Beerberg und Schneekopf

Am Rennsteiggarten auf dem Dach des Thüringer Walds Waldwanderung auf bequemen Wegen und zum Teil wurzeligen Pfaden. (Autor: Bernhard Pollmann)
21 km
200 m
6.00 h
Grenzadler Der Grenzadler am Ausgangspunkt in Oberhof ist einer der größten der über 1000 Grenzsteine am Rennsteig auf dem Kamm des Thüringer Walds. Er markierte die nur ein halbes Jahrhundert bestehende Grenze zwischen dem Königreich Preußen und dem Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Vom Grenzadler leitet der Rennsteig waldeinwärts, führt in stetem Anstieg auf den Schützenberg und senkt sich dann zur Schutzhütte am Dreiherrenstein 16, dem Dietzel-Geba-Stein bzw. Victor-Scheffel-Stein. Hinweistafeln verweisen auf die Besonderheit dieses Dreiherrensteins, bei dem früher auch der Dietzel-Geba-Stein stand, ein Sühnekreuz, das an die Hinrichtung des Straßenräubers Dietzel von Geba im Jahr 1498 erinnerte. Vom Dreiherrenstein 16 führt der Rennsteig im Wald hinab zum Rondell, wo die B 247 von Zella-Mehlis nach Oberhof den Kamm überquert und die Schmückestraße abzweigt. Ein Obelisk auf dem Straßendreieck erinnert an die Erbauer der 1832 fertig gestellten »Kunststraße« (heutige B 247), ein Forstarbeiterdenkmal erinnert an die Männer und Frauen, die nach der Windbruchkatastrophe von 1946 »den Thüringer Wald retteten« (Inschrift). Rennsteiggarten Der Rennsteig quert die Bundesstraße am Rondell und folgt kurz der Straße Richtung Schmücke. Hier bietet sich rechts der Abstecher in den Rennsteiggarten an. Der Rennsteiggarten ist ein gebirgsbotanischer Garten mit rund 4000 Pflanzen aus Europa, Amerika und Asien. Der 7 ha große Garten wurde 1970 in einem aufgelassenen Steinbruch am aussichtsreichen Pfanntalskopf angelegt in einer Umgebung, in der die Pflanzen unter ähnlichen Witterungsverhältnissen leben wie im Hochgebirge - 150 Tage Schneelage im Jahr, Jahresmitteltemperatur 4,2° C, jährliche Niederschlagsmenge 1400 mm. Viele Vertreter bekannter Gebirgspflanzengattungen wie Enziane, Primeln, Glockenblumen, Nelken, Edelweiß und Alpenrosen entfalten im Rennsteiggarten ihre Blüten, aber auch weniger bekannte Schönheiten wie Blauer Himalayamohn, Andenpolster und Bitterwurz lassen sich hier entdecken. Interessant ist der Thüringer Heilkräutergarten. Er liegt am Adolf-Kolping-Weg, auf dem der Aussichtspunkt auf dem Pfanntalskopf erreichbar ist. Für die Gastronomie sorgt das Café »Enzian«. Höchste Höhen des Thüringer Walds Vom Rennsteiggarten führt der Rennsteig im Hang der Brandleite (879m) aufwärts; im Inneren des Bergs durchstoßen der Brandleite- und der Rennsteigtunnel, der längste Straßentunnel Deutschlands, den Kamm des Thüringer Walds. An der bald darauf erreichten Sommerwiese und wenig später noch einmal quert der Rennsteig die Schmückestraße und erreicht dann die Wegespinne Suhler Ausspanne, eine wiesenartige Freifläche. Hier wurden früher die Pferde ausgespannt, die wegen der starken Steigung zusätzlich vor die von Suhl herauffahrenden Lastwagen gespannt werden mussten. An der Suhler Ausspanne beginnt der Aufstieg zum Großen Beerberg (982m), wo der Rennsteig mit 973m seinen höchsten Punkt erreicht. Die Gipfelpartie des höchsten Bergs im Thüringer Wald mit seinen alten Wetterfichten und baumfreien Moorflächen steht unter Naturschutz. Von seinem höchsten Punkt führt der Rennsteig zu Plänckners Aussicht mit Panoramablick nach Süden und Westen, in den von hoch aufragenden Porphyrhärtlingen umgebenen Suhler Granitkessel mit den Suhler Ortsteilen Goldlauter und Heidersbach, dahinter zeigen sich die Neubauten von Suhl mit dem Ferienhotel auf dem Ringberg sowie der gegenüberliegende Domberg; weiter entfernt sind der Dolmar bei Meiningen, die Kuppen der Rhön und weiter links die beiden Gleichberge bei Römhild zu erkennen. Zur Schmücke Wenig später wird der Rennsteig schmaler, verwandelt sich kurzfristig gar in einen Wurzelpfad, stößt aber an der Wegekreuzung Adler wieder auf die Schmückestraße; im Norden zeigt sich der Schneekopf (978m), der zweithöchste Gipfel des Thüringer Walds. Vom Adler führt der Rennsteig neben der Schmückestraße zur Abzweigung Richtung Suhler Hütte (Imbiss) und zur Wetterstation Schmücke und leitet dann hinab zum aussichtsreich gelegenen Waldhotel Schmücke (916m). Die so hoch wie der Große Inselsberg gelegene Schmücke war lange Zeit die höchstgelegene Siedlung am Rennsteig; sie liegt an einer schon im Mittelalter bedeutenden Wegekreuzung. Teufelskreis-Moore Von der Schmücke zeigen die Wegweiser nordwärts Richtung »Schneekopf«. Der Forstweg führt über eine Art Schneise aufwärts und tangiert am Ampelsberg (936m) das Naturschutzgebiet »Schneekopfmoore am Teufelskreis«. Es ist Bestandteil des Biosphärenreservats Vessertal und untergliedert sich in das nördliche und das südliche Schneekopfmoor. Beide Moore sind Gipfelmoore mit Bruchstufenbildungen. Am Südwestrand des Schutzgebiets befindet sich zusätzlich ein kleines Hangversumpfungsmoor. Mit einer mittleren Jahresniederschlagssumme von etwa 1340 mm und einer Jahresmitteltemperatur von 4,6°C liegt das Schutzgebiet im kühlsten und niederschlagsreichsten Teil des Thüringer Walds. Für die Vegetation und Flora, insbesondere der Mooroffenflächen, sind arktische bis boreale Arten kennzeichnend. Bemerkenswert ist das Vorkommen des in Thüringen vom Aussterben bedrohten Birkhuhns Tetrao tetrix, das das Schneekopfmoor als Nahrungshabitat nutzt. Wie bereits der Name andeutet, zählt das Gebiet zu den sagenumwobensten des Thüringer Walds. »Wer sich in diese sumpfigen Gebiete verirrt, vermag sich schwerlich wieder herauszufinden, zumal wenn der Geist des Gebirgs die ganze Gegend in Nebelschleier hüllt. Am schlimmsten und gefährlichsten ist aber das ausgedehnte Moorloch, welches das Teufelsbad heißt, denn das ist unergründlich; wer hineinfällt, kommt nie wieder an das Tageslicht«, berichtet Ludwig Bechstein in seinen Sagen. Teufelskanzel Vom Ampelsberg führt der Weg weiter zum Wanderparkplatz Güldene Brücke (Schutzhütte). An der Güldenen Brücke geht es links weiter auf einem Hangweg, vorbei an der Schneetiegelquelle und an der (verschlossenen) Meininger Hütte, bis links ein grasiger Pfad durch die Hölle Richtung Schneekopf abzweigt; die Hölle ist eine steile, von Felsen flankierte Wiesenkerbe. Auf Höhe der Schutzhütte Hölle zweigt links der Pfad zur geländergesicherten Teufelskanzel ab. Die Teufelskanzel (914m) in der Nordflanke des Schneekopfs ist einer der schönsten Aussichtspunkte am zweithöchsten Berg des Thüringer Walds. Von der geländergesicherten Felskanzel schweift der Blick über den schluchtartig eingeschnittenen Schneetiegel und das Tal der Wilden Gera sowie über den tief zerteilten Nordost-Abfall des Thüringer Waldes hinweg weit in das Vorland hinaus. Markantestes Bauwerk im Blick ist die Thüringer-Wald-Autobahnbrücke über dem Geratal. Von der Teufelskanzel gehen wir kurz zurück und wandern hinauf zum Schneekopf. Schneekopf Der Schneekopf (978m) ist der zweithöchste Berg des Thüringer Walds und seit der Renaturierung einer der schönsten Aussichtsberge des Gebirges. Von den sowjetischen Anlagen aus der Zeit des Kalten Kriegs lebt ein Turm als Fernmeldeturm fort. Von der begrünten Fläche rund um den Turm schweift der Blick zum Kickelhahn, zum Großen Beerberg, zum Großen Inselsberg und weiteren Bergen des Thüringer Walds, nordwärts weit in das Thüringer Becken hinaus und bis zum Brocken im Harz, während sich im Westen die Kuppen der Rhön und im Süden die Gleichberge runden. Der Schneekopf ist vulkanischen Ursprungs, berühmt sind die sog. Schneekopfkugeln, aus dem Vulkangestein Porphyr bestehende Kugeln, die im Inneren Kristalle bergen. Auch in den Sagen spielt der Schneekopf eine herausragende Rolle und wird der Schneekoppe im Riesengebirge, dem Meißner in Hessen und dem Zobten in Schlesien als Frau-Holle-Berg gleichgesetzt. Von den Hörselbergen bei Eisenach stürmt die Wilde Jagd mit Frau Holle an der Spitze des Zugs der Verdammten in den Raunächten hinauf auf den Schneeberg. Dass es auf dem Schneekopf seltsam zugeht, zeigt auch der Jägerstein (Rastplatz). Die Inschrift spricht von der Erschießung des Försters Grahner durch dessen Schwestersohn Greiner im Jahr 1690. Greiner, damals der beste Schütze des Thüringer Walds, hatte eine gläserne Zauberkugel auf einen Hirsch abgefeuert, aber als er hinzulief, lag kein Hirsch am Boden, sondern sein Vorgesetzter, der Förster, und der zuckte nicht einmal mehr. Der Förster hatte sich, wie es heißt, aus Ärger über die Schießkünste Greiners mit bösen Mächten in Verbindung gesetzt. Im Kirchenbuch von Gräfenroda steht, der neidige Förster sei erschossen worden »in Verblendung einer Hirschgestalt«. Vom Schneekopf führt die Grünstrich-Markierung zurück zum Rennsteig, den sie bei der Suhler Ausspanne wieder erreicht.

Wanderwege Thüringer Wald

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour21 km
Höhenunterschied200 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortDer Luftkurort Oberhof am Rennsteig im Thüringer Wald ist der bedeutendste Wintersportplatz Thüringens.
AusgangspunktBushaltestelle und Großparkplatz Oberhof-Grenzadler (837m).
TourencharakterVom Wintersportort Oberhof führt diese abwechslungsreiche Rennsteigetappe zum Rennsteiggarten und über die unter Naturschutz stehende höchste Partie des Thüringer Walds.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarte 1 - 50000, Blatt 1022 Östlicher Thüringer Wald, oder Fritsch Wanderkarte 1:50000, Blatt 74 Östlicher Thüringer Wald,
VerkehrsanbindungDer Grenzadler liegt an der Passstraße von Oberhof nach Steinbach-Hallenberg und Schmalkalden; Buslinien Bad Liebenstein – Oberhof und Steinbach-Hallenberg – Oberhof.
GastronomieKiosks am Rondell/Rennsteiggarten, Wander- und Sporthotel Schmücke.
Tourismusbüro
Oberhof-Information, Haus des Gastes, Crawinkler Straße 2, 98559 Oberhof, www.oberhof.de

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