Auf die Hirschwiese

Vom grauen Wimbachtal ins blau-grüne Königsseetal (Autor: Joachim Burghardt)
20 km
1500 m
8.00 h
Der Watzmannstock ist vor allem für seine riesigen Wände und die schroffen Felsspitzen bekannt. Ein einziger Gipfel aber beruhigt bis zum höchsten Punkt hinauf das Auge mit Wiesenhängen und befindet sich doch inmitten des wilden Hochgebirges - die Hirschwiese, die auch von Bergwanderern bestiegen werden kann und der Höhepunkt eines Übergangs vom Wimbachtal ins Königsseetal ist.
Aufstieg durchs Wimbachtal.
Ausgangspunkt der Tour ist die Wim-bachbrücke zwischen Berchtesgaden und Ramsau. Auf dem Weg ins Wimbachtal geht es anfangs noch über Asphalt, doch bald bleiben die bewohnten Gegenden zurück, und man steht vor der Entscheidung, entweder links der gebührenpflichtigen Wimbachklamm einen Besuch abzustatten oder sie rechts auf einem steilen Fahrweg zu umgehen. Durch das wildromantische Wimbachtal führt der breite Weg nun in mäßiger Steigung aufwärts, und je weiter man ins Innere des Tals vordringt, umso beeindruckender erscheint die Umgebung – lesen Sie dazu auch die Beschreibung bei Tour 28!
Die Wimbachgrieshütte liegt schon inmitten einer bizarren, von Schutt geprägten Erosionslandschaft und bietet die einzige Übernachtungsmöglichkeit auf dieser Route.
Über den Trischübel zur Hirschwiese.
Der Weiterweg wird bald richtig alpin: Zunächst noch ganz ins südöstliche Hintere Wimbachtal hinauf und am Abzweig des Pfads zur Watzmann-Südspitze (Tour 30) vorbei, schwingt sich der Weg bald steiler und schmäler in Richtung Trischübel hinauf. Hier gilt es sich zu entscheiden: Steigt man gleich zum Königssee ab, oder reichen Kondition und Zeit für eine Besteigung der Hirschwiese? Höchst lohnenswert ist das allemal, doch sollte man das letzte Schiff, das je nach Saison allerspätestens um 18.30 Uhr in St. Bartholomä ablegt, nicht verpassen! Der bezeichnete Aufstieg zur Hirschwiese führt ein kurzes Stück zu einer Hütte (1799 m) hinauf, von der aus ein Abstecher zu einer kleinen Quelle weiter östlich möglich ist. Dann geht es steil nach oben, immer auf einem deutlichen, gut gangbaren Pfad, aber auch etwas anstrengend und leicht ausgesetzt.
Am Gipfelplateau ist das Staunen dann groß: Die direkt gegenüberliegende Watzmann-Südspitze zeigt sich als kühnes Horn aus ungewohntem Blickwinkel, und sogar ein Stück Königssee ist vom Gipfelkreuz aus zu sehen. Wer Glück hat, findet im Frühsommer in der Mulde des Gipfelplateaus einen kleinen Schmelzwassersee vor und kommt in den seltenen Genuss einer Gipfel-Waschmöglichkeit. Der Tiefblick ins Wimbachgries ist gewaltig, und im Süden locken die Gipfel des Steinernen Meeres. Zurück am Trischübel kann man sich auf den Übergang ins geheimnisvolle Königsseetal freuen: Der knapp dreistündige Abstieg zum Königssee ist an der Sigeretplatte etwas ausgesetzt, jedoch landschaftlich sehr lohnend (siehe auch die Touren 17, 27). Von St. Bartholomä geht es dann per Schiff und Bus wieder zurück zur Wimbachbrücke.

GEHZEITEN.
Wimbachbrücke – Wimbachgrieshütte 2–2:30 Std., Trischübel 1–1:30 Std., Hirschwiese hin und zurück 2 Std., über die Sigeretplatte nach St. Bartholomä 2:30–3 Std.; insgesamt 7–9 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour20 km
Höhenunterschied1500 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
StartortRamsau, 670 m
AusgangspunktWimbachbrücke, 620 m
EndpunktHirschwiese (Hirschwieskopf), 2114 m
TourencharakterLange, durchgehend markierte Bergwanderung. Bis zur Wimbachgrieshütte völlig unschwieriger breiter Weg. Zum Trischübel etwas steiler, aber unschwierig. Hinauf zur Hirschwiese steil, aber auf gutem Pfad, bei Nässe unangenehm! Abstieg nach St. Bartholomä an der Sigeretplatte etwas ausgesetzt, teilweise schroff und felsig, aber unschwierig. Gute Kondition und Trittsicherheit erforderlich!
Hinweise
BESTE JAHRESZEIT. Juli bis Oktober
KartentippUmgebungskarte »Nationalpark Berchtesgaden« 1 - 25 000, dazu evtl. AV-Karte 10/1 »Steinernes Meer« 1:25 000
VerkehrsanbindungMit dem Auto auf der B 305 zur Wimbachbrücke; Bus von Berchtesgaden
GastronomieWimbachgrieshütte, 1326 m. Touristenverein Naturfreunde, bewirtschaftet Anfang Mai bis Ende Oktober. Tel. - 08657/344, E-Mail: bernd_kreh@web.de
Tipps
Steile Wildnis am Königssee. Der Hachelgrat, der von der Hirschwiese östlich hinabzieht und die Hachelköpfe (auch Hachelspitzen) und den Burgstallkopf trägt, zählt zu den wildesten Berggestalten am Königssee. Seine Nordwände, die Hachelwände, sind von jeher wegen ihrer Brüchigkeit und des düsteren Aussehens berüchtigt. Berühmte Bergsteiger haben sich hier in die Erstbegeherlisten eingetragen - Ludwig Purtscheller stand 1890 als Erster auf dem Großen Hachelkopf, Josef Aschauer erkletterte 1931 mit Josef Kurz als Erster die Nordwand, Franz Rasp überwand 1967 die Felsmauer sogar allein. Noch heute ist der Hachelgrat ein selten betretenes Niemandsland, das von keiner Seite leicht zu erreichen ist.

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