Berliner Hütte

Die Berliner Hütte ist als Stützpunkt auf dem Berliner Höhenweg bestens platziert, stellt sie doch den Ausgangspunkt für zahlreiche Hochtouren dar. Und wer so große Ziele nicht vorhat, kann sich vor der Hütte an einem großartigen Hochgebirgspanorama erfreuen oder bei einem einstündigen Spaziergang zum Schwarzensee noch grandiosere Landschaftserlebnisse genießen. (Autor: Siegfried Garnweidner)

31 km
800 m
4.00 h

Die Alpenvereinssektion der Hauptstadt Berlin hat sich ihre Hütte in den Zillertaler Alpen etwas kosten lassen. Ein richtig stattliches Haus haben die Berliner dort hinaufgebaut. Mittlerweile ist die Hütte schon mehrmals erweitert und renoviert worden und seit 1997 steht sie sogar unter Denkmalschutz. Seitdem muss sie erhalten bleiben und darf nur nach den alten Plänen von 1879 restauriert werden. Schon im Jahr 1896 hat sie einen eigenen Telefonanschluss bekommen und mit etlichen Anbauten entstand um die Hütte eine kleine hochalpine Siedlung, die seit 1911 über ein eigenes Kraftwerk verfügt. Bis in die 30er Jahre gab es sogar ein Postamt und eine eigene Schuhmacherwerkstatt. Damals waren die genagelten Stiefel wohl noch nicht so robust wie die heutigen hoch technisierten Bergschuhe.

Der Hüttenzustieg

Vom Alpengasthaus Breitlahner folgt man der schmalen Straße durch den Zemmgrund, an der Grawandhütte vorbei und zum Wasserausleitungsbauwerk am Zemmbach. Bei der Alpenrosenhütte endet die Straße. Von dort führt ein guter Bergweg durch schütteren Zirbenwald am Kriegerdenkmal vorbei und zur Berliner Hütte. Die große, feudale Berliner Hütte zählt zu den ältesten und größten Alpenvereinshäusern. Zur Zeit seiner Erbauung lag sie direkt am Ende des Hornkeeses. Der Gletscher hat sich inzwischen um viele hundert Meter zurückgezogen.

Zum Schwarzenstein

Gipfelziele ab der Berliner Hütte gibt es fast ohne Ende. Die meisten sind anspruchsvoll und bleiben somit erfahrenen Hochtouristen vorbehalten. Zu den leichtesten in dieser Riege gehört das Schönbichler Horn, das mit 3134 Metern zwar ebenfalls eine stattliche Höhe aufweist, aber ohne Gletscherberührung in 2 1/2 Stunden von der Hütte aus erreichbar ist.

Wer sich die Mühe des Anstiegs zur Berliner Hütte gemacht hat und sich angesichts der vielen mit Schnee und Eis gezierten Gipfelhäupter zu einer Hochtour entscheidet, findet im Schwarzenstein mit 3369 Metern Höhe ein nicht allzu schwieriges Ziel. Allerdings verläuft die Route über das große Schwarzensteinkees, in dem durch das allgemeine Abschmelzen der Alpengletscher immer mehr Spalten zerreißen. Die Tour ist deshalb heutzutage deutlich schwieriger zu bewältigen als noch vor ein paar Jahren. Eine vollständige Hochtourenausrüstung mit Seil und Eispickel und das Beherrschen der Spaltenbergungstechnik sind deshalb unerlässliche Voraussetzungen. Je nach den Verhältnissen am Gletscher sind ab Hütte rund 5 Stunden für den Aufstieg und 3 1/2 Stunden Abstiegszeit zu kalkulieren.

Die Gipfelroute verläuft von der Berliner Hütte nach Nordosten und über dem Zemmbach über weite Wiesen mit schönen Alpenrosenbüschen. Kurz unter dem Schwarzsee gabelt sich der Bergweg. Dort rechts halten und gegen Osten weiter, an den Ausläufern des Kleinen Mörchners (genannt Saurüssel) nach Südosten durch das Mörchnerkar und auf einen dunklen Felsen zu, der mit 2945 Metern kotiert ist. In seiner Nähe wird der Gletscher betreten. Man seilt gewissenhaft an und folgt in einem ausholenden Bogen einer meist vorhandenen, relativ steilen Trittspur, die nach Süden abdreht und beim Schwarzensteinsattel auf 3143 Meter deutlich abflacht. Die weitere Route führt über den breiten Firnrücken nach Süden gemütlich weiter. Zuletzt verjüngt sich der Rücken zu einer Schneide, die kurz vor einem Bergschrund nach rechts verlassen wird. Am Gratverlauf kommt man in aperes Blockwerk, dreht links ab und steht gleich darauf beim Gipfelkreuz.

Der Abstieg verläuft auf der Anstiegsroute.

Dauer: Auf: 3 Std. Ab: 1 1/2 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour31 km
Höhenunterschied800 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGinzling-Breitlahner (1256 m)
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterLanger, aber einfacher Hüttenzugang
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte 1:50000, Blatt 37 (Zillertaler Alpen–Tuxer Alpen)
VerkehrsanbindungMit der Zillertalbahn oder dem eigenen Auto nach Mayrhofen im Zillertal und von dort mit Bus oder eigenem Wagen durch das Zemmtal zum Ausgangspunkt (gebührenpflichtiger Parkplatz)
Tipps
Berliner Höhenweg: Die Berliner Hütte ist über den rund 40 Kilometer langen Berliner Höhenweg mit dem Furtschaglhaus, der Olpererhütte, dem Friesenberghaus und der Gamshütte (siehe Tour 33) verbunden. Diese außergewöhnliche Durchquerung erfordert mehrere Tage und ist von großartigen Bergerlebnissen geprägt.
Informationen
Hüttensteckbrief
Höhe: 2042 m
Erbaut: 1879
DAV-Sektion Berlin
Bewirtschaftet: von Mitte Juni bis Ende September
75 Betten, 102 Lager (+ 20 Notlager)
offener Winterraum mit 14 Matratzenlagern
Telefon: +43(0)5268/5223
www.dav-berlin.de

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