Auf Jochschrofen, Hirschberg und Spieser

Eine reizvolle leichte und kurze Tour mit schönem Ausblick auf die Berge des Tannheimer Tals und den Allgäuer Hauptkamm, die nur am – umgehbaren – Nordwestgrat des Jochschrofens etwas Übung erfordert. Sie kann zu jeder Jahreszeit durchgeführt werden, falls nicht besonders ungünstige Verhältnisse vorliegen. (Autor: Günther Laudahn)
8 km
650 m
3.00 h
Ausgangspunkt ist der große »Dorfparkplatz« an der Straßenabzweigung ins Tannheimer Tal. Leider ist er seit einiger Zeit nicht mehr gebührenfrei. Für Parken bis vier Stunden muß man 3, für einen Tag 5 Mark berappen (Stand 1999). Vom Parkplatz läßt sich die Aufstiegsroute zum Jochschrofen überblicken. Der Normalaufstieg führt über den breiten freien Hang oberhalb des Waldgürtels zum Kamm, auf dem ein vom Parkplatz sichtbares, im Sommer 1994 aufgestelltes neues Kreuz steht, und von dort nach links zu dem von einem Vorkopf verdeckten Gipfel. Wir verlassen den Parkplatz am unteren Ende. Jenseits der Straße leitet ein mit »Ornach« beschilderter Weg zu einigen Häusern. Er geht kurz darauf in einen breiten Forstweg über. An der Weggabelung folgen wir wieder dem Schild »Ornach«. Ornach, ein altes Wort für Ahorn, bezeichnet den gesamten Kamm des Jochschrofens mit der charakteristischen freien Hangfläche, die früher mit Ahornbäumen bestanden war. Unser Weg zieht nun in mehreren Kehren durch einen Kahlschlag, dann durch Wald zu einer weiteren Verzweigung dicht hinter einem kleinen Gedenkkreuz. Hier haben wir für die Fortsetzung unserer Tour zwei Möglichkeiten - Der Normalweg führt nach links zum Ornachhang. An der ersten Waldschneise verlassen wir den breiten Weg und folgen einem markierten Steiglein, das wenig später auf den freien Hang hinaustritt, wo das Kreuz am Kamm sichtbar wird. Der Steig zieht nun in einer langen nach Westen ausholenden Kehre zur Kammhöhe empor, die er am Kreuz erreicht. Von hier gelangen wir auf dem mäßig steilen Rücken nach links in wenigen Minuten zum höchsten Punkt. Abwechslungsreicher ist indessen die zweite Möglichkeit: Wir gehen an der Verzweigung auf dem oberen Forstweg nach rechts bis an dessen Ende, folgen hier geradeaus noch etwa fünfzig Meter einem schmalen Pfad und steigen nun nach links auf dem grasigen Rücken mit lichtem Baumbestand, teils auf Trittspuren, zur Kammhöhe auf. Dort gelangen wir, landschaftlich hübsch und aussichtsreich, auf dem grasigen, stellenweise blockigen, mehrmals in zwei parallele Äste gespaltenen Rücken ohne Schwierigkeit zum Gipfel des Jochschrofens. Das ist zwar ein wenig länger, aber jedenfalls interessanter als der etwas eintönige Normalaufstieg über den Ornachhang. Diese Möglichkeit ist in der Karte mit »Variante« bezeichnet. Der nette, wenig besuchte Gipfel bietet vor allem einen schönen Blick hinunter auf Oberjoch und das Tannheimer Tal entlang auf die Wandfluchten der Tannheimer Berge, neben denen das Zugspitzmassiv aufragt. Unser nächstes Ziel ist der flache Sattel vor dem rundlichen Großen Hirschberg. Den elegantesten und kürzesten, allerdings auch anspruchsvollsten Abstieg dorthin bildet der nach links steil abbrechende Nordwestgrat. Er ist im oberen Abschnitt verhältnismäßig wenig geneigt, im unteren, vom Gipfel nicht einsehbaren Teil jedoch sehr steil. Der Höhenunterschied beträgt immerhin 80 Meter. Der Abstieg ist bei trockenem Boden unschwierig, zumal die früher vorhandene Trittspur inzwischen zu einem richtigen Steig ausgetreten ist. Dennoch erfordert er im unteren Teil, in einer gewundenen steilen Furche einige Meter rechts von der Gratkante trotz guter Schrofenstufen konzentriertes und trittsicheres Gehen. Hinter dem Steilstück erreicht man auf den sanft abfallenden letzten Metern rasch den Sattel. Bei gut verfirntem Schnee ist dieser Abstieg mit der nötigen Vorsicht und Übung durchaus machbar, bei Neuschnee oder gar Vereisung sollte er jedoch tabu sein. Auch bei sehr nassem Boden sollten Sie den Grat meiden. Länger, aber leicht und bei ungünstigen Bodenverhältnissen unbedingt vorzuziehen ist die Umgehung in der Nordflanke. Nur sie ist im Tourenprofil berücksichtigt. Dazu geht man auf dem Nordostrücken so weit zurück, bis man auf den am Ornachhang heraufkommenden Weg trifft, und folgt ihm nun nach links in den Hang hinein. Er leitet, anfangs steil, dann wenig geneigt zum Sattel hinüber. Bei Schnee auf der Nordseite steigt man am besten entsprechend der Geländeform bis zum Boden des Hochtälchens ab und dann zum Sattel auf. Das ist weniger mühsam als die Hangquerung im Bereich des Sommerwegs. Vom Sattel ist der Große Hirschberg über den mäßig steilen breiten Südrücken bald erreicht. Der Übergang auf dem wenig eingesenkten Kamm zum Spieser, dem höchsten Punkt unserer Tour, ist in zehn Minuten geschafft. Noch schöner und freier als von den beiden anderen Gipfeln ist hier der Blick auf das Panorama der Allgäuer Berge, und an klaren Tagen schaut man weit hinein ins Alpenvorland mit Kempten über dem Kamm zwischen Wertacher Hörnle und Roßkopf. Der Abstieg führt auf dem am Gipfelkreuz beginnenden Steig über den Südhang in einer langen ausholenden Kehre zur Hirschalpe. Die hübsch gelegene, im Mai 1993 erweiterte Alpe ist ein beliebtes Wanderziel. Sie ist von Pfingsten bis Anfang November bewirtschaftet, im Spätherbst abhängig von der Wetterlage. Von der Alpe geht es auf vielfach gewundenem Alpsträßlein und einem weiter unten abzweigenden Hangweg nach Oberjoch zurück. Kurz vor Oberjoch kann man entweder den Weg beibehalten, der mit etwas Gegenanstieg direkt zum Parkplatz führt, oder einen talwärts abzweigenden Pfad benützen. Er trifft nach einigen Minuten auf die neue Asphaltstraße eines ausgedehnten, 1993 fertiggestellten Hotelkomplexes, die nach zwei Kehren in die Hauptstraße mündet. Von hier sind es noch dreihundert Meter zum Parkplatz.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied650 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktOberjoch, Dorfparkplatz, 1136 m.
Beste Jahreszeit
GastronomieHirschalpe, 1493 m, bewirtschaftet Pfingsten bis Anfang November.
Höchster Punkt
Jochschrofen (Ornach), 1625 m – Großer Hirschberg, 1643 m – Spieser, 1649 m.
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