Baumberge

Olymp des Münsterlands Auf dieser bequemen und aussichtsreichen Wanderung durch die münsterländische Parklandschaft sind wegen einiger Wurzelwegpassagen gute Wanderschuhe zu empfehlen. (Autor: Bernhard Pollmann)
14 km
100 m
3.00 h
Baumberge Die Baumberge sind die höchste Erhebung des Münsterlands und gewähren einmalige Ausblicke auf die Park- und Waldlandschaften an und zwischen Ems, Lippe und Berkel bis hin zum Teutoburger Wald, zum Sauerland und zur Hohen Mark. Die sanft geschwungene Hügellandschaft mit ihren aussichtsreichen Höhen, dicht bewaldeten Kuppen, friedlichen Tälern und stattlichen Höfen gipfelt im Westerberg (187 m), auf dem sich der Longinus-Aussichtsturm erhebt. Zahllose Sagen von Teitekerlkes (Kobolde), Spinnmöderkens (Spinnmütterchen), Hexen und wilden Gänsen ranken sich um das quellenreiche Gebirge, dessen Name vom germanischen Wotan (Wo'nberge, Boomberge) abgeleitet wird und das die christlichen Legenden mit einer ebenso mächtigen Gestalt verknüpft haben - dem heiligen Liudger, dem ersten Bischof von Münster. Im Wallfahrtsort Billerbeck im Westen des Gebirges soll der Gottesmann im Jahr 809 gestorben sein, seine Schwester Herburg gründete in Nottuln im Süden der Baumberge das älteste adelige Kanonissenstift des Münsterlands. Der dritte Ort im Bann der Baumberge ist Havixbeck, in dem das Baumberger Sandstein-Museum die Geschichte des über 1000 Jahre alten Sandsteinabbaus in den Baumbergen dokumentiert. Weithin bekannt ist Havixbeck durch das Wasserschloss Hülshoff, den Geburtsort der bedeutendsten Schriftstellerin Westfalens. Billerbecker Berg Von der Bushaltestelle vor dem Bahnhof Billerbeck führt die Markierung »x« mit Richtungsangabe »Freilichtbühne« an den Parkplätzen entlang, an der Straße links über die Gleise und gleich halb rechts (Weihgarten) durch die Gehölze bei der Freilichtbühne Billerbeck. Am Ende des Walds, dessen Boden im Frühjahr Tausende von Blüten in ein Farbenmeer verwandeln, führt der nun alleeartig von Bäumen flankierte Weg geradeaus durch aussichtsreiches Acker- und Grünland im Hang des Billerbecker Bergs, halb rechts zeigen sich der Longinus-Aussichtsturm und die beiden Windindustrierotoren auf dem Westerberg, beim Blick zurück zeigen sich die Spitzhelme der Wallfahrtskirche von Billerbeck. Wie die Legende berichtet, traf der heilige Liudger auf dem Billerbecker Berg mitten im Wald eine schmutzige Frau, umgeben von Gänsen. »Mein Brunnen ist ausgetrocknet«, klagte sie, »ich kann mich nicht waschen.« Da ergriff Liudger zwei Gänse, warf sie in den trockenen Brunnen und sprach: »An der Stelle, wo sie zum Vorschein kommen, wird ein Brunnen entstehen, der Wasser in Fülle gibt.« Die Gänse gruben sich durch den Berg, und wo sie am nächsten Tag in Billerbeck wieder zum Vorschein kamen, entstand ein Brunnen, der Wasser in Fülle gab. Die westfälischen Heiden staunten und kamen zuhauf, um sich von dem mächtigen Mann im neuen Brunnen taufen zu lassen. Es ist der Ludgeribrunnen in Billerbeck. Brunnen Meyer Am Ende des alleeartigen Feldwegs auf dem Billerbecker Berg geht es geradeaus auf der Höfezufahrt Bockelsdorf, hinter dem ersten Hofgrundstück rechts in die Wiese neben einer Schafweide, vor dem nächsten Haus links und durch einen Gehölzstreifen und hinab zur Brücke über die Baumbergebahn. Zwischen den nächsten Häusern, Böckinghausen, führt eine schmale Straße links hinaus in die Wiesen, an der Bushaltestelle Reinert rechts, dann auf einem Waldweg halb links durch ein Gehölz zur Straße, neben dieser drei Minuten links hinab und vor dem Waldrand rechts unter die Buchen – hier beginnt der landschaftlich großartige Weg, der sich pfadartig durch Waldmeister-Buchenwälder und aussichtsreiches Wiesenhochland schlängelt. Im Wald folgt er in stetem Auf und Ab einer Landwehr unter efeuumrankten Buchen zur Verzweigung beim Forsthaus Meyer. Das Forsthaus Meyer in den Baumbergen ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt durch den Brunnen Meyer, einen der größten Überwinterungsplätze für Fledermäuse in der Westfälischen Bucht. Der 60 m tiefe Tiefbrunnen befindet sich in einem Brunnenhaus neben einer alten Hofanlage, umgeben von Buchenaltholz. Der Brunnen wird seit mindestens 130 Jahren von Fledermäusen genutzt und dient als Zwischen-, Paarungs- und Winterquartier. Aktuell fliegen ihn jährlich mehr als 600 Tiere an. Auch der angrenzende Buchenwald ist bedeutsam für Fledermäuse: Er ist Jagdgebiet für Rauhaut- und Breitflügelfledermaus. Longinus Vom Forsthaus Meyer führt die Raute-Markierung rechts hinauf zum Longinusturm auf dem Westerberg (187 m), der höchsten Erhebung der Baumberge. 1897–1901 ließ der Baumberge-Verein hier einen rund 30 m hohen Aussichtsturm aus Baumberger Sandstein errichten, den Longinus. Im Erdgeschoss beherbergt er die Gaststätte »Longinus«, benannt nach dem apokryphen Hauptmann mit der Lanze. In den 50er-Jahren erhielt der Longinus einen Fernmelde-Aufbau, seit den 90er-Jahren lässt die Windkraftindustrie zwei Räder unweit des Turms rotieren. An sonnigen Wochenenden ist der Westerberg ein zentraler Motorradtreffpunkt. Havixbecker Friedenskapelle Zurück zum Forsthaus Meyer: Der x-Weg führt weiter im Wald, vorübergehend bietet sich am Waldrand ein schöner Blick auf Havixbeck. Beim Ausflugsrestaurant Sommerhages trifft der Weg auf die Straße, quert sie an der Bushaltestelle Schulz, führt am Hotel Waldfrieden vorbei aufwärts auf einem Asphaltweg, an der Verzweigung geradeaus (»x21«) und gleich rechts ab in den Wald auf einen Pättke unter Buchen. An der Verzweigung Vaders Platz führt »x13« aussichtsreich links hinab zur Friedenskapelle in Top-Panoramalage hoch über Havixbeck und dem Münsterland; erstaunlich auch, wie hügelig und »gebirgig« Westfalen aus dieser Perspektive erscheint. Von diesem wundervollen Rastplatz geht es durch aussichtsreiches Grünland talwärts, unten geradeaus auf dem Klinkerweg und nach Überqueren von Bach und Gleisen rechts zum Bahnhof Havixbeck. Wallfahrtsort Billerbeck Nach der Fahrt mit der Baumbergebahn zurück zum Bahnhof Billerbeck lohnt ein Rundgang durch den nur wenige Gehminuten entfernten Wallfahrtsbereich in der autofreien Altstadt von Billerbeck. Aus dem Bahnhof tretend, folgen wir der Markierung »x« auf einer autofreien Allee abwärts und erreichen nach Queren der Landstraße die Altstadt. Der neugotische Ludgerus-Dom mit seinen fast 103 m hohen Türmen ist das Wahrzeichen und die Wallfahrtskathedrale von Billerbeck. Der Münsteraner Architekt Wilhelm Rincklage errichtete sie 1892–98 an der Stelle einer älteren, im Kern romanischen Ludgeruskirche, in der Liudger verstorben sein soll. Im Südturm befindet sich die Sterbekapelle Liudgers mit einer barocken Reliquienhalbfigur des Heiligen (1735). Vom Ludgerus-Dom leitet die x-Markierung zwischen Fachwerkhäusern des 18./19. Jh. weiter zum Marktplatz. Hier zweigt rechts die Ludgeristraße ab; die Ludgerus-Brunnenkapelle an der Ludgeristraße steht bei der 1541 erstmals genannten Quelle, die als Taufbrunnen des heiligen Liudger gilt; die Liudger-Bronzefigur vor der Brunnenkapelle trägt Züge des Kardinals Clemens August von Galen. Zurück zum Marktplatz und rechts zur spätromanischen Johanniskirche (13. Jh.), dem bedeutendsten Beispiel einer münsterländischen Hallenkirche; im Vorgängerbau soll Liudger die letzte Messe vor seinem Tod gelesen haben.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied100 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortBillerbeck (120 m), Wallfahrtsort (Ludgerusdom) mit sehenswerter Altstadt am Rand der Baumberge im westlichen Münsterland.
AusgangspunktDer Bahnhof Billerbeck (140 m) ist der höchstgelegene Bahnhof der Baumbergebahn.
TourencharakterDie Strecke vom Wallfahrtsort Billerbeck durch die faszinierenden Waldmeister-Buchenwälder im Nordhang der Baumberge nach Havixbeck zählt zu den faszinierendsten und aussichtsreichsten Wanderwegen des Münsterlands. Von Havixbeck fährt die Baumbergebahn auch an Wochenenden stündlich zurück nach Billerbeck. Wer die Wanderung verlängern will, wandert weiter bis zu den Hexenquellen am Tilbecker Mordkreuz - Dort endet dieser große zusammenhängende Buchenwaldkomplex der Baumberge, durch den der nicht fahrradfähige Wanderweg über weite Passagen als typisch münsterländisches »Pättke« (Pfädchen) führt.
Beste Jahreszeit
KartentippFreizeitkarte 1 - 50000, Blatt 4 Münster/Tecklenburger Land Naturpark Terra.vita Westteil (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Internet www.lverma.nrw.de).
VerkehrsanbindungBaumbergebahn Münster – Billerbeck – Coesfeld. Mit dem Auto von Münster auf der A 43 Richtung Ruhrgebiet bis zur Ausfahrt Nottuln und über Nottuln nach Billerbeck.
GastronomieCafé Longinus, Restaurant Sommerhages.
Tipps
Liudger Der in Utrecht und York ausgebildete Friese Liudger wurde 792 von Karl dem Großen mit der Missionierung der Friesen und Westfalen betraut. Seine Tätigkeit stand im Zeichen der angelsächsischen Mission, die auf die Einbindung heidnischer Vorstellungen in das christliche Glaubenskonzept zielte; zu seiner Missionsstrategie gehörte es unter anderem, volksnah in der Sprache der Einheimischen, nicht auf Lateinisch, zu predigen. Mit seinem Auftreten »füllte er die Schiffe der Friesen mit heiligen Gesängen« und war auch erfolgreich unter den Westfalen. Zu seinen Gründungen zählt die nachmalige Reichsabtei Werden an der Ruhr (796). Den ihm von Karl dem Großen angebotenen Bischofsstuhl von Trier lehnte er angeblich mit der Begründung ab, ein alter Missionar habe kein Sitzfleisch. 805 wurde er erster Bischof von Mimigardeford (Münster). Am 26. März 809 soll er in Billerbeck verstorben sein. Beigesetzt wurde er in Werden an der Ruhr.
Tourismusbüro
Tourist Information Billerbeck, Markt 1, 48727 Billerbeck, Tel. 02543/7315, Internet www.billerbeck.de.

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