Auf der Ferrata zur Alpspitze und durchs Mathaisenkar hinunter

Auch mit Seilbahnhilfe bleibt diese Tour ein anstrengendes und ernstes Unternehmen. Doch nicht der berühmte und bisweilen auch berüchtigte Steig zum Alpspitzgipfel (Alpspitz-Ferrata) verhilft ihr zu diesem Prädikat. Die Ferrata gestaltet sich – obwohl sie ausgesetzt ist – nicht als besonders schwierig. Weitaus anspruchsvoller zeigt sich die nimmer endende Abstiegsroute von der Grießkarscharte ins wilde Mathaisenkar. Dort geht es mitunter recht luftig zu, und das verlangt eine gehörige Portion Schwindelfreiheit und Ausdauer. Auch der Rückweg durch das Höllental zieht sich gigantisch in die Länge. Das ist nichts für zart besaitete Sonntagswanderer. Diese Abstiegsvariante bleibt konditionsstarken, absolut schwindelfreien und erfahrenen Alpinisten vorbehalten, und wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte Klettersteigsicherung anlegen und einen Steinschlaghelm aufsetzen. (Autor: Siegfried Garnweidner)
Von der Bergstation der Alpspitzbahn am Osterfelderkopf dem beschilderten kleinen Weg gegen Süden folgen, am Gipfel des Osterfelderkopfs links vorbei und durch einen engen Felsdurchschlupf. Hinter ihm auf einem Bergweg nahe an die Nordabstürze der Alpspitze heran. Dann verzweigt sich die Route. Der einfachere Anstieg führt links zum Nordwandsteig. Spannender ist die Alpspitz-Ferrata, zu der es rechts abgeht. Nach einem steilen Geröllfeld kommt man auf den Eisenweg. Mit Unterstützung von Krampen und Drahtseilen recht stramm, aber nicht sehr schwierig über die Felsen hinauf, rechts schwenken und über ein Geröllfeld. Dann steil auf einer Krampenleiter rund 10 Höhenmeter luftig über eine Felswand zu einer Gratscharte (dem Höllentor) mit dem Wandbuch, in das man sich eintragen kann. Nun der gesicherten Route dem Grat entlang folgen, bis sich der Steig etwa 100m unter dem Gipfel nach rechts wendet und verzweigt. Links abbiegen, über eine Leiter und zum Gipfelkreuz der Alpspitze hinauf.
Schnell und relativ bequem fällt vom Gipfel eine Route über den Nordwandsteig ab, dreht nach Norden und führt zur Bergstation der Alpspitzbahn zurück. Weitaus aufregender und enorm lang gibt sich die Herausforderung eines Abstiegs durch das Mathaisenkar. Wer sich das antun will, steigt vom Gipfel über den ausgesetzten Südwestgrat ab. Es gibt zwar zwischendurch Sicherungsanlagen, doch ist dieser Abstieg immer wieder einigermaßen ausgesetzt und verlangt Schwindelfreiheit. In der Grießkarscharte biegt man rechts ab und folgt der Steiganlage. Zunächst geht es durch eine schmale Felsenrinne hinunter, dann über glatte Felsen auf eine Gratrippe zu und über diese überwiegend am Drahtseil steil talwärts. Weiter unten dreht die Route etwas nach links, quert ziemlich pfiffig eine Felsenrippe, und man quetscht sich durch einen Felsenspalt, hinter dem man kurz ansteigt und wieder über einen Grat abwärts geht. Dann endet die Steiganlage. Auf markierter Wegspur nahe einer Gratrippe nach Norden hinab, links abdrehen und steil gegen Westen hinunter. Zweimal muss man noch auf ein paar Meter ans Drahtseil, und schließlich kommt man im Mathaisenkar an. Das triste Kar zwischen Felsenblöcken (eventuell auch große Schneefelder) queren und an den westlichen Karrand. Dort wird die Gegend etwas grüner und ansprechender, und man erreicht einen Wanderweg. Er fällt gegen Norden ab, schlängelt sich durch Latschen-Krummholz und verläuft streckenweise am Drahtseil über glatte Karren. Anschließend knickt er scharf nach links und fällt in steilen Serpentinen zur Höllentalangerhütte ab. Nun entweder durch die Klamm oder am Stangensteig (siehe Tour 7) zur Klammeingangshütte und nach Hammersbach. Von dort am Kreuzeckweg zum Bahnübergang der Zugspitzbahn und auf dem Rad- und Fußweg neben den Eisenbahnschienen zur Talstation der Osterfelderbahn.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied950 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktOsterfelderkopf.
EndpunktGarmisch-Partenkirchen, Talstation der Alpsitzbahn.
TourencharakterZwar nicht von der Höhe, aber von der Form gibt die Alpspitze den markantesten Berg des Wettersteingebirges ab. Deshalb sieht man auf Ansichtskarten meist diesen Gipfel im Vordergrund und die Zugspitze mehr oder weniger dahinter. Obwohl die scharf geschnittene Alpspitze fast unnahbar aussieht, gibt es immerhin drei verschiedene Routen zu ihrem Kreuz hinauf. Weil wir auf anderen Routen aus diesem Führer den Anstieg zum Kreuzeck noch in verschiedenen Facetten kennen lernen werden, kann man zur Alpspitze (ausnahmsweise) mal auf die Unterstützung durch die Seilbahn zurückgreifen. Dank ihrer Hilfe ist der Anstieg vom Osterfelderkopf zum Gipfel schnell geschafft – nicht aber der Abstieg.
Beste Jahreszeit
KartentippUK L 31 »Werdenfelser Land«, 1:50000, Bayer. Landesvermessungsamt; Kompass Wanderkarte, 1:50000, Blatt 5; Freytag & Berndt Wanderkarte, 1:50000, Blatt 322.
MarkierungenWegtafeln und rote Punkte.
VerkehrsanbindungBahnverbindung ab München oder Innsbruck nach Garmisch-Partenkirchen. Mit der Bayerischen Zugspitzbahn zur Talstation der Osterfelderbahn. Mit dem Auto ab dem Autobahnende bei Eschenlohe auf der Bundesstraße bis Garmisch-Partenkirchen.
GastronomieOsterfelderkopf (Bergstation der Alpspitzbahn), Höllentalangerhütte, Höllental-Eingangshütte.
Tipps
Alternativer Abstiege. Deutlich kürzere Rückwege gibt es am Nordwandsteig (1:15Std., 2km zum Osterfelderkopf) oder auf den Schöngängen zum Kreuzeck (2:00Std., 4km; siehe Tour 10).
Unterkunft
Höllentalangerhütte.
Tourismusbüro
Garmisch-Partenkirchen.
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