Auf das mächtige Sonnjoch

Etwas mühsame Bergtour, die Kondition und Trittsicherheit verlangt; nach längeren Regenfällen weniger empfehlenswert, weil dann die Wiesen um den Gramaialm-Hochleger ein einziger Sumpf sind; vom Gipfel überwältigende Aussicht. (Autor: Horst Höfler, Gerlinde M. Witt)
12 km
1400 m
6.00 h
Vom Alpengasthof Eng auf dem Weg zur Lamsenjochhütte, am besten auf dem etwas mühsamen Steig durch den Binsgraben, zum Binsalm-Niederleger (1502 m, Gastwirtschaft). Weiter in Ostrichtung auf dem Weg zum Westlichen Lamsenjoch, bis unterhalb der Hahnkamplspitze der Steig zum Gramaijoch abzweigt. Über den Binssattel (1901 m) und mit kurzem Abstieg dorthin (1834 m).Hierher auch vom Berggasthof Gramaialm (1265 m) im Falzturntal - Man wandert auf dem dortigen zur Lamsenjochhütte führenden Weg bis in den Gramaier Grund, wo nach rechts (nordwestlich) der Weg zum Gramaialm-Hochleger (Gastwirtschaft) abzweigt. Über ihn ins Gramaijoch.Nun wieder gemeinsam: Wir folgen den Markierungen immer nahe der südseitigen Abbrüche erst über gras- und latschenbewachsenes, später über schuttbedecktes Gelände, zuletzt über die Blöcke des Westkammes bis zum Gipfelkreuz.Die Aussicht vom Sonnjoch be-sticht durch Einblicke insbesondere in die nordseitigen Wände von Lamsen-, Spritzkar- und Grubenkarspitze. Deren 1000 Meter hohe Nordostwand gehört zu den eindrucksvollsten Karwendelwänden. Mein Freund Heinz Zembsch, der gebürtige Regensburger und in Berchtesgaden lebende Bergführer, trotzte ihr zusammen mit Bruno Wimmer, Franz Baumann und Klaus Minnermayer 1966 einen direkten Durchstieg ab. Eine Route, die zu den ganz großen Karwendeltouren zählt und nur selten wiederholt wird.Unmittelbar westlich gegenüber dem Sonnjoch ragt das Gamsjoch beeindruckend auf und im Nahbereich zeigt die Schaufelspitze felsiges Terrain. Klettergewohnte Bergsteiger fänden mit ihr, nach Ersteigung der Bettlerkarspitze über deren Nor- malroute, ein lohnendes Ziel. Abstieg: Man steigt am günstigsten wieder über die Anstiegs- routen ab. Es gäbe auch die Möglichkeit, nach Norden in den Bärenlahnersattel und von dort ins Falzturntal hinunterzusteigen. Aber das wäre für eine Berg- wanderung zu anspruchsvoll.

Dauer - Eng – Gramaijoch 2.15 Std.; Gramaijoch – Sonnjochgipfel 1.30 bis 1.45 Std.; Berggasthof Gramaialm – Gramaijoch 1.30 bis 1.45 Std.; Sonnjoch – Eng 2.15 bis 2.30 Std.; Sonnjoch – Berggasthof Gramaialm 2 Std. Höhenunterschied: Eng – Binssattel 698 m; Gramaijoch – Sonnjoch 623 m; Gegenanstieg Gramaijoch – Binssattel 67 m; Gramaialm – Gramaijoch 569 m.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied1400 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktAlpengasthof Eng (1203 m) oder Berggasthof Gramaialm (1265 m).
TourencharakterDas Sonnjoch ist die höchste und mächtigste Erhebung jenes Karwendelkammes, dem es seinen Namen gibt. Mit dem Westlichen Lamsenjoch schließt dieser Sonnjochkamm an den Karwendel-Hauptkamm an, der Große Ahornboden trennt ihn von der Gamsjochgruppe und das Falzturntal von der Rauhe-Knöll-Verzweigung. Zwar weist das Sonnjoch bis zu 1100 Meter hohe Wände auf, doch hat es mit seinem Südwestkamm eine Schwachseite, die es auch Bergwanderern ermöglicht, diesen stolzen Gipfel zu erreichen. Als Erstersteiger des Sonnjochs wird der Landvermesser Markus Vinzent Lipolt aus Hall genannt. 1843 stand er, der im gleichen Jahr auch Speckkar- und Lamsenspitze, den Laliderer Falk, das Gamsjoch und den brüchigen Rauhen Knöll erreichte, auf dem Sonnjochgipfel. Das war 27 Jahre vor der Ära Hermann von Barths! Die mächtigen Sonnjochwände zogen so berühmte Kletterkoryphäen wie Hans Dülfer und Hans Fiechtl, Ernst Schmid, vor allem aber die beiden Münchner Karl Schüle und Paul Diem an. Die hatten sich 1921 im Wilden Kaiser mit ihrer Verschneidung an der Predigtstuhl-Westwand unvergänglichen Kletterruhm eingeheimst. 1922 durchstiegen sie die Sonnjoch-Nordostwand mit ihren Stellen im oberen V. Schwierigkeitsgrad. Ein Jahr später glückte Paul Diem die erste Durchsteigung der 650 Meter hohen Nordwestwand im Alleingang. Die großzügigste Kletterführe, die Gerade Ostwand (VI–), wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg von vier Österreichern, unter ihnen der bekannte Wiener Leo Brankowsky, eröffnet. Auch Martl Pfeffer gehörte zu den Neutouren-Erschließern am Sonnjoch. 1932 starb Leo Maduschka in Pfeffers Beisein in der Civetta-Nordwestwand. 1937 fand Martin Pfeffer in einer Lawine am Nanga Parbat den Bergsteigertod.
Beste Jahreszeit
KartentippAlpenvereinskarte Karwendelgebirge, Östliches Blatt, 1 - 25 000; Österreichische Karte Blatt 119 (Schwaz), 1:50 000; Freytag & Berndt-Wanderkarte 321 (Achensee, Rofan, Unterinntal), 1:50 000; Kompass-Wanderkarte 26 (Karwendelgebirge), 1:50 000.
VerkehrsanbindungIn die Eng auf der mautpflichtigen Straße durch das Rißtal (siehe Tour 8); RVO-Bergsteigerbus von Lenggries. Zur Gramaialm von Pertisau am Achensee auf der Falzturntal-Mautstraße. Günstig gelegene Bahnstation (BOB) ist Tegernsee; von dort Busverbindung nach Pertisau. Ab hier Nostalgiebus zur Gramaialm.
GastronomieGramai-Hochleger-Schutzhütte (1750 m), privat, bewirtschaftet Anfang Mai bis Mitte Oktober, 16 Schlafplätze, Vergünstigung für AV-Mitglieder, Tel. - 0043/5243/5166. n Binsalm-Niederleger n Alpengasthof Eng (1203m), privat, bewirtschaftet von Mitte Mai bis Ende Oktober, über 60 Schlafplätze, Tel.: 0043/5245/206. n Berggasthof Gramaialm n Wirtshaus Falzturnalm.
Unterkunft
Gramai-Hochleger-Schutzhütte (1750 m), privat, bewirtschaftet Anfang Mai bis Mitte Oktober, 16 Schlafplätze, Vergünstigung für AV-Mitglieder, Tel. - 0043/5243/5166. Binsalm-Niederleger Alpengasthof Eng (1203m), privat, bewirtschaftet von Mitte Mai bis Ende Oktober, über 60 Schlafplätze, Tel.: 0043/5245/206. Berggasthof Gramaialm Wirtshaus Falzturnalm.

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