Bergabsteigen: Monte Coltignone (1473 m)

Recht anspruchsvolle Runde in der Südflanke des Monte Coltignone. Mehrere gesicherte Passagen, sehr steiler Gegenanstieg durch die Val Verde; Bergerfahrung unerlässlich. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Die Runde beginnt mit dem Gipfelspaziergang: vom Parkplatz beim Rifugio SEL (1278 m), dem Hinweis »Parco Valentino« folgend, auf einem breiten Fahrweg sanft im Wald bergan, zunächst noch ohne Ausblicke. Das ändert sich am Belvedere (1427 m) dann schlagartig; man steht am Rand des Bergrückens und hat erstmals freie Sicht hinab auf den Seearm von Lecco und hinüber auf das felsige Profil der Corni di Canzo (1371 m).
Nun am Steilabbruch entlang zum kahlen Gipfel des Monte Coltignone (1473 m; 45 Min.) und zu einer kontrastreichen Umschau: im Osten der Monte Due Mani (1667 m), weiter rechts der Resegone (1875 m), eine mehrgipflige steinerne Front, in der Tiefe Lecco, die Stadt zwischen Seen und Bergen. In die Tiefe führt auch der Sentiero G.E.R. Die ungefähre Richtung gibt das Kreuz am Corno Medale (1028 m) an: erst im Zickzack über Wiesen bergab zu einer felsigen Rippe, dann rechts über einen steilen Hang, mit Kettenhilfe um ein Eck herum und unterhalb eines mächtigen Klemmblocks in eine steile Geröllrinne. In ihr steigt man weiter ab, möglichst ohne Steine loszutreten.
Schließlich leitet die Wegspur aus dem Canalone rechts auf ein schmales, exponiertes Band (Drahtseil). In einer winzigen Scharte (1020 m) gabelt sich der Steig; man nimmt das rechts abgehende Weglein, das, in etwa die Höhe haltend, von einer Geländerippe zur nächsten »springt«, die Wiesenmulden dazwischen jeweils ausgehend. So gelangt man auf die Westseite des Bergstocks; der Resegone verschwindet aus dem Blickfeld, dafür erscheint nun wieder der Leccheser Arm des Comer Sees. Ihn hat man auch beim Abstieg nach San Martino (772 m) im Blickfeld.
Neben dem Kirchlein zeigt ein großes Schild zum Sentiero della Val Verde. Das »grüne Tal« erweist sich allerdings recht bald als wilder Graben, mehr grau als grün. Das Weglein passt sich der Kulisse an, quert in kräfteraubendem Auf und Ab zunächst drei tiefe Rinnen, ehe es sich endgültig fürs »Hinauf!« entscheidet. Das gerät dann gleich zur Direttissima, rund 500 Meter Steilanstieg, bei schlechter Kondition oder sommerlicher Nachmittagshitze ein übler Schinder.
Auf dem »Pförtchen« (Portanino, 838 m), mündet der »Sentiero dei Teccett«, und auf dem letzten Drittel – endlich! – nimmt die Steilheit ab, geht sie in ein Zickzack über. Am Forcellino (Bocchetta della Val Verde, 1287 m) stößt der Weg auf eine Waldstraße. Auf ihr wandert man zurück zu den Piani Resinelli.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied1360 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPiani Resinelli (1280 m), Sport- und Erholungsgebiet in der Senke zwischen Monte Coltignone und Grignetta. Parkmöglichkeit beim Rifugio SEL (1278 m), am südlichen Wendepunkt der Einbahnstraßenschleife
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterErdgeschichtlich sind die Grigne das Ergebnis einer doppelten Überschiebung: dreimal – am Grignone (2409 m), an der Grignetta (2177 m) und am Coltignone (1473 m) – gibt es (fast) die gleichen Sedimentschichten, Kalke der mittleren Triaszeit, über 200 Millionen Jahre alt, nach Süden hin ansteigend. Daraus resultiert das mit einem Schiffsbug vergleichbare Profil des Monte Coltignone. Und es verrät auch einiges über die Wege an diesem Bergstock, der den Spiegel des Comer Sees um immerhin 1300 Meter überragt: sie sind sehr steil, im Sommer natürlich entsprechend heiß. Eine Ausnahme macht nur der bequeme, schattige Zugang von den Piani Resinelli, also über den breiten Nordrücken. Erst oben am Gipfelkamm tritt man aus dem Wald, ist man unvermittelt von Steilabbrüchen umgeben, geht der Blick gleichermaßen in die Ferne und hinab in schwindelnde Tiefen.
Also warum nicht für einmal oben starten? Abstieg vor dem Aufstieg, der Gipfel schon nach kurzem Anlauf, die Hütte am tiefsten Punkt, der »heiße« Gegenanstieg durch die Val Verde als Finale? Den Wendepunkt der Tour markiert das Kirchlein San Martino (772 m), im 14. Jahrhundert von Benediktinern des Klosters Santa Maria Maddalena in Lecco begründet.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass 1:50000, Blatt 91 »Lago di Como – Lago di Lugano«
MarkierungenBestens bezeichnete Wege, an den Verzweigungen Hinweistafeln
VerkehrsanbindungVon Ballabio (660 m) an der Strecke Lecco – Valsássina führt eine gute Serpentinenstraße zu den Piani Resinelli, 8 km. Großer Parkplatz, Busverbindung mit Lecco
GastronomieRifugio Riccardo Piazzo (772 m) beim Kirchlein San Martino, nur an Wochenenden bewirtschaftet!
Tipps
San Martino. Zum Kirchlein San Martino (772 m) kommt man auch von Lecco aus. Ein günstiger Ausgangspunkt ist dabei der Vorort Rancio (371 m): Querung zum »Sentiero dei Pizzetti«, Aufstieg über den gesicherten Steig zum Kirchlein, Abstieg dann über die Kapelle von San Martino (742 m); insgesamt etwa 3 Std.
Tourismusbüro
APT del Lecchese, Via N. Sauro 6, I-23900 Lecco; Tel. +39/0341/29 5720-721, info.turismo@provincia.lecco.it, www.turismo.provincia.lecco.it

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Region:
Italien
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