Aufs Demeljoch, vom Sylvenstein herauf

Lohnende, wenn auch etwas anstrengende Bergwanderung, die Trittsicherheit voraussetzt; kein Stützpunkt (!); da man lange Zeit im kammnahen Gelände unterwegs ist, sollte man die Tour bei Gewitterneigung nicht angehen; nordostseitige Route, erst durch Wald, später im freien Gelände; im Bereich des Dürrnbergjochs schrofig. (Autor: Horst Höfler, Gerlinde M. Witt)
15 km
1400 m
7.00 h
Vom Parkplatz an der B 307 südlich hinunter zum Walchen, auf Brücke über die Klamm und jenseits zu einer Forststraße, der man nur etwa 100 Meter weit in Westrichtung folgt, bis deutliche rote Markierungen und ein Schild auf den Demeljochsteig weisen. In Serpentinen steil und teilweise schrofig durch schönen Mischwald hinauf. Man verlässt ihn am unteren Rand der Kirchmair-Niederalm bei einem Rohr, aus dem Quellwasser fließt. Über die Wiese aufwärts und über einen licht bewaldeten Rücken zu einer Steilstufe, die man mit Kehren überwindet. Jetzt auf schmalem Wiesenpfad am Südosthang des Hühnerberges entlang. Danach wieder auf dem Kamm weiter, wo bald der Steig zum Schürpfeneck (Übergang nach Fall) abzweigt. Wir folgen dem Kammweg weiter zu P. 1623 (LVA-Karte). Nach kurzem Abstieg in der Ostflanke erneut dem Kamm folgen und steil durch Latschengassen auf die Südseite des Dürrnbergjochs. Dort durch Krummholz und auf schrofigem Steig (einmal faszinierender Blick in die wilden, nordseitigen Hauptdolomit-Flanken) teils an der Nordseite, teils auf dem Kamm zum Dürrnbergjoch. Von dort Abstieg in die Senke vor dem Demeljoch und über dessen Südwesthang auf Steig durch Gras und Latschengassen zum Gipfelkreuz. Abstieg - Auf der gleichen Route.

Dauer - Parkplatz – Dürrnbergjoch 3.15 Std.; Dürrnbergjoch – Demeljoch 45 Min.; Demeljoch – Parkplatz 2.45 Std. Höhenunterschied: Mit allen Gegenanstiegen etwa 1400 m.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied1400 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz (etwa 770 m) am Nordrand der B 307 zwischen Sylvensteinsee-Staumauer und Zollamt Achenkirch, ziemlich genau 3,7 Kilometer östlich vom Ende der Staumauer. Auf der anderen Straßenseite, etwa 50 Meter südwestlich gegenüber dem Parkplatz, beginnt der Aufstieg (gelbe Schilder »Walchenklamm«, »Hühnerberg«).
TourencharakterManche kombinieren das Demeljoch mit dem bekannten Juifen. Andere kommen von Fall durch das Dürrachtal an den nördlichsten der Karwendelberge. Wir steigen von Norden, vom Ostende des Sylvenstein-Stausees, hinauf. Dieser Weg beginnt gleich mit einem landschaftlichen Glanzstück - der Schau in die Walchenklamm. Sie ist zwar nicht besonders tief eingeschnitten, beeindruckt aber trotzdem mit ihren überhängenden Wänden und dem grünklaren Wasser des Walchen. Nachdenklich gehe ich meines Weges. Die Walchenklamm ist zu klein, als dass sie für Canyoner interessant wäre. Gott sei Dank! Wenn ich meine Ambitionen im Gebirge auf Kultur, Wandern, Hochtourengehen, Klettern und Skibergsteigen beschränke, so habe ich doch auch Verständnis für die so genannten »Fun«-Sportarten: fürs Snowboarding (dafür bin ich zu alt), Mountainbiking (ist mir zu anstrengend), Paragliding (habe ich mich nie getraut); vielleicht sogar fürs Rafting, um noch einen der vielen neudeutschen Outdoor-Action-Begriffe zu strapazieren. Aber bei Canyon-Crossing und – vor allem – bei Canyoning beginnt sich mir das Fell zu sträuben. Okay, einerseits verstehe ich ja, dass alpine Fremdenverkehrszentren für Tage mit nicht so optimalem Wetter »Ausweich-Attraktionen« brauchen. Die Kasse muss stimmen, der Mensch soll leben und angesichts des einen oder anderen »Schluchtings« drückt man halt in Gottes Namen beide Augen zu. Trotzdem meine ich, dass es noch Zonen innerhalb der Gebirgslandschaft zu bewahren gilt, in die der Mensch nicht eindringen sollte – in denen er nichts, aber auch gar nichts verloren hat. So in Gedanken versunken bin ich jetzt aus dem Wald heraus auf die Kirchmair-Niederalm gelangt. Wann werden sie die Bäume zurückerobert haben? Reste der Almhütte sind noch zu sehen. Nach einer Steilstufe erreiche ich den freien Osthang des Hühnerberges und erschrecke, wie weit das Demeljoch noch entfernt ist. Mit einer mächtigen, an die Nordwand des Sonntagshorns erinnernden, 850 Meter hohen Hauptdolomitwand bricht es nach Norden gegen das Tälchen des Hühnerbaches ab. Dreieinhalb Stunden nennt ein Tourentipp als Zeitaufwand für den Anstieg. Das erscheint mir zu knapp. Vom Kamm aus begeistern mich die Tiefblicke auf den Sylvensteinspeicher. Auch das »neue« Fall ist zu erkennen. Ganghofer, Thoma, »Die Halsenbuben« aus dessen »Erinnerungen« kommen mir in den Sinn. Dort, dort unten ist der Schauplatz der verbürgten Wilderergeschichte aus dem Jahr 1869, die auch als »Seeschlacht auf der Isar« bekannt geworden ist. Schmal zieht sich der Steig dahin; eigentlich ist er nur ein Pfädchen. Steil und schrofig weisen Markierungen auf das Dürrnbergjoch (1835m) hinauf. Nach kurzem Abstieg erreiche ich über den latschenbewachsenen Südwesthang endlich das Demeljoch. Puh. Ein ganz schöner Hammer. Oder ist es nur die Schwüle, die heute meinen Schritt hemmt?
Beste Jahreszeit
KartentippTopographische Karte Bad Tölz-Lenggries und Umgebung, 1 - 50 000, Bayerisches Landesvermessungsamt München (beste Darstellung).
VerkehrsanbindungVon Norden auf der B 13 über Bad Tölz und Lenggries oder auf der B 307 von Rottach-Egern über Kreuth und Glashütte; von Süden über Achenkirch, Achenthal und Achenwald. Höhendifferenzen - Parkplatz – Dürrnbergjoch – Demeljoch insgesamt etwa 1280 m.

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