Am Ufer des Walchensees

Von Urfeld nach Niedernach und zurück.
Zunächst auf asphaltierten Anliegerstraße fast ohne Autoverkehr, dann folgt ein längeres Stück auf einem Uferpfad und abschließend eine Forststraße. (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
Die Kesselbergstraße.
Erst Ende des 15. Jh. wurde die Straße zwischen Kochel- und Walchensee über den Kesselberg gebaut. Damit stand die kürzeste Verbindung zwischen München und Innsbruck zur Verfügung. Etwa zu dieser Zeit entstanden auch die ersten Ansiedlungen in der Umgebung von Urfeld. Für den Namen »Walchensee« gibt es mehrere Deutungen: zum einen das Lateinische »Lacus vallensins«, was »ein im Tal gelegener See« bedeutet, zum anderen nimmt man an, dass der Name von den Walchen oder Welschen hergeleitet wird, die sich in dieser Gegend angesiedelt hatten.
Ringsum von Bergen umgeben hat der Walchensee mit seinem dunkelblauen bis dunkelgrünen Wasser einen unverwechselbaren Charakter. Seine einzigartigen Stimmungen sind in Spätwerken des Malers Lovis Corinth ebenso festgehalten wie in den Erzählungen Johann Wolfgang von Goethes, der auf seiner Reise nach Italien einige Tage hier verweilte. Auch der Märchenkönig Ludwig II. war immer dann am Walchensee zu Gast, wenn er im Königshaus auf dem Herzogstand nächtigte.
Ärztliches Gutachten.
Wie hoch die Qualitäten des Walchensee einzuschätzen sind, zeigt ein Ende des 19. Jh. verfasstes Gutachten des Berliner Sanitätsrats Dr. Carl Rosenthal, damals wohnhaft Unter den Linden 48/49: »Auf Grund mehrjähriger eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass der Ort Walchensee, am gleichnamigen See in Oberbayern gelegen, nicht nur für durch intensive Tätigkeit Ermattete, sondern auch für Nervöse, Neurastheniker, Blutarme und endlich auch für Rekonvaleszenten zu längerem Aufenthalte außerordentlich geeignet erscheint. Die großen Vorzüge des genannten Ortes liegen zunächst in seiner Höhenlage, seinem allseitigen Schutz vor Winden, seinen ausgedehnten Hochwaldungen und seinen vielfach mit schönstem Alpenblumenflor bestandenen Wiesen, wodurch eine alpine, äußerst kräftigende und die Nerven stärkende Luft gewährleistet wird; ferner in der Möglichkeit, jeglichen gesunden Sport zu treiben, wie Spaziergänge in der Ebene, Bergsteigen, Radfahren, Rudern, Angeln, Baden usw., wozu im Winter noch Rodeln und ausgedehnter Eissport hinzutritt – alles Körperübungen, die durchaus geeignet sind, geschwächte Nerven zu stärken und die Gesundheit zu fördern. Schließlich sei auch nicht vergessen, dass der Ort eine eigene Quellwasserleitung hat, deren Trinkwasser vom hygienischen Standpunkte aus absolut einwandfrei ist. Hier kommt alles zusammen, um Walchensee zu einem Dorado für abgearbeitete und nervöse Menschen zu machen.«
Wassergewinnung im Kraftwerk.
Wirtschaftliche Bedeutung hat der Walchensee seit 1924 durch den Bau des Kraftwerks Kochelsee. Seitdem schießt durch sechs riesige Rohr das Wasser zum 200 Meter tiefer gelegenen Kochelsee und treibt dort die Turbinen zur Stromerzeugung an. Bei der Anfahrt nach Kochel kann man diese Rohre sehr gut in der Landschaft erkennen. Um den Wasserverlust wieder auszugleichen, wird dem Walchensee durch unterirdische Stollen über eine größere Entfernung Wasser aus dem oberen Teil der Isar sowie aus dem Rißbach zugeleitet.
Von Urfeld nach Sachenbach.
Unsere Wanderung am Nordostufer des Walchensees beginnt in Urfeld beim Hotel Post. Hier zweigt eine asphaltierte Anliegerstraße ab, die nur von den wenigen Bewohnern in Sachenbach befahren wird. Wir wandern auf dieser Straße direkt am Wasser entlang, während auf der anderen Seite dichter Wald steht. Durch die Bäume ist der Weg ziemlich windgeschützt, zudem scheint am frühen Nachmittag die Sonne hierher, weshalb die Wanderung auch an kühlen Tagen sehr angenehm ist.
Unterwegs kommen wir an einigen schönen Badestellen vorbei; im weiteren Verlauf wird es noch etliche mehr geben. Nach etwa 45 Min. Gehzeit erreichen wir den Weiler Sachenbach, wo ein Kiosk Erfrischungen anbietet. Gleich dahinter ragt eine kleine Halbinsel in den Walchensee, auf deren Südseite ein ruhiger Badeplatz zu finden ist.
Die Insel Sassau steht unter Naturschutz.
Ab Sachenbach wandern wir auf einem Forstweg, von dem wir aber kurz darauf rechts auf einen Pfad, der am Ufer entlangführt, abzweigen. Rund 20 Min. später stehen wir direkt vor der Insel Sassau, die unter Naturschutz steht und deshalb nicht betreten werden darf. Auf der Insel wachsen einige seltene Pflanzen, die es früher überall rund um den Walchensee gab, beispielsweise die Alpenrose oder die Sommerheide sowie etliche seltene Eiben.
Wir treffen im Bereich der Insel Sassau wieder auf den Forstweg und folgen diesem im Uferbereich bis nach Niedernach. Nach einer Rast in der Waldschänke und eventuell einem Bad im Walchensee machen wir uns auf dem gleichen Weg wieder zurück nach Urfeld.

Dauer: 3:30 Std.
Urfeld – Sachenbach 45 Min., Niedernach 1 Std., Sachenbach 45 Min., Urfeld 1 Std. ;
Motto: Wandern am Wasser
leichte Herbstwanderungen

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktUrfeld, Abzweigung beim Hotel Post
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDer Walchensee hat das ganze Jahr über seine Reize: Im Frühling leuchten die Wiesen in satten Farben, im Sommer lockt ein erfrischendes Bad, im Herbst kehrt Ruhe ein und im Winter hat man in der kristallklaren Luft beste Sicht auf die umliegenden schneebedeckten Berggipfel.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarte Nr. 182: Isarwinkel, 1:50 000
VerkehrsanbindungStündliche Verbindung mit der Bahn von München nach Kochel. Von dort fährt alle zwei Stunden der RVO-Bus Nr. 9610 Richtung Garmisch-Partenkirchen, Ausstieg in Urfeld. Mit dem Auto nimmt man die Autobahn A 95 München–Garmisch-Partenkirchen, Ausfahrt Murnau/Kochel. Von dort sind es 9 km nach Kochel am See und weitere 5 km auf der B 11 bis nach Urfeld. Kurz vor Urfeld kommt auf der rechten Seite ein Parkplatz.
GastronomieKiosk beim Bauernhof in Sachenbach: Kuchen, einfache Gerichte, Eis und Getränke, nur während der Sommermonate und bei schönem Wetter geöffnet; Gasthof Waldschänke in Niedernach, Tel.: 08043/397, bayerische Küche, große Terrasse, Do und Fr Ruhetag
Tipps
Den Walchensee Umrunden. Wer Zeit und Lust hat, kann die Wanderung auf der Südseite des Sees entlang der Mautstraße bis nach Einsiedel fortsetzen. Für diese knapp 10 Kilometer sind etwa 2:30 Std. Gehzeit einzuplanen. Von Einsiedel fährt alle zwei Stunden ein Bus zurück nach Urfeld. Blick von oben. Um den Walchensee einmal von oben betrachten zu können, bieten sich zwei Wanderungen an, die beide am Parkplatz bei den letzten Kehren der Kesselbergstraße beginnen. Vom See aus gesehen geht es an der Straße rechts hinauf zum Jochberg und links zum Herzogstand. Der Weg zum Gipfel des Jochbergs dauert etwa 2 Std., zur Spitze des Herzogstands ist man rund 3 Std. unterwegs. Bequemer und schneller geht es nur noch mit der Herzogstandbahn, deren Talstation am Westufer des Walchensees liegt. Gleichzeitig hat man vom Gipfel des Herzogstands einen fantastischen Blick auf das Alpenvorland und die Gipfel des Karwendel- und Wettersteingebirges.
Tourismusbüro
Tourist-Information, Ringstraße 1, 82432 Walchensee, Tel.: 08858/411, Fax: 08858/275, E-Mail: touristinfo@walchensee.net, Internet: www.walchensee.de; Verkehrsamt Wallgau, Rathaus, 82499 Wallgau, Tel.: 08825/92 50 50, Fax: 08825/92 50 66, E-Mail: tourist-information@wallgau.de, Internet: www.wallgau.de

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