Am Nuvolau

Abwechslungsreiche Wanderrunde mit zwei gesicherten Passagen am Anstieg zum Nuvolau. Wem die Ferrata Ra Gusela (K 1–2) zu schwierig ist, kann den Nuvolau auch umwandern (markierter Weg via Passo Giau, 2236 m, zur Forcella Averau). Im Bereich der Cinque Torri aufwendig rekonstruierte Stellungen aus dem Ersten Weltkrieg (Autor: Eugen E. Hüsler)
Panorama-Schauen.
Die Aussicht ist dann fürs Auge, was die Nudeln für den Gaumen: ein Genuss. Da zeigen die »Großen« ihre Schokoladeseite: die Tofane den gewaltigen Pfeilerbau der Rozes-Südwand, das markant gebänderte Cristallomassiv seine lang gestreckte Flanke, der Sorapiš sein Riesengemäuer, der Antelao die himmelwärts strebende Diagonale, und der Pelmo präsentiert sich als unbezwingbare Festung. Und fern im Westen blinkt der einzige richtige Gletscher der Dolomiten, jener der Marmolada.
Die Wanderung bietet also viel Aussicht, aber auch Einblicke, die eher nachdenklich machen: Im Bereich der Cinque Torri wurden ehemalige Stellungen aus dem Ersten Weltkrieg rekonstruiert – mit EU-Geldern.
Nach der Liftfahrt von der Großen Dolomitenstraße herauf entsteigt man der Bahn beim Rifugio Scoiattoli (2255 m). Eichhörnchen wird man hier allerdings vergeblich suchen, der Name bezieht sich auf die Cortineser Bergführer, deren bevorzugtes Trainings-gelände die Kanten, Wände und Kamine der Cinque Torri sind.
La Grande Guerra.
Von der Station sind es nur ein paar Schritte zu den ersten Stellungen des Freilichtmuseums (Museo Grande Guerra delle Cinque Torri). Man spaziert durch teilweise überdeckte Schützengräben, besucht eine Artilleriestellung mit Gerät und Personal, eine rekonstruierte Baracke und Maschinengewehrnester, steigt dabei treppab und -auf und genießt die herrliche Aussicht auf die Tofane, Fanisspitzen, Lagazuoi und Hexenstein – vor 90 Jahren alles Frontgebiet und entsprechend umkämpft. Dreisprachige Tafeln informieren über das historische Geschehen, aber auch über das harte Leben der Soldaten, die ihre Stellungen selbst im Winter halten mussten.
Der historische Lehrpfad führt nördlich an den Trümmerfelsen der Cinque Torri vorbei. Sie scheinen latent einsturzgefährdet: Erst im Sommer 2004 fiel eine rund 30 Meter hohe Nadel, der Torre Trephor, zusammen. Seine Überreste liegen unmittelbar oberhalb des Weges, der sich hier gabelt. Man folgt dem rechten Ast, quert ein Stück weit den Hang unterhalb des mehrfach gespaltenen Torre Grande und steigt dann ab zum Rifugio Cinque Torri (2137 m; 1 Std.). Es steht – wie die Fünf Türme – auf geologisch instabilem Grund: Vor gut 30 Jahren ging östlich unterhalb eine gewaltige Mure ab, die Boa Cinque Torri. Die fast einen Kilometer lange Schneise im Bosco de Saresin ist von der Großen Dolomitenstraße aus heute noch gut zu sehen.
Auf den Nuvolau.
Von der Hütte aus hat man das eigentliche Tourenziel, den Nuvolau, bereits im Blick, links flankiert von der Gusela. Nicht sichtbar sind die Gräben an der Ostflanke des Bergstocks, die aus einer – vermeintlich gemütlichen – Höhenwanderung ein ziemliches Auf und Ab machen. Zunächst geht’s flach über den Talboden zu den Crepe dei Rondi (2182 m), dann in kurzen Kehren zwischen den Felsen hinab ins innerste Val de ra Fontanes (ca. 2100 m). Nach einer etwas anhänglichen Gegensteigung schlängelt sich das Weglein mit schöner Aussicht auf den Zackenrücken der Croda da Lago (Cima d’Ambrizzola, 2715 m) zwischen Bergsturztrümmern hindurch. An der folgenden Verzweigung (ca. 2200 m; Schilder) hält man sich rechts und folgt der deutlichen Spur, die in Kehren über einen Schrofenhang zu einer Minischarte ansteigt. Dahinter geht’s unter den Felsen flach links zum Ansatzpunkt einer Steilrinne – die Schlüsselstelle der Wanderung. Drahtseile und etwas Armzug helfen auf das Karstplateau unter dem Nuvolau. Man quert es – gut auf die Markierungen achten! – und steigt dann am gestuften Südostgrat (Drahtseile, eine Leiter) hinauf zur Gipfelhütte (2574 m; 3.15 Std.).
Um den Averau herum.
Der Abstieg vom Nuvolau verläuft über den nur sanft geneigten Nordrücken. Vor sich hat man den Averau (2649 m), dessen Form ältere Semester möglicherweise an die Kulissenberge in John Fords Wildwestepen erinnert. Indianer gibt’s hier aber keine, dafür viel bunt gewandetes Wandervolk. In der Forcella Nuvolau (2416 m), am Fuß des schroffen Zackens, steht die Averauhütte. Aus der Senke führt eine deutliche Spur durch die westseitigen Geröllhänge unter dem Averau ohne größeres Auf und Ab hinüber zur Forcella Averau (2435 m; 4 Std.). Knapp jenseits der Scharte gabelt sich die Route (Tafeln): Man folgt dem rechten Weg, der über steinige (Blumen-)Wiesen und durch kleine Gräben (Penes de Fouzargo) zum Lago Límedes (2171 m) absteigt. Im Herbst droht das seichte Gewässer nach längeren Trockenperioden zu verlanden.
Der weitere Abstieg zur Großen Dolomitenstraße bietet dann nochmals Ausblicke auf Hexenstein, Lagazuoi und Falzáregotürme (2499 m). Letztere sind ein beliebtes Kletterrevier mit zahlreichen schönen Genussrouten. Die viel befahrene Falzáregostraße verläuft auf der orografisch linken Talseite und ein gut markierter und beschilderter Weg rechts des Bachs. So wandert man unbehelligt von Abgasen, dafür mit gelegentlichem Motorradheulen im Ohr, über den Pian dei Menìs hinab und zurück zur Talstation des Cinque-Torri-Sessellifts (5.45 Std.), immer wieder mit schönen Ausblicken auf die Südfront des Tofanamassivs.

Liftstation – Rifugio Cinque Torri 1 Std., zum Nuvolau 2.15 Std., zur Forcella Averau 45 Min., zurück zum Lift 1.45 Std. Insgesamt 5.45 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied960 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortCortina d’Ampezzo (1211m)
AusgangspunktBergstation des Cinque-Torri-Sessellifts (2255 m)
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterTofane (3244m), Cristallo und Sorapiš sind die großen, mächtigen Pfeiler im Westen und Osten der Conca d’Ampezzo, dem weiten Felsenrund des Nobel-Tourismusorts, der im Jahr 1956 die Olympischen Winter-spiele ausrichtete. Zur Frühmittagssonne hin zeigt sich eher Filigranes, stehen vergleichsweise kleine Gipfel wie jene der Croda da Lago (Cima d’Ambrizzola, 2715m), die Cinque Torri (2361m) und das Trio Averau (2649m), Nuvolau (2574m) und Gusela (2595m). Während die »Fünf Türme« als Klettergarten ebenso beliebt sind wie als Fotosujet, darf der Nuvolau das Prädikat für sich in Anspruch nehmen, der am meisten besuchte Berg der Ampezzaner Dolomiten zu sein. Das erstaunt weiter nicht, verkürzen Straßen und Lifte den Aufstieg doch zu einem besseren alpinen Spaziergang; dem Wanderer stellen sich keine nennenswerten Hindernisse in den Weg, und oben wird man zudem noch mit Pasta oder Strudel, mit Wasser oder Vino versorgt: Nuvolau, Panorama und Service inbegriffen.
Hinweise
Liftstation – Rifugio Cinque Torri 1 Std., zum Nuvolau 2.15 Std., zur Forcella Averau 45 Min., zurück zum Lift 1.45 Std. Insgesamt 5.45 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 03 »Cortina d’Ampezzo«
VerkehrsanbindungZur Talstation des Cinque-Torri-Sessellifts (1889 m) kommt man von Cortina d’Ampezzo bzw. vom Falzáregopass über die Große Dolomitenstraße. Bushalt. Der Cinque-Torri-Sessellift verkehrt in der Regel von Mitte Juni bis Anfang Oktober.
GastronomieRifugio Scoiattoli, Mitte Juni bis Anfang Oktober, Tel. 0346/867939. Rifugio Cinque Torri, Mitte Juni bis Ende September, Tel. 0436/2902. Rifugio Nuvolau, Mitte Juni bis Mitte September, Tel. 0436/867938. Rifugio Averau, Mitte Juni bis Ende September, Tel. 0436/4640
Tourismusbüro
Ufficio Informazioni, Corso Italia, I-32043 Cortina d’Ampezzo, Tel. +39/0436/27 11, cortina@infodolomiti.it, www.dolomiti.org

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Eugen E. Hüsler

Wanderführer Dolomiten Ost

Dieser Wanderführer präsentiert einen spannenden Mix zwischen Alt- und Unbekanntem, dazu viele interessante Tipps zur Region, ihren Eigenheiten.

Jetzt bestellen