Grad steile Eis imposant.

Länge: Von Hintersee auf AV-Weg Nr. 482 über die Schärtenalm (2 1/2 Std.); der Anstieg von Ramsau ist etwas länger und trifft unterhalb der Schärtenalm auf den Normalanstieg.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied900 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktDas Ostufer des Hintersees
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterWer vom Nordwestufer des Hintersees einen Blick zum Hochkalter wirft, kann die zwischen Waldgrenze und Felskar auf einem Geländeabsatz gelegene Blaueishütte bereits erspähen. Dabei muss der Betrachter das Kinn schon deutlich anheben, um wirklich fündig zu werden. Denn der Höhenunterschied zwischen See und Gipfel beträgt auf einer Distanz von rund 6 Kilometer Luftlinie immerhin gut 1800 Meter.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr.14, Berchtesgadener Land – Chiemgauer Alpen, 1:50.000
VerkehrsanbindungMit der Bahn stündlich von München nach Freilassing (Richtung Salzburg), dort Anschluss nach Berchtesgaden; weiter mit dem RVO-Bus über Ramsau zur Haltestelle am Zauberwald. Mit dem Auto auf der A 8 Ausfahrt Piding, auf der B 21 über Bad Reichenhall nach Unterjettenberg, hier links auf die B 305 nach Ramsau und im Ort Richtung Hintersee. Auf der Straße zum Hintersee gibt es zwei Wanderparkplätze; der obere ist gebührenpflichtig.
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1680 m. ERBAUT: 1958–62 (DAV-Sektion Berchtesgaden). Bewirtschaftet: 15. Mai bis dritter Sonntag im Oktober. Kulinarischer Tipp: Hausgemachter Kuchen. Hüttenwirt: Raphael Hang. Telefon: 08657/271 (Tal: 08657/546). BETTEN: 18. Lager: 64. Materialbeschaffung: Auf der Fahrstraße; letzte Stufe mit Materialseilbahn.
Tourismusbüro
Haus des Gastes (Kurverwaltung), Im Tal 2, 83486 Ramsau, Tel.: 08657 / 98 89 20, E-Mail: info@ramsau.de, Internet: www.ramsau.de

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