Am Staffelsee

Nordische Seeidylle.
Bei der abwechslungsreichen Streckentour wird der Staffelsee fast komplett umrundet. Von kurzen Asphaltpassagen in Uffing und am Westufer abgesehen, wandern wir wechselweise auf Pfaden und breiten Kieswegen. Zwischen Uffing und Murnau Natur pur für die wahren Genießer. (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
16 km
20 m
4.00 h
Von Uffing zum Staffelsee.
Am Uffinger Bahnhof halten wir uns südwärts, bevor es auf der Eglfinger Straße gen Westen in den Ortskern geht. Nach Passieren des Maibaums stoßen wir auf Höhe des Rathauses auf die Murnauer Straße: Hier links bis zum Gasthof Zum See, dann rechts in die Seestraße; weiter links auf der Kirchbergstraße über eine kleine Hügelkuppe direkt zum Staffelsee. Der Uferweg führt uns rechts zum Strandbad Uffing; weiter südlich endet die Fahrstraße an einem Bauernhof, an dem ein bildhübscher Pfau zu Hause ist. Der Weg steigt wenige Meter an und führt zu einer saftigen Weide mit einzeln stehenden prachtvollen Eichen. In diesem Bereich gibt es zwischen dem Schilf einige hervorragende Badestellen mit Kiesstrand: Der flache Wasserpegel eignet sich bestens für Kleinkinder. Ein gutes Stück weit vom nächsten Autoparkplatz entfernt ist hier der Rummel nie sehr stark. Zudem zeigt sich der Staffelsee hier von seiner malerischsten Seite: So weit das Auge reicht, ist sein Ufer in sattes Baum- und Wiesengrün gebettet, kein Haus ist zu sehen und kein Auto zu hören. Diese in sich ruhende Landschaftsidylle erinnert an dünn besiedelte Teile Schwedens oder Norwegens ...
Flora und Fauna.
Dass wir immer tiefer in Moorgebiet eintauchen, zeigt sich an der spezifischen Pflanzenwelt: Die Feuchtwiesen sind voll mit rosa blühendem Knabenkraut, gelben Trollblumen, den eleganten, jedoch vom Aussterben bedrohten blauen Schwertlilien und dem Lungenenzian. Im Schutz des Schilfs brüten seltene Zugvögel, darunter der große Brachvogel – Europas größter Watvogel –, erkennbar an seinem langen Bogenschnabel und dem melodischen Ruf. Er ernährt sich und seine Brut von Schnecken, Insekten, Fröschen und Beeren. Auch das Braunkehlchen findet an diesem Biotop Gefallen.
Da der Staffelsee an seinem südwestlichen Ausläufer moorig und schilfbestanden ist, entfernt sich unser Weg vorübergehend von seinem Ufer. Zwischendurch wandern wir sogar auf einer kleinen Teerstraße in die Gegenrichtung, um dann auf einem Kiesweg wieder die Kurve zu kratzen. Nach einer Kiefernwaldpassage gelangen wir durch das Obernacher Moos – ein großzügiges Moor- und Wiesenplateau mit reichlich Wollgras und kleinen Bachzuläufen – und über eine hügelige Waldzone an das Südufer des Staffelsees. In diesem Bereich findet die Kreuzotter ihr ideales Rückzugsgebiet. Wie gezielt die Giftschlange auf Menschen reagieren kann, musste eine Frau beim Baden erfahren: Ein Biss und ab ins Hospital…
Am Südufer nach Murnau.
Der breite Weg führt nun stets am Südufer entlang, an einigen schönen Bade- und Angelstellen vorbei nach Murnau. Am Seeende stoßen wir auf eine Teerstraße und wenig später auf eine Kreuzung: Hier geht es erst ein kurzes Stück Richtung Seehausen, dann rechts am Minigolfplatz vorbei, den Wiesenhang empor und durch die Bahnunterführung schließlich zum Bahnhof.
Aus dem Blickwinkel von Gabriele Münter.
Wer noch Zeit und Muße hat, dem sei vor der Rückfahrt noch ein Besuch des sehenswerten Murnauer Schlossmuseums (Schlosshof 4–5, Tel.: 08841/47 62 07, täglich außer Mo 10–17 Uhr, Juli bis September Sa/So bis 18 Uhr, Eintritt Erwachsene 3,50 Euro, Kinder bis zu 2 Euro) ans Herz gelegt . Denn dort sind über 70 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken Gabriele Münters aus den Jahren 1902 bis 1958 ausgestellt. Ihre Arbeiten zeigen die malerische Landschaft rund um Murnau aus den verschiedensten Blickwinkeln; fast kommen sie einer Liebeserklärung an ihre Heimat gleich. Neben den Dauerausstellungen – außerdem: »Der Blaue Reiter«, Ödön von Horváth, Murnauer Landschaft/Murnauer Moos, Handel und Gewerbe, Federblumen und Hinterglasmalerei, Sammlung Udo Dammert, Murnauer Schloss und Malerei des 19. Jh. – gibt es übrigens immer wieder Sonderausstellungen.
Als 25-jährige Kunststudentin lernte Gabriele Münter (1877–1962) Wassily Kandinsky kennen und unternahm mit ihm mehrere Studienreisen. Diese Bekanntschaft sollte ihre künstlerische und persönliche Zukunft entscheidend prägen. 1908 entdecken beide im Sommer ihre Liebe für Murnau und den Staffelsee. Die weite klare Landschaft, die Straßenzüge und die Gebäude des Ortes und Motive des alltäglichen Lebens wurden auf einfache Grundformen reduziert; dazu die leuchtende und kontrastreiche Farbenwahl mit den typischen dunklen Umrisslinien. Obwohl sie Murnau immer wieder den Rücken zuwandte, zog es die bescheiden lebende Künstlerin gerade kurz vor ihrem Tod immer wieder dorthin zurück.
Originalmöbel, Erinnerungsstücke und weitere Bilder von Münter und Kandinsky sind im gelb getünchten Münter-Haus (Kottmüllerstr. 6, täglich außer Mo 14–17 Uhr) zu besichtigen.
Rückfahrt.
Murnau liegt auf der Zugstrecke Garmisch – München. Autofahrer nehmen den Zug eine Station bis zum Bahnhof Uffing; alternativ gelangt man mit dem Dampfer »Seehausen« (siehe Kasten) oder auf dem Staffelsee-Rundweg zurück zum Ausgangsort (zusätzlich 7 km und 1,5 Std.).

Dauer: 4 Std.
Bahnhof Uffing – Strandbad Uffing 30 Min., Obernacher Moos 1:30 Std., Bahnhof Murnau 2 Std. ;
Motto: Wandern am Wasser
Sommerwanderungen

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied20 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBahnhof Uffing
EndpunktBahnhof Murnau
TourencharakterSchöne größere Badeseen gibt es in Oberbayern zur Genüge, doch nur wenige sind so naturbelassen wie der Staffelsee. Hier findet man einsame Uferpartien, die abseits der Zivilisation fast an eine nordische Seenlandschaft erinnern.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarte Nr. 7: Murnau – Kochel – Staffelsee, 1:50 000
MarkierungenStaffelsee-Rundweg 1
VerkehrsanbindungMit der Deutschen Bundesbahn fast stündlich über Weilheim. Mit dem Auto ist die Anfahrt etwas komplizierter: A 95 Richtung Garmisch, Ausfahrt Sindelsdorf, weiter über die Orte Habach und Spatzenhausen zum Bahnhof Uffing.
GastronomieWirtshaus Klosterstüberl, Fürstenfeld, Tel.: 08141/52 68 19, Mo Ruhetag
Tipps
Lust auf eine kleine Bootspartie? Seehausen (2 km nördlich von Murnau) ist das Zentrum des Wassersports am Staffelsee. Hier kann man je nach Lust und Laune mit dem Ruder-, Tret- oder Elektroboot über den See kurven und zum Beispiel die Insel Buchenau ansteuern. Die Elektroboote sind an schönen Sommertagen rasch vergriffen, doch die eigene Muskelkraft wird dafür mit günstigeren Stundentarifen belohnt. Alternativ geht man beim Ausflugsschiff »Seehausen« an Bord und startet eine Seerundfahrt um die sieben kleinen Inseln (Abfahrt viermal täglich).
Tourismusbüro
Verkehrsamt Murnau, Kohlgruber Str. 1, 82418 Murnau, Tel.: 08841/614 10, Fax: 08841/34 91, E-Mail: verkehrsamt@murnau.de, Internet: www.murnau.de

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