Auf das Sidelhorn

Recht kurze, aber etwas raue Gipfeltour. Trittsicherheit ist wichtig, Vorsicht beim Abstieg in verblocktem Gelände. Vom Sidelhorn großesPanorama, einmalig der Blick auf das Eisrevier der Aargletscher. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Gerade zwei Gehstunden über dem Grimselpass erhebt sich das Sidelhorn (2764 m) – ein Halbtagesziel für gute Wanderer, und ein richtig lohnendes dazu. Denn der unscheinbare, dunkle Rücken südwestlich über dem Pass bietet eine faszinierende Rundschau, die bis zu den Walliser Viertausendern reicht. Blickfang auf dieser Tour ist die Grimselregion mit ihren Stauseen und der vielgewundenen Passstraße. Die wiederum gehört zu jener Drei-Pässe-Fahrt in den Zentralschweizer Alpen, die vor allem bei den Zweiradlern einen legendären Ruf genießt: Furka – Grimsel – Susten. Vom Sidelhorn aus genießt man freie Sicht auf den Furkapass (2429 m) und seine Straße, die von Gletsch aus in weiten Schleifen ansteigt. Fast verschwunden ist dagegen jener Eisstrom, der dem Weiler seinen Namen gab: der Rhonegletscher. Kaum zu glauben, dass dessen Zunge vor gut hundert Jahren noch bis in den Talboden hinab reichte! Als ein kümmerlicher Rest seiner selbst liegt er mittlerweile in dem von ihm selbst ausgeschürften, mächtigen Becken. Eisige Geschichte Stark zurückgegangen ist auch der Unteraargletscher, der von zwei großen Eisströmen, dem Lauteraar- und dem Finsteraargletscher, gespeist wird. Von hoher Warte aus betrachtet, wirkt er recht unansehnlich, trägt er doch einen dicken, vielfarbigen Schuttpanzer: Gestein aus den übersteilen Flanken der Viertausender, die ihn überragen. Auf den Aargletschern forschten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwei Pioniere der Glaziologie, Franz Josef Hugi und später vor allem Jean Louis Agassiz. Der aus Fribourg stammende Agassiz gilt als Begründer der Eiszeittheorie: Er führte am Unteraargletscher erste Tiefenbohrungen durch (und ließ sich dabei in eine Gletschermühle abseilen!), maß die Fließgeschwindigkeit und bestimmte die Dicke des Eises. Er verbrachte mehrere Sommer auf dem Gletscher, im sogenannten »Hôtel des Neuchâtelois«, einer recht einfachen Bleibe unter einem mächtigen Felsblock. So ganz weltfern waren Agassiz und seine Helfer aber nicht; im Sommer 1842 gab er ein Fest auf dem Eis, an dem zahlreiche Haslitaler und eine Musikergruppe aus dem Goms teilnahmen: »Der Ball dauerte bis spät in die Nacht hinein, und obgleich der Fußboden nicht sehr glatt und die Musik noch holperiger war, so wurde doch mit viel Ausdauer getanzt. So lang die Alpen, so war dies wohl der erste Ball auf einem Gletscher.« Auf das Sidelhorn Der Aufstieg beginnt direkt am Grimselpass (2164 m) und folgt zunächst der Werkstraße zum Oberaarsee. Nach etwa 500 Metern verlässt man die Asphaltunterlage (Tafel) und biegt in den Weg ein, der in kurzen Kehren an dem felsigen Rücken ansteigt. Bei der Husegghütte (2441 m) gabelt sich die Route. Der rechte Weg führt flach zum Triebtenseewli, links leiten die rot-weißen Markierungen hinauf gegen den lang gestreckten Nordostgrat des Sidelhorns (schöne Gletscherschliffe). Man folgt ihm bis zum Fuß des blockigen Gipfelaufbaus, steigt dann, gelegentlich auch mal die Hände zu Hilfe nehmend, hinauf zum höchsten Punkt (2 Std.). Abstieg auf dem gleichen Weg.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour3 km
Höhenunterschied600 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortOberwald (1368 m), oberstes Dorf im Goms
AusgangspunktGrimselpass (2164 m)
EndpunktGrimselpass (2164 m)
TourencharakterGerade zwei Gehstunden über dem Grimselpass erhebt sich das Sidelhorn (2764 m) – ein Halbtagesziel für gute Wanderer, und ein richtig lohnendes dazu. Denn der unscheinbare, dunkle Rücken südwestlich über dem Pass bietet eine faszinierende Rundschau, die bis zu den Walliser Viertausendern reicht.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 265 T
MarkierungenWeiß-rot-weiß, gelbe Wegzeiger, Steinmännchen
VerkehrsanbindungVon Oberwald via Gletsch zum Grimselpass; von Norden ab Meiringen über Guttannen zum Pass. Postbuslinie
GastronomieEinkehrmöglichkeiten auf dem Grimselpass
Tipps
Am Gipfel des Sidelhorns; Blick zu den Urner Alpen Wenn’s unter dem Furkapass (2431 m) raucht (und riecht), dann bedeutet das: Die Dampfbahn ist unterwegs. Schnaubend zuckelt sie von Gletsch (1757 m) an der Zahnstange hinauf zum Scheiteltunnel unter dem Pass (2116 m): bis Realp im Urserental insgesamt 18 Nostalgie-Kilometer, nach der Stilllegung 1982 vor ein paar Jahren ins (Eisenbahn-)Leben zurückgeholt vom rührigen Verein Furka- Bergstrecke. Die beiden Dampfloks vom Typ HG 3/4, 1913 für die Furkalinie gebaut, wurden übrigens in den Achtzigerjahren im vietnamesischen Dschungel (!) wiederentdeckt, nachdem sie 1947 nach Frankreich verkauft worden waren. Kosten der Heimschaffungsaktion: 1,9 Millionen Fränkli! Zurzeit wird an der Wiederherstellung des Teilstücks Oberwald – Gletsch gearbeitet; nach seiner Festigstellung wird die gesamte Originalstrecke wieder in Betrieb sein. Die Furkabahn verkehrt vom 20. Juni bis Anfang Oktober jeweils Freitag, Samstag und Sonntag, vom 3. Juli bis 16. August täglich. Abfahrt in Gletsch 11.10 und 14.10 Uhr, in Realp 10.15 und 14.15 Uhr. Platzreservierung obligatorisch; Tel. 0848 00 01 44, E-Mail: reisedienst@ dfb.ch, www.furka-bergstrecke.ch
Informationen
Tourist-info Tourist-Information, Bahnhofstr. 22, CH-3860 Meiringen, Tel. 033/972 50 50, E-Mail: info@haslital. ch, www.alpenregion.ch
Höchster Punkt
Grimselpass (2164 m)