Auf den Lindenkopf unterm Gerberkreuz

Ausgesprochen schöne, nicht allzu mühsame Tour, die zumindest ab Mittenwalder Hütte Trittsicherheit und Schwindelfreiheit fordert; herrliche Aussicht auf den Wettersteinkamm und hinunter nach Mittenwald. (Autor: Horst Höfler, Gerlinde M. Witt)
6 km
1000 m
4.00 h
Vom Parkplatz an der Schnellstraße nicht den Hinweisschildern zur Dammkar- und Hochlandhütte nördlich folgen, sondern auf dem vom Ort herüberführenden Teersträßchen kurz zurück zum Tunneleingang. Noch vor ihm südlich an einer Schranke vorbei (hier Hinweisschild »Mittenwalder Hütte«) auf eine Sandstraße. Sie mündet in einen breiten Weg, auf dem man durch Wald bergauf geht. Einer breiten Sandstraße (vorher an einem Baum Hinweisschild auf die Hütte) folgt man links hinauf bis zu einer betonierten Staustufe. Dort zweigt der Hüttenweg nach rechts (Süden) ab. Er führt nun in Kehren am steilen Nordwesthang empor. Die deutlich beschilderte Abzweigung »Leitersteig/Brunnsteinhütte« bleibt diesmal unbeachtet. Schon in Hüttennähe genießt man reizvolle Einblicke in die Vordere Kreuzklamm. Darüber ragen kühn Viererspitze (links) und Koflerturm (rechts) auf. Erstere, das »alpine Wahrzeichen« Mittenwalds, hat ihren Namen von Rissen in der Nordwand, die die Form einer Vier bilden. Der Koflerturm hingegen wurde nach dem Mittenwalder Kletterer Hans Kofler benannt, der 1932 an der Nordwand des Petit Dru im Montblancgebiet tödlich abstürzte. Sowohl Viererspitze als auch Koflerturm sind »reinrassige Kletterzapfen«. Während der Viererspitz-Normalweg nur den II. Schwierigkeitsgrad aufweist, ist am Koflerturm unterm »Fünfer« nichts zu holen.Die Mittenwalder Hütte wird erst ganz zuletzt sichtbar. Nach einem erfrischenden Getränk folgt man kurz dem Weg zur Westlichen Karwendelspitze, bis der kleine Steig zum Lindenkopf (deutlich beschildert) nach rechts (Süden) abzweigt. Er führt, teilweise recht schmal, an latschenbewachsenen Schrofenhängen entlang. Bald aus einer geröllerfüllten Rinne rechts über eine drahtseilgesicherte Felsstufe hinauf, danach wieder einfach empor und im Zickzack (Drahtseile) etwas ausgesetzt, jedoch unschwierig, über eine weitere elsstufe. Kurz darauf werden das Gipfelkreuz des Lindenkopfes und ein längerer Leitersteg sichtbar. Es folgt ein steiler, kurzer Abstieg (Seile). Jenseits hinauf zum Steg, dem ein kürzerer folgt. Bald befindet man sich in der Senke zwischen Gerberkreuz und Lindenkopf. Rechts durch Latschen hinauf zu Ruhebank und Kreuz. Abstieg - Auf der gleichen Route.

Dauer - Parkplatz – Mittenwalder Hütte 1.45 Std.; Mittenwalder Hütte – Lindenkopf 1 Std.; Lindenkopf – Mittenwalder Hütte 35 Min.; Mittenwalder Hütte – Parkplatz knapp 1 Std. Höhenunterschied: Mittenwald – Mittenwalder Hütte 607 m; Mittenwalder Hütte – Lindenkopf etwa 330 m.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour6 km
Höhenunterschied1000 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortMittenwald (912 m).
AusgangspunktParkplatz unmittelbar östlich neben der Schnellstraße, nahe dem unter ihr durchführenden Tunnel; man folgt von der Schnellstraße der Ausfahrt »Karwendel-Seilbahn«, biegt aber unmittelbar nach der Ausfahrt rechts ab, fährt dann rechts durch den Tunnel und gelangt hinter ihm auf den Parkplatz.
TourencharakterDer Lindenkopf, auch als Lindlain- oder Lindlahnkopf bezeichnet – namengebend ist der mächtige, von den Linder- oder Lindenspitzen herunterziehende Lawinenstrich der Lindlahn –, wurde allenfalls von Bergsteigern, die am Gerberkreuz Touren unternahmen, registriert. Wenn überhaupt, denn die un-scheinbare Kuppe, an der man auf dem Weg zu den Einstiegen von Gerberkreuz-Südwestgrat und -Südpfeiler vorbeikommt, trug natürlich kein Gipfelzeichen. Bis 1994. Seit- dem steht ein schönes Holzkreuz oben und der Steig von der Mittenwalder Hütte herüber ist vorbildlich hergerichtet worden. Begebenheiten, die dem Lindenkopf in jüngerer Zeit doch zu etwas mehr Beliebtheit verhalfen. Wenn man's genau betrachtet - Außer ihm gibt es tatsächlich keinen einfach zu ersteigenden Gipfel im unmittelbaren Bereich der Mittenwalder Hütte. Zu dieser malerischen Unterkunft »am Karwendel«, wie man im Geigenbauerort der Einfachheit halber sagt, bin ich immer mit Freude hinaufgewandert. Und nun, nach einigen Jahren »Abstinenz«, durfte ich feststellen, dass der Serpentinensteig zur Hütte noch genauso herrlich ist wie eh und je. Eigentlich muss man diesen Weg fast als bequem bezeichnen. Die Erbauer haben ihn mit bewundernswertem Geschick in den steilen Hang gelegt. Zügig geht's die 600 Höhenmeter hinauf. Und wenn man auch in ziemlicher Nähe die Gondeln der Karwendelseilbahn hört – und bisweilen auch sieht: Dieser Weg ist ein Beispiel dafür, dass eine Bergbahn nicht unbedingt landschaftszerstörend wirken muss. Zweifellos: Die Westliche Karwendelspitze wurde durch sie zum Rummelplatz. Doch wäre ohne die Seilbahn kaum je der Mittenwalder Klettersteig (früher Mittenwalder Höhenweg), eine überaus beliebte gesicherte Route, gebaut worden. Ich gehörte früher zu ihren Gegnern. Wahrscheinlich wird man aber mit zunehmendem Alter toleranter; oder auch nur deshalb, weil einen jetzt bisweilen schon einmal die Knie zwicken … Ab Mittenwalder Hütte bringt uns der zum Lindenkopf führende Steig in die herbe Welt der Felsen. In den zu querenden Rinnen pappen im Frühsommer Altschneereste. Wir berühren sie nicht. Vom Gipfelkreuz aus kann man – an schönen Wochenendtagen fast immer – Kletterer am Südwestgrat des Gerberkreuzes beobachten. Das ist eine recht lohnende Tour III. und IV. Schwierigkeitsgrades. Mit zum Schönsten bei unserer Wanderung auf den Lindenkopf gehört die fortwährende »Vogelschau« auf Mittenwald. Man befindet sich hoch darüber – aber doch wieder nicht so hoch, 900 Meter eben, dass man nicht Einzelheiten unterscheiden könnte. Markant ragt der berühmte Kirchturm von St. Peter und Paul aus den Häuserzeilen.
Beste Jahreszeit
KartentippAlpenvereinskarte Karwendelgebirge, Westliches Blatt, 1 - 25 000; Freytag & Berndt-Wanderkarte 322 (Wetterstein, Karwendel, Seefeld, Leutasch, Garmisch-Partenkirchen), 1:50 000.
VerkehrsanbindungVon Norden über Garmisch-Partenkirchen und die B 2 oder auf der B 11 über Walchensee, Wallgau und Krün; von Süden über Seefeld/Scharnitz oder Leutasch. Mittenwald ist Bahnstation.
GastronomieMittenwalder Hütte (1519 m), DAV-Sektion Mittenwald, bewirtschaftet von Mitte Mai bis Mitte Oktober, über 30 Schlafplätze, Tel. - 0172/8558877.
Unterkunft
Mittenwalder Hütte (1519 m), DAV-Sektion Mittenwald, bewirtschaftet von Mitte Mai bis Mitte Oktober, über 30 Schlafplätze, Tel. - 0172/8558877.

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