Auf den Alphubel, 4206 m

Gleißende Firnkuppe über Saas-Fee (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
Wer über den Kapellenweg von Saas-Grund nach Saas-Fee hochgeht,dem leuchtet schon bald die von ihrer Ostseite fast behäbig wirkende Schneekuppe des Alphubels zwischen den Zweigen der Lärchen entgegen. Ab der Kapelle zur Hohen Stiege wird der Anblick immer gewaltiger. Die Erstbesteigung dieses Viertausenders glückte im August 1860 wie so oft in der Geschichte der Westalpen einem Engländer: Sir Leslie Stephen mit den Führern Melchior Anderegg und Peter Perren. Wer vermag sich heute noch vorzustellen, wo Seilbahnen oft mehr als 1000 Höhenmeter Weg ersparen und Hütten in großen Höhen stehen, welche Mühen es zu jener Zeit kostete, einen anspruchvollen Berg zu bezwingen. Der Feegletscher reicht bis auf das ausgedehnte Gipfelplateau dieses mit 4206 Metern Höhe beliebten Hochtourenzieles über Saas-Fee.
Eine interessante Route führt von Westen (Ausgangspunkt Täschhütte im Mattertal) über den Alphubelgletscher und das Alphubeljoch auf den Gipfel. Weitaus häufiger wird der Berg jedoch von Osten aus dem Saastal erstiegen, zumal Bahnen den Alpinisten bereits hoch hinauftragen. Konditionsstarke und erfahrene Bergsteiger machen gerne die Überschreitung Allalinhorn – Alphubel. Mit dem Alpin Express (Luftseilbahn) zum Felskinn, weiter mit der unterirdischen Standseilbahn Metro Alpin zum Mittelallalin. Es folgt die Besteigung des Allalinhorns. Nach Rückkehr zum Feejoch geht es zum Feekopf. Jetzt gibt es einige Kletterpassagen (1 Std./2. Grad, recht luftig). Weiter zum Alphubeljoch und auf den Gipfel des Alphubels (4 Std.). Nach Abstieg zur Längflue (+ 2½ Std.) Talfahrt mit der Seilbahn nach Saas-Fee.
Vor dem Bau der unterirdischen Standseilbahn gehörten Allalinhorn und Alphubel zum Standardprogramm von der Längflue aus. Beide Gipfel werden heute auf der Normalroute vorwiegend vom Mittelallalin aus gemacht. Aller Technik zum Trotze wählen wir die Längflue als Ausgangspunkt. Statt mit der Seilbahn in luftige Höhen hinaufzu-gleiten, wollen wir hochwandern und am nächsten Morgen auf den Alphubel steigen.
Der Wegverlauf.
Hüttenanstieg zur Längflue: Beim Saaserhof die Dorfstraße nach rechts verlassen. Ein Weg führt am orografisch linken Ufer der Saaser Vispa entlang durch Wiesengelände an den Fuß der Gletschermoräne, die mit lichtem Lärchenwald bestanden ist. Vorbei am Gletschersee geht es in kurzem Anstieg zum idyllischen Café-Restaurant Gletscher-grotte (ca. 2000 m). Eindrucksvoll zeigen sich die dunklen, steilen Felswände von Täschhorn und Dom. Wir befinden uns auf dem Gemsweg (zwischen Hannig und Plattjen), von dem wir beim Wegweiser »Spielboden« nach rechts abbiegen und durch mäßig steiles Alpgelände weiter aufsteigen. Die fruchtbare Gletscheralp liegt am Fuße der Mischabelberge, zwischen zwei mächtigen Armen des Feegletschers eingebettet. Inmitten dieser wildromantischen Umgebung blüht eine üppige Alpenflora. Über das Murmeltierschongebiet verläuft der Steig hinauf zum Spielboden (2452 m).
Ein Saumpfad zieht sich über Gletscherschliffe mühelos höher hinauf in die Welt des ewigen Eises, zum Schluss über einen Moränengrat zum Bergrestaurant Längflue (2870 m). Die Bergstation der Seilbahn liegt wenige Meter tiefer. Wir haben jetzt viel Zeit, um die grandiose Berglandschaft zu erleben. Furchterregend ist der Blick auf den von Längs- und Querspalten zerrissenen Feegletscher. Wenn die Sonne hoch am Himmel steht, schimmert und glitzert es blaugrün aus der Tiefe herauf. Tagsüber herrscht ein unbeschreiblicher Rummel hier oben. Doch werden die Schatten erst länger und die letzte Seilbahn gleitet ins Tal hinab, dann kehrt unter Täschhorn und Dom, den dominierenden Felsgipfeln über der Längflue, die ersehnte Stille ein. Zarte Wolkenfetzen, vom letzten Sonnenlicht durchleuchtet, ziehen in der Höhe vorüber. Der Dom ist wolkenfrei – soll es ein Zeichen für gutes Wetter am kommenden Morgen sein?
Aufstieg zum Gipfel: Eine Stunde vor Tagwerden ist Aufbruch. Noch steht der Mond am Himmel. Wir stolpern aus der Helligkeit des Hauses in die Dunkelheit hinaus. Im Nu ist alle Müdigkeit verflogen. Einige Gruppen bereiten sich noch auf die Tour vor, legen Seilzeug an (oder lassen sich vom Bergführer einbinden) – andere sind bereits unterwegs. Schnell gewöhnt sich das Auge an das karge Licht. Wir folgen den Lichtern, die wie Glühwürmchen den steilen (von Tagesgästen zertrampelten) Hang hinaufziehen. Langsam beginnt der Morgen heraufzudämmern, die Stirnlampen können verstaut werden. Der Feegletscher gleicht einer arktischen Landschaft, übergossen von den rotgoldenen Farben eines fantastischen Sonnenaufganges. Unser Anstieg führt über die spaltige Ostnordost-Flanke und erreicht eine Steilheit bis zu 40°. Hier ist es wichtig, die Schneefläche auf versteckte Gletscherspalten aufmerksam zu beobachten und Schneebrücken auf ihre Tragfähigkeit hin zu prüfen. Zum Schluss ist noch ein Bergschrund zu bewältigen, der es in sich hat. Weniger Erfahrene können hier auf eine harte Probe gestellt werden, aber in Begleitung eines Bergführers wird es kaum Probleme geben.
Dann stehen wir mit den Freunden auf dem Gipfel des Alphubels (4206 m). Die Rundschau ist gewaltig: Hinter Rimpfischhorn und Strahlhorn breitet sich im Süden über einem Gletschermeer die Monte-Rosa-Gruppe aus – markant reckt sich im Südwesten das Matterhorn gegen den Himmel, nach Westen schließen sich Dent Blanche, Obergabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn an. Geht der Blick nach Norden, bauen sich unmittelbar vor uns Täschhorn und Dom auf – etwas ferner liegt die Kette der Berner Alpen über dem Rhonetal.
Abstieg zur Längflue und Rückkehr ins Tal: Nach langer Gipfelrast wieder Aufbruch. Den Gletscherspalten gilt jetzt noch mehr Aufmerk-samkeit als am Morgen. Je mehr wir an Höhe verlieren, desto sulziger wird der Firn. Zu Fuß braucht es von der Längflue ins Tal etwa 2½ Stunden – aber nach einer so runden Gipfeltour entscheiden wir uns für die Talfahrt mit der Seilbahn nach Saas-Fee.
Weitere Tourenvorschläge.
• Eindrucksvolle Gletscher-/Bergwanderung von der Längflue zur Britanniahütte (2½ Std.), weiter zum Stausee Mattmark (4½ Std.). Gletschererfahrung und -ausrüstung erforderlich, Unerfahrene nur mit Bergführer.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied2440 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
StartortSaas-Fee (1792 m) im Saastal.
AusgangspunktSaas-Fee (1792 m) im Saastal.
EndpunktWie Ausgangspunkt.
Tourencharakterkombinierte Bergwander-/Hochgebirgstour (2-tägig). Berg- und Gletschererfahrung unbedingt nötig (sonst nur mit Bergführer).
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1:50 000, Blatt 284 T (Mischabel; mit eingezeichneten Routen).
Verkehrsanbindungsiehe Tour 10.
GastronomieCafé-Restaurant Gletschergrotte; Bergrestaurant Spielboden (Zwischenstation der Seilbahn zur Längflue).
Unterkunft
Panorama-Restaurant Längflue (Endstation der Seilbahn von Saas-Fee), Touristenlager mit Halbpension, Tel. 027/957?21?32 (Hütte), 027/958?19?00 (TaL).
Tourismusbüro
Saas-Fee, siehe Tour 15.

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