Auf den Rautkopf, 2605 m

Landro – Artilleriestellung Punkt 2175 – Rautkopf (Autor: Eugen E. Hüsler)
9 km
1210 m
5.00 h
Bergstellungen.
Die alte Festung kann man heute noch besichtigen; interessanter ist allerdings eine Wanderung hinauf zu den ehemaligen Stellungen am Rautkopf, dessen Vorgipfel (2605 m) sich relativ leicht besteigen lässt. Sein langgestreckter Südgrat war teilweise befestigt; vom Beobachtungsposten bei Punkt 2519 genießt man einen phänomenalen Blick auf die Drei Zinnen. In der Südflanke des Westlichen Rautkofels (2737 m) sind die Reste eines kühn trassierten Steiges zu erkennen; er bildete die einzige Verbindung zwischen den Stellungen von Landro und dem Drei-Zinnen-Plateau (nicht mehr begehbar!). Im Sommer 1916 wurde eine Seilbahn zwischen dem Fort Landro und den Hangstellungen um Punkt 2175 in Betrieb genommen. Sie war 1100 Meter lang und konnte pro Nacht bis zu drei Tonnen Material befördern. Die Fundamente der Bergstation sind noch erhalten.
Die Mulattiera.
Von der »Strada d’Alemagna« folgt man dem Fahrweg, der links an der Feste Landro vorbeiführt, etwa 200 Meter weit. Hier spitzwinklig rechts zu den höher gelegenen Festungsanlagen. Im Rücken der Betonbauten leitet eine deutliche Spur rechts in den Wald, wo sie kurz steil ansteigt, sich dann zu einem bequemen Serpentinenweg wandelt. In etwa 70 Kehren zieht der ehemalige Nachschubweg an der Westflanke des Rautkopfs bergwärts, zunächst im Wald, dann zwischen Latschen und schließlich über Geröll. Ist die ehemalige Artilleriestellung (2175 m) erreicht, darf man bei einer verdienten Rast den Blick zu den Cadini, zum Monte Piano und zum Cristallomassiv genießen.
Gipfelsteig.
Der alte Kriegsweg führte über Bänder, leichte Felsen und Geröllhänge weiter bis zu den Stellungen am Südgrat des Rautkopfs; heute ist die kunstvolle Anlage weitgehend verfallen, die mit vielen Steinmännern markierte Route aber noch begehbar. Hinter den Stellungen leiten Spuren an dem felsigen Rücken aufwärts gegen die Westwand des Rautkopfs, dann auf ein Band, das nach rechts ansteigt und in einen Geröllhang mündet. Über ihn steigt man mühsam etwa 20 Höhenmeter auf, biegt dann links auf ein felsiges Eck ab (Steinmann, nicht übersehen!). Im Zickzack auf teilweise noch erhaltener Trasse weiter bergan, dann rechts über die bereits erwähnte Geröllflanke auf ein markantes, teilweise überdachtes Band. Man verfolgt es bis zum Ende und steigt dann über einen Hang auf zum langgestreckten Südrücken des Rautkopfs mit seinen alten Befestigungen (5 Min. zu dem bereits erwähnten Beobachtungsposten). Gut einzusehen ist der Weiterweg - über leichte Felsen zu einer steilen Sandrinne, die westlich unter dem abgeflachten Gipfel ansetzt, und rechts haltend zum Südgipfel (2605 m). Vor einem Übergang zum nur zwei Meter höheren Nordgipfel muss gewarnt werden: kurze, aber exponierte Kletterei in extrem brüchigem Gestein!
Abstieg.
Nur auf dem Anstiegsweg!

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied1210 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortToblach (1241 m), altbekannter Ferienort im Hochpustertal an der Wasserscheide zwischen Rienz und Drau
AusgangspunktWerk Landro im Höhlensteintal. Parkmöglichkeit links der Straße
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDas Höhlensteintal gilt als klassisches Nordtor zu den Dolomiten – für den Tourismus unserer Tage. Die Strategen der k.u.k. Monarchie sahen das vor 100 Jahren genau umgekehrt - Durch den tief eingeschnittenen Graben verlief der kürzeste Weg von Italien ins Pustertal. Zwei Festungen sollten deshalb einen möglichen Angriff von Süden vereiteln: Plätzwiese (siehe Tour 12) und Landro. Letztere liegt unmittelbar an der viel befahrenen »Strada d’Alemagna«; Landro wurde 1884–94 erbaut und mit drei 12-cm-Minimalschartenkanonen, drei 15-cm-Hinterladermörsern, zwei Montigny-Mitrailleusen sowie vier Hand-Mitrailleusen bestückt. Die gesamte Anlage besteht aus zwei Teilen, die durch einen unterirdischen Gang miteinander verbunden sind. Im höher gelegenen Bau, der eine bessere Sicht bietet, war die Kanonenbatterie untergebracht. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Werk Landro allerdings nie direkt in Kampfhandlungen verwickelt; es diente vor allem als wichtige Nachschubbasis für die Stellungen am Monte Piano. 40 Jahre später kam der »Krieg« dann kurz zurück: King Vidor drehte 1956 für Hollywood in Landro einige Szenen seines Monumentalfilms »War and Peace« nach Tolstoi, mit Stars wie Audry Hepburn, Henry Fonda, Mel Ferrer, Anita Eckberg und Vittorio Gassmann.
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1 - 25 000, Blatt 010 »Sextener Dolomiten«
VerkehrsanbindungVon Toblach (Bahnhof) auf der »Strada d’Alemagna« durch das Höhlensteintal bis zum ehemaligen Werk Landro, etwa 500 m vor dem Hotel »Drei-Zinnen-Blick«, gut 9 km von Toblach. Busverbindung
GastronomieKeine Einkehr unterwegs!
Tipps
Zitat. Im Lager wurde ich erneut von der Läuseplage heimgesucht. Wieder konnte ich mich kaum mehr erwehren. Da wurde mir geraten, mich mit Ekrasit, dem hellgrünen Explosivstoff der Granaten, einzureiben. Ekrasit war gefürchtet wegen seiner Giftigkeit. Dennoch wagte ich vom Kopf bis zum Fuß diese Behandlung. Mein Körper wurde grün, am nächsten Tag noch grüner. Der Juckreiz war nicht mehr auszuhalten. Oben, unter dem kleinen Wasserfall, wusch ich mich, rieb mich mit einer Bürste ab. Langsam erhielt meine Haut wieder ihre natürliche Farbe. Und die Läuse nahmen Abstand von mir. Erinnerungen des Südtiroler Kaiserjägers Johann Mittermaier. Läuse und Ratten gehörten zum Kriegsalltag – Folge der miserablen hygienischen Verhältnisse.
Informationen
Gehzeit - Gesamt 5.30 Std. Aufstieg zur Artilleriestellung 2 Std., Weiterweg zum Gipfel 1.15 Std., Abstieg 2.15 Std.
Tourismusbüro
Tourismusverein, Dolomitenstraße 3, I-39034 Toblach; Tel. +39/0474/97 21 32, Fax 97 27 30, info@toblach.info, www.toblach.info

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