Auf den höchsten Berg Liguriens

Gut markierte, aber anstrengende Gipfelbesteigung. Der Weg ist recht gut, nur der steile Wiesenhang an der Südwestflanke des Berges kann bei Nässe unangenehm sein. (Autor: Michael Pröttel)
Wir parken das Auto am Parkplatz direkt vor Verdeggia (1092m). Am ersten kleinen Haus des Bergdorfes befindet sich ein steinernes Willkommensschild. Hier wenden wir uns nach rechts und folgen einem betonierten Weg mit weißem Geländer (Markierung: zwei rote Punkte). Wir wandern am Haus mit der Nr.10 vorbei und wenden uns sogleich ein zweites Mal nach rechts in Richtung eines Brunnens und eines Heiligenschreins. Der nun gepflasterte Weg folgt einem Bachbett bergan, das wir schließlich auf einer Holzbrücke überqueren. Von jetzt an weisen gelb-rote Markierungen den Weg. Am nächsten Haus folgen wir dem Holzschild zum »Passo Collardente«. Der Weg gewinnt entlang eines mit Steineichen und Ahornbäumen bewachsenen Rückens stetig an Höhe. Erste schöne Blicke auf das oberste Argentina-Tal werden frei. Will man beim Aufstieg noch Schatten haben, ist ein früher Aufbruch übrigens ratsam, da die Südosthänge zeitig von Sonnenstrahlen gestreift werden.
Wir passieren zwei verfallene Häuser und gehen auf einen goldgelb leuchtenden Hang zu. Unzählige Ginsterbüsche sind für die Farbenpracht verantwortlich, dazwischen blühen wunderschöne Rosensträucher. Der gut markierte Weg folgt danach zunächst dem steileren Waldrand. Dann tritt er in den Wald ein und wird ein kurzes Stück flacher. Durch Farn hindurch gelangen wir zu einem weiteren verfallenen Gemäuer, welches schon zu den Case Vesignana gehört (1Std.). Wir stoßen auf einen Fahrweg und folgen diesem in zwei Kehren bergan, bis wir auf eine breite Fahrstraße treffen. Hier wenden wir uns einem Holzschild folgend nach links zum »Passo di Collardente«. Diesen erreichen wir nach etwa 20 Minuten über den zwar nicht besonders idyllischen, dafür aber erholsamen, da ebenen und breiten Fahrweg. Direkt unterhalb des Passes weist ein weiteres Holzschild »Monte Saccarello« auf einen rechts abzweigenden Pfad. Über diesen gelangen wir wenig später auf den 1600 m hohen Passo di Collardente (1:30Std.).
Dieser wurde 1794 von italienischen und französischen Truppen erbittert umkämpft. Mehr als 400 französische Soldaten mussten hier ihr Leben lassen. Ganz im Gegensatz dazu besitzt der Pass heutzutage eine ausgesprochen friedliche Atmosphäre. Man genießt von hier oben die Aussicht sowohl auf den zurückliegenden als auch auf den noch vor uns liegenden Wegverlauf: 500 der insgesamt 1100 hm sind bereits geschafft. Man trifft auf einen weiteren Fahrweg, dem man nach rechts folgt. Durch die erste »AV«-Markierung (Alta Via) werden wir gewahr, dass wir uns nun auf einem Teilstück des Ligurischen Höhenweges befinden; und mit Überschreitung des Passes für kurze Zeit auf französischem Gebiet. Nach wenigen Metern verlassen wir den Fahrweg und folgen von jetzt an dem gut markierten AV- Weg. Der Weg führt entlang des mit Lärchen und Kiefern bewachsenen Waldrückens, tangiert eine Schleife der Fahrstraße und erreicht sie noch einmal an einer Gabelung. Hier folgen wir dem schmaleren Fahrweg halb rechts. Nach 200 m verlassen wir auch diesen und folgen dem rechts abzweigenden AV-Pfad. Jetzt wird der Anstieg steiler und es empfiehlt sich, an einem schönen Aussichtsplatz mit Blick auf Verdeggia eine kleine Rast einzulegen, bevor man sich an das letzte Stück der Gipfelbesteigung heranwagt.
Der Weg folgt zunächst einem breiten Rücken, tritt aus dem Wald heraus und quert in recht steile Wiesenhänge, in denen unter anderem Trollblume und Teufelskralle wachsen. Nach einer Wegkehre gelangen wir bald zurück auf den Rücken. Hier erblicken wir in der Ferne einen auf einem Grat stehenden Felsturm und daneben markante Gesteinsschichten. Wir gehen in Richtung des Turmes und befinden uns bald auf der Westseite des Berges, wo uns ein riesiges rotes Meer leuchtender Alpenrosen empfängt – Mitte Juni ist die beste Zeit, um sie in voller Pracht zu erleben. Zu den Rosen gesellen sich die grünen Farbtupfer einiger Vogelbeeren und Lärchen.
Wir gehen schließlich auf eine Hangkante zu und stehen unvermittelt vor den weiten, sanften Nordhängen des Monte Saccarello. Von links führt ein Fahrweg bergan, der zu dem kleinen vor uns liegenden Skigebiet gehört. Rechts erblicken wir den Gipfel mit seinem weiß glänzenden Obelisk. Dieser wurde im Gedenken an fünf Alpinisten errichtet, die hier 1890 durch eine Lawine ums Leben kamen.
Keine zehn Minuten später haben wir den höchsten Punkt Liguriens, den Monte Saccarello (2200m, 3Std.), erreicht. Vor allem die grandiose Bergkulisse im Norden und Westen zieht unsere Blicke magisch an: Liegen die Höhen der Piemontgipfel (Monte Mongieoie 2630m, Monte Rotondo 2495m und Pizzo d'Ormea 2476m) noch weit unter der 3000-Meter-Marke, so wird diese von den französischen Seealpen zum Teil schon überschritten (Cime du Diable 2685m, Monte Bego 2873m, Mont Clapier 3045m). Im Osten folgen unsere Augen dem markanten ligurischen Hauptkamm. Erster Blickfang ist eine 14 m hohe Heiligenstatue aus Bronze an der Punta di Santa Maria. Die 1901 errichtete Skulptur wird »Redentore« genannt. Im weiteren Verlauf kulminiert der Kamm am Nachbargipfel des Monte Fronte (2152m). Geht man vom Obelisk in Richtung zu den alten Befestigungsanlagen, hat man einen schaurig schönen Tiefblick in die gewaltigen Südabbrüche. Diese sind umso frappanter, als die Nordseite so gemächlich abfällt. Der Abstieg erfolgt auf dem gleichen Weg. Wenn man Glück hat, führt der Bach oberhalb von Verdeggia (5:30Std.) noch Wasser, sodass man sich in seinen Gumpen erfrischen kann.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour6 km
Höhenunterschied1235 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz bei Verdeggia
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterHoch über dem Bergdorf Verdeggia bildet das Amphitheater des Monte Saccarello den imposanten Talschluss des Impero-Flusses. Mehr als 1000 hm sind zu bewältigen, bis man am höchsten Punkt Liguriens steht. Doch die Mühen des Anstiegs werden mit einer traumhaften Wanderung durch riesige Hänge von Ginster und Alpenrosen und nicht zuletzt einer gewaltigen Aussicht belohnt. Auch die relativ weite Anfahrt vom Meer lohnt, liegen doch die wunderschönen Bergdörfer Triora und Molini di Triora an der Strecke.
Beste Jahreszeit
KartentippCarta dei Sentieri e Rifugi, 1:50000, Nr.8, Istituto Geografico Centrale
Markierungenrote Punkte, dann gelb-rote Balken, schließlich »AV«
Verkehrsanbindungvom Argentina-Tal über Triora
GastronomieBar/Restaurant kurz vor Verdeggia
Unterkunft
Pensionen in Triora, Rifugio in Verdeggia
Tourismusbüro
Keine

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Italien
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