Bastei, Uttewalder Grund, Amselfall

Im romantischen Herzen des Elbsandsteingebirges Abwechslungsreiche Panorama-, Wald- und Schluchtenwanderung, zum Teil auf Steiganlagen. (Autor: Bernhard Pollmann)
13 km
300 m
4.00 h
Gierseilfähre Schon der Auftakt der Wanderung ist ein kurzweiliger Hochgenuss. Die Elbe teilt den Luftkurort Rathen in das autofreie Niederrathen auf der Nationalparkseite und den linkselbischen Ortsteil Oberrathen mit dem S-Bahnhof und den Parkplätzen. Die Verbindung für Gäste zu Fuß und mit dem Rad besorgt eine historische Gierseilfähre, die mit großartigem Bastei-Aufblick von 4 Uhr 30 morgens bis ca. Mitternacht über den Strom pendelt. Das unter Denkmalschutz stehende Transportmittel wird durch ein stromaufwärts in der Mitte des Flusses verankertes Stahlseil auf konstanter Höhe gehalten, der Antrieb erfolgt durch die Strömung, die Fahrtrichtung ergibt sich aus der Stellung des Steuerruders - Wird die Ruderstellung geändert, drückt das Wasser verstärkt auf eine Seite der Fähre und setzt sie in Bewegung. Nur bei Längsverkehr können sich längere Wartezeiten ergeben: Die Fähre muss warten, bis ein vorbeifahrendes Schiff passiert ist. Für die Wartezeit entschädigt ein wundervoller Aufblick in das Basteigebiet, markanteste Punkte sind Burg Altrathen, der Tiedgestein, der Mönch mit der Wetterfahne, die Steinschleuder, die Basteikanzel und elbaufwärts der Lilienstein. Aussichtsreicher Aufstieg Nach der Überfahrt mit der Gierseilfähre geht es im autofreien Kurort Niederrathen kurz geradeaus auf der von Einkehrmöglichkeiten gesäumten Straße Am Grünbach längs des gleichnamigen Bachs. An der Gaststätte »Sonniges Eck« führt der Wanderweg Richtung »Bastei« links hinauf (Amselgrund) und gleich darauf wiederum links, zunächst aussichtsreich mit Blick auf den monumentalen Talwächter-Felsen, dann in schönem Laubwald. Schon bald ist der erste fantastische Aussichtspunkt erreicht, der nach dem Romantikdichter Christoph Tiedge benannte Tiedgestein (Rosenbettfels): Über die Elbe hinweg schweift der Blick auf die höchsten Berge und markantesten Steine (von links: Lilien-, Pfaffen- und Königstein) des Elbsandsteingebirges, am markantesten steht ganz links der Basaltkegel des Rosenbergs. Dieses Panorama zeigt sich im weiteren Verlauf der Wanderung bis zur Bastei aus immer höherer Perspektive. Beim Tiedgestein passiert der Fernwanderweg Eisenach–Budapest (EB) den ehemaligen Pferdestall des einstigen unteren Zugangs der Felsenburg Neurathen und strebt zwischen mächtigen Felsen aufwärts. Von der bald erreichten Kanapee-Aussicht sind über das Tiedgepanorama hinaus die Bastei sowie der von einer als Wetterfahne fungierenden Mönchsfigur bekrönte Mönch-Felsturm in Sicht. Felsenburg Neurathen Wenig oberhalb der Kanapee-Aussicht erreicht der EB den Eingang des Freilichtmuseums Felsenburg Neurathen. Die 1361 zusammen mit der Burg Altrathen erstmals schriftlich erwähnte Felsenburg Neurathen in den Basteifelsen zwischen Elbtal, Wehlgrund und Martertelle ist eine der bedeutendsten Felsenburgen Deutschlands, die Doppelburg Alt- und Neurathen war eine der größten mittelalterlichen Wehranlagen im hart umkämpften deutsch-böhmischen Grenzgebiet. Während sich andere Burgen dieses Typs (Regenstein im Harz, Drachenfels im Pfälzerwald usw.) auf einen einzigen Felsklotz beschränken, nutzt Neurathen eine Vielzahl von Felstürmen, die südwärts fast 200m zur Elbe abfallen. Die Felsen waren verbunden durch einen hölzernen Wehrgang, der am Neurathener Felsentor begann. Der Wehrgang wurde 1982–84 auf einer Länge von 120m von Sebnitzer Bergsteigern in Stahlkonstruktion neu errichtet, sodass die Besichtigung der Felsenburg gefahrlos möglich ist, wenn auch mit Nervenkitzel verbunden. Einmalig sind vom Wehrgang aus die Tiefblicke in die Felsszenerien des Wehlgrunds, aus dem sich der Talwächter erhebt, sowie die Blicke zu Mönch und Lokomotive und auf die Hintere Sächsische Schweiz mit den Schrammsteinen und dem Winterberg. Basteiaussicht Vom Neurathener Felsentor, das auf zahlreichen Gemälden und Radierungen der Romantik dargestellt ist (C. D. Friedrich, Ludwig Richter), führt die 76,5m lange Basteibrücke über die Felsschlucht der Martertelle zur Basteihochfläche. Am basteiseitigen Ende der Basteibrücke lohnt rechts der kurze Abstecher zum auf Leitern erreichbaren Ferdinandstein, der einen prachtvollen Blick auf die Felsenburg Neurathen mit der Großen Steinschleuder, zum Großen Wehlturm, zur Kleinen Gans und hinab in den Wehlgrund bietet. Nach diesem eindrucksvollen Abstecher geht es hinauf zur Bastei, einem der schönsten Aussichtspunkte des Elbsandsteingebirges. In einer Höhe von knapp 200m über der Elbe, aber nur 130m entfernt vom Strom, bietet diese Felskanzel eines der schönsten Elbtal- und Elbsandsteingebirgs-Panoramen: Talabwärts schweift der Blick an klaren Tagen bis Dresden, stromaufwärts zeigen sich der Basaltkegel des Rosenbergs in der Böhmischen Schweiz, der Lilienstein als Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz, die Schrammsteinkette und dahinter der Winterberg als höchste Erhebung rechts der Elbe, jenseits des Stroms ragt der Königstein mit der Festung auf, und am Horizont steht der von einem Turm überhöhte Schneeberg, die höchste Erhebung des gesamten Gebirges. Uttewalder Grund Von der Felskanzel Bastei geht es zum »Berghotel und Panoramarestaurant Bastei« und kurz auf der für den öffentlichen Verkehr gesperrten Zufahrt (Basteistraße) entlang, bis der mit den Zeichen »Grünstrich« markierte Fremdenweg links Richtung Steinerner Tisch abzweigt. Dieser bequeme Waldweg ist Teil des »Malerwegs«. Von der autofreien Waldgaststätte Steinerner Tisch, benannt nach einem kleinen quadratischen Tisch, der hier zu Beginn des 18. Jh. für eine fürstliche Jagdgesellschaft aufgestellt (und 1994 erneuert) wurde, führt die Markierung »Grünstrich« auf einem naturbelassenen Fels- und Wurzelweg abwärts in die romantische Felsschlucht Höllengrund. Der Höllengrund mündet in den »schwarzen« Zscherregrund (tschechisch cerny: schwarz), zwischen dessen imposanten Felswänden ein Teerweg weiter abwärts führt und bald das geologische Denkmal Strudeltopf erreicht: Nordische Granite, die von den Wassermassen abschmelzenden Gletschereises wie Mahlsteine bewegt wurden, hobelten hier im Sandstein eine kesselförmige Vertiefung mit einem Durchmesser von 70 cm aus. An der nächsten Verzweigung verlässt die Markierung »Grünstrich« den nach Wehlen hinabführenden Teerweg und führt rechts in den Uttewalder Grund hinauf, eine der berühmtesten Felsschluchten der Vorderen Sächsischen Schweiz. Der schöne Waldweg in dieser Schlucht führt an der Teufelsküche vorbei zur autofreien Gaststätte Waldidylle, dahinter verschmälert sich der Weg und erreicht das Felsentor. Der bis zu 90m tief in den Sandstein eingeschnittene Uttewalder Grund ist seit der Romantik eine der berühmtesten Felsenschluchten der Sächsischen Schweiz. Das von drei ineinander verkeilten Felsblöcken gebildete »Felsentor« wurde von zahllosen Malern und Schriftstellern gezeichnet und beschrieben. Caspar David Friedrich biwakierte im Jahr 1801 eine Woche lang im Uttewalder Grund. Eines der eindrucksvollsten Resultate dieser Woche ist sein »Felsentor im Uttewalder Grund«. Bis heute hat sich im Wesentlichen kaum etwas verändert im Uttewalder Grund, den Hans Christian Andersen 1831 so beschrieb: »In der wunderbarsten Gestalt erhoben sich hier die Felswände an beiden Seiten, herrlich bewachsen mit Kräutern und buntem Moos; Sträuche und Bäume standen in malerischen Gruppen zwischen den Klüften, tief unten stürzte ein kleiner Bach hin, und oben über uns sahen wir nur ein einziges Mal ein kleines Stück von dem grau bewölkten Himmel. Bald traten die Felswände so nah aneinander, dass wir nur noch einer hinter dem andern gehen konnten; drei ungeheure Felsblöcke waren von oben herabgestürzt und bildeten ein natürliches Gewölbe, unter dem wir durchgehen mussten.« Kurz oberhalb des Felsentors führt der mit dem Zeichen »Gelbstrich« markierte Bruno-Barthel-Weg rechts auf einem gesicherten Steig durch die Flanke des Uttewalder Grunds und leitet dann pfadartig im Wald zur Basteistraße hinauf, zuletzt aussichtsreich in den Feldern. Der Basteistraße folgt der Bruno-Barthel-Weg kurz links und zweigt in der Linkskurve rechts auf einen Feldweg ab, der eine exzellente Aussicht zum Winterberg, zu den Schrammsteinen, zum Rosenberg, zum Zirkelstein, zum Lilienstein und zu weiteren markanten Höhen bietet. Der aussichtsreiche Feldweg mündet im Kirchdorf Rathewalde auf den EB (Blaustrich), der rechts am Restaurant »Lindengarten« vorbei in den Amselgrund führt. Amselgrund Am Restaurant »Lindengarten« in Rathewalde beginnt der Abstieg in den Amselgrund, in dem sich wegen des kühl-feuchten Schluchtklimas artenreiche Schluchtwälder, wie sie sonst nur in höheren Lagen anzutreffen sind, gebildet haben. Der anfangs kopfsteingepflasterte Weg ist verhältnismäßig steil und wegen der Feuchtigkeit ein wenig rutschig. An der Rathewalder Mühle verwandelt sich der Weg in einen geländergesicherten Steig, der hoch über dem Grünbach durch den Felshang führt. Erst an der Amselfallbaude mit dem Amselfall endet dieser klammartige Abschnitt und die Schlucht weitet sich. Im Amselfall stürzt der Grünbach über einen Felsvorsprung und ergießt sich als kristallklarer Tropfenvorhang vor einer 4m hohen Höhle in den Amselgrund. Der Großteil des Wassers wird oberhalb in einem Teich gestaut, gegen eine geringe Gebühr öffnet der Wirt der Amselfallbaude die Schleuse, dann tost ein »echter« Wasserfallschwall herab. Der Wasserfall, die Höhle und die wildromantischen Felsszenerien am Amselfall inspirierten den Dresdner Schriftsteller Friedrich Kind zur Wolfsschluchtszene im Libretto für Carl Maria von Webers Oper »Der Freischütz« (1821). Im 1906 neu errichteten Gebäude der Amselfallbaude ist eine Informationsstelle des Nationalparks Sächsische Schweiz untergebracht. Vom Amselfall führt der Weg durch den Amselgrund am Amselsee und am Zugang zur Felsenbühne im Wehlgrund vorbei zurück nach Niederrathen und zum Anleger der Gierseilfähre.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied300 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortDer Luftkurort Rathen im Elbtal am Fuß der Bastei ist der bedeutendste Fremdenverkehrsort der Sächsischen Schweiz.
AusgangspunktS-Bahnhof Rathen (140m) bzw. Parkplatz unterhalb des S-Bahnhofs an der Elbe.
TourencharakterDie Bastei ist der berühmteste Aussichtsfelsen der Sächsischen Schweiz, Neurathen eine der bedeutendsten deutschen Felsenburgen, der Uttewalder Grund mit dem Felsentor ein »Wallfahrtsziel« für Romantiker und der Amselgrund mit dem Amselfall eines der schönsten Täler des Elbsandsteingebirges.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte 1 - 25 000 mit Wanderwegen Sächsisch-Böhmische Schweiz (Landesvermessungsamt Sachsen).
VerkehrsanbindungS-Bahn Dresden – Rathen – Schöna. B 172 Dresden – Pirna – Königstein und in Struppen abzweigen auf die Stichstraße nach (Ober-)Rathen.
GastronomieOberrathen, Niederrathen, Bastei, Steinerner Tisch, Waldidylle, Rathewalde, Amselfall, Niederrathen, Oberrathen.
Tourismusbüro
Haus des Gastes, Füllhölzelweg 1, 01824 Kurort Rathen, www.kurort-rathen.de

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