Aussichtskanzel über dem Loisachtal

Über die Kuhfluchtwasserfälle auf dem Frickenweg Eine leichte schattige Bergtour, der Hinweg und Rückweg sind gleich. Wem es nach der ersten Aussichtskanzel bereits reicht, kann jederzeit umdrehen. Nach den Kuhfluchtfällen wird der Weg steil und erfordert etwas Trittsicherheit. Stöcke sind ratsam. (Autor: Lisa Bahnmüller)
5 km
650 m
2.00 h
Farchant ist nicht wieder zu erkennen. Wir erinnern uns an einen ziemlich lauten, von vielen Autoabgasen verdreckten Ort. Farchant liegt an einer der größten Alpenverbindungsstraßen und musste das über viele Jahrzehnte aufs bitterste spüren. Die Verkehrsader ist geblieben, nur wird sie seit dem Sommer 2000 durch einen Tunnel unter dem Dorf umgeleitet. Und nun ist alles anders - Es ist ein idyllischer Ortskern entstanden. Die alten, hölzernen Werdenfelser Bauernhöfe sind über und über mit Blumen geschmückt, Tische und Bänke der Wirtshäuser stehen fast auf der Straße, und nun ist genau die Ruhe und Gemächlichkeit eingetreten, die man sich von einem Urlaubsort erhofft. Farchant ist einen Abstecher wert und nur zu selten verlassen selbst Einheimische die Tunnelschnellstraße, um sich im neuen Ort umzusehen. Dabei gibt es hier jede Menge zu entdecken. Die Kuhfluchtfälle auf dieser Tour sind ein rauschendes Wasserspiel von beeindruckender Naturgewalt. Zudem sind sie ziemlich unbekannt und nicht überlaufen. Der weitere Aufstieg zu den Aussichtskanzeln wird meist nur von geübten Bergsteigern benutzt, die auf den Hohen Fricken (1940 m) wollen. Das ist aber mindestens eine Sechs-Stunden-Tour. So haben wir hier das Panorama von den Aussichtspunkten ganz für uns alleine. Wegverlauf: Wir wandern vom Parkplatz aus durch den im November 2002 von einem schweren Windbruch geschädigten Wald. Eigentlich ist hier von Wald kaum mehr die Rede, denn es stehen nur mehr vereinzelt Föhren, die sich als Tiefwurzler gegen den Sturm behaupten konnten. Bald beginnen die ersten Schilder eines Waldlehrpfades. So erreichen wir gut unterhalten die untere Brücke der Kuhflucht. Wir bleiben aber auf unserer Uferseite und wandern auf dem Königsweg den Fluss entlang bergauf. Nach insgesamt 20 min. haben wir die obere Brücke an den Wasserfällen erreicht. Hier strömt und fällt das Wasser von mehreren Seiten nach unten, vereinigt sich dann und fließt wild brausend ins Tal. Hinweisschilder machen auf die mögliche Gewalt des Wassers aufmerksam. Wir können noch eine alte Stahlkonstruktion der einstigen Brücke erkennen. Diese hat das Pfingsthochwasser 1999 komplett weggespült und verbogen. Auch der damalige Spülsaum ist an beiden Ufern noch zu sehen. Die meisten Wanderer marschieren nur bis zur Brücke, denn auf der anderen Seite wird der Weg nun schmal und steil. Es lohnt sich aber weiter aufzusteigen. Der Waldweg zieht sich in steilen Kurven nach oben. Anfangs begleitet uns stets das Rauschen der Fälle, bald stapfen wir jedoch einsam zwischen mächtigen alten Föhren aufwärts. Nach ca. 30 min. erreichen wir die erste Aussichtsstelle, die rechts von unserem Weg liegt. Es ist ein paradiesischer Rastplatz unter einem Baum. Der Ausblick über das Loisachtal nach Süden über Partenkirchen und Garmisch bis hin zur Zugspitze ist in den späten Nachmittagsstunden besonders schön. Jetzt wird das Licht ganz warm und zeichnet plastisch die Konturen der Berge nach. Unter uns liegt Farchant, gegenüber stehen der Kramer und die Berge des Loisachtales. Nur Kinder müssen hier etwas aufpassen: Dies ist kein Platz zum Rumtoben. Dafür ist er zu klein und der Hang fällt an drei Seiten extrem steil ab. Wer noch mehr schöne Aussichtspunkte erleben möchte, steigt noch einmal etwa 30 min. auf. Hier öffnet sich der Blick auch in das nördliche Loisachtal. Der Rückweg erfolgt auf dem Hinweg. Sie werden jedoch erstaunt sein, wie sich die Kuhfluchtfälle im Wandel des Lichts nach nur zwei Stunden verändert haben. Wissenswertes: Der Name »Kuhflucht« stammt natürlich nicht von einer Horde wild flüchtender Kühe, die hier durch den Fluss rannten. Kuhflucht ist die saloppe bayerische Aussprache für das alte lateinische Wort »confluctum«. Das bedeutet übersetzt »Zusammenfluss« eben von diesem Fluss mit der nahen Loisach. Farchant lag bereits zu Römerzeiten auf der alten Handelsstraße zwischen dem heutigen Italien und Germanien und so gaben die reisenden Römer dem Fluss seinen Namen. Nach schweren Regenfällen, die Schutt und Geröll in den Kuhfluchtfällen mit sich reißen, liegt über der Klamm ein leicht fader und stinkender Geruch nach faulen Eiern. Er entweicht dem hier anstehenden Hauptdolomit. Dieser Kalk ist sehr brüchig, in seinen Schichten hat sich vor über 200 Mio. Jahren Faulschlamm gesammelt, der heute nur noch versteinert zu Tage tritt. Wenn das Gestein jedoch auseinander bricht, werden schwefelhaltige Dämpfe freigesetzt, die diesen Geruch verursachen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour5 km
Höhenunterschied650 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktFarchant Wanderparkplatz, an der Waldfestbühne im Ortsteil Mühldörfl östlich der Loisach
EndpunktWie Ausgangspunkt
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Nr. 6, Walchensee 1 - 50000
VerkehrsanbindungAuto Auf der A 95 von München Richtung Garmisch bis zum Autobahnende, dann vor dem Tunnel rechts nach Farchant. Der Wanderparkplatz liegt von der Hauptstraße aus links über die Mühldörflstraße in den Kuhfluchtweg am Ende der Sackgasse. Bahn Farchant ist Haltestelle auf der Zugverbindung München – Garmisch. Vom Bahnhof sind es nur wenige 100 m nach Osten über die Gleise bis zum Wanderparkplatz.
GastronomieUnterwegs keine, Farchant bietet jedoch Gasthäuser und Restaurants aller Art. Besonders nett, aber erst ab 18.00 Uhr geöffnet - n Wirtshaus zum Klos in einem kleinen alten, hölzernen Bauernhaus.
Tipps
Im Sommer können Kinder an der unteren Kuhfluchtbrücke planschen und Däm-me bauen. Sonnenschutz sei aber dringend empfohlen, denn die weißen Steine des Bachbettes reflektieren die Sonnenstrahlen wie Schnee. Wer richtig schwimmen will, geht in das Werdenfelser Warmbad. Diese Tour ist hervorragend für Kinder geeignet. Bis zur Kuhflucht wandern sie entlang eines unterhaltsamen und spannenden Waldlehrpfades und dann zieht sie das rauschende und schäumende Wasser automatisch zu den eigentlichen Fällen. Ab hier wird der Weg steil und ist nur noch für größere Kinder empfehlenswert, kleinere sichert man am besten mit einer Reepschnur. Zur ersten Kanzel können sie es aber alle schaffen. Auf dem Rückweg locken dann ein Kneipp-Tretbecken und ein Barfußpfad am Wegesrand. Man kann aber auch noch den Rest des Lehrpfades in Richtung Schwimmbad/Philosophenweg laufen und dann über die Annakapelle und das Wasserkraftwerk zur Waldfestbühne zurück kommen.
Tourismusbüro
Touristeninformation Farchant, Tel. 08821/961696

Buchtipp

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