Wandern in der Sächsischen Schweiz

Auf den Lilienstein in Nationalpark Vordere Sächsische Schweiz

Das Ziel dieser Tour, der Lilienstein, ist wohl der schönste Tafelberg in der gesamten Sächsischen Schweiz und neben der Bastei die bekannteste Erhebung im Nationalpark Vordere Sächsische Schweiz. Sein unvergleichliches Profil ragt als malerische Erhebung aus der Ebenheit, einer Hochfläche, die sich im Elbknie ausdehnt, heraus. (Autor: Tassilo Wengel)
4 km
302 m
2.00 h

Von Königstein auf die andere Elbseite

Wir beginnen unsere Wanderung in Königstein und lassen uns mit der Personenfähre auf die andere Seite der Elbe nach Halbestadt übersetzen. Direkt an der Elbe gelegen, entwickelte sich Halbestadt im 15. Jahrhundert um ein Vorwerk, das zum Cölestinerkloster auf dem Königstein gehörte und daher auch »Mönchsvorwerk« genannt wurde. Mitte des 16. Jahrhunderts kaufte die Stadt Königstein das Gelände, parzellierte es und vergab es in Erbzinspacht an Bürger der Stadt.

Diese hatten das Privileg, sich kostenlos mit der Fähre über die Elbe setzen zu lassen. Im Zusammenhang mit der Elbregulierung 1864/65 entstand der kleine Winterhafen in Halbestadt. Bevor wir der Markierung blauer Querstrich zum Lilienstein folgen, lohnt sich eine Rast im Landgasthof Müller. Von der Terrasse bietet sich nicht nur ein schöner Blick auf die Elbe, auch die Kulisse von Stadt und Festung Königstein lässt sich von hier aus genießen.

Auf den Spuren des Königs von Sachsen

Nach der Rast geht es zunächst steil bergauf. Wir folgen den Spuren Augusts des Starken, der als einer der ersten Wanderer den Lilienstein 1708 auf recht beschwerlichem Weg eroberte. An dieses Ereignis erinnert ein kleiner Obelisk (von dem zurzeit nur der Sockel zu sehen ist) auf dem Lilienstein. Einer Inschrift zufolge »bestieg er ihn mit demselben Muthe durch den er sich über sein Schicksal erhob«.

Der Text bezieht sich darauf, dass August im Kampf mit den Schweden um Polen vorübergehend seine Krone verloren hatte. Wir kommen dagegen bequem voran, wandern zunächst zwischen Äckern und nähern uns dem Fuß des Berges. Anschließend steigen wir im Wald aus Kiefern, Buchen und Birken auf Steinstufen aufwärts. Auf der Höhe angelangt, bietet sich ein herrlicher Blick auf die seit Urzeiten von der Elbe geschaffene weite Erosionslandschaft.

Auf der gegenüberliegenden Elbseite schweift der Blick zum Ort Königstein, dahinter liegt Pfaffendorf mit dem aufragenden Pfaffenstein, weiter links sieht man den Kurort Gohrisch, flankiert von Papststein, Gohrisch-Stein und Kleinhennersdorfer Stein. An der Südaussicht wurde 1889 aus Anlass der 800-Jahr-Feier des Hauses Wettin ein Obelisk errichtet. Im Osten reicht der Blick bis nach Bad Schandau, zu den Schrammsteinen mit Falkenstein und den Winterbergen bis in die Böhmische Schweiz.

In Richtung Norden erkennt man Hohnstein und die Burg Stolpen. Besonders erwähnenswert ist die Aussicht an der Westecke, wo allerdings Trittsicherheit nötig ist. Hier sieht man die Bastei mit dem Kurort Rathen, die Rauensteine, die Bärensteine sowie Willisch und Windberg im Osterzgebirge. Nach dieser panoramareichen Pause sind es nur noch wenige Minuten, bis wir die Felsgaststätte auf dem Lilienstein erreicht haben.

Rückkehr nach Königstein

Von der Felsgaststätte führt ein steiler, sehr schmaler Abstieg, anfangs auf einer Metalltreppe, hinunter zum Fuß des Liliensteins. Dort finden wir an einer Gabelung, wo sich zwei Wandermöglichkeiten anbieten, einen Wegweiser. Wer zum Kurort Rathen wandern möchte, nimmt den Kirchweg (Markierung blauer Querstrich) und erreicht in einer Stunde über Waltersdorf den Kurort Rathen, von wo aus die Rückkehr nach Königstein mit Schiff und S-Bahn möglich ist. Wer nach Königstein zurückwandern möchte, folgt der Markierung blauer Querstrich noch bis zum Kirchsteig, um dann nach einem scharfen Rechtsschwenk ohne Markierung nach Königstein zu gelangen.

GEHZEITEN. Halbestadt – Lilienstein 1 1/4 Std. – Halbestadt 1 1/4 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour4 km
Höhenunterschied302 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKönigstein, Schiffsanlegestelle
EndpunktKönigstein, Schiffsanlegestelle
TourencharakterRundwanderung auf bequemen Wegen, teilweise Schatten; Abstieg vom Lilienstein schmal, anfangs über eine Metalltreppe
Hinweise
DIE EBENHEIT. Entstanden ist die Ebenheit mit dem aufragenden Lilienstein in grauer Vorzeit. Zunächst noch eine ebene Platte aus Sandstein, floss die Urelbe gemächlich darüber hinweg nach Norden ab. Sie mäandrierte in großen Bögen und modellierte allmählich großflächig Ebenheiten heraus. Dabei ließ sie aber stellenweise Tafelberge und lange Felswände stehen. Im Laufe der Zeit bedeckte sich die Ebenheit mit fruchtbarem Ackerland. Bereits 1498 wird ein Waldhufendorf erwähnt, dessen Bewohner wahrscheinlich Fronleute einer Burganlage waren, die sich auf dem Gipfel des Liliensteins befand. Im 18. und 19. Jahrhundert siedelten in der Ebenheit Bauern, die Wohn-Stall-Häuser mit Fachwerkobergeschoss errichteten. Das Gebiet der Ebenheit war auch mehrfach Ort militärischer Auseinandersetzungen - Die Kroaten zerstörten im Jahre 1633 das Dorf Sellnitz, im Siebenjährigen Krieg kam es 1756 zu Kämpfen der Preußen mit der sächsischen Armee und 1813 verschanzten sich die Franzosen vor dem Lilienstein. Aus dieser Zeit stammt das Wohnhaus Nr. 25, ein Umgebindehaus am Napoleonsteig. Auch als Kaiserstraße bezeichnet, wurde der Napoleonsteig von den Franzosen im Befreiungskrieg 1813 angelegt. Er führte von Stolpen am Lilienstein entlang nach Königstein.
KartentippTopografische Karte 1 - 25000 mit Wanderwegen des Landesvermessungsamtes Sachsen, Blatt 43.
VerkehrsanbindungMit dem Auto auf der A4 oder A13 bis zur Anschlussstelle Dresden Altstadt und durch Dresden Richtung Pirna oder bis Autobahndreieck Dresden-West, auf der A17 bis Anschlussstelle Pirna und auf der B172 über Pirna bis Königstein. Mit der S-Bahn oder dem Schiff nach Königstein; per Bus von Bad Schandau
GastronomieHalbestadt - Landgasthof Müller, Halbestadt 17, Tel. 035022/42794. Auf dem Lilienstein: Felsgaststätte Lilienstein, Tel. 035022/40493 Ebenheit: Panoramahotel Lilienstein, Ebenheit 7, Tel. 035022/53100
Tipps
KLEINE GESCHICHTE DES LILIENSTEINS. Der Lilienstein wurde erstmals 1379 als Ylgenstein erwähnt. Der Name geht zurück auf St. Aegidius (St. Ilgen), einen französischen Einsiedler des 7. Jahrhunderts. Er war der Patron vieler Klöster und Kirchen. Möglicherweise lebte auch auf dem Lilienstein ein Einsiedler, weshalb der Berg mit diesem Namen in Verbindung gebracht wurde. Im 14. Jahrhundert befand sich auf dem Lilienstein eine Burganlage, deren Reste noch erkennbar sind.
Informationen
EINKEHR-TIPPS. Der traditionsreiche Landgasthof Müller in Halbestadt wurde 1851 als kleinbäuerliches Wohnhaus gebaut und bietet mit der reizvollen Gewölbestruktur im Gastraum historisches Flair. Von der großen Freiterrasse hat man einen schönen Blick auf die Elbe. Auf der Speisekarte stehen typisch sächsische Gerichte, die von der Chefin selbst zubereitet werden. Mit wundervoller Aussicht auf die Felsen der Sächsischen Schweiz und zur Festung Königstein lädt das reizvoll gelegene Panoramahotel Lilienstein in Ebenheit zu einem Besuch. Im Restaurant stehen täglich wechselnde Gerichte aus Großmutters Küche auf dem Speiseplan, die Originalrezepte gibt es auf Wunsch gleich mit dazu. Eine besondere Leckerei ist der »Deutsch-Französische Käse-Teller« mit verschiedenen würzigen Käse-Spezialitäten. Veranstaltungen wie Grillfeste, Sonnenwendfeier und Führungen zum Sonnenauf- oder -untergang, Candle-Light-Dinner runden das vielfältige Angebot ab.
Unterkunft
Königstein - Schräger’s Gasthaus, Kirchgasse 1, Tel. 035021/68352, www.schraegers-gasthaus.de. Halbestadt: Landgasthof Müller, Halbestadt 17, Tel. 035022/92929, www.Landgasthof-mueller.com Naturfreundehaus Königstein, Halbestadt 13, Tel. 035022/99471, www.nfhw.de. Ebenheit: Panoramahotel Lilienstein, Ebenheit 7, Tel. 035022/53100, www.hotel-lilienstein.de
Tourismusbüro
Haus des Gastes, Schreiberberg 2, 01824 Königstein, Tel. 035021/68261, touristinfo@koenigstein-sachsen.de, www.koenigstein-sachsen.de
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