Auf das Weissmies, 4017 m

von Nordwesten (Weissmieshütten oder Hohsaashütte) reine Gletschertour. 2-Tagestour. Berg- und Gletschererfahrung unbedingte Voraussetzung, sonst nur mit Bergführer. (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
Am späten Nachmittag von Saas Grund mit der Gondelbahn zum Kreuzboden und in 3¼4 Std. hoch zu den Weissmieshütten. Im Westen verfärbt sich der Himmel bereits goldgelb und wenig später blutrot. Wie ein glühender Feuerball versinkt die Sonne hinter dem Nadelgrat. Nach viel zu kurzer Nacht und einem raschen Frühstück geht es vor die Hüttentür. Es ist draußen unverhältnismäßig warm. Am Abend hatten sich Föhnfische am Himmel gezeigt – wird das Wetter halten? Der Mond wirft sein fahles Licht über die noch schlummernde Land-schaft. Wo geht es jetzt entlang? Am Tage sieht alles so einfach aus, doch morgens bei Dunkelheit…? Da muss man rasch handeln, denn im Nu sind aufbrechende Gruppen verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Empfehlung für jede Hochtour - noch am Vortag Einstieg und Beginn der Route erkunden. Der Aufstieg: Von der Hütte in östlicher, dann südlicher Richtung einem wenig ausgeprägten Pfad folgen. Schnell gewöhnt sich das Auge an die Dämmerung und empfindet das Mondlicht als angenehme Hilfe. Vor uns der schwache gespenstische Schein der Stirnlampen vorausgehender Seilschaften. Es ist nicht mehr weit zum Anseilplatz, der vom ersten Morgenlicht überflutet wird. Firndurchsetzte Felsbrocken leiten zu einer steilen, vereisten Platte hin. Dann geht es auf den Triftgletscher hinab. Fast eben zieht sich die Spur durch eine Gletschermulde zu ansteigendem Gelände hin, das ein Netz von Spalten durchzieht. Von hier führt ein steiler Schneehang (etwa 40°) auf den Grat, der Trift- und Mälligagletscher trennt. Die vorgetretenen Fußstapfen sind vereist. Der Atem geht schnell, das Herz schlägt bis zum Halse und kommt erst beim obersten Absatz der Steilstufe wieder etwas zur Ruhe. Man betritt den Grat oberhalb des felsigen Teils (etwa Höhe 3300). Weiter mäßig ansteigend über den breiten Firnrücken. Ab Höhe 3600 nehmen Wind und Kälte zu. Die ständige Steigung, Höhe und Kälte kosten Kraft. Wir steuern auf eine auffällige Kuppe (P. 3820) zu und gelangen bald an den Fuß des Gipfels. Über den verfirnten Südwestgrat schließlich zum höchsten Punkt des Weissmies (4023 m) empor. Es ist erst 9 Uhr, also noch früh am Morgen. Die Mühen des Anstieges werden mit einer großartigen Rundsicht belohnt. Edward Whymper pries sie als die schönste ihrer Art in den Alpen. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich die Mischabelgruppe mit Täschhorn, Dom, Lenzspitze und Nadelhorn. Fünf junge Bergsteiger verlassen den Gipfel in südöstlicher Richtung auf dem schmalen Firngrat zum Vorgipfel des Weissmies hin. Sie werden über einen Felsgrat zum Zwischbergenpass absteigen (zwischen Weissmies und Portjengrat; diese Route setzt Klettererfahrung voraus, da I. bis II. Grad) und durch das Almageller Tal ins Saastal zurückkehren (siehe Tour 13). Der Abstieg: Auf dem Gipfel bleibt es sehr kalt. Da richtet man sich nicht erst häuslich ein in dieser Höhe. Um so mehr lockt der Abstieg in eine Symphonie aus Sonne, Schnee und Eis. Die Firnhänge sind voll ausgeleuchtet, zauberhaft das Glitzern der Eiskristalle. Oft bleiben wir stehen. Wie hat sich das Bild während der letzten zwei Stunden ver-ändert – bizarre Wechten, steile Hänge, liebliche Mulden und weiter unten gigantische Gletscherspalten. Durch diese faszinierende weite Schneelandschaft zogen die Seilschaften von heute, gestern und vor-gestern … Die Sonne brennt auf Gesicht und bloße Arme. Schneebrü-cken, die am Morgen noch dem Gewicht standhielten, sind gefährlich weich geworden und müssen übersprungen werden. Links und rechts gähnen tiefblaue Spalten. Das jetzt sulzige Steilstück im Triftgletscher lässt sich mit Hilfe des Pickels zügig absteigen. Dann eilen wir über die ebene Firnmulde und steigen zu der (nun nicht mehr vereisten) großen Felsplatte hoch. Ein letztes Mal gleitet der Blick zum Gipfel des Weissmies hinüber. Wie weit liegt schon alles wieder zurück: Aufbruch in der Dunkelheit und Stolpern über Blockwerk, der Hatscher über den Gletscher, die lange Steilstufe und schließlich der Gipfel … Nach ausgiebiger Mittagsrast auf den Weissmieshütten wandern wir zum Kreuzboden zurück und fahren mit der Gondelbahn hinab nach Saas Grund. Rückfahrt: von Grächen per Bus nach St. Niklaus, weiter per Bahn nach Stalden und von dort mit dem Bus nach Saas Fee. Tour-Ausgangsort gut erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Höhenweg Wanderung

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied1700 m
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
StartortSaas Grund (1559 m) im Saastal; Parkplatz bei der Talstation der Gondelbahn Saas Grund – Kreuzboden – Hohsaas.
AusgangspunktKreuzboden (2383 m), Zwischenstation der Gondelbahn Saas Grund – Kreuzboden – Hohsaas.
TourencharakterTrotz Spaltenzonen, eines je nach Verhältnissen unangenehmen Gletscherbruches sowie steiler eisschlaggefährdeter Passagen wird das Weissmies als leichter Viertausender bezeichnet und von Nordwesten her entsprechend häufig besucht. Dabei ist die Klassifizierung bei derartigen Gipfeltouren nicht ungefährlich, haben hier doch die Gefahren des Hochgebirges (Gletscherspalten, Eisschlag, Wetterumschlag, Nebeleinfall, Kälte) ganz besondere Bedeutung (s.a. Praktische Hinweise). Gute Geher schaffen die Weissmiestour durchaus an einem Tag – d.h., ohne Nächtigung auf einer Hütte –, indem sie die erste Gondelbahn-Bergfahrt nach Hohsaas nehmen und sich beeilen, die letzte Talfahrt nicht zu versäumen, denn das müssten sie mit zusätzlichen 1500 Höhenmetern Abstieg nach Rückkehr vom Gipfel teuer bezahlen. Allerdings sei dahingestellt, wann der Erlebniswert größer ist - wenn die Gipfeltour wie oben beschrieben an einem Tag abgehakt wird oder eine Hüttennächtigung vorangeht – ob nun auf der höher gelegenen Hohsaashütte oder auf den Weissmieshütten mit echtem Hüttenflair. Wer außerdem noch das Fletschhorn oder das Lagginhorn machen will, wählt ohnehin die Weissmieshütten als Stützpunkt – so auch wir. Schwierigkeit: Gletscher Dauer: gesamt 81/2–9 Std. (bei Gondelfahrt wie oben; ab Hohsaas ca. 2–3 Std. weniger); Kreuzboden – Weissmieshütten 3/4 Std.; Weissmieshütten – Triftgletscher – Nordwestrücken – Süd-westgrat – Weissmiesgipfel 41/2 bis 5 Std.; Weissmiesgipfel – Weissmieshütten – Kreuzboden 31/2 Std. Höhenunterschied: ? 1700 m, ? 1700 m (bei Gondelbahnfahrt Saas Grund – Kreuzboden – Saas Grund; ab Hohsaas ca. 550 m weniger Auf- und Abstieg); Kreuzboden – Weissmieshütten ? 350 m; Weissmieshütten – Triftgletscher – Nord-westrücken – Südwestgrat – Weissmiesgipfel ? 1350 m; Weissmiesgipfel – Weissmieshütten – Kreuzboden ? 1700 m.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1 - 50000, Blatt 284 T (Mischabel; mit eingezeichneten Routen).
VerkehrsanbindungÖV - mit der Matterhorn Gotthard Bahn nach Stalden und von dort mit dem Bus nach Saas Fee. Auto: von Visp/ Rhonetal südwärts ins Vispertal nach Stalden, hier links ab ins Saastal und über Saas Grund nach Saas Fee. Parkplatz am Ortseingang. Am späten Nachmittag von Saas Grund mit der Gondelbahn zum Kreuzboden und in 3/4 Std. hoch zu den Weissmieshütten. Im Westen verfärbt sich der Himmel bereits goldgelb und wenig später blutrot. Wie ein glühender Feuerball versinkt die Sonne hinter dem Nadelgrat. Nach viel zu kurzer Nacht und einem raschen Frühstück geht es vor die Hüttentür. Es ist draußen unverhältnismäßig warm. Am Abend hatten sich Föhnfische am Himmel gezeigt – wird das Wetter halten? Der Mond wirft sein fahles Licht über die noch schlummernde Land-schaft. Wo geht es jetzt entlang? Am Tage sieht alles so einfach aus, doch morgens bei Dunkelheit…? Da muss man rasch handeln, denn im Nu sind aufbrechende Gruppen verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Empfehlung für jede Hochtour: noch am Vortag Einstieg und Beginn der Route erkunden.
GastronomieBergrestaurant Kreuzboden (Zwischenstation der Gondelbahn Saas Grund – Kreuzboden – Hohsaas).
Höchster Punkt
Weissmies, 4017 m
Unterkunft
Weissmieshütten (2726 m), 135 Schlafplätze, bewartet Ende Juni bis Ende September, Tel. 027/9572554 (Hütte), 027/957 24 81 (Tal); Hohsaas-Hütte (3101 m, neben der gleichnamigen Bergstation der Gondelbahn von Saas Grund), Burgergemeinde Saas Grund, 40 Schlafplätze, bewartet Mitte Juni bis Ende September, Tel. 027/9571713.
Tourismusbüro
Saas Almagell und Saas Grund, siehe Tour 15.

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