Auf die Winklmoosalm: Ruhige Wege über turbulentem Land

Vom Dürrnbachhorn über die Wildalm nach Winklmoos: Konditionell relativ leichte Bergwanderung, nur 150 Höhenmeter müssen bergauf bewältigt werden, die sind jedoch sehr steil. Entlang des Kammes ist auf gut ausgetretenem Pfad an einigen Stellen Schwindelfreiheit Voraussetzung. (Autor: Lisa Bahnmüller)
10 km
150 m
3.00 h

Seit den Olympiasiegen der auf der Winkelmoosalm aufgewachsenen Skilegende Rosi Mittermaier dürfen wir das Gebiet als nicht mehr unbekannt bezeichnen. An schönen Herbsttagen oder zu Ferienzeiten geht es hier rund wie auf einer Kirchweih. Touristisch ist der Almboden hervorragend erschlossen und der nahe Urlaubsort Reit im Winkl liefert zusätzlich ein paar Gäste.

Das Gebiet ist aber so groß, dass sich die Menge rasch verläuft. Vor allem auf das Dürrnbachhorn wagen sich nur wenige. Zwar ist der Anstieg mit dem Sessellift noch leicht zu bewältigen, aber die meisten Halbschuhspezialisten geben bereits auf dem steilen Anstieg zum Gipfel auf. Diese Aussichtswarte alleine zu genießen, bleibt einem trotzdem meistens verwehrt. Spätestens auf dem Gratweg trennt sich dann aber die Spreu vom Weizen und wir genießen das Bergfeeling für uns allein.

Wegverlauf

Fast lautlos schweben wir in etwa 20 min. langsam mit dem schon leicht betagten Winkelmoos-Sessellift zur Bergstation. Hier starten wir unsere Wanderung und steigen auf dem teilweise steilen, aber gut ausgebauten Pfad die knapp 200 Höhenmeter bis zum Gipfel des Dürrnbachhorns. Die Mühe war jeden Schweißtropfen wert, denn vom Gipfelkreuz aus dürfen wir uns an dem 360-Grad-Panorama satt sehen.

Wir stehen an der Grenze zwischen den Tiroler und den Chiemgauer Bergen. Im Norden unter uns im Tal liegen die Seen entlang der deutschen Alpenstraße, im Süden die Loferer und Leoganger Steinberge und im Vordergrund dominiert die Steinplatte, zu deren Füßen sich die Winkelmoosalm breit macht. Das Kitzbühler Horn ist leicht durch seinen Antennenwald auf dem Gipfel auszumachen, dahinter schimmert weiß die Schneeflanke des Großvenedigers. Nur schwer können wir uns von dem Rundblick losreißen.

Vom Gipfel wandern wir am Grat entlang Richtung Osten. Hier kommen wir nun zu den einzigen Stellen der Wanderung, wo wir etwas aufpassen müssen. Der Weg führt im leichten Auf und Ab den Bergrücken entlang. Der Pfad ist nicht sehr schmal, aber auch nicht übermäßig breit, an einigen Stellen geht es jedoch links tief hinunter, sodass man schwindelfrei sein muss. Wem das nichts ausmacht, darf sich über den alpinen Weg mit grandioser Aussicht freuen.

Nach einer halben Stunde haben wir es geschafft. Rechts zieht sich von unten ein Weidezaun nach oben, hier biegen wir vom Kamm ab und wandern auf dem Pfad rechts abwärts. Über die Piste eines Skiliftes kommen wir nach unten. Der schnellste Weg zurück führt über die bereits sichtbare Finsterbachalm zur Talstation des Dürrnbachhorn-Sesselliftes.

Unsere Abstiegsvariante geht weiter über die abknickende Lifttrasse und den Almboden der Wildalmen zu einer geschotterten Straße, auf der wir rechts weiter wandern. So erreichen wir die Wildalm, die sich zu einer Verschnaufpause anbietet. Von der Alm gehen wir an die Kreuzung zurück und biegen nach links auf die breite Forststraße. Nun geht es ohne große Anstrengung an der Südflanke des Hochgimpling entlang.

Nach einem kleinen Brunnen teilt sich der Weg. Rechts steigen wir noch einmal ein bisschen auf und treffen direkt an der bayerisch-tirolerischen Grenze auf den Weg, der von den Finsterbachalmen kommt. Wir halten uns links, betreten über der Grenze wieder bayerischen Boden und treffen nach der Liftunterquerung auf eine geteerte Straße. Links abwärts erreichen wir wenige Minuten später die Talstation des Winkelmoosliftes.

Wissenswertes

Im Grenzgebiet zwischen Tirol und Bayern treffen wir auf alte Schmugglerwege, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder von der Bevölkerung genutzt wurden. »Schwärzer« oder »Schwirzer« nannte man die Frauen und Männer, die sich mit geschwärtzen Gesichtern und mit Waren bepackt meist nachts über die Grenzen schlichen, um den Zoll zu umgehen. Kaffee, Butter, Mehl, Hochprozentiges, manches Stück Wild aber auch Menschen wurden auf diese Weise heimlich ins andere Land geschleust. Ein Teil der Wanderung verläuft auf dem alten Schmugglerweg, der einst Unken mit Reit im Winkel verband.

Das nahegelegene Reit im Winkl ist inzwischen ein weltbekannter Urlaubsort. Der Tourismus dort begann mit dem Besuch des heimatbegeisterten Bayernkönigs Maximilian II. im Jahre 1858. Der König liebte die Berge und die Jagd. Über mehrere Monate bereiste er den Süden Bayerns mit dem ganzen Tross seines Hofstaates. Mit von der Partie war der Schriftsteller Franz von Kobell. Seine Reiseaufzeichnungen und Berichte machten die Bevölkerung auf die Schönheit des Landes aufmerksam. Davon profitierten viele der Orte, die auf dem Weg des Königs lagen. Schon damals war es chic, sich auf die Spuren seines Monarchen zu begeben. Der Fremdenverkehr begann und immer mehr Städter fanden Gefallen am Landleben, der frischen Luft und an den nahen Bergen.

Reit im Winkl hat von all dem etwas und liegt noch dazu in einem weiten sonnigen Tal. Auch wenn heute der Weitwanderweg E 4, der berühmte Maximilians- oder Königsweg, den Ort nicht direkt berührt, so floriert der Tourismus immer noch. Ob im Sommer oder Winter, in Reit im Winkl ist immer etwas los.


Das Hochplateau der Winklmoosalm zwischen Dürrnbachhorn und Steinplatte liegt bereits auf etwa 1200 Höhenmetern. Die Alm ist Ausgangsort für Wanderungen unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrades, bei denen Berggefühl garantiert wird. Das Almkirchweihfest am 15. August mit Kräuterweihe und der Almabtrieb im September zählen zu den festlichen Höhepunkten auf dem Almboden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied150 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktDürrnbachhorn-Sesselbahn in Winklmoos
Endpunktwie Ausgangspunkt
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Nr. 14, Berchtesgadener Land (1:50 000)
VerkehrsanbindungAuto: Über die Salzburger Autobahn A 8, Ausfahrt Übersee. Über Marquartstein nach Reit im Winkl, weiter Richtung Ruhpolding, beim Seegatterl rechts auf die Mautstraße zu den Winklmoosalmen, Parkplatz am Dürrnbachhornlift.
Bahn/Bus: Von München nach Prien am Chiemsee, Anschlussbus nach Reit im Winkl, von dort Busse zur Winklmoosalm.
GastronomieBergstation Dürrnbachhorngaststätte. Von Mai bis September ist die Wildalm bewirtschaftet. Am Ende der Tour können wir zwischen den vielen Gaststätten auf dem Gebiet der Winklmoosalm wählen.
Tourismusbüro
Touristeninformation Reit im Winkl, Tel. 08640/80020, www.reitimwinkl.de

Buchtipp

Lisa Bahnmüller

Die schönsten Bergtouren für Langschläfer

30 kurze, erlebnisreiche, oft kindgerechte Wanderungen zwischen den Ammergauer Alpen und den Chiemgauer Bergen mit detaillierter Beschreibung und vielen Tipps.

zum Shop
Mehr zum Thema