Auf das Weissmies, 4017 m

Beliebter Viertausender von Saas-Grund (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
Trotz Spaltenzonen, einem je nach Verhältnissen unangenehmen Gletscherbruch sowie steiler, eisschlaggefährdeter Passagen wird das Weissmies als leichter Viertausender bezeichnet und von Nordwesten her entsprechend häufig besucht. Dabei ist die Klassifizierung bei derartigen Gipfeltouren nicht ungefährlich, haben hier doch die Gefahren des Hochgebirges (Gletscherspalten, Eisschlag, Wetterumschlag, Nebeleinfall, Kälte) ganz besondere Bedeutung (s.a. »Wichtiges auf einem Blick«). Gute Geher schaffen die Weissmies-Tour durchaus an einem Tag – d.h. ohne Nächtigung auf einer Hütte –, indem sie die erste Gondelbahn-Bergfahrt nach Hohsaas nehmen und sich beeilen, die letzte Talfahrt nicht zu versäumen. Allerdings sei dahingestellt, wann der Erlebniswert größer ist: wenn die Gipfeltour wie oben beschrieben an einem Tag »abgehakt« wird oder eine Hüttennächtigung vorangeht – ob nun auf der höher gelegenen Hohsaashütte oder auf der Weissmieshütte mit echtem Hüttenflair. Wer außerdem noch das Fletschhorn oder das Lagginhorn machen will, wählt ohnehin die Weissmieshütte als Stützpunkt – so auch wir. Wer nicht so hoch hinaus will wie in unserem Tourenvorschlag, sollte die Bergstation Hohsaas als Startpunkt für einen herrlichen Rundweg in 3300 Metern Höhe mit einmaliger Aussicht wählen: »Die 18 Viertausender rund um das Saastal«. Interessante Info-Tafeln (seit 2008 erweitert) geben u.a. Auskunft zu den Themen Gletscher, Flora und Fauna. Gehzeit ca. 60 Minuten. Informationen erhältlich in den Tourismus-Büros.
Der Wegverlauf.
Am späten Nachmittag von Saas-Grund mit der Gondelbahn zum Kreuzboden und in ¾ Std. hoch zur Weissmieshütte, wo wir übernachten und am nächsten Morgen im Dunkeln aufbrechen. Wo geht es jetzt entlang? Am Tage sieht alles so einfach aus, doch morgens bei Dunkelheit…? Da muss man rasch handeln, denn im Nu sind aufbrechende Gruppen verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Empfehlung für jede Hochtour: noch am Vortag Einstieg und Beginn der Route erkunden.
Der Aufstieg: Von der Hütte in östlicher, dann südlicher Richtung einem wenig ausgeprägten Pfad folgen. Schnell gewöhnt sich das Auge an die Dämmerung und empfindet das Mondlicht als angenehme Hilfe. Vor uns der schwache gespenstische Schein der Stirnlampen vorausgehender Seilschaften. Es ist nicht mehr weit zum Anseilplatz, der vom ersten Morgenlicht überflutet wird. Firndurchsetzte Felsbrocken leiten zu einer steilen, vereisten Platte hin. Dann geht es auf den Triftgletscher hinab. Fast eben zieht sich die Spur durch eine Gletschermulde zu ansteigendem Gelände hin, das ein Netz von Spalten durchzieht.
Von hier führt ein steiler Schneehang (etwa 40°) auf den Grat, der Trift- und Melligagletscher trennt. Die vorgetretenen Fußstapfen sind vereist. Man betritt den Grat oberhalb des felsigen Teils (etwa Höhe 3300). Weiter mäßig ansteigend über den breiten Firnrücken. Ab Höhe 3600 nehmen Wind und Kälte zu. Die ständige Steigung, Höhe und Kälte kosten Kraft. Wir steuern auf eine auffällige Kuppe (P. 3820) zu und gelangen bald an den Fuß des Gipfels. Über den verfirnten Südwestgrat schließlich zum höchsten Punkt des Weissmies (4023 m) empor.
Die Mühen des Anstieges werden mit einer großartigen Rundsicht belohnt. Edward Whymper pries sie als die schönste ihrer Art in den Alpen. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich die Mischabelgruppe mit Täschhorn, Dom, Lenzspitze und Nadelhorn. Fünf junge Bergsteiger verlassen den Gipfel in südöstlicher Richtung auf dem schmalen Firngrat zum Vorgipfel des Weissmies hin. Sie werden über einen Felsgrat zum Zwischbergenpass absteigen (zwischen Weissmies und Portjengrat; diese Route setzt Klettererfahrung voraus, da I. bis II. Grad) und durch das Almageller Tal ins Saastal zurückkehren (siehe Tour 13).
Der Abstieg: Auf dem Gipfel bleibt es sehr kalt. Da richtet man sich nicht erst häuslich ein in dieser Höhe. Um so mehr lockt der Abstieg in eine Symphonie aus Sonne, Schnee und Eis. Die Firnhänge sind voll ausgeleuchtet, zauberhaft das Glitzern der Eiskristalle. Durch diese faszinierende weite Schneelandschaft zogen die Seilschaften von heute, gestern und vorgestern …
Links und rechts gähnen tiefblaue Spalten. Das jetzt sulzige Steilstück im Triftgletscher lässt sich mit Hilfe des Pickels zügig absteigen. Dann eilen wir über die ebene Firnmulde und steigen zu der (nun nicht mehr vereisten) großen Felsplatte hoch. Ein letztes Mal gleitet der Blick zum Gipfel des Weissmies hinüber. Wie weit liegt schon alles wieder zurück: Aufbruch in der Dunkelheit und Stolpern über Blockwerk, der Hatscher über den Gletscher, die lange Steilstufe und schließlich der Gipfel …Nach ausgiebiger Mittagsrast auf der Weissmieshütte wandern wir zum Kreuzboden zurück und fahren mit der Gondelbahn hinab nach Saas-Grund.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour5 km
Höhenunterschied1700 m
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
StartortSaas-Grund (1559 m) im Saastal; Parkplatz bei der Talstation der Gondelbahn Saas-Grund – Kreuzboden – Hohsaas.
AusgangspunktKreuzboden (2383 m), Zwischenstation der Gondelbahn Saas-Grund – Kreuzboden – Hohsaas.
EndpunktWie Ausgangspunkt.
Tourencharaktervon Nordwesten (Weissmieshütte oder Hohsaashütte) reine Gletschertour. 2-Tages-Tour. Berg- und Gletschererfahrung unbedingte Voraussetzung, sonst nur mit Bergführer.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1:50 000, Blatt 284 T (Mischabel; mit eingezeichneten Routen).Wanderkarte Saas-Fee, siehe Tour 11.
Verkehrsanbindungsiehe Tour 10.
GastronomieBergrestaurant Kreuzboden (Zwischenstation der Gondelbahn Saas-Grund – Kreuzboden – Hohsaas).
Tipps
Klettersteige im Saastal Ab Saas-Fee, Saas-Grund und Saas-Almagell gibt es einige interessante Klettersteige, die entsprechende Kenntnisse und alpine Erfahrungen voraussetzen, sonst nur mit Bergführer (z.B. Bergführerverein Saastal in Saas-Fee, Bergsteigerschule Saas-Grund u.a.m.): * Klettersteig Jägihorn * Via Ferrata del Lago * Klettersteig Mittaghorn * Gorge Alpin Es ist empfehlenswert, sich vor Antritt solcher Unternehmungen zu erkundigen, ob der jeweilige Klettersteig geöffnet ist. Auskunft erteilen die Tourismusbüros des Saastales. Ferner im Internet unter: www.saas-fee.ch, www.saas-grund.ch, www.saas-almagell.ch, www.weissmies.ch
Unterkunft
Weissmieshütte (2726 m), 138 Schlafplätze, bewartet Ende Juni bis Ende September, Tel. 027/957 25 54 (Hütte), 027/957 24 81 (Tal); Hohsaashütte (3140 m, neben der gleichnamigen Bergstation der Gondelbahn von Saas-Grund), Burgergemeinde Saas-Grund, 80 Schlafplätze, bewartet Mitte Juni bis Ende September, Tel. 027/957 17 13 (Hütte), 027/957 17 08 (Tal).
Tourismusbüro
Saas-Almagell und Saas-Grund, siehe Tour 15.

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