Bettmerhorn – Märjelensee – Aletschwald

Wandern im »UNESCO Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch« (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
14 km
150 m
6.00 h
1972 entstand die »UNESCO-Konvention zum Schutze des Kultur- und Naturerbes der Welt«. Sie soll dazu beitragen, bedeutende Kultur- und Naturobjekte zu schützen. Die Welterbeliste »World Heritage List« ist seither auf 721 Kultur- und Naturerbestätten in 124 Staaten gewachsen. In der Schweiz gehörten bis zum Jahr 2000 vier Kulturgüter zu den Welterbestätten: die Altstadt von Bern, der Klosterbezirk von St. Gallen, das Kloster Mustair und die Tre Castelli in Bellinzona. Zu den bekanntesten Weltnaturerbe-Gebieten zählen u.a. die Galapagosinseln, der Yellowstone Nationalpark und der Serengeti Nationalpark. Sie alle stellen einzigartige Formationen und Gebiete dar, die wegen ihrer ästhetischen Schönheit und als Lebensräume seltener Tier- und Pflanzenarten internationale Bedeutung besitzen.
Am 13. Dezember 2001 beschloss das Welterbekomitee in Helsinki die Aufnahme der Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn-Region als erstes Naturerbe im gesamten Alpenraum in die Welterbeliste. Kandidaten für die Welterbeliste müssen einen hohen Standard erfüllen. Das erste Weltnaturerbe der Alpen unterliegt besonders strengen Kriterien.
Das Gebiet stellt die größte vergletscherte Region in den Alpen dar, in deren Zentrum der Grosse Aletschgletscher liegt. Im Mai 2002 wurde der Verein »UNESCO Welterbe Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn« gegründet, ein Netzwerk der Gemeinden und der beiden Kantone Bern und Wallis. Allerdings war schon zu jenem Zeitpunkt klar, dass das Gebiet alle Voraussetzungen für eine optimale Erweiterung bietet, die das Welterbekomite im Jahre 2007 in Christchurch auch annahm. Damit wurde die Fläche des Welterbes Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn von 540 auf 824 Quadratkilometer erweitert. Im Welterbe sind neu die Gebiete Grimsel mit Aaregletscher und Engelhörner im Osten, die Blüemlisalp im Westen und erweiterte Gebiete im Lötschental sowie in der Lötschbergsüdrampe im Süden integriert. Diese Maßnahme hatte zur Folge, dass der Name des einzigartigen Welterbes angepasst werden musste. Laut Beschluss anlässlich der jährlichen Zusammenkunft des UNESCO Welterbekomitees in Quebec (Ka) lautet der neue Name seit Juli 2008 offiziell »UNESCO Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch«. Die Intention ist, die Landschaft des Welterbes den künftigen Generationen in ihrer ästhetischen Schönheit zu bewahren. Die Region Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn zählt allein 107 größere und kleinere Eisströme, die insgesamt 250 Quadratkilometer (oder 47% der Gesamtfläche) bedecken. Das Gebiet umfasst große Bergketten mit alpinem und subalpinem Charakter. Beispielhaft können ökologische Prozesse beobachtet werden.
Auf der Fläche von 824 Quadratkilometern dieses Weltnaturerbes ragen neun Gipfel über die magische Grenze von viertausend Metern in den Himmel, hinzu kommen zahlreiche Dreitausender. Rund 90 Prozent der Fläche des Welterbes sind von Fels und Eis bedeckt. Die Gletscher reagieren sehr stark auf Klimaschwankungen der Erde. Gegenwärtig ziehen sie sich auf breiter Front zurück. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich das vergletscherte Gebiet um ca. 43 Quadratkilometer verringert. Der derzeitige Prozess verläuft schneller. Die Temperatur steigt seit Beginn des 20. Jahrhunderts etwa dreimal so rasch an wie am Ende der letzten Eiszeit. Das Abschmelzen der Gletscher hätte dramatische Folgen für die Menschheit, weil dann die Eisströme ihre Funktion als Wasserspeicher verlieren.
Das Aletschgebiet gilt als eine der großartigsten und vielfältigsten Alpenregionen. Die überwältigende Bergwelt von Eiger, Mönch und Jungfrau (Grenzgipfel zwischen Berner Oberland und Wallis), der Grosse Aletschgletscher mitsamt dem faszinierenden Aletschwald aus uralten Lärchen und Arven, die eindrucksvollen alten Kulturlandschaften des Baltschiedertales sowie die Walliser Felsensteppe der Bietschhorn-Südabdachung – sie bilden gemeinsam in ihrer majestätischen Schönheit eine ganz außergewöhnliche Landschaft. Der Grosse Aletschgletscher mit seinen 23 Kilometern Länge und einer Fläche von 80 qkm ist der größte und längste Alpengletscher. Seit seinem Höchststand im Jahre 1860 zieht sich der mächtige Eisstrom stetig zurück (jährlich zwischen 30-75 Meter). Das Gletschertor liegt heute gut 3 km weiter bergwärts. In den letzten 2500 Jahren stieß der Gletscher nicht weniger als achtmal vor und zurück. Auf dem Konkordiaplatz beträgt die Eisdecke heute etwa 900 Meter.
Nach dem Rückgang des Eises siedelten sich vor etwa 9000 Jahren auf den Moränenwällen (heute Aletschwald) erste Pionierpflanzen in Form von Gräsern und Kräutern an, ihnen folgten Bäume und Sträucher wie Weiden, Birken und Lärchen. Die Arve kam erst 1000 Jahre später dazu und übernahm die Vorherrschaft. Aletschwald und Aletschgletscher verleihen der Landschaft ein faszinierendes Bild. Die extremen klimatischen Bedingungen über dem Gletscher lassen die Bäume langsam wachsen. Arven von nur 1 Meter Höhe stehen schon 40 bis 50 Jahre im Wald. 600 bis 700 Jahre alte Bäume (allein ca. 75% Arvenbestand) sind keine Seltenheit. 1933 wurde das 220 Hektar große Aletschwald-Reservat unter Naturschutz gestellt. 1974 erwarb der Schweizerische Bund für Naturschutz die auf der Riederfurka um 1900 von Sir Ernest Cassel als Sommersitz erbaute Villa Cassel und eröffnete hier das erste Naturschutz-Zentrum der Schweiz mit ständiger Ausstellung sowie einem Alpengarten. Es trägt heute den Namen »Pro Natura Zentrum«.
Einen besonders starken Eindruck von den gewaltigen Ausmaßen des Grossen Aletschgletschers gewinnt man vom Aletschbord auf der Bel-alp. Uralte Tradition auf der Belalp ist der Schäfersonntag: Am letzten Wochenende im August kehren etwa 1000 Schwarznasen-Schafe (Ghornute) von den Aletschalpen zur Belalp zurück. Unter den steilen Felswänden von Gross-Fusshorn und Geisshorn über der orografisch rechten Seite des Aletschgletschers liegen die kommunalen Weiden der Burgergemeinde Naters. Als die Natischer noch von der Landwirtschaft allein lebten, zogen sie im Monat Mai mit ihrem gesamten Haushalt zum Maiensässweiler Blatten hoch. Um ihre fruchtbaren Weiden und alten Stadel nicht verkommen zu lassen, leistet sich noch heute ein Häuflein Alteingesessener den Luxus (vom Staat subventioniert), wie die Vorväter Ghornute zu züchten. Im Juli werden die hübschen, jedoch wenig profitablen Tiere für zwei Monate zu den hochgelegenen Weideböden der Burgergemeinde geführt.
Über viele Jahrzehnte führte der Wanderweg Riederalp-Belalp über den Grossen Aletschgletscher. Das Schmelzwasser des Gletschers bildet den Ursprung der Massa. Diese Überquerung diente nicht nur als Wanderweg, sondern vor allem auch zur Nutzung der Voralpe Inneres Aletschji. Noch bis Mitte der 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der Weg rege genutzt, obwohl schon Metalleitern und Drahtseile angebracht waren. Durch den dramatischen Gletscherrückgang in den letzten 20 Jahren sind die Zugänge über die Seitenmoränen (vor allem von der Belalpseite aus) und damit eine Überquerung an jener Stelle unmöglich geworden. Nach unermüdlichem Einsatz der Gemeinden Naters, Riederalp und Ried-Mörel wurde eine Sanierung des Weges und Überquerung der 50 Meter tiefen Massaschlucht mittels einer 124 m langen Hängebrücke (reine Fußgängerbrücke) möglich. Die Einweihung erfolgte Mitte Juli 2008. Man genießt von der Hängebrücke einen faszinierenden Blick auf den Grossen Aletschgletscher.Zu den meistbesuchten Regionen im Aletschgebiet zählen die Bettmeralp sowie die Riederalp mit der auf einem Hügel gelegenen Kapelle Maria zum Schnee (17. Jh.). 1985 erstellten die Bettmeralp- Bahnen, Gemeinde und Verkehrsverein von Bettmeralp den Gletscherweg Aletsch. Als Trasse diente ein von Schafhirten benutzter kleiner Pfad unter Eggishorn und Bettmerhorn zwischen Bettmerhorn und Märjelensee. Die 1½ Stunden dauernde Wanderung hoch über dem Grossen Aletschgletscher gehört mit zum Schönsten in diesem Gebiet. Ausgangspunkt ist die Bergstation Bettmerhorn (2643 m). Auch für jene, die nicht wandern wollen, lohnt sich eine Gondelfahrt zum Bettmerhorn: ein Panoramarestaurant lädt ein zum Schauen und Rasten.
Der Wegverlauf.
Auf dem oberen Gletscherweg zum Märjelensee.
Vom Bettmerhorn aus können trittsichere Geher in ½ Stunde über einen Wandersteg unschwierig den Gipfel des Bettmerhorns ersteigen (2856 m). Unsere Tour wird jedoch auch ohne Gipfelerlebnis voller Höhepunkte sein. In wenigen Minuten zum Aussichtspunkt Gletscherblick – eindrucksvoll der Anblick des Grossen Aletschgletschers, darüber die Kette der Berner Alpen. Leicht abfallend wandern wir dann über Steintreppen und eine Weganlage hinab zur Roti Chumma (2348 m). Das Panorama ist unbeschreiblich, und ständig weht eine frische Brise vom Gletscher herauf. Über einen in den Fels gehauenen breiten Weg wird die Gratkante erreicht, die sich vom Eggishorn zum Gletscherrandsee hinabzieht.
Einst füllte der Märjelensee das ganze Märjelental aus und floss ins Fieschertal ab oder er versetzte die Leute von Naters in Angst und Schrecken, wenn er ausbrach und sich das Wasser durch die Massaschlucht ergoss. So hatte der See zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch folgende Ausmaße: Länge 1600 Meter, Breite 460 Meter, größte Tiefe 78 Meter, mittlere Tiefe 23 Meter. Nach Westen wurde der See durch die hohe Eiswand des Aletschgletschers gestaut und auf dem See schwammen fast hausgroße Eismassen. Mit dem Gletscherrückgang ist das grandiose Naturphänomen verschwunden. Selten hat der See ab Mitte Juli noch viel, meistens nur wenig oder kaum mehr Wasser. Wer zu Beginn des Sommers diese Wanderung macht, kann vielleicht einmal wie wir Glück haben und einen kleinen Abglanz des berühmten Märjelensees erleben. Doch auch wenn das Märjelental unterm Grossen Aletschgletscher nicht mehr wie in vergangenen Zeiten an eine Polarlandschaft erinnert, ist das Gebiet mit einzelnen Tümpeln voll Wollgras und dem aufgestauten Vordersee doch ganz zauberhaft.
Auf dem unteren Gletscherweg zum Greichergrat.
Gerne wird die Wanderung als Rundtour durchgeführt: vom Vordersee durch den Tällitunnel oder um den Tälligrat herum nach Kühboden (Mittelstation der Fiesch-Eggishornbahn) und zurück zur Bettmeralp und evtl. weiter zur Riederalp. Wir kehren zur Roti Chumma zurück, verlassen den oberen (vom Bettmerhorn kommenden) Gletscherweg nach rechts und befinden uns auf dem fast eben verlaufenden unteren Gletscherweg. Diese wunderschöne Route, die zum Teil einer uralten Wasserfuhre folgt und beeindruckende Tiefblicke gewährt, wurde 1987 von den Gemeinden Ried, Greich und Goppisberg sowie vom Verkehrsverein und den Verkehrsbetrieben Riederalp zwischen Moosfluh und Roti Chumma ausgebaut. Über eine kleine Hochfläche wandern wir auf den Greichergrat/Biel (2292 m). Leicht ansteigend kann man von hier zur Moosfluh gelangen und mit der Gondelbahn nach Riederalp hinabfahren. Lohnend ist es auch, von Biel der Krete über Moosfluh zur Bergstation Hohfluh zu folgen und per Sesselbahn nach Riederalp zu fahren.
Durch den Aletschwald zur Riederalp.
Doch uns lockt der nahe Aletschwald. Wir wählen den Moränenweg und erleben einen ganz herrlichen Spaziergang inmitten uralter Arven, vermodernder Baumstümpfe und leuchtender Alpenrosenhänge. Von der Riederfurka am Rande des Aletschwaldes (2064 m; hier evtl. das Pro Natura Zentrum mit Ausstellung und Alpengarten besichtigen) schlendern wir auf dem alten Saumweg leicht hinab nach Riederalp (1925 m). Nach einem Besuch des Alpenmuseums Riederalp Talfahrt mit der Gondel oder Großkabinenbahn nach Mörel.
Klettersteig am Eggishorn.
Mit der Bahn geht es von Fiesch aufs Eggishorn. Ein markiertes Steiglein Richtung Fiescheralp führt in 30 Minuten zum Ausgangspunkt des Klettersteiges (2562 m). Jetzt wird es ernst. Vor dem Start unbedingt die Info-Tafel lesen und empfohlene Verhaltensregeln beachten. Ausnahmslos gesichert klettert man über herrliche Felsformationen. 300 Höhenmeter sind dabei zu überwinden. Nach 2 erlebnisreichen Stunden (ab Einstieg) ist der Endpunkt des Klettersteiges auf dem Eggishorn erreicht.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied150 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortBetten-Tal (814 m), 3 km nordöstlich von Mörel.
AusgangspunktBergstation Bettmerhorn (2643 m).
EndpunktMörel
TourencharakterWanderung über dem Grossen Aletschgletscher und durch den berühmten Aletschwald; leicht.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1:50 000, Blatt 264 T (Jungfrau; mit eingezeichneten Routen).
VerkehrsanbindungÖV: mit der Matterhorn Gotthard Bahn z. B. von Brig nach Betten-Tal (auch Busverbindung). Auto: aus dem Rhonetal über Brig oder über den Furkapass ins Tal des Rotten und hinunter bis Betten-Tal. Nun mit der Seilbahn zur Bettmeralp und weiter per Gondel auf das Bettmerhorn. Rückkehr: von der Riederalp mit der Gondelbahn oder Großkabinenbahn nach Mörel und per Bus nach Betten-Tal.
GastronomieBergrestaurant Bettmerhorn, Restaurant Riederfurka.
Tipps
UNESCO-Höhenweg Bettmerhorn-Eggishorn Diese im Sommer 2004 eröffnete Gratwanderung bietet im Norden eine großartige Aussicht auf den Grossen Aletschgletscher und ins Gebiet des UNESCO Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch. Jungfrau, Aletschhorn und Bietschhorn sind zum Greifen nahe. Im Süden hat man einen fantastischen Blick ins Rhonetal, ins Binntal und auf die Berge der Walliser Alpen. Die Wanderung von der Gondelbahn-Bergstation Bettmerhorn bis zur Luftseilbahn-Bergstation Eggishorn dauert etwa 4 Stunden. Es handelt sich um eine alpine Route, die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraussetzt. Von der Bergstation Bettmerhorn gelangt man über einen Wandersteig in ca. 30 Minuten aufs Bettmerhorn. Nun geht es über die Gratkante in leichter Kletterei, die mit Seilen abgesichert ist, bis zum Punkt 2722. Weiter an Seilen gesichert abwärts in die Elsenlücke. Von hier erreicht man über einen Wanderweg die Bergstation Eggishorn.
Unterkunft
Riederfurka, Gletscherstube am Vordersee und Kühboden; Riederalp (1925 m), Sesselbahn zur Hohfluh, Gondelbahn zur Moosfluh; Gondelbahn von der Bettmeralp (1957 m) aufs Bettmerhorn.

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